Dienstag, 2. Oktober 2007

Dr. Eric Honegger - sein Frust- und die Medien

Eric Honegger - Sohn eines Bundesrates und ehemaliger erfolgreicher FDP Politiker- wechselte nach seiner Tätigkeit als Regierungsrat an die Spitze der SAirGroup. Er versuchte dort vergeblich die Strategie zu ändern. Dann folgte ein überraschender Bruch. Honegger wurde abgesetzt. Die SAirGroup ging unter. Trotz seines Freispruchs im Swissair Prozess ist der Name Eric Honegger mit dem unrühmlichen Ende der bekannten Schweizer Airline immer noch eng verbunden. Ich bin der Meinung, dass die FDP heute noch unter dem negativen Image von Honegger, Spörri, Kopp und Co. leidet.

Im 82. Linienberg-Gespräch (1. Oktober) stellte sich Honegger den Fragen des ehemaligen Chefredakteurs (Südkurier) Werner Schwarzwälder. Honegger antwortete spontan, offen und ehrlich und erzählte, wie er persönlich mit der Aechtung umgegangen ist. Trotz der Verarbeitung seines Frustes in seinem Buch "Erinnerunsprozess" verspürten die Zuhörer im Saal recht hautnah, dass Honegger den Knick - den Bruch in seinem Leben - immer noch nicht verarbeiten konnte. Es sprach ohne dynamische Akzente. Er sprach monoton. Der Stimme fehlte die Stütze. Honegger wirkte gezeichnet, das Gesicht - um Jahrzehnte gealtert. Ich nahm ihm ab, dass er sich einstellungsmässig völlig geändert hat und nach seinen Worten demütiger geworden ist. Während des Gesprächs kamen Honegger möglicherweise all die negativen Bilder wieder hoch:

Die Medien mussten für Vieles herhalten:

Die Medien hätten zu lange die Swissair in den Himmel gehoben und aus Personen Helden gemacht, um sie aber nach dem Gounding zu Buhmännern zu machen.

Für Honegger waren es die Medien welche die Swissair zum Grossereignis gemacht haben.

Sie kolportierten Worte, wie Korruption, anstatt saubere Berichterstattung zu betreiben.

Die sechs Jahre vor dem Prozess empfand Honegger als besonders schlimm. Partei, Freunde, Mitglieder der Verwaltungsrates schnitten ihn. Die Medien interessierte es nicht, wie schlimm es ihm und seiner Familie erging.

Er setzte sich ab. Er verkroch sich ein halbes Jahr, nahm keine Telefonate mehr ab und öffnete auch keine Briefe mehr. Honegger schilderte verschiedene offensichtliche Falschmeldungen der Medien (eine Falschmeldung sei im 10 vor 10 gesendet worden) er erwähne auch eine konkrete Fälschung von Unterlagen durch einen Journalisten. Alles waren - nach Honegger - Sachverhalte, die eindeutig falsch waren und hätten beanstandet werden können. Er habe jedoch damals bewusst nicht mehr geklagt, weil er am kürzeren Hebel sass. Der Ruf sei so ramponiert gewesen, dass niemand mehr hinter ihm gestanden hätte. Er wollte in Ruhe gelassen werden. Heute bereue er es nicht, dass er sich als Medienopfer sich nicht gewehrt hatte.

Erst beim Prozess habe er sich wieder den Medien gestellt. Er sei dann auch am Prozess bereit gewesen, Auskunft zu geben ( Bemerkung: Uebrigens als einer der wenigen).

Kommentar:

