Sonntag, 27. Mai 2007

Rütlifeier für alle __________________________________________________________________ Die Mehrheit der Bevölkerung ist sich einig: Das Rütli muss am ersten August der ganzen Bevölkerung zur Verfügung stehen. Weshalb hat die Rütlikommission nicht auf die innerschweizer Kantone gehört , die immer wieder ein patriotischen Fest für alle - verbunden mit einer Feier und traditionellen Einlagen (Jodler, Fahnenschwingen und volkstümlicher Musik) - gefordert hatten? Diese Frage müsste eigentlich Judith Stamm - die Verantwortliche der Rütlikommission - beantworten. ______________________________________________________________ Der Rütli-Knatsch erinnert uns an die Streitereien im Vorfeld der letzten EXPO. Dort wollte man zuerst auch die Bedürfnisse der Bevölkerung ausklammern und weltfremde Events aufzwingen, die das Publikum nicht verstanden hate. Im letzten Augenblick kam es damals doch noch zu einigen Korrekturen. ____________________________________________________________________ Die letztjährige 1. Augustredner war alles andere als eine geglückte Veranstaltung. Die Rütlikommission boxte ihre Feier durch - mit enormen Kosten. In Nachhinein hatte sich gezeigt, dass der Redner Markus Rauh, im Grunde genommen gar nicht gerne öffentlich auftreten wollte. Die Plattform Rütli nutzte er nur, um von seinen persönlichen Problemen abzulenken. Mit einem Aufwand von einer Million Franken wurde diese einseitige Rede für sein politisches Anliegen durchgesetzt. Markus Rauh exponierte sich in seiner Rede gegen die Asylvorlagen als 1. Augustredner auf dem Rütli, obschon er früher nie in die Medien kommen wollte. Nach der Niederlage (Asylabstimmung) kam der Redner erneut ins Rampenlicht. Aber als ehemaliger Swisscom Chef und diesmal unfreiwillig. Obschon er es genau gewusst hatte, gestand Markus Rauh erst nach der Asylabstimmung ein, dass er unter Insiderverdacht stand. Dafür erntete er heftige Kritik in den Medien, im Parlament und in der Öffentlichkeit. Der Erstaugust-Redner und Anführer des Komitees gegen das Asylgesetz musste einräumen, dass er das Verfahren zuvor aus Rücksicht auf die Abstimmungskampagne geleugnet hatte. Zudem gab er zu, seine Transaktion der Börsenaufsicht nicht sofort gemeldet zu haben. Die Rütlikommission muss sich heute den Vorwurf gefallen lassen, dass sie mit einigen Konzepten keine glückliche Hand hatte. 2007 planten sie eine Feier nur für Frauen. Dann nur für Mütter mit ihren Kindern . Es wurde zwar plötzlich von einer sogenannten Familienfeier gesprochen (ohne Männer?). Rednerinnen: Zwei prominente Politikerinnen (Die Bundespräsidentin und die Präsidentin des Nationalrates). __________________________________________________________________ Micheline Calmy-Rey hat insofern recht, als sie selbst alle Bürger zu einem Dialog einladen will. Sie würde sogar mit Rechts- und Linksextremen reden. Sie gibt sich heute als Verfechterin der Redefreiheit. Auch wir befürworten Dialoge und die Redefreiheit. ____________________________________________________________________ Doch kommt diese Dialogbereitschaft reichlich spät. Es besteht jetzt die Gefahr, dass sich die Linken und Rechten auf dem Rütli in die Haare geraten. Dadurch wird möglicherweise die Wiese am 1. August 07 gesperrt werden müssen. Der