Montag, 17. September 2007

Motivation, Engagement und Systematik als Erfolgsfaktoren

Eine Einzelperson war erfolgreicher als ein Heer aufgebotener freiwilliger Helfer, Soldaten und Profis. Die Polizei fragt sich heute, warum sie das nicht schaffte , was ein Einzelner nun erreicht hatte. Etwas belämmert musste sich der Polzeikommandant fragen, warum die wochenlange Suche weniger Erfolg hatte als das systematische Vorgehen einer Einzelperson.

Was war geschehen?

Quelle: 20 Minuten und SonntagsZeitung

Getrieben von einem Todesfall in der eigenen Familie machte sich seit drei Wochen ein junger Zürcher (Simon Kuhn) unbeirrt auf die Suche nach der verschwundenen Ylenia. Seine Motivation:

«Ich kenne die Familie des Mädchens nicht, aber ich wollte einfach, dass Ylenias Mutter abschliessen kann, dass sie aus der Ungewissheit erlöst wird»

, sagte er der «SonntagsZeitung».

Im Gegensatz zu den Hunderten von aufgebotenen Helfern kannte er die Gefühle der Betroffenen. Der junge Mann blieb deshalb am Ball - gab nicht auf - und konzentrierte sich allein hartnäckig auf den Fall. Kuhn investierte für die Suche seine Ferienzeit. Er ging mit einem eigens erstellten Suchraster vor. Er hatte die Fakten studiert und vermutet, dass die Leiche des Mädchens beim Billwilerwald sein musste. Dort hatte Urs Hans von Aesch, vermutlich im Zustand grösster Erregung, einen Zeugen seiner mutmasslichen Tat angeschossen.

Kuhn schaffte es , was die Polizei mit mehreren Suchaktionen nicht fertiggebracht hatte.

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Die Oeffentlichkeit wundert sich heute: «Jeder, der gestern an dieser Stelle vorbei gegangen wäre und auf den Boden geschaut hätte, wäre auf die Leiche gestossen», sagte Kuhn der «SonntagsZeitung».

Durch Tiere, welche die Leiche ausgegraben hätten, sei das tote Mädchen nahezu an der Oberfläche gewesen. Rund um den Fundort seien Tierspuren zu sehen. Unmittelbar vor der Vertiefung sah Kuhn Körperteile. Dann entdeckte er den Kopf und informiert sofort die Polizei.

Systematische Suche machte sich bezahlt!

«Ich habe mich seriös vorbereitet», so Kuhn weiter. Vor jeder Suche hätte er sich ein Bild davon gemacht, wie es aussehen könnte, wenn er etwas findet. Trotzdem glaubte er nicht, tatsächlich Erfolg zu haben. Bis gestern Mittag. Die Hundeführer vertraten die Meinung, der Fehler habe nicht bei den Hunden gelegen (normalerweise registireren sie den Leichengeruch) doch müssten die Hundeführer auch ausgebildet sein. Der Fehler liebe beim Menschen - nicht beim Hund.

Erkenntnis: Motivation kommt von innen. Sie entwickelt ungeahnte Kräfte. Selbstmotivation ist die stärkste Triebfeder, durchzuhalten.

Vorbereitung ist die halbe Miete.

Systematik und logisches Denken gekoppelt mit Durchstehvermögen haben auch in diesem Fall zum Erfolg geführt und den Polizeiapparat alt aussehen lassen. Polizeikräfte, die eigentlich auch systematisch und hartnäckig hätten am Ball bleiben müssen, versagten. Noch vor wenigen Tagen wurden all jene privaten Leute von den Polizei belächelt, die auf eigene Faust die Wälder nachträglich durchkämmen wollten.

Sonntag, 16. September 2007

UNBEDACHTE WORTE

Vergiftetes Politklima

"Um einen Stein zu zertrümmern, braucht man einen Hammer, aber um eine kostbare Vase zu zerbrechen, genügt eine flüchtige Bewegung und um das Herz eines Menschen zu treffen, genügt oft ein einziges Wort".

Eugen Drewermann

Im derzeitigen Polittheater rufen alle zur Mässigung auf, selbst jene die selbst unbedachte Worte verwendet hatten.

Ich erinnere an:

Bullshit (Christoph Mörgeli)

Staatsaffaire (Christophe Darbellay) - korrigierte es

Rassismus (Calmy Rey)

Blocher= Duce (Pascal Couchepin)

Es lohnt sich immer, vor dem Reden das Gehirn einzuschalten.

