Samstag, 17. März 2007

Zitat aus 20 Minuten:

Blocher: Polizisten sollen Schulen bewachen

Das Ausmass der Jugendgewalt haben laut Bundesrat Christoph Blocher (SVP) in erschreckendem Mass zugenommen. Mit einer erhöhten Polizeipräsenz in den Schulen will der Justizminister für mehr Sicherheit sorgen. Es müsse geprüft werden, ob für die Lehrkräfte bei Delikten einer bestimmten Schwere eine Anzeigepflicht geschaffen werden solle, sagte der Justizminister am Samstag an der Delegiertenversammlung der SVP in Lugano. Weiter hält es Blocher für sinnvoll, das Thema Gewalt in den Unterricht einzubauen. Analog zum so genannten Verkehrsunterricht schlägt er vor, dass erfahrene Polizeibeamte die Jugendlichen auf die Folgen von Gewalt aufmerksam machen. Präventionsmassnahmen allein genügten aber nicht. Deshalb will Blocher auch die Eltern in die Pflicht nehmen. Dazu schlägt er eine Verschärfung der zivilrechtlichen Haftung vor, und zwar für Fälle, in denen Eltern elementare Erziehungspflichten vernächlässigen. Behörden müssen kooperieren Ferner müsste die Zusammenarbeit zwischen Migrations-, Einbürgerungs- und Polizeibehörden verbessert werden, forderte Blocher. Es dürfe nicht sein, dass diese Amtsstellen unabhängig voneinander vorgehen und die eine Behörde nicht wisse, was die andere tue. Zudem müssten die Strafverfahren verkürzt werden: «Jugendliche müssen für begangenes Unrecht so rasch als möglich sanktioniert werden», sagte Blocher. Die Jugendgewalt hat er zur «Kernaufgabe im Jahr 2007» erklärt.

Kommentar:

Wir haben immer wieder über Jugendgewalt geschrieben und vertraten dabei die Meinung: Der nachweisbaren Eskalation von Gewalt von Jugendlichen müsste rasch Einhalt geboten werden. An Ratschlägen fehlt es in den Medien wahrlich nicht. Nun kommt auch noch Christoph Blocher mit seinem Rezept: Die Polizei soll sich in Schulen vermehrt engagieren.

Dass Lehrkräfte in gravierenden Fällen notfalls mit der Polizei kooperieren müssen, ist unumstritten. (Anzeigen bei Körperverletzung), Doch vertreten wir die Meinung, dass in erster Linie die Schule und das Elternhaus SELBST befähigt werden müssen, vereinbarte Spielregeln im Umgang untereinander (im Schulhaus, auf dem Schulweg und zu Hause) wirkungsvoll durchzusetzen. Verhaltensgestörte ( ich schreibe bewusst "gestörte", weil das Zusammenleben gestört wird), diese Schüler müssen erleben, dass der menschenwürdige Umgang untereinander nicht nur mit hohlen Worten, Drohungen abgetan werden kann. Eltern, Lehrkräfte und Mitschüler haben ALLE ein Anrecht darauf - weder misshandelt, noch verletzt oder psychisch erniedrigt zu werden. (Es gibt leider nicht nur Kindermisshandlungen, es gibt sogar schon Lehrer- oder Elternmisshandlungen). Körperverletzungen, Vergewaltigungen und Beleidigungen sind und bleiben Verletzungen und Gewaltakte. Sie dürfen weder entschuldigt, übersehen, bagatellisiert, beschönigt noch mit dem Spruch "Es war ja nicht so gemeint" abgetan werden. Wenn ALLE auf der gleichen Seite des Strickes ziehen, könnte beim Zeitproblem Jugendgewalt sicherlich mehr bewegt werden, als dass sich die Polizei in der Schule engagiert. Es gibt bereits zu viele fremde Hilfen, die an Stelle der Eltern und Lehrkräfte an der Baustelle Jugendgewalt werkeln:

Berater

Psychologen

Mediatoren, Konfliktlöser

Sozialarbeiter

Therapeuten

usw.