erwünschte Dialog könnte somit gar nicht zustande kommen. ____________________________________________________________________ Da nicht auf die Innerschweizerstimmen gehört wurde, stehen wir wahrscheinlich vor einem Scherbenhaufen. ____________________________________________________________________ Der eigenwillige Alleinauftritt der Bundespräsidentin wird als Zwängerei beurteilt, zumal der Innerschweiz vor zwei Jahren von zwei Bundesräten versprochen worden war, dass zur Beruhigung der Lage, vorläufig keine Bundesräte mehr auf dem Rütli auftreten werden. Die Bundespräsidentin will zwar davon nichts mehr wissen. Man wirft in der Presse Micheline Calmy- Rey und Judith Stamm Profilierungsneurose vor (Bote der Urschweiz). Die Einwohner der Innerschweiz glauben nach wie vor ein Anrecht zu haben, auf ein problemloses Volksfest - ohne Provokationen. Die Rütlikommission habe nämlich genau gewusst, dass sich die Kantone eine kleinerer Feier wünschen. Doch suchte Judith Stamm nie den Dialog mit der Oeffentlichkeit. Sie wollte einfach ihre einseitigen Feiern durchboxen. Judith Stamm tritt von ihrem Amt zurück und es besteht somit die Chance, dass nächstes Jahr die Wünsche der Bevölkerung doch noch mitberücksichtigt werden - mit einer traditionellen Rütlifeier für alle! ALLE MUSS DANN HEISSEN: ALLE! PS: Dass sich die SP am 1. August plötzlich patriotisch zeigt und die SP Bundesrätin - trotz abgesagter Feier - auf ihrerRede auf dem Rütli beharrt , mag erstaunen. Es ist vielleicht sogar erfreulich. Was ich mir anderseits nicht gut vorstellen kann, dass umgekehrt am 1. Mai (am Tag der Arbeit) Bundesrat Blocher unbedingt bei der wichtigsten Veranstaltung der Gewerkschaft auftreten möchte und darauf beharrt, in Zürich eine Rede zu halten. Dies würde sicherlich von den Gewerkschaften nicht goutiert. Ich schlage deshalb vor, dass Ueli Maurer sich nächstes Jahr als Redner am 1. Mai aufdrängt. Der Aufschrei der Entrüstung wäre ihm gewiss . Doch würde diese Provokation die heutige groteske Situation bewusster machen .

Sonntag, 20. Mai 2007

Micheline Calmy-Rey tritt zwar als Sängerin auf - Bei heiklen Abstimmungen soll hingegen ihre Stimme verstummen ______________________________________________________________ Bundespräsidentin Calmy-Reys Auftritt am Fernsehen hatte überhaupt nichts mit der Politik zu tun. Ich vertrat immer die Meinung, dass sich Politiker nicht über Gags oder populäre Auftritte profilieren sollten, sondern nur über ihr Amt oder ihre politischen Aussagen. Wenn die singende Bundespräsidentin ausgerechnet dann dann schweigen will, wenn es um heikle Abstimmungen geht, so gibt dies zu denken. Micheline Calmy-Rey, die keine Bedenken hatte, im Fernsehen ihre Stimme als Sängerin erklingen zu lassen, verlangt nun, dass die Bundesräte bei Vorlagen und Abstimmungen nicht mehr reden sollten, falls sie gegen die eigenen Partei aussagen müssten. Sonderbar nicht wahr? Wenn es um heikle Auftritte geht, soll die die Stimme der Bundesrätin verstummen. Bei einem TV- Gag, der nichts mit der Politik zu tun hat, hatte sie keine Bedenken. Für uns ist dies eine verkehrte Welt: Auf das Chanson hätte Michline Calmy-Rey verzichten müssen und bei politischen Auftritten erwartet die Bevölkerung von ihr konkrete Aussagen - vor allem bei heiklen Abstimmungen.