Donnerstag, 13. September 2007

Schläger Rhetorik

Quelle: 20 Minuten online

Ueber Jugendgewalt gibt es regelmässig Berichte und Kommentare. Erstaunlich ist, dass der Auslöser von Gewalt oft eine Bagatelle ist. Es scheint, der Schläger suche einfach einen Anlass, um dreinschlagen zu können.

«Was luegsch so blöd?»

In Zürich schwebt das Opfer einer Prügelattacke noch immer in Lebensgefahr. Der junge Mann und seine Gruppe wurden von mehreren Tätern «angemacht», dann wurde losgeprügelt. Ich Schaffhausen sagte ein Jugendlicher, er habe mit der Kette auf den anderen Jugendlichen eingeschlagen, weil er ihn angeschaut habe. Ihn müsse man fragen, ob man ihn anschauen dürfe. Als ich dies hörte erinnerte ich mich an den bekannten Tierfotografen, der lange bei den Bergorillas gelebt hatte. Dort gilt die Regel: Blicje einem Silberrücken nicht in die Augen! Sonst greift er an. Tierfotograph Dossenbach sagte mir: Wenn man gebückter, devoter Haltung bei Männchen vorbeigeht und auf den Boden schaut, so gibt es keine Probleme. Viele Leute gehen davon aus, dass wir bessere Primaten sind und glauben daran, dass die Menscheit im Umgang miteinander die Kommunikation kultiviert hat. Angeblich fallen gewisse Jugendliche in eine frühere Entwickungsstufe zurück. Zur Ehrenrettung der Berggorillas muss noch beigefügt werden: Die Affen haben ihre Konflikfähigkeit besser entwickelt als gewisse heutige Jugendliche. Die Affen prügeln andere nicht ins Komma.

Wie verhält man sich, wenn man selbst in eine ähnliche Situation kommt und befürchten muss, dass ich grundlos spitalreif geschlagen werden könnte?

Ein Ex-Polizist gibt Tipps.

Markus Atzenweiler rät bei drohender Schlägerei:

Beobachten und nicht kommunizieren.

Diese Abwehrhaltung soll laut Markus Atzenweiler gegen gewalttätige Übergriffe helfen.

Viele kennen die Situation, sie sitzen auf einer Bank oder gehen durch eine Strasse und werden von einem oder mehreren männlichen Jugendlichen gefragt, was sie dort zu suchen hätten. Varianten sind: «Warum schaust du mich an?», «Hast du was zu rauchen?», «Was luegsch?» oder ein Anrempeln im Vorbeigehen. Auch das Beleidigen der Freundin eines potentiellen Prügelopfers ist eine Art, die Auseinandersetzung mit ungleichen Kräfteverhältnissen zu provozieren. Oft erreichen die Schläger ihr Ziel eine Schlägerei zu provozieren. Entsprechende Schlagzeilen häufen sich in jüngster Zeit. Das müsste nicht sein.

Der ehemalige Polizist Markus Atzenweiler ist Verfasser des Buches «Kriminelle Gewalt - und plötzlich bist du mittendrin» und arbeitet als Sicherheitstrainer in Winterthur. Im Gespräch mit 20minuten.ch erläutert Atzenweiler, wie man auf die jugendlichen Gewalttäter reagieren soll, um drohende körperliche Übergriffe zu verhindern. Herr Atzenweiler, wenn mich jemand fragt:

«Hey, was luegsch blöd?»

Was tue ich dann? Welche ist die beste Strategie, um Schlägen zu entgehen?

Sie signalisieren dem Aggressor, dass sie ihn bemerkt haben und wissen, dass von ihm eine Gefahr ausgeht. Gleichzeitig vermeiden sie jede Kommunikation und auch jeden Augenkontakt, bauen sie keinesfalls eine Beziehung zu ihm auf. Versuchen Sie, unbeschadet an ihm vorbeizukommen.

Das funktioniert doch nicht. Macht das jemanden, der auf eine Schlägerei aus ist, nicht noch wütender?

Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Leute in solch gefährlichen Situationen das normale Repertoire des sozialen Verhaltens abrufen und auf den Aggressor irgendwie eingehen. Das ist falsch. Der Aggressor fragt Sie ja nicht nach der Uhrzeit, sondern will zuschlagen. Dazu gibt ihm jede Art der Kommunikation Grund. Ob er noch wütender wird oder nicht, ist egal. Sein Ziel ist es zu prügeln. Er hat Lust zu prügeln. Daran ändern sie nichts. Sie können einen derart gewaltbereiten Menschen nicht in der ihnen zur Verfügung stehenden knappen Zeit therapieren.