Es ist unbestritten, dass die Medien eine enorme Macht haben. Doch ist ihre Kontrollfunktion durchaus legal. Medien müssen und dürfen Sachverhalte hinterfragen. Es stimmt, dass leider heute weniger sauber recherchiert wird. Es geht tagtäglich um Primeure. Der Zeitdruck ist enorm und die Konkurrenz gnadenlos. Doch stimmt es nach meinen Erkenntnissen nicht (Wie von einem Diskutanten im Lilienberg-Gespräch behauptet wurde), dass die Qualität der Journalisten zurückgehe. Im Gegenteil: Immer mehr Journalisten lassen sich professioneller ausbilden. Ich finde es gut, dass Eric Honegger nach seinem Knick keine Seminar erteilt in Krisenkommunikation (so wie es leider Thomas Borer nach seinem unrühmlichen Verhalten in der Borer Affaire gemacht hat). Honegger zeigt heute Managern und Studierenden vor allem auf, wie man sich verhalten kann, nach einem Bruch in der Karriere oder Ehe. In diesem Bereich ist Honegger Spezialist. Er kann aus seiner Erfahrung auch zeigen, wie Medien in Krisensituationen arbeiten. Honegger gebrauchte den Begriff "Belagerungszustand der Medien". Er hat genügend Blitzlichtgewitter erlebt und weiss, wie leicht es in Institutionen zu Info- Lecks kommen kann oder welch leichtes Spiel die Medien haben, wenn Mitarbeitende die Medien zur Problemlösung ihres eigenen Frustes nutzen können und den Medien vertrauliche Informationen zutragen. -

Sonntag, 30. September 2007

Anne Will weiss, was sie will:

Sie startete mit einer besonderen "Will-Kür"

In der ersten Sendung ging es um Arbeit, Würde und Mindestlohn.

Anne Will stellte dabei ihre Vorgängerin Sabine Christiansen locker in den Schatten. Sie verzichtet erfreulicherweise auf einstudierte Gesten, wie etwa die ewige Halbbrillenfummelei.

Sabine Christiansens Polit-Show wirkte immer wie eine routinierte Wiederaufbereitungsanlage alter Themen. Anne Will zeigte immerhin, dass sie auf gar keinen Fall das willige Werkzeug der Berliner Politindustrie werden möchte. Das Konzept der Sendung eigentlich ganz einfach: „Die Politik mit der Realität konfrontieren“. Als erster Gast kam daher die Mitarbeiterin eines Callcenters zu Wort.

Ich erster Satz „Ich freue mich wahnsinnig“ störte mich zwar. Worte sollten ernster genommen werden wie beispielsweise „wahnsinnig“.

Gefallen hat mir Wills Fragetechnik. Christiansens Frageketten fehlten bei der neuen Moderatorin.

Was mir aufgefallen ist (Betrifft die zweite Sendung):

Als Anne Will einem Teilnehmer eine Frage gestellt hatte, ergriff ein andere Person das Wort. In dieser Sendung bewies Anne Will Führungsstärke: Freundlich aber bestimmt griff sie ein: „Ich habe die Frage Herrn XY gestellt!“. Die Moderatorin setzte sich durch. Die Bhauptung, Will pflege einen Schmusekurs, trifft nicht zu.

Trotz der paar kleinen Versprecher (jedoch ohne grosse Patzer) darf Will zufrieden sein.

Will moderiert eindeutig ruhiger als Christiansen. Es fehlt das hektische Geschnatter.

Anne Will sieht oft mit schräg gelegtem Kopf und Blick von unten zu Sie liefert immer wieder Kostproben ihres berühmt kritischen Fragestils.

Moderatorin Maybrit Illner sagte zu SPIEGEL ONLINE: "Anne Will hat die Sendung genutzt, um einen Dauerbrenner zu diskutieren. Das ist einerseits leicht, andererseits schwer. Sie hat das handwerklich sauber gemacht. Und wir freuen uns auf die nächste Sendung."

Auch Talk-Kollege Jörg Thadeusz, der sich die "Anne Will"-Show live im Studio anschaute, lobte Wills journalistische Leistung. "Frau Will wirkte auf mich entspannt, gut vorbereitet und in jeder Beziehung überzeugend. Ihre Fragen waren präzise, ihre Moderation ausgesprochen wendig", sagte er in SPIEGEL ONLINE. Problematisch fand der Moderator indes den Umgang mit einer Diplom-Bauingenieurin aus Bautzen, die in einem Callcenter arbeitet - für fünf Euro pro Stunde. Nachdem Will ihren Gast am Anfang der Sendung kurz interviewt hatte, saß die Frau danach 55 Minuten unbetreut auf dem Sofa.