Donnerstag, 17. Mai 2007

16.05.2007 - Quelle Tages-Anzeiger Online ___________________________________________________________________________ Verhandlungen Nein, Dialog Ja __________________________________________________________________________ Nach Tagesanzeiger online ist der Bundesrat lediglich bereit, mit der EU zu gegebener Zeit den Dialog über die Frage der Holding-Besteuerung aufzunehmen. Weil nun Verhandlungen offiziell ausgeschlossen sind, hat die Auseinandersetzung im Steuerstreit mit der EU rhetorische Dimensionen angenommen. Verhandlungen Nein, Dialog Ja, heisst es. Das ist laut Finanzminister Hans-Rudolf Merz und Aussenministerin Micheline Calmy-Rey die Position des Bundesrates im Steuerstreit mit der EU. Vielleicht wäre es gut, wenn alle Betroffenen die Begriffe, wie - Streit - Auseinandersetzung - Konflikt - Meinungsverschiedenheit - Dialog - Gespräch - Meinungsaustausch - Informationsveranstaltung - Verhandlung (Harvard Prinzip) - Debatte genau differenzieren. _________________________________________________________________ Niemand will beim nächsten Gespräch das Gesicht verlieren. Die EU nicht und die Schweiz nicht. Hätte die Schweiz jegliche Form eines Dialoges abgelehnt, so käme sie schlecht weg. Im heutigen Kommunikationszeitalter dürfen Gespräche nie abgeblockt werden. Das wäre ein Kommunikationsverhinderungsverhalten, für das niemand Verständnis hätte. Zwischen Dialog und Verhandlung gibt es einen wesentlichen Unterschied. Verhandlungen sind ergebnisorientiert und man kommt sich im Idealfall gegenseitig entgegen. Jede Seite verliert und gewinnt. Die Schweiz müsste bei Verhandlungen etwas von der eigenen Souveränität preisgeben. Beim Dialog hingegen geht es um die Darlegung der eigenen Position um einen Informationsustausch. Jede Seite kann zwar die eigenen Wünsche äussern. Doch wird bei diesem Dialog kein Vertrag angestrebt, es wird auch noch nicht debattiert. Es wird gefragt, zugehört und erläutert. Der Bundesrat stellte sich von Anfang auf den Standpunkt, das Freihandelsabkommen betreffe ausschliesslich den Warenhandel. Kein Vertrag verpflichte die Schweiz, ihre Unternehmensbesteuerung jener der EU-Mitgliedstaaten anzugleichen. Demnach gibt es für die Schweiz gar nichts zu verhandeln. Es geht um die Eigenständigkeit beim Steuerrecht. Diese Haltung habe der Bundesrat am Mittwoch bekräftigt, sagte Merz am Mittwoch vor den Medien. Er wolle die Wettbewerbsfähigkeit und die Steuersouveränität der Schweiz erhalten, den Weg des Bilateralismus fortsetzen und entscheidungsreife Projekte wie die Unternehmenssteuerreform und den neuen Finanzausgleich nicht gefährden. Laut Merz stehen enorme wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel. Die 20’000 in- und ausländischen Holdings mit ihren 150’000 Mitarbeitern brächten dem Fiskus unter allen Titeln jährlich rund 7 Milliarden Franken ein. Ihre Abwanderung - wohl nach Offshore-Finanzplätzen - brächte der Schweiz «ein grösseres finanzpolitisches Problem». Die Schweiz habe den Dialog nie verweigert, ergänzte Bundespräsidentin Calmy-Rey. Bis heute habe die Steuerkontroverse die Beziehungen zur EU nicht belastet. _________________________________________________________________ Kommentar: Die Gefahr des Dialoges besteht darin, dass die EU versuchen wird, die Schweiz in eine Verhandlung hinein zu manöverieren oder die Schweiz schon beim Dialog unter Druck bringen könnte. Die Delegeirten sind somit gefordert, der EU die Schweizer Position freundlich aber hart kund zu tun, damit alle EU Vertreter erkennen, dass es der Schweiz ernst ist mit ihrer Eigenständigkeit in Sachen Steuerhohheit. Ob die Abgeordneten vorgängig rhetorisch geschult werden?