Gut. Er prügelt also sowieso. Was tue ich, wenn ich nicht weg kann? Wie beispielsweise die Jugendlichen, die vergangene Woche auf einer Sitzbank an der Seepromenade verprügelt worden sind?

Vertrauen Sie auf Ihre Intuition. Der Grossteil der Opfer von gewaltsamen Übergriffen sagt im Nachhinein: «Ich wusste es irgendwie, ich hatte von Anfang an ein schlechtes Gefühl.» Sie spüren ja, wenn eine Gruppe oder ein Einzelner in aggressiver Absicht auf Sie zukommt. Dann gilt es, so schnell wie möglich Land zu gewinnen. Nicht panikartig flüchten, aber signalisieren (ab nicht laut sagen!): «Mit dir oder mit euch will ich nichts zu tun haben.»

Nochmals: Wenn es schon zu spät ist, keine Flucht möglich ist und ich nicht in den See springen will, was tue ich dann?

Jetzt machen sie eindeutige klare Ansagen. Den Täter oder einen aus der Gruppe direkt ansprechen mit:

«Stopp. Keinen Schritt weiter.»

Gleichzeitig gilt es Distanz zu gewinnen und zu wahren. Immer zwei bis drei Meter zwischen sich und den Schläger bringen. Steht er 15 Zentimeter vor ihnen, ist es bereits zu spät. Halten sie die linke Handfläche vor und die rechte am Körper und stehen sie breitbeinig und stabil.

Und das wirkt?

Diese Abgrenzungsmechanismen funktionieren. Das funktioniert in den unterschiedlichsten Lagen auch gegen ganze Gruppen. Alles, was Sie tun, das nicht den Erwartungen des Täters entspricht, verunsichert ihn, bringt Sie aus der Opferrolle raus. Es ist zwar einfach, aber solche Angriffe sind genauso trivial und primitiv. Das ist das Gesetz der Strasse.

Kommentar:

Dieser Rat im 20 Minuten ist gewiss hilfreich. Er macht deutlich: Wir müssen uns heute mit Gewalttätern auseinandersetzen und die Sprache der Strasse lernen. Einerseits ist die Jugendgewalt heute leider Tatsache, sogar Gewohnheit geworden und es lohnt, sich auf solche Attacken vorzubereiten. Anderseits dürfen wir diese unbefriedigende Situation nicht einfach so hinnehmen, sie akzeptieren oder uns daran gewöhnen. Wir müssen alles zu tun, damit diese Mentalität des sinnlosen Prügelns nicht mehr stillschweigend hingenommen wird.

Mittwoch, 12. September 2007

"GEHEIMPLAN" - Das Wort des Monats

Sonderbar:

Ein Geheimplan ist ja kein Gemeinplan mehr, wenn er nicht geheim entwickelt wird. Anderseits lebt jeder Verschwörungstheoretiker von Vermutungen und die SVP könnte somit einfach etwas behaupten, was sich nur selten nachweisen lässt.

Verschwörungstheorien basieren auf einer These, die nicht bewiesen werden kann

(Mondlandung sei eine Fiktion. 11. Sept sei von Bush inszeniert worden usw.)

Christoph Mörgeli kann die These ausbauen, gegen Blocher bestehe ein Geheimplan. Doch wird er Mühe haben, den vermuteten Geheimplan konkret zu entlarven, falls er besteht.

Die These mit der Kampagne lässt sich für die SVP sehr gut vermarkten. Denn: Auch ohne Beweise gibt es immer Anhänger von Verschwörungstheorien. Geheimpläne bleiben normalerweise geheim. Es sei denn, jemand verrate diesen Geheimplan.

Anderseits kann Bundesrat Couchepin auch nicht behaupten, es gebe gar keinen Geheimplan. Das hat er jedenfalls heute in den Medien lauthals verkündet. Woher will er wissen, dass es keine Aktion gegen Blocher gibt, wenn diese Kampagne im Geheimen geplant würde? Zudem ist er Kollege Blocher spinnefeind, sodass seine Aussage so wenig glaubwürdig ist, wie seine Behauptung am letzten Samstag zu Tele Züri, im Bundesrat stehe es zum Besten.