Erwartungsgemäß begeistert zeigte sich die Programmdirektion der an der Produktion beteiligten Sender: Die Resonanz übertreffe alle seine Erwartungen, lobte ARD-Programmchef Günter Struve. "Sie kam, sah und siegte", frohlockte Volker Herres, NDR-Programmdirektor Fernsehen, "sie war überaus präsent, hat über die ganze Sendung hinweg den richtigen Ton getroffen."

Über 18 Prozent Marktanteil! Das durfte sich sehen lassen.

5,04 Millionen Zuschauer hatten eingeschaltet! Bei Sabine Christiansens letzter Sendung Ende Juni hatten 3,98 Millionen Zuschauer vor dem Bildschirm gesessen.

Geschminkt war Anne Will perfekt, hatte ich in einem Blog gelesen - kein Fältchen, keine Augenringe, das lange dunkle Haar umschmeichelt das schöne Gesicht. Wenn nur die zwölfköpfige Redaktion so perfekt wie die «Maske» ihr zugearbeitet hätte! Als sie ihrem prominentesten Gast, SPD-Chef Kurt Beck, vorhält, er, der beharrlich gesetzliche Mindestlöhne fordert, sei noch vor einem Jahr dagegen gewesen, kontert dieser: «Stimmt nicht! Weiss nicht, wer hat Ihnen das gesagt?» Da kommt Will plötzlich ins Schwimmen, ihr Lächeln wirkt erstmals etwas verlegen. Die Antwort bleibt sie in diese Fall schuldig.

Das Studio ist neu und gewöhnungsbedürftig, liegt nicht mehr wie bei der Christiansen im Zentrum Berlins, wo das Leben pulsiert, sondern am Rande der Stadt, in Adlershof, mit einem Team am Sendetag von fast 100 Leuten! Was für ein Aufwand! Der weitläufige Raum ist in goldgelbem Ton gehalten, hat die Ausstrahlung einer Upperclass-Hotellobby.

Aufschlussreich finde ich auch folgenden Hintergrundbericht einer Person, die bei der ersten Sendung mit dabei war:

Erst einmal kommt nicht Anne Will. Es kommt Edgar. Edgar ist der Redaktionsassistent. In ersten Will Sendung noch bei Florian Silbereisen und bei der Volksmusik, heute ist er bei „Anne Will“ und beim politischen Talk der ARD. Er erklärt uns, was wir zu tun haben: Anne Will „tatkräftig unterstützen“ nämlich, vor allem durch freundlichen Applaus an der richtigen Stelle. „Machen Sie der Anne Will einfach eine schöne Sendung“, sagt er, denn schließlich solle die ja Erfolg haben, „wie auch immer.“ So ist Fernsehen, so ist das Talk-Gewerbe. Der Erfolg hängt von der Moderatorin ab, von den Gästen und, in der Tat, vom Publikum und den Animatoren. Von dem im Studio, das sich ein wenig frenetisch gebärden soll und natürlich von dem vor dem Fernsehbildschirm - das wird am nächsten Morgen gnadenlos bemessen nach der Quote. Anne Will aber vermittelt an diesem Abend den Eindruck, dass sie das nicht weiter belastet. „Ich fühle mich super“, sagt sie, als sie ihr Publikum im Studio vor der Show begrüßt. „Die Sendung soll gelingen, sie muss gelingen und sie wird gelingen“, sagt Anne Will. „Ich komme dann noch einmal. Dann legen wir los und Sie sind bei mir.“ Wir applaudieren.

War das nun eine gute Sendung?

Das lässt sich, wenn man im vom Scheinwerferlicht aufgeheizten Studio sitzt, gar nicht so leicht sagen. Die versammelten ARD-Hierarchen sind natürlich ostentativ zufrieden, wir werden sehen, wie lange das hält. Aber hätte Anne Will zu dem lang erwarteten, beinahe mythisch überhöhten Auftakt ihrer Sendung nicht ein spannenderes Thema finden können?

Auch wenn die Auswahl des Themas und der Gäste nicht so spektakulär ausfiel, wie von manchen erwartet, kam Anne Will ihrem Motto «politisch denken, persönlich fragen» nahe. Dem Studiopublikum gefiel die frische und teils witzige Art von Anne Will. Immer wieder fing die Kamera ihr sympathisches Lächeln ein. In ihrem grauen Anzug und brauner Bluse passte Anne Will gut in die mit Natur- und Erdtönen gestaltete Kulisse in den Farben orange, beige und braun.