Montag, 14. Mai 2007

Fördern, integrieren - heisst auch fordern ______________________________________________________________ Nach Tagesanzeiger online (14. Mai) müssten Schule und Erziehende bei Verhaltensproblemen rascher eingreifen. Der Beitrag trägt den Titel: _________________________________________________________________________ "Respekt fängt beim Grüssen an" ________________________________________________________________________ Die Integrationsbemühungen in Basel werden gelobt: Fördern und Fordern, lautet dort die Devise. Der Beitrag beginnt mit einer Geschichte: __________________________________________________________________ Zehn Uhr morgens, die grosse Pause bricht aus. Mit der Ruhe im Schulhaus ist es vorbei. Aus allen Klassenzimmern stürmen die Kinder in den Flur. Sie laufen die Treppen hinunter und stürzen sich in den Pausenhof, sie reden, rufen, lachen, gestikulieren, streiten sich und was lebendige Kinder zwischen 10 und 13 Jahren sonst noch alles tun. Nur einer schafft es nicht aus dem Gebäude, oder nicht sofort: Ein Lehrer ruft ihn scharf zurück. Er muss ihm die Baseballkappe abgeben, die er keck auf dem Kopf trägt. Warum? «Bei vielen Jungs gelten Kappen als Zeichen der Hierarchie», sagt Thomas Baumgartner, der an diesem Tag Pausenaufsicht hat. «Das akzeptieren wir nicht. Die einzigen Chefs an der Schule sind wir.» __________________________________________________________________ Die Orientierungsschule Gundeldingen befindet sich in einem Quartier, das die Basler Gündül nennen, weil hier so viele Türkinnen und Türken leben. Fast drei Viertel der Kinder sind fremdsprachig, ihre Eltern kommen aus der ganzen Welt. Klassen mit bis zu neunzig Prozent Ausländern sind keine Seltenheit. Auf Störungen wird stets unmittelbar reagiert! Der Schulplatz ist fast schon peinlich sauber aufgeräumt, die Wände sind frei von Graffiti, die Flure im schönen alten Schulhaus glänzen, die Kleider hängen korrekt an den Haken. Die Schüler dürfen an der Schule keine Handys benutzen und auf dem Schulhof keine Rollbretter. Lehrer und Schüler BEGRUESSEN sich, oft mit Handschlag. «Dabei schaut man sich in die Augen», sagt Stefan Meier, der seit 25 Jahren hier unterrichtet und UMGANGSFORMEN ALS AUSDRUCK VON RESPEKT wertet. Der Unterricht wird konsequent auf Hochdeutsch geführt, sogar im Sport. Auf Störungen reagieren die Lehrer SOFORT. «Aufgeber gewinnen nie», steht in einem der Klassenzimmer, in einem anderen hängen Regeln, wie man bei Streitigkeiten miteinander umgeht. Das heisst nicht, dass die Kinder hier dressiert werden, von Drill kann keine Rede sein. Es heisst nur, dass die Lehrer ihre Verantwortung wahrnehmen. «Fördern und Fordern» lautet das Prinzip, das er mit seinem Team für Basel entwickelt hat. An der Orientierungsschule Gundeldingen wird beides betrieben. Wie Gespräche mit Lehrern und der Schulleitung, mit Mediatoren und Beamten, Müttern und ihren Kindern zeigen, wird das Fordern durchgesetzt und das Fördern angewandt. Beides wird registriert und akzeptiert. Was versteht die Schule unter Fordern? Die Schule stellt Regeln auf, die den Kindern und ihren Eltern auch erklärt werden. Die Elternabende sind obligatorisch, und die Schulleitung macht klar, dass sie hier für die Ausbildung zuständig ist. Fordern heisst, dass fremdsprachige Mütter Deutschkurse besuchen, dass ihre Kinder auch beim Schwimmunterricht und dem Klassenlager mitmachen. Fordern heisst, dass die Jugendanwaltschaft unterrichtet wird, wenn zum Beispiel Kinder von Mitgliedern einer Bande eingeschüchtert werden oder sich selber in solchen Banden herumtreiben und andere plagen. Das geschehe an dieser Schule eher selten, sagt der leitende Jugendanwalt Beat Burkhardt, gerade weil die Lehrer gut zu den Kindern schauten. Sein