Montag, 13. August 2007

Otto Stich, schade für Sie! ____________________________________________________________________________ Der frühere SP-Bundesrat Otto Stich mischt sich einmal mehr in die Politik ein. Er stellt sich sogar gegen seine eigene Partei. Es geht um die Lex Furgler. Das Thema sei ihm wichtig, findet der Ex-Bundesrat. Dennoch vertreten wir die Meinung: Wer zurückgetreten ist und das Szepter übergeben hat, sollte sich nicht mehr bei den Nachfolgern als Besserwisser aufspielen. ____________________________________________________________ Die Kritik an der eigenen Partei ist mehr als ungeschickt. Stich findet, die SP habe die Auswirkungen der Lex Furgler falsch analysiert, sonst wäre sie nicht für eine Abschaffung. Jeder Politiker sollte so weise sein, sich nicht mehr in die Geschäfte der Nachfolger einzumischen. Auch ein pensionierter Lehrer ist gut beraten, wenn er nach seinem Rücktritt nicht mehr in seinem Schulhaus "dreinredet". _________________________________________________________________ Schon Ruth Dreifuss konnte es nicht lassen ________________________________________________________________________ Die Ex-Bundesrätin liess sich als Galionsfigur für eine Abstimmungskampagne vor den Karren spannen, bei einer Initiative, die gegen den neuen Bundesrat gerichtet war. Nach meinem Dafürhalten war dieses Engagement - unabhängig von Sieg oder Niederlage - äusserst ungeschickt gewesen. Ich kenne einen Politiker, der nach seiner Pensionierung dem Nachfolger immer wieder gute Ratschläge erteilt hatte und sogar in der Presse seine Ratschläge mit Leserbriefen kund tat. Er kritisierte den neuen Amtsinhaber in Sachfragen. Damit büsste der Ex- Politiker in der Oeffentlichkeit enorm an Goodwill ein. Was nicht heissen will, dass es einem Ex Bundesrat verboten wäre, sich politisch zu betätigen oder sich für Soziales zu engagieren. Bei Sachfragen jedoch, die Entscheide der neuen Behörde oder der eigenen Partei betreffen, müsste er unbedingt schweigen und sollte sich bei diesen Geschäften zurückhalten. Otto Stich gehörte schon früher zu jenen Magistraten, die es nicht fertig gebracht hatten, sich nach dem Rücktritt in Bescheidenheit zu üben und sich in politischen Fragen der neuen Bundesregierung konsequent zurückzuhalten. Der erste Bundesrat, dem die Weisheit der Zurückhaltung fehlte, war JAKAOB DUBS. Er schied 1872 im Streit aus dem Rat. Er gewann dann noch eine Kampagne gegen den Bundesrat. OTTO STICH konnte es nicht verkneifen, immer wieder gegen den Bundesrat zu sticheln. DOELF OGI mahnte auch einmal zu klaren Worten in der EU Frage. RUDOLF FRIEDRICH publizierte lediglich seine Sorgen, ohne aggressiv zu werden. RUTH DREIFUSS legte sich nach ihrem Rücktritt gegen den Bundesrat an. Sie kämpfte schon einmal (erfolgreich!) gegen die AHV Revision. Blocher, gefragt, was er zu den Attacken der Alt-Bundesrätin gegen die amtierende Regierung sage, meinte lapidar: "Das ist eine Frage des Stils, und dazu äussere ich mich bekanntlich nicht." Obschon viele Journalisten geglaubt hatten, Ruth Dreifuss könnte die Abstimmung zu Fall bringen, war nach unserem Dafürhalten auch das aufdringliche Engagement der Alt- Bundesrätin bei den Asyl-Vorlagen kontraproduktiv. Das Resultat bestätigte dies dann. _________________________________________________________________________ Kommentar: Es ist nicht nur eine Frage des Stils, sich zurückzuhalten, wenn man nicht mehr im Amt ist. Es ist auch eine Frage der Vernunft und Klugheit. Wer älter wird, könnte auch weiser werden.