Ich werde die Sendungen mit Anne Will weiter verfolgen.

Samstag, 29. September 2007

SVP punktet im Wahlkampf

Quelle: Schweizer Fernsehen

Der nachfolgende Bericht bestätigt unsere Analysen ( Wirkung der Werbekampagnen):

Lesen Sie auch unter www.rhetorik.ch --->AKTUELL den Beitrag: "Bild und Botschaft müssen übereinstimmen!"

Achter SRG-Wahlbarometer

Falls die SVP ihre Wähler bei der Stange halten kann, wäre eine Wiederholung des Rekordergebnisses von 2003 möglich. Die CVP kann sich knapp vor der FDP halten. Die Stimmberechtigten würden Bundesrat Pascal Couchepin abwählen und sind 50 Prozent zufrieden mit Bundesrat Christoph Blocher. Die Mobilisierung scheint ihren Höhepunkt überschritten zu haben, bleibt aber auf einem hohen Niveau: 53 Prozent der Stimmbürger wollen im Oktober wählen gehen.

Dank ihres kontroversen Wahlkampfes hat die SVP wieder Stimmen gewonnen. Bleiben ihr diese Wähler bis im Oktober treu, könnte sie ihr Rekordergebnis von 2003 wiederholen. Sie wäre damit erneut wählerstärkste Partei und würde 26,7 Prozent der Stimmen erhalten. Den zweiten Platz belegt die SP mit 22,3 Prozent Stimmenanteil.

Grafik
(sf)

Auch in dieser SRG-Umfrage liegt die CVP vor der FDP: Die Partei erreicht 15,4 Prozent und verweist die FDP mit 15 Prozent auf den vierten Platz. Die Freisinnigen bleiben damit die grösste Verliererin, während die Grünen immer noch auf ihrer Erfolgswelle reiten. Die Grüne Partei kann sich über der 10-Prozent-Marke halten und erreicht 10,6 Prozent. Die Grünliberalen, die zum ersten Mal dabei sind, kommen auf 2,5 Prozent. Damit wird die junge Partei zur erfolgreichsten Kleinpartei und lässt EVP (1,8 Prozent), EDU (1,7 Prozent) und LPS (1,0 Prozent) hinter sich.

SVP in ihrer Lieblingsrolle

Die SVP hat nach wie vor den sichtbarsten Wahlkampf. Doch bis jetzt brachte ihr das noch keine zusätzlichen Stimmen. Das scheint sich jetzt zu ändern. Die SVP konterte den Angriff auf ihren kontroversen Wahlkampf mit der Kampagne «Geheimplan gegen Blocher». Damit ist sei der SVP gelungen, sich in ihrer Lieblingsrolle - der «angegriffenen Partei» - zu profilieren, meinte der Leiter des gfs.bern, Claude Longchamp.

Zusätzlich ändert die Partei ihren Kurs: Die umstrittenen Schäfchen-Plakate wurden durch Blocher-Plakate ersetzt. Die Partei setzt jetzt statt auf Provokation wieder auf ihr Aushängeschild Christoph Blocher und traditionelle Werte wie das Schweizer Kreuz.

Pascal Couchepin abwählen

Im Zusammenhang mit der Roschacher-Affäre und dem GPK-Bericht wurde in letzter Zeit darüber gestritten, ob Blocher für den Bundesrat tragbar sei und einige, darunter die Grünen, forderten seine Abwahl. Erstaunlicherweise empfehlen die Stimmberechtigten dem Parlament aber nicht Bundesrat Blocher abzuwählen; sondern Pascal Couchepin. Der FDP-Bundesrat wird nur von 40 Prozent der Stimmbevölkerung unterstützt.

Freitag, 28. September 2007

GABRIELE PAULI: Auffallen allein genügt nicht!

Weshalb die Stoiber-Stürzerin, Latex-Landrätin, Ehe-Befristerin vor dem Nichts steht.

Es liegt in der Luft: Auf dem nächsten Parteitag wird das Polit-Sternchen einen Taucher erleben. Jedoch selbstverschuldet!