eigener Sohn geht auch hier zur Schule. Fördern bedeutet, dass die Eltern in die Schulerziehung ihrer Kinder laufend einbezogen werden. Dass bei den Elternabenden Dolmetscher zur Verfügung stehen. Dass den Eltern im Umgang mit den Behörden geholfen wird. Auch das Fördern der fremdsprachigen Kinder wird in Basel mit einigem Aufwand betrieben, finanziert von Bund, Kanton und einem Spezialfonds. ____________________________________________________________________________ Was hat Basel, was Zürich noch fehlt? _____________________________________________________________________ In Basel glaubt man, dass die grössere Autonomie der Schulen sich bewährt. «Sie haben grössere Freiheiten, unsere Konzepte umzusetzen», sagt Hans Georg Signer vom Basler Erziehungsdepartement. Das sei von Vorteil, weil jede Schule anders sei. Martin Wendelspiess vom Zürcher Volksschulamt nennt einen zweiten Grund: «In Basel hat man früher erkannt, wie wichtig es ist, klare Regeln aufzustellen und durchzusetzen.» Nicht nur bei den Baseballkappen. ____________________________________________________________________________ KOMMENTAR: In der Praxis hat sich nun gezeigt, dass es nicht genügt, nur einleuchtende, teure, wohlformulierte Leitbilder zu entwerfen und Spielregeln in Lehrer- und Elternkreisen stundenlang zu diskutieren. Vielerorts werden zwar konkrete Spielregeln geschrieben und diese auch besprochen. Es wird auch darüber ellenlang debattiert. Geht es dann um einen konkreten Fall, wird "gepredigt", fehlbare Schüler immer wieder ermahnt oder gemahnt. Es werden aber die Augen zugedrückt, in der Hoffnung, das Ganze regle sich dann von selbst. Die jüngsten schlimmen Erfahrungen im Schulalltag (Gewalt, Vergewaltigungen, Erpressungen usw) machten nicht nur die Oeffentlichkeit hellhörig. Es wurde endlich bewusst: So darf es nicht mehr weitergehen. Es lohnt sich, beim Unterrichten und Erzeihen - am Anfang ohne Spielregeln zu beginnen, dann aber - Schritt um Schritt - konkrete, kontrollierbare Bestimmungen einzuführen, die jeweils - sofort - KONSEQUENT - umgesetzt werden. Dazu ist Präsenz und die Bereitschaft der Eltern und Lehrerschaft notwendig, diese vereinbarte Regel durchzusetzen. Wenn beispielsweise bei in einer Klasse jeder Schüler beliebig kommen und gehen kann, wird vorerst nur die Pünktlichkeit durchgesetzt. Später zeigt sich dann vielleicht, dass viele Kinder während des Unterrichtes gleichzeitig reden oder einander ins Wort fallen. Erst dann wird eine zusätzliche Regel eingeführt. Sie lautet. "Es spricht immer nur eine Person!" Die Regel wird jetzt auch konsequent durchgesetzt. Das Buch "Lob der Disziplin" und die Supernannysendungen im Fernsehen boomen heute, weil Lehrer und Eltern jahrelang geglaubt hatten: Probleme würden sich von selbst regeln. "Gewähren lassen" - war zu lange die verhängnisvolle Devise. Endlich ist erkannt worden, dass nicht zugewartet werden kann, bis das Chaos im Schulzimmer und auf dem Pausenplatz zur Gewohnheit geworden ist und man dann jener Geister nicht mehr Herr wird, die sich etabliert haben. (Gewalt, Unordnung, Disziplinlosigkeit). __________________________________________________________________ Erkenntnis: ____________________________________________________________________ "Gerechte Strenge" hat nichts zu tun mit falsch verstandener Toleranz! Bei der multikulturellen Pädagogik dominierte zu oft eine weltfremde Toleranz. Lehrpersonen glaubten, ALLE Wertvorstellungen fremder Kulturen grosszügig akzeptieren zu müssen. (Züchtigung der Frau, Beschneidungsrituale usw.) In Basel müssen sich die Zugewanderten den hiesigen Gepflogenheiten anpassen. ___________________________________________________________

Freitag, 11. Mai 2007