Sonntag, 12. August 2007

Wie sich Daniel Vasella in der Sendung Sternstunde rechtfertigte ______________________________________________________________ (SF 1 Sternstunde vom 12. August 07) _______________________________________________________________ Vasella nahm zu seinen unvorstellbar hohen Geldbezüger Stellung (Ich verzichte aus das Wort Verdienst, denn bei einem Verdienst müsste er ja die Summen tatsächlich verdient haben): _______________________________________________________________ Auch bei den individuellen Spitzenlöhnen schwingen die Finanz- und Pharmavertreter obenaus: UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel führt die Rangliste, wie berichtet, mit 24 Millionen Franken vor Novartis-Chef Daniel Vasella mit 21,3 Millionen Franken, Roche-Chef Franz Humer mit 14,7 Millionen Franken und Nestlé-Präsident Peter Brabeck mit 13,8 Millionen Franken klar an.

Faktisch dürfte aber Vasella der Spitzenverdiener sein. Denn anders als die UBS weist Novartis Optionen zum Steuer- statt zum Marktwert aus. Gemäss der Anlagestiftung Ethos kassierte Vasella letztes Jahr rund 30 Millionen Franken, seine Optionen werden ebenfalls zum Marktwert berechnet. Auch bei Brabecks Salär sind die Optionen nur zum tieferen Steuerwert berechnet.

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Vasellas Argumentation zu den Summen, die er jedes Jahr kassiert, geben Normalsterblichen zu denken. ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: Er nehme nur, was ihm gegeben werde, sagte Vasella ganz bescheiden , als wolle er sich damit die Hände in Unschuld waschen. Armer Herr Vasella, Sie müssen leider das Geld entgegennehmen. Ob Sie wollen oder nicht. Es ist gleichsam ein Zwang. Sie haben nichts dafür. ________________________________________________________________ Früher gab es Leute die hungerten und es gab auch sehr Reiche! Herr Vasella, mit dieser Bemerkung sagen Sie implizit: Heute gibt es Reiche aber keine Armen. Sie beschönigen mit dieser Aussage die Abzockerei, indem Sie sich rechtfertigen und meinen: Früher war es schlimmer. ___________________________________________________________ Kommentar: Tatsächlich hat sichVasella die Höhe der ausbezahlten Summen nicht selbst festgelegt. Es wäre jedoch überlegenswert, ob Manager, die so hohe Summen beziehen, nicht auch haftbar gemacht werden müssten, wenn es dem Betrieb schlecht geht. Niemand kann es verstehen, dass Manager auch noch enorme Summen erhalten (als Belohnung), wenn Sie Ihren Betrieb verschachern oder ihren Posten verlassen müssen (goldene Fallschirme).

Freitag, 3. August 2007

Wortwahl bitte ernst nehmen - dies gilt auch für Journalisten ________________________________________________________________ Es besteht bekanntlich ein Unterschied zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen. Beides bedeutet zwar Licht. __________________________________________________________________ Ich zweifle daran, dass der Blickredaktor, welcher am 3. August seinen Beitrag ________________________________________________________________________ "Stacheldraht ums Rütli?" ________________________________________________________________________ geschrieben hatte, die Genauigkeit seiner Wortwahl nachträglich kritisch reflektiert hatte. ____________________________________________________________________ 1. Der Journalist schreibt zuerst von einer "richtigen Seeschlacht" auf dem Vierwaldstättersee. ___________________________________________________________________ In Wirklichkeit wurden jedoch nur ein paar Gummiboote mit paddelnden PNOS Aktivisten an ihrer dilletantische Ueberfahrt gehindert und am Schluss mit einem Wasserwerfer gestoppt. _________________________________________________________________ 2. Im Beitrag steht ferner: ____________________________________________________________________ Jetzt werden auf der Wiese nachts aber schon Sprengsätze verbuddelt. _____________________________________________________________________ Tatsächlich wurde nur ein Sprengsatz - der übrigens im Handel unter den Feuerwerken erhältlich war - auf der Rütliwiese vergraben. Sprengsätze (Mehrzahl) klingt nach mehreren Sprengkörpern. Ob es nachts war, ist übrigens so wenig nachgewiesen worden, wie die Frage, ob die Explosion mit einem Zeitzünder ausgelöst wurde, oder ob sie ferngezündet worden war. Obwohl diese Tat mit krimineller Energie verbunden war, müsste ein Journalist Sachverhalte stets präzis wiedergegeben. ____________________________________________________________________ 3. BLICK schreibt zudem im Beitrag: _______________________________________________________________________ Falls die Polizei die Pnos an der "Andacht an unsere Vorfahren" hindern wolle, soll der Sturm aufs Rütli jedes Wochenende wiederholt werden. _____________________________________________________________________ Von Sturm aufs Rütli war aber nirgends die Rede. Die Pnos riefen (gemäss Internet) lediglich ihre Gesinnungsgenossen dazu auf, am kommenden Sonntag aufs Rütli zu strömen. Auf dem Rütli sollen Würste gebraten und zwei Reden gehalten werden. Sollte die Polizei das Vorhaben erneut unterbinden, will die Pnos «jedes Wochenende einen Aufruf machen, bis dem ausgeweideten Staatsskelett das Moos ausgeht». ________________________________________________________________________ Kommentar: Es geht darum, extremes Gedankengut weder gut zu heissen noch zu bagatellisieren. Doch ist es kontraproduktiv, wenn zwar aus nachvollziehbarer Antipathie Sachverhalte verfärbt werden. Es geht immerhin um die Glaubwürdigkeit der schreibenden Zunft. Wenngleich kein vernünftiger Mensch rechtsextreme Aktivisten unterstützen will, so dürfen wir beim Schreiben durch unsere persönliche Empörung die Formulierung ncht willkürlich zuspitzen. Ein Profi-Journalist unterscheidet stets zwischen Glühwürmchen und Blitz.