Sie hatte zuerst mutig Stoiber gekippt, dann Latex-Handschuhe übergestreift und letzthin die Ehe auf Zeit propagiert.

Es wurde geschrieben, die Politikerin wirke verstört. Das kann gut sein. Denn: Gabriele Pauli demontierte sich selbst und zerstörte sich auch selbst! Zuerst wurde sie noch als gosse Heldin gefeiert. Sie war in den Medien eine mutige Powerfrau, die sich für die Basis stark macht. Nachdem sich jedoch die Politikerin aus unerfindlichen Gründen mit Latex-Handschuhen fotografieren liess, wurde sie zur "roten Hexe aus Franken" und hat heute null Chancen innerhalb ihrer Partei.

Das unkluge Verhalten war mir völlig unverständlich, zumal Pauli sogar ihre Dissertation einst über Polit-PR geschrieben hatte.

Vergangene Woche schaffte sie erneut einen Knaller mit dem Vorschlag: "Ehen laufen nach sieben Jahren aus". Mit ihrer soderbaren Ehe-Forderung schaffte sie es erneut in die internationale Presse.

Gefragt, ob sie es denn nicht verstehen könne, dass viele Menschen ihre Idee "abstrus finden " meinte Pauli, mit den Händen wild gestikulierend:

Querdenken ist "kein Wert an sich". Aber wir haben so viele Regeln in unserer Gesellschaft, für die es keinen inhaltlichen Grund gibt. Da wird vorgegeben, "wie wir denken sollen, wie wir uns verhalten sollen - etwa ob man bestimmte Handschuhe trägt oder nicht."

Diese Antwort verdeutlicht, dass die Akademikerin immer noch nicht begriffen hat, was man unter sozialer Kompetenz versteht. Es ist nun einmal so, dass es im Alltag eine Rolle spielt, wie man beim Adressaten ankommt, wie wir verstanden werden. Niemand kann einfach ungestraft all das machen und sagen, was ihm einfällt. Pauli will dies nicht einsehen. Ihr scheint heute immer noch nicht bewusst zu sein, dass eine Politikerin immer eine Rolle spielt und diese mit ihrer Kleidung, Aussage und Stimme übereinstimmen sollte. d.h. dass das WIE und das WAS zur der jeweiligen Situation stets passen muss. Die Wirkung beim Adressaten ist somit keine Bagatelle.

Mit ihrem unbedachten "dummen" Verhalten hat sich die einst erfolgreiche Kommunalpolitikerin selbst demontiert und in der Oeffentlichkeit, aber auch vor ihrer Partei unglaubwürdig gemacht. Paulis Aeusserungen bestätigen dies. Wenn sie sagt: "Ich habe mich selbst befreit, ich habe die Erfahrung gemacht, zu meiner Meinung zu stehen, egal was andere über mich sagen." so hat sie immer noch nicht erkannt, dass taktlose Menschen sich nicht einfach mit Selbstschutzbehauptungen aus ihrer Verantwortung stehlen können. Indem sie beispielsweise sagen: "Ich stehe eben zu meine Meinung und spreche stets offen und ehrlich Klartext!" Im Leben ist es nicht gleichgültig, was die anderen über uns denken. Andere vor den Kopf zu stossen, hat nichts - gar nichts - mit Mut zu tun. Ist es mutig, wenn jemand mit dem Vorschlaghammer Porzellan zertrümmert?

Nachtrag vom 29. September:

Gabriele Pauli: Die Katze lässt das Mausen nicht

Als ob der Blamagen noch nicht genug wären. Am Parteitag sorgte Pauli erneut für einen Eklat. Während der Kür von Günther Beckstein zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008 , ergriff Pauli das Wort und forderte von Beckstein eine Entschuldigung, weil er sie in einem Interview als «Fall für den Psychiater» diffamiert habe. Pauli sagte, sie sei nach Stoibers Rücktritt als Königsmörderin bezeichnet und in die Ecke gestellt worden, nur weil sie kontroverse Ideen einbringe. Sogar mit dem Rotlichtmilieu sei sie in Verbindung gebracht worden, und man habe ihr den Parteiaustritt nahegelegt.

Alle Anwesenden schwiegen und stellen damit die uneinsichtige Landrätin offside. als hätten alle gedacht: Hopfen und Malz verloren.