ESKALATION IM ALLTAG ________________________________________________________________ Wer kennt es nicht das Lied von Mani Matter (1936-1972) "Ig ha nes Zündhölzli aazündt"? ______________________________________________________________ Ig han es Zündhölzli aazündt- Und es het e Flamme gäh- Und i ha für d’Zigarette- Welle Füür vom Hözli näh- Aber ds Hölzli isch dervo- Gschpickt und ufe Teppich cho- Und es hätt no fasch es Loch i Teppich gäh dervo. Ja me weis was cha passiere- We me nid ufpasst mit Füür- Und für d’Gluet ar Zigarette- Isch e Teppich doch de z’tüür- Und vom Teppich hätt - o Gruus- Chönne ds Füür i ds ganze Hus- Und wär weis, was da nid alles no wär worde drus. S’hätt e Brand gäh im Quartier- Und s’hätti d’Füürwehr müesse cho- Hätti ghornet i de Schtrasse- Und dr Schluuch vom Wage gno- Und si Hätte Wasser gschprützt- Und das hätt de glych nüt gnützt- Und die ganzi Schtadt hätt brönnt, es hätt se nüt meh gschützt. Und d’Lüt wäre umegschprunge- I der Angscht um Hab und Guet- Hätte gmeint s’heig eine Füür gleit- Hätte ds Schturmgwehr gno i dr Wuet- Alls hätt brüelet: Wär isch tschuld? Ds ganze Land i eim Tumult- Dass me gschosse hätt uf d’Bundesrät am Rednerpult. D’UNO hätt interveniert- Und d’UNO-Gägner sofort o- Für ir Schwyz dr Fride z’rette- Wäre beid mit Panzer cho- s’hätt sech usdehnt nadinah- Uf Europa, Afrika- s’hätt e Wältchrieg gäh und d’Mönschheit wär jitz nümme da. I han es Zündhölzli azündt- Und das het e Flamme gäh- Und i ha für d’Zigarette- Welle Füür vom Hölzli näh- Aber z’Hölzli isch dervo- Gschpickt und ufe Teppich cho ---- Gottseidank dass i’s vom Teppich wider furt ha gno """""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""" Soweit Mani Matter. Nun lesen wir im BLICK vom 11.5.07: __________________________________________________________ Zigi geraucht – Massenprügelei ___________________________________________________________ Vor sechs Wochen gerieten sich vier Erwachsene und sechs Jugendliche in die Haare. Jetzt wird ein Strafverfahren gegen sie eröffnet. ______________________________________________________________ Die Situation am 30. März eskalierte blitzartig: Zwei voneinander unabhängige Gruppen mit insgesamt zehn Personen waren gegen 22 Uhr mit dem Bus von Baar nach Zug gefahren. Während der Fahrt rauchte der Jugendliche provokativ eine Zigarette. Von einem Mitglied der anderen Gruppe wurde er angehalten, dies zu unterlassen. Der Raucher reagierte darauf mit verbalen Provokationen. Als beide Gruppen aus dem Bus stiegen, kickte der zuvor rauchende Jugendliche seinem Ermahner mit dem Fuss in den Rücken. Sofort entwickelte sich eine massive Schlägerei. Die Parteien setzten neben ihren Fäusten auch Bierflaschen ein. Eine Bierflasche verletzte einen jungen Erwachsenen im Genitalbereich. Eine zweite Flasche traf einen anderen Erwachsenen im Gesicht, wodurch dieser drei Zähne verlor. Er musste im Lippenbereich genäht werden. Ein weiterer Beteiligter erlitt einen Fingerbruch. Die übrigen an der Schlägerei beteiligten Personen trugen Kratzspuren und Prellungen davon. Die Zuger Polizei ermittelte nun sechs Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, sowie vier 25- und 26-Jährige als Täter. Es handelt sich um Schweizer sowie Südosteuropäer. Die zehn Personen werden wegen Raufhandels und Körperverletzung angezeigt. ________________________________________________________________________ KOMMENTAR: Der Vergleich des Gedichtes mit der Zeitungsmeldung gibt zu denken: Die Schlägerei im Tram eskalierte zwar noch nicht zu einem Weltenbrand. Im Lied von Mani Matter nahm immerhin am Schluss jemand das Zündholz vom Teppich. Im Tram gab es jedoch Verletzte. Wir fragen uns: Hätte die Schlägerei im Tram nicht verhindert werden können? Wäre es auch dort noch möglich gewesen, das "Zündholz rechtzeitig vom Teppich zu nehmen"?