Donnerstag, 2. August 2007

Weitere unredliche Methoden ___________________________________ Mit kurzen offenen Fragen den Redefluss hemmen ______________________________________________ Diese Art des Unterbrechens ist auch eine Waffe des Kampfrhetorikers. Z.B. "Finden Sie dies gut? Nicht? Weshalb erwähnen Sie es dann?" ____________________________________________________________ oder: Verwirrende Gegenfrage: "Wie kommen Sie auf diese Frage?" ________________________________________________________ Den Naiven spielen _______________________________________________________ Absichtlich nicht verstehen wollen. Das Gegenüber spielt den Ahnungslosen. Dies irritiert. Man verliert bei dieser Taktik die Geduld und den roten Faden. ________________________________________________________ Ständig dagegen sein - gegen alles __________________________________________________________ Das ständige Widersprechen verwirrt besonders, wenn mit der Körperhaltung die Missbilligung zusätzlich verstärkt wird. "Interessant, aber...." Falls diese Provokation Früchte trägt und das Gegenüber ungehalten reagiert, wird der Unschuldige gemimt: "Ich wollte Sie doch nur mit einer Gegenmeinung eine differenziertere Betrachtungsweise bewusst machen." _____________________________________________________________ Ohne direkt zu beleidigen, das Gegenüber beschuldigen _____________________________________________________________ Mit dem Finger auf das Gegenüber zeigen. "Sie verstehen mich falsch!" Falls dann das Gegenüber aggressiv reagiert: "Es ist sinnlos mit ihnen zu diskutieren, sie reagieren aggressiv!" (Gespräch abbrechen) ______________________________________________________________ Kompetenz bezweifeln ______________________________________________________________ Es werden die Fähigkeiten des Gegenübers bezweifelt - nicht die Inhalte der Argumentation: "Sie können es nicht besser wissen, weil Ihnen die Erfahrung fehlt" (bei einer jungen Person) "Verständlich, dass Sie so reden in Ihrem Alters. Man ist halt nicht mehr so zeitgemäss!" (Bei einer älteren Person) Besonders wirkungsvoll ist diese Technik, wenn der Vorwurf mit dem Satz eingeleitet wird: "Sie nehmen es mir sicher nicht übel, wenn ich offen rede. Es ist nicht persönlich gemeint." __________________________________________________________________ Herabwürdigen __________________________________________________________________ Offen beleidigen: "Wir wissen, dass Sie als Politiker nicht an konkreten Lösungen interessiert sind." _____________________________________________________________ "Als Journalist können Sie dies natürlich nicht wissen." _____________________________________________________________ "Die Farbe Ihres Hemdes entspricht Ihrer Gesinnung." _____________________________________________________________ " Wenn jemand so viel isst wie Sie, so hat dies gewiss einen Einfluss auf das Denken." ___________________________________________________________________ Moralisieren ___________________________________________________________________ "Wer heute noch für Atomkraftwerke ist, der spuckt auf die Gräber der Atomtoten in Tschernobyl." ___________________________________________________________________ Den grosszügigen Strategen mimen ___________________________________________________________________ "Gefragt ist die grosse Linie!" ___________________________________________________________________ Floskeln statt Argumente __________________________________________________________________ "Das muss jedem mit gesundem Menschenverstand einleuchten." ___________________________________________________________________ Der Konjunktivtrick ___________________________________________________________________ "Was würden Sie tun, wenn Sie das grosse Los gewännen?" Es ist erstaunlich, wie Leute - ohne es zu wissen - bei hypothetischen Fragen sehr viel von sich preis geben. Mehr als sie sonst sagen würden. __________________________________________________________________ FAZIT __________________________________________________________________ Unangenehme Fragen müssen Sie erkennen und benennen. Statt mit einer Gegenfrage zu kontern, gibt es auch eine Killerantwort, die oft hilfreich sein kann: "Moment - da muss ich erst einmal in Ruhe nachdenken!"