Niemand meldete sich zu Wort. Die Parteibosse schritten einfach zur Abstimmung, in der Beckstein mit 96,6 Prozent gewählt wurde. Als Beckstein Pauli am Rand des Parteitages persönlich ansprechen wollte, wies sie seine ausgestreckte Hand zurück und liess ihn stehen.

Fazit: Es gibt angeblich Menschen, die bleiben uneinsichtig. Dann gilt: Nehmen wir mit Gelassenheit entgegen, wenn jemand nicht geändert werden kann.

Donnerstag, 27. September 2007

Silvia Blocher: "Politik in meinem Leben"

In mindestens zehn Orten tritt die Bundesratsgattin vor den Wahlen auf. In Solothurn sagte sie gleich zu Beginn der Veranstaltung: "Ich mache keinen Wahlkampf", um dann doch noch zu relativieren, der Abend habe etwas mit Politik zu tun und gesteht: "Leben ist Politik und Politik ist mein Leben." Silvia Blocher profitiert vom Haloeffekt ihres Mannes und würde als ehemalige Primarlehrerin gewiss keinen Saal mit vorwiegend älteren Leuten füllen können.

In der Südostschweiz vom 20. September wird der Auftritt in Solothurn kommentiert:

Der Abend erinnert weniger an eine Wahlveranstaltung der SVP als an eine Schulstunde - nur eben wie vor 30 Jahren. Damals , so sagt die Frau, die ihr Mathematikstudium abbrach, um als Lehrerin den Lebensunterhalt für sich und ihren Mann zu finanzieren, sei die Schule noch anders gewesen, die Kinder hätten etwas von der Schweizergeschichte und der christlichen Religion zu hören bekommen. "Wir waren noch stolz auf unsere Land", sagt sie und zitiert ein paar Zeilen aus Schillers Tell"

Wenn Silvia Blocher am Schluss ihres Referates eingesteht: Ich bin keine Hillary Clinton, so können wir dieser Einsicht nur beipflichten. Sie hat weder ihr Format noch ihr rhetorisches Talent. Geben Sie www. rhetorik.ch im Suchfenster Silvia Blocher ein. Dann stossen Sie auf verschiedene Beiträge zur Bundesratsgattin, die sich als persönliche Beraterin des Bundesrates ausgibt. Als Beraterin mit etlichen Fragezeichen.

Montag, 24. September 2007

Calmy-Rey versucht die Wogen zu glätten - nachdem sie selbst gewirbelt hat - und wirbelt munter weiter

Recht hat sie gewiss - die Bundespräsidentin - wenn sie heute sagt:

Es wäre allerdings mehr gedient, «wenn die Bundesräte sich aus dem Wahlkampf heraushielten und über den Parteien stünden». Damit wäre dem Kollegialprinzip mehr gedient.

Wenn Micheline Calmy- Rey gleichzeitig bei Couchepins unmissverständlicher Duce Vergleich keinen Bezug mehr zu Blocher wahr haben will, so ist dies nicht nur für uns pure Wortklauberei. Ich habe niemanden getroffen, der den Vergleich im Zusammenhang mit der SVP Kampagne so verstanden hat, wie es nun die Bundespräsidentin wahr haben will.

Uebrigens: Weshalb kommt Michelins Calmy- Reys Einsicht erst jetzt mit dem Ratschlag, sich nicht in den Wahlkampf einzumischen?

Dies nachdem sie sich selbst vor wenigen Tagen als Bundespräsidentin offen und eindeutig in den Wahlkampf eingemischt hatte (Zwei Mal brandmarkte sie die SVP Werbung als rassistisch). Ich gehe davon aus, dass Micheline Calmy- Rey mit ihrer heutigen Aussage sich bewusst selbstkritisch in ihren Ratschlag mit eingeschlossen hat.

Bei Christoph Blocher und Pascale Couchepin war es eindeutig: Sie hatten sich im Wahlkampf deutlich eingemischt, genau so, wie es Micheline Calmy- Rey auch getan hat.