Donnerstag, 10. Mai 2007

Bohlen/Raab: Wenn zwei Rücksichtslose aufeinander los gehen ____________________________________________________________ Dieter Bohlen verbot seinem „Superstar“ Mark Medlock einen Auftritt bei Raabs „TV total“. Beim ausgebrochene Streit zwischen Bohlen und Raab, könnte man eigentlich zurücklehnen und sich freuen, wie die beiden Exekutionsrhetoriker einmal sich selbst verbal "fertigmachen". Bis anhin hatten sie jahrelang Menschen vor Mikrofon und Kamera rücksichtlos blossgestellt. Eigentlich wollte Bohlen sich nie wieder über Stefan Raab äussern. „Der ist nicht auf meiner Augenhöhe.“ Doch in der ZDF-Talkshow von Johannes B. Kerner platzte ihm dann doch noch der Kragen. Bohlen griff den Pro7-Moderator frontal an. Bereits am Montag waren sie aneinander geraten, weil der Pop-Titan einen Auftritt seines „Superstar“-Siegers Mark Medlock in Raabs Pro7-Sendung „TV total“ verhindern konnte. In seiner Show „TV total“ präsentierte Stefan Raab „Superstar“-Kandidat Max Buskohl im Stil einer RAF-Terroristen-Geisel. Bohlen sagte bei Kerner: „Alle Leute, die Plattenfirma, der Manager und alle anderen, hatten die grandiose Idee, den Superstar zu Stefan Raab zu schicken. Da habe ich gesagt: ,Sag mal, seid ihr alle völlig geistesgestört?‘“ Und weiter: „Der geht dahin und Raab macht den nieder. Aber ich lasse doch meinen Typen, den wir neun Monate lang aufgebaut haben, nicht von so einem mmmhhh niedermachen.“ Kerner unterbrach: „Sprich dich aus!“ Bohlen: „Nö, das ist der Unterschied zwischen Bohlen 2007 und 1997. Da hätte ich eben gesagt, das ist ein A...loch, aber jetzt sage ich mmmhhh.“ Bohlens Attacke auf Stefan Raab – er hat etwas gegen gegen den gelernten Metzger, den er früher schon einmal als „Wurst“ bezeichnete? Bild online: Dieter Bohlen zu BILD: „Eigentlich ist der mir ja völlig egal. Seine Sendung gucken ja immer weniger Leute. Aber ich mag es nicht, wenn sich jemand, der selbst nicht viel leistet, an den Erfolg der anderen anhängt. Er ist ein klassischer Trittbrettfahrer, der jetzt den Erfolg von ,Deutschland sucht den Superstar‘ abkupfern will. Er zieht eine Sendung in den Dreck, an der Millionen Zuschauer neun Monate Freude hatten. Ausserdem geht er rücksichtslos und mit null Respekt mit anderen Leuten um.“ In der Vergangenheit hatte sich Raab mit seinen Sprüchen auch oft über Bohlen lustig gemacht, ihn sogar nach dem brutalen Überfall auf die Villa des Pop-Stars verhöhnt: „Die Täter kamen nach dem Überfall auf Bohlen noch einmal zurück: Sie hatten aus Versehen eine Modern-Talking-CD mitgenommen.“ Dieter Bohlen hakt das Thema Raab so ab: „Wenn seine Einschaltquoten weiter so sinken, werden wir eh nichts mehr von ihm hören.“ _________________________________________________________________________ Kommentar: Wenn es um die eigene Haut geht, so wird vom Gegenüber plötzlich Respekt erwartet. Bohlen und Raab gehen mit den Gästen selbst usserst respektlos um. Unglaublich, wenn nun Dieter Bohlen vom Rivalen sagt: Raab geht rücksichtslos und mit null Respekt mit anderen Leuten um. Wir fragen: Und Sie, Dieter Bohlen? Sie verlangen Respekt? Ein Wort, das für Sie ein Fremdwort ist. Bohlen und Raab exekutieren seit Jahren unzählige Gäste verbal. Beide agierten rücksichtlos, Es wäre ein Wunder, wenn die beiden Exekutionsrhetoriker aus dieser Auseinandersetzung plötzlich lernen würden, Mitmenschen zu wertschätzen.