Sündenbock Handy? ______________________________________ In einer Wohnung in Pfullendorf (Kreis Sigmaringen) quälten jüngst fünf Mädchen im Alter von elf bis 15 Jahren eine 14-jährige Mitschülerin mehrere Stunden lang und filmten das grausame Geschehen mit ihrem Video-Handy, das bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmt werden konnte. Wenn ein Mädchen von elf- bis 15-jährigen Mitschülerinnen geschlagen und getreten werden kann und mit einem Feuerzeug und einer glühenden Zigarette Brandwunden zu gefügt wurden, das Opfer vom Quintett gezwungen werden konnte, sich zu entkleiden - wenn dem Mädchen rohe Eier auf ihrem Kopf zerschlagen wurden und die entwürdigenden Handlungen mit einem Video-Handy aufgenommen werden, so stellt sich die Frage. Wer trägt an solchen Auswüchsen die Schuld: Das Opfer? Die Täterinnen? Die Eltern? Die Lehrpersonen oder: Ist das Handy schuld, weil heute die Gewalttaten gefilmt und gezeigt werden können? _____________________________________________________________ An der betreffenden Schule, die alle Beteiligten besuchen, waren nach Informationen des SÜDKURIER Lehrer und Schüler gleichermassen schockiert. Nach der "menschenverachtenden Tat" wurden angeblich entsprechende Konsequenzen eingeleitet und weitere Massnahmen sind geplant. Dazu gehörte auch, dass Themen wie Gewalt oder die Verbreitung gewalttätiger Videos via Handy im Unterricht zum Thema gemacht wurden. ___________________________________________________________________ Immer wieder ist das Handy im Spiel ___________________________________________________________________ Nach seriösen Studien besitzen 92 Prozent aller Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren ein Handy. Ein Drittel der jugendlichen Handy-Besitzer soll danach schon brutale Videos oder Pornofilme erhalten haben. Unterschieden werden so genannte Snuff-Videos, auf denen Morde, pornographische Inhalte sowie nachgestellte Demütigungen gezeigt werden. Und das so genannte Happy Slapping, bei dem meist Jugendliche Gewalttaten an anderen praktizieren und diese auch filmen. ___________________________________________________________________ Lehrermobbing mit Handyfilmchen ___________________________________________________________________ Deutsche Lehrer klagen über Erniedrigungen im Internet In Berlin werden seit Monaten Lehrer von ihren Schülern im Internet verunglimpft und diffamiert. Eine „neue Form des Mobbings“ beklagt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft .Sie findet: Die schlimmsten Vorkommnisse müssten künftig als Straftaten gewertet werden. Von „psychischen Gewalthandlungen“, für die „Null Toleranz“ gelten müsse, spricht die stellvertretende GEW- Vorsitzende Marianne Demmer. Die unkontrollierte Verbreitung der Inhalte über das Internet in die ganze Welt mache diese neue Form der Gewalt -laut Lehrergewerkschaft - so unkontrollierbar und gefährlich. Wir fanden keine signifikante Statistik zu diesem neuen Phänomen. Somit ist es schwer zurückzuverfolgen, ob und wie viele Lehrer etwa Anzeige gegen Schüler erstattet haben. In Grossbritannien ist das Phänomen des Mobbings per Internet oder Handy immerhin seit längerer Zeit ein Thema: So war einem Lehrer vor laufender Handy-Kamera die Hose heruntergezogen worden, als er an der Tafel stand. Zwei Stunden später konnte jeder, der es wollte, die Szene im Internet ansehen. 17 Prozent der befragten Lehrer hätten angegeben, schon einmal oder mehrfach im Netz oder per Handy gemobbt worden zu sein. Deshalb fordert Demmer Pädagogen auf, „konsequent zu handeln“. Ein solcher Vorfall müsste offensiv im Kollegium besprochen werden. Genauso wie bei Fällen körperlicher Gewalt bestehe auch bei derartigen Mobbing-Taten eine Meldepflicht an den Schulrat, den schulpsychologischen Dienst und der Senatsverwaltung für Bildung. „ Alle gemeinsam sollten versuchen, einen solchen Vorfall „aufzuarbeiten“. Sobald die Täter entlarvt werden, sei es wichtig, dass diese auch zur Rechenschaft gezogen werden. „Es muss eine Entschuldigung geben, aber auch einen Täter-Opfer-Ausgleich“, war zu lesen. In gewissen Schulen arbeiteten die Lehrkräfte mit Experten der Polizei, so genannten Diversionsmittlern, zusammen. __________________________________________________________________ Bei den Erniedrigungen im Internet geht es