Und nun soll uns auch noch der Polizist in der Erziehungslandschaft mitwirken.

Rüsten wir vielmehr die Erziehungsberechtigten mit tauglichen Tools aus, damit sie wieder SELBST das Szepter an die Hand nehmen können.

Freitag, 16. März 2007

Monika Stocker:

Druck wächst

Nachtrag, 13.3.07

Jetzt verlangt auch die FDP eine Untersuchungskommission, damit alle Pannen in der Sozialhilfe eingehend geklärt werden können. Nicht nur der SVP reisst scheinbar der Geduldsfaden. Monika Stocker wies bis jetzt alle Kritiken zurück und - lehnt nach wie vor - die erwünschten unangemeldete Kontrollen strikte ab.

Der grüne Fraktionschef Daniel Leup unterstützt zwar Stocker. Er will nicht, dass Einzelfälle dazu missbraucht werden, die Sozialhilfe zu untergraben. Dass Sozialhilfeakten an die Oeffentlichkeit gelangten, ist für Staddträtin ein Merkmal destruktiver Energie im eigenen Amt. Die Sozialvorsteherin sagte (gemäss Tagesanzeiger), sie habe im Sozialdepartement nicht nur Freunde.

Kritik ist immer berechtigt, wenn die Bevölkerung das Gefühl hat, Sozialhilfegelder oder Therapie Gelder würden ineffizient eingesetzt.

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Ein Beispiel aus einem anderen Therapiebereich, das nichts mit der Stadt Zürich zu tun hat

Diese Woche habe ich zufälligerweise im Fernsehen eine Reportage gesehen, die dargelegt hat, wie Schwerstverbrecher in einer offenen Arbeitserziehungsanstalt therapiert werden . Wohlwissend, dass Fernsehbeiträge subjektiv gefärbt sein können und auch Reportagen geschnitten werden, gaben mir die Aussagen und Antworten der Insassen und der Anstaltsleitung zu denken. Die emotionslosen Aussagen der Schilderungen der Vergehen einiger Krimineller:

"Ich habe einen niedergestochen und jemand mit einer Eisenstange schwer verletzt. Mit Drogen gehandelt, dann Autos gestohlen, usw." Auf die Frage, ob das Unrecht eingesehen werde: Keine Reue, keine Betroffenheit ist zu spüren. Nur das eigene Befinden stand im Mittelpunkt.

Obschon die offene Anstalt doppelt so viel kostet wie ein Gefängnisplatz und es doppelt so viele Therapeuten, Sozialarbeiter und Betreuer hat, als untergebrachte Schwerstkriminelle , ist die Erfolgquote erstaunlich gering. Jede Woche nehmen einige die Kurve. Vierzig Prozent werden sogar rückfällig. Die Frage über Aufwand und Ertrag müsste auch bei diesem Projekt erlaubt sein. Die Antwort des Direktors - auf die Frage, ob es dennoch richtig sei, so viel Geld für die Wiedereingliederungsversuche zu zahlen - machte mich hellhörig:

"Jede Person, die in die Gesellschaft zurückgeführt werden kann, ist ein Erfolg"

Auch die Antwort auf die Frage, was er zu den Rückfälligen sage, die nachher erneut unschuldige Mitmenschen niederschlagen können, machte mich dann stutzig:

"Das müssen wir in Kauf nehmen."

Wir fragen uns: Muss die Oeffentlichkeit das Risiko, unbescholtene Bürger trotz des Aufwandes erneut zu verletzen, zusammenzuschlagen, zu töten oder sonstwie zu schädigen - muss dies einfach so leichtfertig in Kauf genommen werden?