Kommentar:

Es ist erstaunlich, wie diese Geheimplanstory die Politiker, die Parteien und Journalisten in den Bann ziehen kann. Jeden Tag stelle ich fest: Die SVP besetzt das Terrain in den Medien und ich frage mich, wie lange auch Blocher-kritische Medien wie BLICK (die sich als Kontrpunkt zu der Weltwoche verpflichtet sieht) in die Blocherfalle tappen. Es vergeht kein Tag und es wird mit grösstem Aufwand versucht, zu beweisen, dass es noch nie eine Verschwörung gegen Blocher gegeben hat. Das Wort Geheimplan könnte noch das Wort des Jahres werden, zumal der SVP mit jedem Votum gegen Blocher, mit jeder Empfehlung zur Nichtwahl des Justizministers die Geheimplangläubigen bestätigt sehen, dass sie recht haben.

Montag, 10. September 2007

Couchepin-Blocher:

Keine "Ewigi Liebi"

Seit Jahren greift Couchepin Blocher öffentlich an.

Vor zwei Jahren fand Pascale Couchepin, Blocher sei ein Gefahr für die Demokratie. Damals wehrte sich nur Silvia Blocher für ihren Mann und polterte öffentlich drauf los, so etwas sei ungeheuerlich! Dieser persönliche Angriff hatte in den Medien keine grossen Folgen. Blocher reagierte damals überlegen, liess sich nicht provozieren und nahm die persönliche öffentliche Attacke gelassen entgegen, Blocher fand gelassen, dies sei Couchepins Meinung. Mehr wollte er zu Couchepins Angriff nichts sagen.

Vor wenigen Tagen verstieg sich Couchepin erneut mit einer unbedachten Aeusserung im Radio und verglich Blocher sogar öffentlich mit Duce (Wir kommentieren diesen verbalen Patzer ausführlich).

Normalerweise gilt:

Wie man in der Wald ruft, so tönt es zurück.

Die Oeffentlichkeit musste damit rechen, dass nun Bundesrat Blocher auch die Nerven verliert und mit harten Worten kontern wird.

Weit gefehlt! Wiederum reagierte Bundesrat Blocher bedacht und rhetorisch äusserst geschickt:

Blocher drehte sich um und antwortete ruhig und bedacht:

Es ist nicht am mir, Bundesrat Couchepin zu beurteilen. Wir haben eine Kollegialbehörde und da rede ich nicht öffentlich über andere Bundesräte.

Kommentar: Diesmal mischte sich glücklicherweise nicht mehr Silvia ins Duell ein. Das wäre bestimmt wieder schlecht rausgekommen. Die Reaktion des Justizministers finde ich wiederum clever.

1. Mit seiner Formulierung gibt er sich als ein Bundesrat, der sich kollegial verhält (obschon dies nicht immer seine Stärke ist).

2. Blocher sagte zudem indirekt: Couchepin ist unkollegial. Dieser hatte offensichtlich die Spielregel verletzt und Couchepin es war, der den Kollegen öffentlich an den Pranger gestellt.

Bundesrat Couchepin hat nicht nur mit seiner verbalen Entgleisung das "Zwei am Rücken". Er behauptete zudem - letzten Samstag - auf die Frage, wie die Stimmung zwischen ihm und Blocher sei:

Alles sei bestens, es gebe überhaupt keine Probleme.

Damit büsste Couchepin seine Glaubwürdigkeit zusätzlich ein. Denn: Die Spatzen pfeifen es von den Dächern - und alle wissen es - dass sich die beiden Kollegen spinnefeind sind.

Sonntag, 9. September 2007

Eva Herman stolpert selbstverschuldet -

und verliert den Job

Gefeuert wird Eva Herman im NDR wegen umstrittener Äusserungen zur Nazi-Zeit Die Moderatorin und Buchautorin ist jetzt ihren Job los: Der Norddeutsche Rundfunk hat sich per sofort von ihr getrennt. Der Grund: Ihre unbedachten Äusserungen zur Familienpolitik in der Nazi-Zeit. Herman hatte Teilnehmern bei der Vorstellung ihres neuen Buches am Donnerstag in Berlin erklärt, im Dritten Reich sei «vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler». Einiges sei aber auch gut gewesen, «zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter». Mit dieser unbedachten Aeusserung hat Eva Herman allen Müttern geschadet, die sich voll und ganz den Kindern widmen. Wer seine eigenen Meinung mit der Haltung des grössten Verbrechers stützt, ist mehr als dumm.