nicht mehr um „Dumme-Jungen-Streiche“ , sondern um Straftaten, die erhebliche Konsequenzen haben müssten. Die Opfer könnten durch psychische Gewalt ein Leben lang traumatisiert werden. So müssten sich die zuständigen Stellen fragen und überlegen , ab nicht die Betreiber bestimmter Internet-Plattformen zivilrechtlich belangt werden könnten: Indem diese auf Schadenersatz verklagt werden, falls sie die Mobbing-Inhalte der Schüler unkontrolliert über ihre Plattformen verbreiteten. ____________________________________________________________ Und in der Schweiz? __________________________________________________________________ In einer Diskussionsrunde anlässlich der Schweizerischen Lehrerfortbildungskurse in Aarau wurde mir bewusst, dass das Handy- Mobbing noch kein zentrales Thema ist. Doch wurde die Thematik (Handyverbot?" heftig diskutiert. Die Meinungen gingen auseinander. Die Lehrpersonen setzten sich mit der Thematik am eigenen Schulort konkret auseinander. Es gab Befürworter eines striken Verbotes und Lehrkräften, die den Jugendlichen beibringen möchten mit dem Handy richtig umzugehen. Es gibt Schulhäuser, dort wird bereits ein Handverbot durchgesetzt. In einer grösseren Zürcher Gemeinde gilt das Handyverbot nur auf dem Schulareal. Jedes Kind hat ein abschliessbares Kästchen. Dort können die Handys (Jugendliche besitzen sogar mehrere Handys) deponiert werden. Eine Sekundarlehrerin vertrat die Meinung, man könne problemlos die Nutzung des Handys auf dem Schulareal durchsetzen, so wie das Rauchverbot. Beim Rauchverbot müssten ja die Zigaretten auch nicht abgegeben werden. So würden die Handys auch nicht konfisziert. Doch werde der Nichtgebrauch konsequent durchgesetzt. Es gelte lediglich ein generelles Verbot der Nutzung. Falls sich jemand nicht an die Regel hält, so hat dies Konsequenzen. ____________________________________________________________________ Was sagt der Medienpsychologe? ____________________________________________________________________ Ich zitiere Daniel Süss, Professor für Medienpsychologie an der Hochschule für Angewandte Psychologie, Zürich (Interview im 20 Minuten online): __________________________________________________________________________ Also: Was tun? __________________________________________________________________________ Es braucht medienpädagogischen Unterricht. Jeder wird heute zum Kameramann und Regisseur. Es geht dabei darum, den Jugendlichen die sozialen Konsequenzen des Mediengebrauchs und –missbrauchs zu erklären und sie zu einem kreativen statt destruktiven Medienumgang zu führen. _________________________________________________________________________ Ein Handyverbot ist also das falsche Mittel? _________________________________________________________________________ Das Verbot allein ist eine Massnahme, die konsequent erscheint, aber nichts bringt. Dass die Gesellschaft Richtlinien hat, finde ich schon wichtig. Frauenverachtende oder Gewalt verherrlichende Filme müssen verboten sein. Aber das Medium als ganzes verbieten, kann nicht der richtige Weg sein. _________________________________________________________________________ Aber wie soll ein Lehrer, der provoziert wird, mit dem umgehen? Kein Handyverbot? ___________________________________________________________________ Dieser Lehrperson würde ich als erstes einmal raten, das Verhältnis mit den Schülern zu verbessern. Für eine Phase kann es in solchen Fällen durchaus ut sein, das Handy zu verbannen, bis die Verständigung wieder funktioniert. Aber die konflikte liegen nicht einfach beim Medium. sondern das Medium wird benutzt, um sie auszutragen. ____________________________________________________________________ FAZIT: Auch ich finde, dass Jugendliche mit den neuen Medien umgehen lernen müssen - Neu sind heute die Möglichkeiten Filme und Bilder sofort ins Netz zu stellen - Nicht nur die Kinder, auch die Medien, Eltern, Erzieher und Produzenten müssen Ihre Verantwortung wahrnehmen. Verbote können kaum durchgesetzt werden, da Kinder schon mehrere Handys haben. Die These, dass Lehrkräfte selbst schuld sind, wenn sie mit Internetfilmchen an den Pranger gestellt werden, greift zu kurz. Auch die Selbstschutzbehauptung teile ich nicht, dass die Gesellschaft oder der Druck der Schule Mädchen zu Foltermägden gemacht habe.