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Kommentar: Bei den missbräuchlichen Sozialausgaben und dem enormen Aufwand, bei den Versuchen, Schwerstverbrecher wieder einzugliedern, ist die Frage berechtigt, ob man so weit gehen kann mit dem bisherigen Modus. Wenn Sozialbezüger- der Kinder wegen - mit enormen Kosten in Hotels untergebracht werden und Sozialbezüge bewusst missbraucht werden können. Wenn Schwertverbrecher mit enormen Kosten betreut werden - der Erfolg aber sehr gering ist, die Rückfallquote hingegen gross: Mussen wir dieses Missverhältnis als gegeben, einfach so in Kauf nehmen? Kritische Fragen müssen bei ineffizienten Massnahmen erlaubt sein. Im Fall Stocker ist es interessant, wie in Leserbriefen einerseits Monika Stocker für ihre Standfestigkeit, ihre Klarheit und ihr Engagement grosses Lob gezollt wird und ihre sozialen Verantwortung und Professionalität respektiert wird . Anderseits aber das Verhalten der Zürcher Sozialministerin auch als arrogant, selbstherrlich gebrandmarkt wird.

Wir sehen: Monika Stocker ist krisenerprobt, gleichsam krisenresistent. Doch zweifeln wir daran, dass für sie die Rechnung langfristig aufgehen kann. Vor allem dann, wenn Beharrlichkeit zur Sturheit mutieren würde.

Donnerstag, 15. März 2007

Cortis Rede seines Lebens

Blick veröffentlichte exklusiv am 10.3.07 Auszüge aus Mario Cortis Schlussrede vor dem Bezirksgericht in Bülach. Am Schluss gab es "Standing Ovations". Corti holte sich beim Publikum dank seiner Offenheit und Rhetorik Bonuspunkte. Doch spielt bei einem Strafprozess die Rhetorik kaum eine Rolle. Vor Gericht entscheiden die Fakten. Das Wirtschaftsstrafrecht ist verhältnismässig jung. Da geht es nur um einzelne Handlungsabläufe und Vergehen, wie ungetreue Geschäftsführung und Misswirtschaft. Cortis Erfolg im Umgang mit der Oeffentlichkeit wird deshalb das Urteil kaum gross beeinflussen. Rhetorisch brachte es Corti in der Oeffetnlichkeit fertig, immer wieder zu betonen:

- Ich habe nichts zu verbergen. Ich habe alles offen gelegt.

- Das Grounding wäre vermeidbar gewesen

- Es ist im Leben besser, das Richtige zu tun und zu verlieren, als das Falsche zu tun und zu gewinnen

Corti hat in erste Linie die Bevölkerung und die Medien überzeugt. Doch werden wir sehen: Die rechtliche Seite wird die rhetorischen Fähigkeiten kaum berücksichtigen. Corti muss sich nach dem Urteil auch noch mit den zivilrechtlichen Klagen auseinandersetzen. Und diese können noch happige finanzielle Folgen haben. Der Fall Swissair ist noch nicht abgeschlossen.

Mittwoch, 14. März 2007

Fotoklage

Herbert Grönemeyer droht mit Klage

Deutscher Künstler verärgert über "üble Presse".

Herbert Grönemeyer prüft rechtliche Schritte gegen Facts. Grund ist nach Angaben des deutschen Sängers ein Foto seiner Schweizer Freundin aus der Bild am Sonntag. Facts hatte das Foto in der aktuellen Ausgabe abgedruckt -- im Wissen dass dies verboten sei, wie Grönemeyer in einem Interview mit Radio Top behauptete. Die Bild-Zeitung sei für die Publikation bereits belangt worden.

Grönemeyer wird in der aktuellen Ausgabe des Nachrichten-Magazins als Pop-Boss mit knallharten Methoden und kalter Kontroll-Sucht dargestellt. Der Sänger meinte dazu, Facts habe die Fakten gefälscht, weil die Redaktion sauer sei, dass er ein Interview verweigert habe. Grönemeyer wörtlich:

"Das ist de facto ganz üble Presse."