«Frau Hermans schriftstellerische Tätigkeit ist aus unserer Sicht nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin und Talk-Gastgeberin», erklärte der NDR Programmdirektor Fernsehen, Volker Herres, in Hamburg. Die frühere «Tagesschau»-Sprecherin arbeitet seit fast 20 Jahren für den Sender.

Der NDR erklärte, Herman habe im Gespräch ihre in der «Bild am Sonntag» zitierte Erklärung bestätigt, wonach «Werte wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschliessend durch die 68er abgeschafft wurden».

«Frau Herman steht es frei, ihren 'Mutterkreuzzug' fortzusetzen, aber mit der Rolle einer NDR-Fernsehmoderatorin ist dies nicht länger zu vereinbaren», erklärte Herres. Ihre Äusserungen wirkten polarisiernd. «Das Ergebnis spürt unsere Redaktion: Gäste sagen ihren Auftritt bei 'Herman und Tietjen' ab oder stehen von vornherein nicht zur Verfügung.»

Kommentar:

Eva Herman hat sich mit ihrem unbedachten Verhalten selbst abgeschossen und allen Müttern, die ihre Kinder zu Hause betreuen, einen Bärendienst erwiesen. Frauen die in heutigen Familienpolitik ohnehin stets zu kurz kommen (weil sie finanziell von keiner Partei, kaum einem Politiker unterstützt werden). Der NDR musste Eva Hermann entlassen. Es geht nicht an, dass eine Mitarbeiterin an einem Gewaltverbrecher etwas gut findet. Ich gehe davon aus, dass sie ihr zweites Buch durch diesen Skandal geschadet hat (Skandale sind sonst verkaufsfördernd). Reputationsmässig hat Eva Hermann durch diese rhetorischen Fehlleistung enorm viel verloren. Die Gegnerinnen der Herman These "das Kind benötigt in erste Linie die Mutter" haben heute noch mehr Aufwind bekommen und all jene Mütter, die sich voll und ganz der Erziehungsaufgabe widmen, werden es noch schwerer haben, künftig ebenfalls von den Zuwendungen etwas zu erhalten (Krippenplätze usw.) Unsere Devise in der Beratung lautet seit Jahren: "Denken vor dem Reden". Das gilt auch beim Schreiben. Eva Herman hat sich mit ihrer unbedachten Bemerkung über Hitlers Familienpolitik nicht nur selbst das Bein gestellt. Für alle, die gegen die Femdbetreuung eintragen, war dies kontraproduktiv. Die entsprechenden Medienberichte sind vorprogrammiert.

Dieser bedenkliche Fall veranschaulicht uns einmal mehr: Leute die Erfolg haben, verlieren allzu gern im Höhenrausch die Uebersicht. Eva Herman als eine Frau, die selbst immer berufstätig war und mehrmals geheiratet hat, sollte den andern Frauen nicht sagen, was eine gute Familie ist und raten, die Mutter solle zu Hause bleiben. Die Glaubwürdigkeit kann sich niemand erwerben, der Wasser predigt, selbst aber Wein trinkt.

Nachtrag:

Eva Herman ist fassungslos.

Herman zu BILD: „Ich habe mich mehrfach ausdrücklich vom ‚Dritten Reich‘ distanziert. Man muss meine Äußerung im Gesamtkontext betrachten. Es geht nicht um Hitlers Werte, sondern um menschliche Grundwerte, die im ‚Dritten Reich‘ missbraucht und später abgeschafft wurden. Wer mich kennt und das Buch liest, weiß, dass ich links- und rechtsextreme Parteien aus tiefster Überzeugung ablehne. Es ist ein Halbsatz, der zu diesem Missverständnis geführt hat.“

Ein Holocaust-Überlebende zu BILD: „Das ist das Schlimmste, was ich seit Langem gehört habe. Frau Herman sollte wissen: Das Charakteristische am Dritten Reich war nicht die Behandlung der Mütter, denn die sollten nur Kanonenfutter produzieren. Das Charakteristische waren die Gaskammern.“

Eva Herman als Medienfrau muss wissen, dass auch Halbsätze wichtig sind.

In den Medien gilt: Gesagt ist gesagt!

Das war nicht nur ein Ausrutscher. Der unbedachte Vergleich war kein Missverständnis, sondern schlicht und einfach dumm und unverständlich!