Mittwoch, 1. August 2007

Was mich gestört hat: __________________________________________________________________________ 1. August Reden, die mit einem parteipolitischen Schlagabtausch gekoppelt werden. __________________________________________________________________________ Am 1. August dürfen gewiss politische Fragen erörtert und kritische Fragen gestellt werden. Der 1. August ist jedoch ein Tag der Standortbestimmung oder der Reflektion unseres Landes. Politische Fragen sind am Nationalfeiertag kein tabu. Wenn jedoch Roger Köppel an der 1. Augustrede - in Schaffhausen - die Sozialdemokratische Partei frontal angreift oder Micheline Calmy-Rey - auf dem Rütli - die SVP zwei mal hart attakiert und sogar ihre prifilegierte Plattform auf dem Rütli für ein Statement gegen deren Initiative missbraucht, dann geht dies zu weit. __________________________________________________________________ Die Reden verkommen zu einem parteipolitisches Gezänke, anstatt Antworten auf politische Fragen zu geben. Diese Angriffe sind in einer 1. Augustrede fehl am Platz, zumal die beiden angegriffenen Parteien Bundesratsparteien sind. _________________________________________________________________ Kommentar: Wenn sich ein Redner oder eine Rednerin in der momentanen Stimmung unbedachterweise zu einem derartigen unrühmlichen parteipolitischen Schlagabtausch hinreissen lässt, so wird sich später erweisen, dass dieser Giftpfeil zu einem Bumerang mutiert. Ich bin überzeugt, dass diese Fauxpas im Wahljahr für die Redner noch negative Folgen haben werden.

Sonntag, 29. Juli 2007

Pascale Bruderer: Einsichtig geworden oder ist alles nur Wahltaktik?

Seit Jahren machte sich die SP Schweiz für eine Legalisierung der weichen Drogen stark und lehnte stets repressive Massnahmen ab. So auch bei Gewalt in den Schulen, bei der Ausschaffung krimineller Ausländer. Die SP setzte auf die Einsicht und verlangte kostenträchtige Massnahmen bei der Prävention, Therapie, Mediatoren , der Integration oder forderte zusätzliche Sozialarbeiter. Im Wahljahr stellen wir heute mit Erstaunen fest, dass nach der happigen Wahlschlappe in Zürich plötzlich doch noch auf die Stimme des Volkes gehört wird und in verschiedensten Bereichen härteres Durchgreifen gefordert wird.

Nachdem bei der "Tour de Farce" in Frankreich ein Dopingfall nach dem anderen entdeckt worden ist, ist nun die SP auch bei dieser aktuellen Thematik sofort aufgesprungen. Es ist Pascale Bruderer, die zu unserem Erstaunen eine Verschärfung der Doping Strafnorm verlangt. Erstaunlich, dass es ausgerechnte die SP ist, die in diesem Fall noch einen Schritt weiter gehen will als das Bundesamt für Sport. Pascale Bruderer plötzlich als Vorreiterin zur Aufdeckung von Missständen beim Sport? Wie kommt es zu diesem Umdenken? Bruderer will die Strafnorm auf Dopingmittel wie Anabolika, Epo, Wachstumshormone oder Gendoping durchsetzen. Die SP fordert somit: Härte statt Nachsicht. Das ist neu! Nur beim Konsum von Cannabis hätte dies für die SP Politikerin keine Folgen. Hier bleibt sich Bruderer immerhin ihrer alten Philosophie treu. Was uns vor allem erstaunt: Die neuen Forderungen nach vermehrten Kontrollen. Ob der Ruf nach härterem Durchgreifen und Repressionen von Pascale Bruderer später auch noch bei der Jugendgewalt und bei den kriminellen Ausländern gefordert wird? Es würde uns nicht erstaunen.