"Wir haben weder Fakten gefälscht, noch waren wir sauer auf Grönemeyer", widerspricht Facts-Chefredaktor Andreas Durisch auf Anfrage von "persoenlich.com". Facts schrieb in der Ausgabe vom 1. März 2007 unter der Überschrift "Viel schnelles Geld" über Herbert Grönemeyer: "Nicht ganz so glimpflich gings für die Bild am Sonntag aus. Das Boulevardblatt druckte ein Foto der Freundin ab -- Grönemeyer kassierte 37'000 Franken Schmerzensgeld."

Wie sich laut Durisch inzwischen herausgestellt hat, ging der Betrag an die Freundin und nicht an Grönemeyer selbst. Mit dem Anwalt von Herbert Grönemeyer sei nun vereinbart worden, dass dieser Sachverhalt richtig gestellt wird. "Dass wir das Foto nicht verwenden dürfen, war uns nicht bewusst", so Durisch. Man werde es kein zweites Mal publizieren. "Wir gehen davon aus, dass mit der Berichtigung der Fall erledigt ist."

Montag, 12. März 2007

Minderjährige als Sexsklavinnen!

Es waren keine Einzelfälle - die schockierenden Sexfälle mit Jugendlichen: Schon wieder wurden drei Minderjährige in Freiburg sind von mehreren Jugendlichen vergewaltigt und sogar zur Prostitution gezwungen worden:

Im letzten Fall wird gegen insgesamt 12 junge Männer im Alter zwischen 17 und 20 Jahren sowie gegen einen 14-Jährigen ermittelt. Die Anklage: In einer Wohnung in Freiburg kam es seit dem Sommer 2005 immer wieder zu Vergewaltigungen und sexuellem Missbrauch von minderjährigen Mädchen!

Und die Angelegenheit wird noch bedenklicher: Auf einem beschlagnahmten Handy sind Videoaufnahmen von sexuellen Handlungen mit einem 14-jährigen Mädchen zu sehen. Das Opfer und eine Kollegin sollen zudem zur Prostitution gezwungen worden sein!

Die Täter wurden wieder auf freiem Fuss: Die Hauptverdächtigen waren gemäss den Untersuchungsbehörden vier Wochen in Untersuchungshaft, alle anderen zwischen einem Tag und zwei Wochen. Da keine Verdunkelungsgefahr bestand, seien alle Inhaftierten inzwischen entlassen worden.

Bei den Beschuldigten in den Freiburger Vergewaltigungsfällen handelt es sich mehrheitlich um Ausländer oder Männer ausländischer Abstammung.

«Sie stammen vor allem aus Balkan-Ländern», sagte der Freiburger Justizdirektor Erwin Jutzet am 6.3.07 im Westschweizer Radio. Die Frage der Nationalität dürfe kein Tabu sein, erklärte der SP-Politiker.

Kommentar:

Diese offene ehrliche Information ist nicht selbstverständlich. Der Justizdirektor hatte recht, wenn er sagt, die Offenlegung der Täter dürfe kein Tabu sein. Früher wurden die Nationalitäten bewusst verschweigen, um keinen Fremdenhass zu schüren. Wenn jedoch die Bevölkerung das Gefühl hat, es würden Sachverhalte vertuscht oder ausgeklammert, so wäre dies kontraproduktiv. Fremdenfeindliche Gruppierungen würden nämlich nachträglich davon profitieren. Sie könnten das Verschweigen thematisieren. Die Umstände würden nachträglich publiziert .