Kommentar: Mich nimmt wunder, wie viele Medienkonsumenten heute erkannt haben, dass die Bundespräsidentin mit Ihrem Ratschlag im Grunde genommen auch sich selbst geschlagen hat. Ist es nicht eigenartig, wenn jemand wirbelt - und die Gegenpartei laut und deutlich anprangert - sich lauthals in den Wahlkampf stützt, um nachher versucht, die Wogen zu glätten? Wie kann jemand die Kollegen bitten, sich aus dem Wahlkampf herauszuhalten, wenn man selbst gegen diese Regel verstossen hat? Schade: Solch paradoxes Verhalten schadet der Glaubwürdigkeit.

Nachtrag: Unbegreiflich! Einmal ist keinmal

Nach ihrem Appell an die Bundesräte, sich aus dem Wahlkampf herauszuhalten, brandmarkte Micheline Calmy-Rey ein weiteres Mal die Plakatkampage der SVP öffentlich (der Ausschnitt der Rede aus der SP Veranstaltung wurde in der Tagesschau des Schweizer Fernsehens am 29. September ausgestrahlt).

Damit hat die Bundespräsidentin ein weiteres Mal gegen die eigene These verstossen. Es sei denn - die Bundespräsidentin zähle sich nicht zum Bundesratsteam. Sonst würde auch für sie die Verhaltensrichtlinie gelten, sich sofort aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Dieser zweite Regelverstoss ist im Grunde genommen ein starkes Stück. Wer arbeitet kann einmal einen Fehler machen. Wenn jemand aber den selben Fehler ständig wiederholt, so muss dies zu denken geben. Wir gehen davon aus, dass Calmy-Reys Patzer einmal mehr in den Medien ausgeklammert wird.

Nachtrag (30. Sept) Unglaublich: Schon wieder!

Und nochmals hält sich Calmy-Rey nicht an ihre Richtlinie, nachdem sich alle Bundesräte aus dem Wahlkampf heraushalten sollen. In der Zeitung Sonntag.ch kann sie es wieder nicht lassen und mischt sich als SP Bundesrätin in den Wahlkampf ein. Wir lesen:

...Was hätten wohl die Herren Brown, Boveri und Nestlé davon gehalten, wären sie als schwarze Schafe gezeichnet worden", fragte Calmy-Rey.

Sie fügte hinzu, jene Partei, die mit der Schweizer Flagge werbe, sei die am "wenigsten schweizerische Partei. Die SVP-Kampagnen seien Ausdruck von "Hass und Xenophobie".

Dass eine welsche Bundesrätin keine Ahnung davon hat, dass mit dem Spruch "vom schwarzen Schaf" nicht alle Ausländer und vor allem damit keine Schwarze gemeint sind, ist unvorstellbar. Der SVP geht es bekanntlich nur um kriminelle Ausländer, die sich nicht an die Spielregeln des Gastlandes halten wollen. Dass eine Bundespräsidentin nicht mehr weiss, was sie den Bundesräten geraten hat (sie sollen sich aus dem Wahlkampf heraushalten), ist für uns völlig unverständlich. Micheline Calmy-Rey muss sich nicht wundern, wenn die Gegenseite überreagiert und das Klima noch mehr vergiftet werden könnte. Etwas sagen und darnach handeln ist für Calmy- Rey scheinbar unmöglich. Weshalb will oder kann sich die Bundespräsidentin nicht endlich an die eigene Regel halten? Im Sport hätte sie längst die rote Karte erhalten.

NICHT ZU GLAUBEN -Schon wieder!

An der Verlegertagung in Luzern (21. September) hielt sich die Bundespräsidentin ein weiteres Mal nicht an ihr Gebot: Sie stellte die SVP Kampagne wiederum in einem längeren Votum öffentlich an den Pranger.

Darf nicht wahr sein: Doch! Und noch einmal!

Doch - ein weiteres Mal hält sich die Bundespräsidentin nicht an die eigenen Spielregel. Sie kritisiert erneut die SVP auf dem SP Papier- sogar mit Foti und Unterschrift.

Kommentar: Bis jetzt wurde das widersprüchliche Verhalten der Bundespräsidentin in den Medien nicht angesprochen. Erst am 30. September schreibt der Sonntagsblick unter dem Titel:

WIDERSPRUCH

Calmy-Rey habe am Montag den Bundesräten geschrieben, sich im Wahlkampf zurückzuhalten. Selbst unterschreibe die Bundespräsidentin jedoch mit ihrer Foto einen Wahlaufruf der Partei.