Nachlese Eva Herman (10.9.07):

Nach dem Rauswurf wirkte Eva Herman (nach BILD) gelassen, im Gespräch bisweilen kämpferisch. Keine Reue? Keine Einsicht?

Sie sprach von den vielen „wildfremden Menschen“, die ihr geschrieben haben. „Über 1000 E-Mails habe ich bekommen“, sagt sie. „95 Prozent davon Zustimmung.“

Auf die Frage: Wie geht es Ihnen?

„Natürlich bin ich traurig, dass mich einige Leute in eine Ecke stellen, in die ich nicht gehöre. Aber zum Glück gibt es viele Freunde und Kollegen, die mir beistehen und Mut zusprechen.“

Wie hat ihr Mann reagiert?

„Er ist an meiner Seite. Er steht zu mir – stark wie ein Baum.“

Und die Familie?

„Wir sind eine Familie, die immer zusammenhält. Meine Familie nimmt mich in den Arm.“

Bereut Eva Herman ihre Äusserung über die Werte der Familie in der Nazi-Zeit? Sie überlegt einen Augenblick, dann sagte sie:

„Es tut mir leid, wenn meine Äusserungen Anlass zu Missverständnissen gegeben haben. Wenn ich damit die Gefühle von Menschen – insbesondere Opfern der Nazi-Diktatur oder ihren Angehörigen – verletzt haben sollte, dann möchte ich mich dafür entschuldigen.“

und fügt bei:

„Jeder, der mich kennt, weiss, dass ich das genaue Gegenteil eines Nazis bin. Jeder, der mich kennt, weiss auch, dass für mich Werte zählen wie Liebe, Respekt und Würde. Und dass ich nichts mehr ablehne als Gewalt, Intoleranz und Ungerechtigkeit. Und das ist in meinen Büchern nachzulesen. Auf jeder Seite.“

Dann erzählt Eva Herman von ihrem Engagement gegen Rechtsradikale. Für die Aktion „Laut gegen Nazis“ habe sie vor zwei Jahren eine CD mit Texten von Erich Kästner eingelesen. Und sie habe einen Taxifahrer bei der Polizei angezeigt, der mit Nazi-Sprüchen ihre jüdische Freundin verunglimpft hatte.

Heute sollte Eva Herman bei Johannes B. Kerner in dessen ZDF-Talkshow auftreten und über ihr Buch sprechen. „Der Termin war schon seit Wochen vereinbart“, sagt sie.

Gestern Abend entschied das ZDF, Eva Herman wegen ihrer umstrittenen Äusserungen aus der Talkshow auszuladen. ZDF-Sprecher Walter Kehr :

„Aufgrund der aktuellen Ereignisse haben wir uns in Abstimmung mit der Kerner-Redaktion gegen einen Auftritt von Eva Herman entschieden.“

Johannes B. Kerner: „Wir als Redaktion akzeptieren die Entscheidung des ZDF.“

Kommentar:

Die Entschuldigung folgt zu spät. Nur paar unbedachte Worte konnten so viel Geschirr zerschlagen. Eva Herman darf heute die Geschichte nicht als Missverständnis abtun. Als Medienfrau musste sie wissen, was ein kurzer Satz auslösen kann. Herman wurde beim Wort genommen, denn sie hat die Formulierung gewählt!

Thesen, die das unsensible Verhalten einer sonst so intelligenten Frau erklären könnte:

Eva Herman glaubte, sie sei mutig mit ihren Thesen. Sie wurde möglicherweise übermütig - nachher selbstherrlich und sogar grössenwahnsinnig.

In ihrer Verblendung sah sie nicht mehr ein, dass Hitler die Mütter als Gebärmaschinen sah, die Kanonenfutter zu produzieren hatten.

Herman wurde zur geistigen Geisterfahrerin. Das zeigt sich in der mangelnden Selbstkritikfähigkeit. Sie verteidigte trotz Empörung die Hitleraussage nach wie vor.

Nach dieser Sturheit hat sich Eva Herman endgültig demontiert.