Mittwoch, 9. Mai 2007

Lehrer machte Nacktfotos - Lauber verlegte erneut einen wichtigen Brief ________________________________________________________________ Im Klassenlager fotografiert ein Zürcher Lehrer Mädchen nackt beim Umziehen. Ein Kollege meldet den skandalösen Vorgang dem Schulvorsteher Gerold Lauber. Dieser «verhühnerte» auch diesen Brief. -Quelle 20 Minuten- Somit ist bei Schulvorsteher Gerold Lauber erneut Post unters Eis geraten. In der morgen erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins Facts wird ein weiterer Skandal an einer Zürcher Schule aufgedeckt: Lehrer G. soll über Jahre hinweg an der Schule Friedrichsstrasse in Schwamendingen ZH ungebührliches Verhalten an den Tag gelegt haben. Der Lehrer soll im Sommerlager Schülerinnen beim Umziehen fotografiert haben. Ein jüngerer Kollege, der auf den Missstand aufmerksam gemacht hat, wurde unterdessen aus dem Job gemobbt. ________________________________________________________ Sonderbarer Umgang eines Politikers mit wichtigen Briefen __________________________________________________________________ Im Fall der «Terror-Klasse» am Schulhaus Borrweg, die sechs Lehrer verheizt hatte, geriet ein eingeschriebener Brief besorgter Eltern «unters Eis». Im Fall des Schulhauses Bachtobel, wo vier Lehrer wegen interner Konflikte Reissaus nahmen, wurde Post besorgter Eltern ebenfalls lange Zeit nicht beantwortet. Und jetzt im Fall des Schulhauses Friedrichstrasse musste Lehrer F. bis Dezember 2006 auf eine Antwort Laubers warten. Er hatte ihn im Sommer mit einem vierseitigen Brief über die stossenden Umstände um Lehrer G. informiert. Auch dieser Brief geriet «irgendwie unters Eis» - so Lauber. Unternommen wurde bisher trotzdem nichts. __________________________________________________________________ Kommentar: Es hiess früher: Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht. Bei der Schulbehörde gibt es angeblich Krüge, die nicht brechen können. Eine Behördemitglied darf auch dann im Amt bleiben, wenn ihm krasse Führungsfehler unterlaufen. __________________________________________________________ Nachtrag aus 20 Minuten: Briefe «unterm Eis» _______________________________________________________________ Schulhaus Friedrichstrasse: Lehrer F. beklagt sich am 17.8.2006 schriftlich bei Stadtrat Lauber, er werde gemobbt. Antwort am 6. Dezember von Lauber: «Am 18.8. ist ihr Brief bei uns eingetroffen. Leider geriet er dann irgendwie unters Eis.» _______________________________________________________________ Schulhaus Borrweg: Eltern beklagen sich per eingeschriebenem Brief vom 18. Februar bei Lauber über den Lehrerverschleiss einer Klasse. Lauber sagt am 4. April gegenüber dem «Tages-Anzeiger»: «Es ist denkbar, dass dieser Brief nicht angekommen oder irgendwo untergegangen ist.» _________________________________________________________________ Schulhaus Bachtobel: Eltern orientieren Lauber in einem Brief vom 21. Dezember über die Spannungen unter der Lehrerschaft. Lauber meldet sich im März - zu spät. Als Ende April drei Lehrer künden, sagt Lauber gegenüber den Medien, er Brief sei «unters Eis geraten». _________________________________________________________________ Was stutzig macht: Lauber ist zu keiner Stellungsnahme bereit. Versucht er es nach der Methode Anita Fetz? Abtauchen, oder nach der gängigen Methode vieler Politiker: Aussitzen und abwarten. ___________________________________________________________