Was uns aber viel mehr zu denken geben muss, ist der Umstand, dass es Eltern, Erziehungspersonen gleichsam akzeptieren und hinnehmen müssen, dass es Gewalt, Erpressung, Vergewaltigung bei Kindern als neues Phänomen bei Minderjährigen gibt. Ueber die Ursachen sind sich die Fachleute kaum einig. Gegen die Auflösung von Familienstrukturen scheint die Gesellschaft machtlos. Die Schule kann die Erziehungsaufgabe der Eltern nicht auch noch übernehmen. Es scheint an konkreten Lösungen zu fehlen, um das neue Zeitproblem "Sex und Gewalt" im Schulalter einzudämmen. Die Jugendlichen haben Handys, können Pronos konsumieren und Gewalttaten problemlos filmen.

Nachtrag, 12.3.07.

Schule nimmt Drohungen von Schülern ernst

Quelle: 20 Minuten

Die Stadtpolizei Zürich hat heute (12.3.) das Schulhaus Buchleren in Zürich-Altstetten evakuiert. Grund waren massive Drohungen, die ein Schüler gegenüber Lehrern und Mitschülern ausgesprochen hatte.

Die Polizei intervenierte mit bewaffneten Einheiten. Grund waren telefonische Drohungen, die ein Schüler des Schulhauses gegen Lehrer und Schüler ausgesprochen hatte. Das Telefonat wurde um 10 Uhr geführt. Da die Drohungen als ernst eingestuft wurden, wurden die Schülerinnen und Schüler des Schulhauses Buchleren am Mittag aus Sicherheitsgründen nach Hause geschickt. Sie hatten am Nachmittag frei.

Kommentar: Wenn Gewalttaten in Schulen zum Alltag gehören, müssen auch Trittbrettfahrer ernst genommen werden. Die Behörden, Eltern und Schulen sind heute gefordert, alles zu tun, damit Schulen wieder zu gewaltfreien Zonen werden. ______________________________________________________________

Nachtrag 12.4.07:

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Haben schon wieder Schüler eine 14 jährige vergewaltigt? Zwei - 16 Jährige (ein Türke un sein Freund aus der Dominikanischen Republik) sollen ausserhalb des Oberstufenschulhauses Näglimoos in Kloten eine Mitschülerin vergewaltigt haben. Die Eltern des Mädchens reichten Strafanzeige ein. ___________________________________________________________

Schüler vergewaltigen Mitschülerin. So etwas darf nicht zur Selbstverständlichkeit werden. ____________________________________________________________

Sonntag, 11. März 2007

Cortis Rede seines Lebens

Blick veröffentlichte exklusiv am 10.3.07 Auszüge aus seiner Schlussrede vor dem Bezirksgericht in Bülach. Am Schluss gab es für Corti "Standing Ovations".

Corti holte sich beim Publikum dank seiner Offenheit und Rhetorik enorm viel Bonuspunkte. Doch beeinflusst bei einem Strafprozess die Rhetorik das Urteil kaum. Vor Gericht zählen vor allem die Fakten. Das Wirtschaftsstrafrecht ist verhältnismässig jung. Da geht es nur um einzelne Handlungsabläufe und Vergehen, wie ungetreue Geschäftsführung und Misswirtschaft. Cortis Erfolg im Umgang mit der Oeffentlichkeit wird das Urteil kaum gross beeinflussen.

Rhetorisch brachte es Corti fertig, immer wieder seine Kernaussagen zu betonen:

- Ich habe nichts zu verbergen. Ich habe alles offen gelegt.

- Das Grounding wäre vermeidbar gewesen

- Es ist im Leben besser, das Richtige zu tun und zu verlieren, als das Falsche zu tun und zu gewinnen

Corti hat mit seinen Reden und Auftritten vor allem die Oeffentlichkeit überzeugt. Doch werden wir sehen: Die rechtliche Seite wird durch die rhetorischen Fähigkeiten kaum beeinflusst. Corti muss sich nach dem Urteil auch noch mit den zivilrechtlichen Klagen auseinandersetzen. Und diese können noch happige finanzielle Folgen haben. Das weiss Mario Corti. Der Fall Swissair ist somit noch nicht abgeschlossen.