Kommentar: Jeder Mensch darf einsichtig werden und einsehen, dass die frühere Politik des Gewährenlassens in eine Sackgasse geführt hat und von der Bevölkerung nicht verstanden wurde. Ob der Gesinnungswandel (härteres Durchgreifen) so kurz vor den Wahlen als ehrliche Einsicht gewertet wird oder vielmehr als geschickte Wahltaktik gesehen wird? Das werden später die Wahlresultate zeigen. Hans- Jörg Fehr vertrat jedenfalls noch vor wenigen Wochen die Meinung, die SP werde ihren Inhalten treu bleiben.

Nachtrag :Im Sonntagsblick unter "classe politique"gelesen: Pascale Bruderer habe dem "Magazin" verraten, was sie "nicht mag": "Meine Stimme am Radio." Dagegen gebe es aber doch ein höchst wirksames Mittel, meint der Kommentator: Den Mund zu halten, wenn das Radio kommt. Der SP Jungstar, der bei allen Problemen mitreden will, wird diesen Rat wohl kaum beherzigen.

Nachtrag 27. August:

Pascale Bruderer bewies erneut politisches Geschick

Im Gegensatz zur früheren Paradefreisinnigen, Maya Lallive d'Epinay - die es versäumt hatte, die Bevölkerung des eigenen Kantons zu berücksichtigen - sprang Pascale Bruderer über ihren eigenen Schatten und zeigte sich in der Oeffentlichkeit am Schwingerfest in Aarau, bei einer typischen Männerveranstaltung (Micheline Calmy-Rey brach mit der Tradition und lehnte als Rednerin der "Frauen- Rütlifeier" ihre Präsenz am Schwingerfest ab). Böse Zungen könnten nun behaupten, Pascale Bruderer sei ein Windfähnchen und buhle mit ihrem Auftritt lediglich um Stimmen im eigenen Kanton. Wir sehen es nicht so:

Sie bewies mit ihrer Präsenz politische Klugheit. Sie gewinnt dadurch als Sportpolitikerin über die Fraktionsgrenzen hinweg an Ansehen.

Nachtrag 25. November 07

Pascale Bruderer: Schon wieder politisch klug gehandelt

Das Amt der Parteipräsidentin hat Pascale Bruderer abgelehnt. Sie weiss genau, dass sie dieser Job voll und ganz beansprucht hätte. Sie kennt die zeitraubende Arbeit einer Parteipräsidentin. Bestimmt ist zudem die junge Politikerin so klug, sich auszurechnen, dass es ein gewagtes Unterfangen wäre, eine Partei aus dem derzeitigen Tief heraus zu manöverieren. Das Risiko, sich für die Sache aufzureiben, um nachher höchstens noch den Undank ernten zu müssen, ist bei der SP derzeit gross. Ich finde, Pascale Bruderer sah bestimmt andere Wege, die politische Leiter zu erklimmen. Wege, die weniger riskant sind. Jemand, der so anpassungsfähig und flexibel ist, wie Pascale Bruderer, dem wird - auch ohne Parteipräsidium - früher oder später eine weniger riskanter Weg nach oben angeboten werden.

Nachtrag 3. Dez:

Die Zurückhaltung hat sich gelohnt

Pascale Bruderer wurde nun 2. Vizepräsidentin des Nationalrates. Die 30-jährige Aargauer Sozialdemokratin erhielt am Montag 127 von 189 gültigen Stimmen. Die grüne Kampfkandidatin Maya Graf (BL) kam nur auf 49 Stimmen.

Kommentar: Pascale Bruderer zeichnet sich einmal mehr als clevere Taktikerin aus. Der Wahl zur Vicepräsidentin bestätigt dies.