Donnerstag, 6. September 2007

Delikte von Jugendlichen

Sündenbock gefunden:

Schuld für die enorme Zunahme der Straftaten von Jugendlichen soll die Gesellschaft sein

Quelle Blick online

Die neuste Studie des Bundesamtes für Statistik (BFS) beweist eindeutig:

Noch nie mussten so viele Jugendliche vor dem Richter antraben wie heute. Auf 100´000 Jugendliche kamen so im Jahr 2004 1800 Strafurteile. 70 Prozent der Straftaten sind Vermögensdelikte, vor allem Diebstähle. Gewaltdelikte, die für das grosse mediale Aufsehen sorgen, machen zwar nur 10 Prozent der Verurteilungen aus – doch hat sich ihr Anteil seit Anfang der 90er-Jahre verdoppelt.

dies zu den Fakten.

Die Statistiker haben nun eine fragwürdige Erklärung für den Anstieg der Straftaten:

Die Statistiker glauben demnach, die Jugendlichen würden heute nur deshalb mehr klauen als in den Sixties, weil die gesellschaftliche Veränderungen dazu beitragen: Der Lebensstil der Teenies sei viel konsumorientierter als früher – überall ködere die Werbung die Jungen mit den coolsten Accessoires, nur reicht das Sackgeld leider nicht immer dafür. Auch wohnen heute mehr Menschen in den Städten als früher – das Leben wird anonymer, die soziale Kontrolle nimmt ab. Und in den Selbstbedienungsläden lässt es sich leichter klauen als in den Tante-Emma-Läden von einst.

Kommentar: Nun wissen wir es: Nicht die Täter sind schuld, sondern unserer Gesellschaft. Nicht die Erziehung hat versagt, sondern die Selbstbedienungsläden verführen die Jugendlichen dazu, zu stehlen. Erstaunlich. Nicht die Deliquenten sind schuld, sondern die Werber, die den Konsum anpreisen. Die publizierte Begründung der der Statistiker gibt zu denken: Die Analyse klingt nach Rechtfertigung. Müssen tatsächlich die Opfer Verständnis aufbringen für Gesetzesbrecher und einsehen, dass diese Täter im Grunde genommen nichts dafür können und sie vor allem durch unsere Gesellschaft zu Kriminellen geworden sind? Darf nicht einfach verlangt werden , dass man sich an die Spielregeln hält? Haben Bürger nicht ein Anrecht darauf, sicher leben zu können? Dürfen wir nicht erwaren, dass Gesetze einfach eingehalten werden? Auch dann, wenn die Versuchung nach einer Uebertretung noch so gross ist oder jemand frustriert sein könnte. Auch dann, wenn jemand nur deshalb stiehlt, weil er seine Bedürfnisse unbedingt befriedigt haben möchte, weil er weder zu Hause, noch in der Schule, je gelernt hat, auf etwas zu verzichten. (Ich will es -aber subito!) Die billige Begründung der Statistiker ist Wasser auf die Mühle jener Soziologen, die dem Täterschutz mehr gewichten als den Opferschutz.

Nachtrag 9.9. Wieder und wieder Jugendgewalt

Quelle 20 Minuten online

Die Gewalttaten an der Zürcher Seepromenade häufen sich eindeutig: Erneut ist es zu einer wüsten Schlägerei gekommen. Ein 17-Jähriger ist auf der Intensivstation und schwebt in Lebensgefahr. Auf der Höhe des Opernhauses kam es zu einer üblen Schlägerei. Es vergeht kaum ein Wochenende, an dem die Zürcher Seepromenade nicht negativ in die Schlagzeilen gerät: Messerstechereien, betrunkene Teenager, Einbrüche, Vandalenakte, Jugendgangs. Trotz der überbordenden Gewalt definiert die Stadtpolizei die Zone seit diesem Jahr nicht mehr als Brennpunkt. Am Freitag ist es nun erneut zu einer groben Auseinandersetzung gekommen: Ein 17-jähriger Schweizer ist an der Seepromenade im Beisein seiner Clique von einer Jugendgruppe verbal angegriffen und verprügelt worden. Dabei erlitt der Teenager lebensbedrohliche Kopfverletzungen und befand sich auch gestern noch in sehr kritischem Zustand. FDP-Gemeinderätin Erika Bärtschi begreift nicht, warum die Polizei nicht mehr Präsenz zeigen will: «Wie lange will die Polizei noch zusehen?», ärgert sie sich. Bärtschi: «Die Teenager haben anscheinend erkannt, dass sie am See ungestört sind, was die Situation eher verschärfen als beruhigen wird.»

Weshalb soll die Polizei aktiv werden, wenn die Gesellschaft schuld ist an der Jugendgewalt?