Samstag, 10. März 2007

Geste und Gestik

Ein Geste ist eine bewusste oder unbewusste Körpergewegung, die Worte begleitet oder ersetzt und die irgend etwas bedeutet.

Man redet von Gesten auch im übertragenen Sinn, dann wenn herkömmliches Verhalten mehr signalisieren soll als das Handeln selbst - oder das Nichthandeln. Zur Zeit gibt es eine Ausstellung an der ETH über das Thema "Geste und Gestik". Auf dem Plakat ist eine Illustration von Wilhelm Tell abgebildet, auf der Tell mit verschränkten Armen vor dem Pfahl mit dem Hut steht. Als Wilhelm Tell vorm Hut auf der Stange nicht salutierte, so ist es gerade dieses Nichtstun gewesen, das als Rebellion verstanden worden war. In der grafischen Sammlung können weitere Illustrationen betrachtet werden, die sich mit der Geste oder der Gestik auseinandersetzen.

Kommentar

In der angewandten Rhetorik spielt die Gestik eine grosse Rolle:

- als Verständlichkeitshelfer

- Gestik (durch die Bewegung) baut Stress ab

- Entspannt, lockert die Muskeln

Die Gestik sollte immer mit der Aussage und der Person übereinstimmen. Einstudierte Gestik wird auch von Laien erkannt und wird nur in unprofessionellen Trainings erworben. Bei unserem individuellen Coaching sorgen wir dafür, dass Sie überzeugend auftreten können ohne, dass sie sich auf die Gestik konzentrieren müssen.

24. Januar - 30. März 2007: Geste und Gestik Eine Formelsammlung
Henri Courvoisier-Voisin (1757-1830) Tell verweigert den Gruss des Hutes auf der Stange um 1790 Aquatinta und Radierung Graphische Sammlung der ETH Zürich
Gregor Rabinovitch (1884-1958) Der Sonderling 1921 Radierung und Kaltnadel Graphische Sammlung der ETH Zürich
Ein und dieselbe Haltung, eine Gebärde, ein Lächeln oder keines können aber in verschiedenen Handlungszusammenhängen Verschiedenes und bisweilen Gegenteiliges heissen. Solche Situationen werden mit Blättern aus der Graphischen Sammlung der ETH belegt. Und die resultierende Formelsammlung vereint Hohes und Niedriges, Feierliches und Prosaisches. Das ist ja der Vorzug, den ein so reichhaltiger Fundus von 150.000 Drucken und Zeichnungen der Arbeit an einem so reichhaltigen Thema bietet. Denn die Geschichte der Kunstgeschichte überhaupt ist ja eine Geschichte von "Geste und Gestik"! Deshalb konzentriert sich die Ausstellung auf zwei Anschauungsprinzipien: erstens auf ein Alphabet, das heisst auf knappe Bildassoziationen zu nicht immer ernsthaften Stichworten in der Buchstabenfolge von A bis Z, in einem äusseren Umgang. Zweitens führt ein zentrales Arrangement eine Auslegeordnung des Gestischen vor, und zwar als Kombination von körperlichen Bedingungen und Möglichkeiten ihrer mehr oder weniger kommunikativen Bedeutungsvariationen; das kann sich beim Verhalten "mit leeren Händen" ergeben oder bei wechselnden Umgangsformen mit Gegenständen und Attributen - allein oder zu mehreren Personen. Vorgeschaltet sind der Ausstellung, in den Gangvitrinen, gewisse Sonderfälle - zunächst die Physiognomik von Lavater und seines Kritikers Georg Christoph Lichtenberg. Weiter geht es um "Gestik als Stil", also um die gestische Spur als Kunstprinzip. Der Begriff "Störgeste" wird angewendet auf einige Arbeiten, die das Gleichgewicht fragloser Auffassungen von Kunst und Kunstbetrieb entweder mit subtiler oder mit ironischer Logik der Störung demonstrativ destabilisieren.