Wie heisst es so schön: Worte und Taten müssten übereinstimmen.

Sonntag, 23. September 2007

Plus calme! Micheline Calmy-Rey!

Man stelle sich vor, ein FDP Bundespräsident würde während eines Wahlkampfes - in der Rolle als oberster Magistrat - die missliebige Plakataktion der SP (seiner Konkurrenzpartei) öffentlich brandmarken. Der Medienwirbel wäre bestimmt vorprogrammiert. Nicht so bei Micheline Calmy- Rey. Bei ihr blieben erstaulicherweise die Medien bei Ausrutschern meist Gewehr bei Fuss. Vor allem bei ihren jüngsten verbalen Entgleisungen gegen die Konkurrenzpartei SVP. Angeblich kann sich die populäre Rütlirednerin mehr leisten als andere Magistraten. Schon einmal griff sie als SP Bundespräsidentin die jüngste SVP Kampagne an. Etwas, was im Grunde genommen unvereinbar ist mit ihrer Rolle als Bundespräsidentin. Nun doppelte sie sogar noch nach. Sie erklärte in der Sendung «Genève à Chaud» des Regionalfernsehens Léman Bleu: Die SVP ist die «am wenigsten schweizerische Partei» und fügte bei: «Ich bin traurig über die Kampagne, denn sie ruft zu Hass, zu Rassenhass auf». Das paradoxe dabei sei, dass jene Partei, die das Schweizer Kreuz für ihre Plakate verwende, die am wenigsten schweizerische sei. «Das ist nicht die Schweiz»,

sagte die Bundespräsidentin.

Aus dem ersten Patzer - als sie schon einmal unbedacht reagiert hatte- scheint Calmy-Rey nichts gelernt zu haben. Sonst wäre sie der Konkurrenzpartei nicht nochmals öffentlich und in unzulässiger Manier an den Karren gefahren. Das letzte Mal verurteilte sie die SVP-Plakate ebenso scharf. Sie sprach damals von politisch motivierter Ausländerfeindlichkeit und warf der SVP vor, mit den Plakaten und ihrer Ausländer-Initiative rassistische Aktionen zu begünstigen.

Die SVP Kampagne visualisiert jedoch nur den Inhalt die Initiative zur Ausschaffung von kriminellen Ausländern und mit dem schwarzen Schaf ist nicht ein "Schwarzer" gemeint, sondern Leute, die sich bei uns nicht an die Spielregeln halten wollen.

Prognose:

Bei Micheline Calmy-Rey wird es sicherlich auch bei ihrer jüngsten Masslosigkeit keinen Wirbel geben. Getragen von der Ringier Presse kann sie sich die Bundespräsidentin sehr viel leisten. Wir gehen deshalb davon aus, dass auch der zweite Ausrutscher auch keine Proteste auslösen wird. Niemand möchte der modernen Jaeanne d'Arc an den Karren fahren. Es sieht so aus, als gehe es vielen Journalisten eher darum, den Fokus auf die Person Blocher zu richten. Wer sich umsieht und die aussergewöhnlich vielen verschmierten oder heruntergurissenen SVP Plakate sieht, könnte sich fragen, ob nicht die offizielle Schelte von ganz oben diese fragwürdigen Aktionen zusätzlich geschürt hat.

Kommentar:

Nach unserem Dafürhalten darf eine Wahlkampf hart geführt werden. Dennoch sind kühle Köpfe gefragt. Es gibt auch im Wahlkampf Spielregeln, die akzeptiert werden müssten. So wie wir bei der Kommunikation Maulkörbe abzulehnen sind, so sind auch Plaktatschmierereien - ob sie von rechts oder Links kommen - zu verurteilen. Frau Calmy-Rey hat gewiss mit ihrer unbedachten Geisselung derartige Aktionen begünstigt. Im hitzigen Wahlkampf dürfte vor allem eine Bundespräsidentin den Kopf nicht verlieren. Deshalb müsste der engagierten Bundespräsidentin geraten werden: Plus calme - Madame Calmy- Rey!