Donnerstag, 15. März 2007

Cortis Rede seines Lebens

Blick veröffentlichte exklusiv am 10.3.07 Auszüge aus Mario Cortis Schlussrede vor dem Bezirksgericht in Bülach. Am Schluss gab es "Standing Ovations". Corti holte sich beim Publikum dank seiner Offenheit und Rhetorik Bonuspunkte. Doch spielt bei einem Strafprozess die Rhetorik kaum eine Rolle. Vor Gericht entscheiden die Fakten. Das Wirtschaftsstrafrecht ist verhältnismässig jung. Da geht es nur um einzelne Handlungsabläufe und Vergehen, wie ungetreue Geschäftsführung und Misswirtschaft. Cortis Erfolg im Umgang mit der Oeffentlichkeit wird deshalb das Urteil kaum gross beeinflussen. Rhetorisch brachte es Corti in der Oeffetnlichkeit fertig, immer wieder zu betonen:

- Ich habe nichts zu verbergen. Ich habe alles offen gelegt.

- Das Grounding wäre vermeidbar gewesen

- Es ist im Leben besser, das Richtige zu tun und zu verlieren, als das Falsche zu tun und zu gewinnen

Corti hat in erste Linie die Bevölkerung und die Medien überzeugt. Doch werden wir sehen: Die rechtliche Seite wird die rhetorischen Fähigkeiten kaum berücksichtigen. Corti muss sich nach dem Urteil auch noch mit den zivilrechtlichen Klagen auseinandersetzen. Und diese können noch happige finanzielle Folgen haben. Der Fall Swissair ist noch nicht abgeschlossen.

Mittwoch, 14. März 2007

Fotoklage

Herbert Grönemeyer droht mit Klage

Deutscher Künstler verärgert über "üble Presse".

Herbert Grönemeyer prüft rechtliche Schritte gegen Facts. Grund ist nach Angaben des deutschen Sängers ein Foto seiner Schweizer Freundin aus der Bild am Sonntag. Facts hatte das Foto in der aktuellen Ausgabe abgedruckt -- im Wissen dass dies verboten sei, wie Grönemeyer in einem Interview mit Radio Top behauptete. Die Bild-Zeitung sei für die Publikation bereits belangt worden.

Grönemeyer wird in der aktuellen Ausgabe des Nachrichten-Magazins als Pop-Boss mit knallharten Methoden und kalter Kontroll-Sucht dargestellt. Der Sänger meinte dazu, Facts habe die Fakten gefälscht, weil die Redaktion sauer sei, dass er ein Interview verweigert habe. Grönemeyer wörtlich:

"Das ist de facto ganz üble Presse."

"Wir haben weder Fakten gefälscht, noch waren wir sauer auf Grönemeyer", widerspricht Facts-Chefredaktor Andreas Durisch auf Anfrage von "persoenlich.com". Facts schrieb in der Ausgabe vom 1. März 2007 unter der Überschrift "Viel schnelles Geld" über Herbert Grönemeyer: "Nicht ganz so glimpflich gings für die Bild am Sonntag aus. Das Boulevardblatt druckte ein Foto der Freundin ab -- Grönemeyer kassierte 37'000 Franken Schmerzensgeld."

Wie sich laut Durisch inzwischen herausgestellt hat, ging der Betrag an die Freundin und nicht an Grönemeyer selbst. Mit dem Anwalt von Herbert Grönemeyer sei nun vereinbart worden, dass dieser Sachverhalt richtig gestellt wird. "Dass wir das Foto nicht verwenden dürfen, war uns nicht bewusst", so Durisch. Man werde es kein zweites Mal publizieren. "Wir gehen davon aus, dass mit der Berichtigung der Fall erledigt ist."

Montag, 12. März 2007

Minderjährige als Sexsklavinnen!

Es waren keine Einzelfälle - die schockierenden Sexfälle mit Jugendlichen: Schon wieder wurden drei Minderjährige in Freiburg sind von mehreren Jugendlichen vergewaltigt und sogar zur Prostitution gezwungen worden:

Im letzten Fall wird gegen insgesamt 12 junge Männer im Alter zwischen 17 und 20 Jahren sowie gegen einen 14-Jährigen ermittelt. Die Anklage: In einer Wohnung in Freiburg kam es seit dem Sommer 2005 immer wieder zu Vergewaltigungen und sexuellem Missbrauch von minderjährigen Mädchen!

Und die Angelegenheit wird noch bedenklicher: Auf einem beschlagnahmten Handy sind Videoaufnahmen von sexuellen Handlungen mit einem 14-jährigen Mädchen zu sehen. Das Opfer und eine Kollegin sollen zudem zur Prostitution gezwungen worden sein!

Die Täter wurden wieder auf freiem Fuss: Die Hauptverdächtigen waren gemäss den Untersuchungsbehörden vier Wochen in Untersuchungshaft, alle anderen zwischen einem Tag und zwei Wochen. Da keine Verdunkelungsgefahr bestand, seien alle Inhaftierten inzwischen entlassen worden.

Bei den Beschuldigten in den Freiburger Vergewaltigungsfällen handelt es sich mehrheitlich um Ausländer oder Männer ausländischer Abstammung.

«Sie stammen vor allem aus Balkan-Ländern», sagte der Freiburger Justizdirektor Erwin Jutzet am 6.3.07 im Westschweizer Radio. Die Frage der Nationalität dürfe kein Tabu sein, erklärte der SP-Politiker.

Kommentar:

Diese offene ehrliche Information ist nicht selbstverständlich. Der Justizdirektor hatte recht, wenn er sagt, die Offenlegung der Täter dürfe kein Tabu sein. Früher wurden die Nationalitäten bewusst verschweigen, um keinen Fremdenhass zu schüren. Wenn jedoch die Bevölkerung das Gefühl hat, es würden Sachverhalte vertuscht oder ausgeklammert, so wäre dies kontraproduktiv. Fremdenfeindliche Gruppierungen würden nämlich nachträglich davon profitieren. Sie könnten das Verschweigen thematisieren. Die Umstände würden nachträglich publiziert .

Was uns aber viel mehr zu denken geben muss, ist der Umstand, dass es Eltern, Erziehungspersonen gleichsam akzeptieren und hinnehmen müssen, dass es Gewalt, Erpressung, Vergewaltigung bei Kindern als neues Phänomen bei Minderjährigen gibt. Ueber die Ursachen sind sich die Fachleute kaum einig. Gegen die Auflösung von Familienstrukturen scheint die Gesellschaft machtlos. Die Schule kann die Erziehungsaufgabe der Eltern nicht auch noch übernehmen. Es scheint an konkreten Lösungen zu fehlen, um das neue Zeitproblem "Sex und Gewalt" im Schulalter einzudämmen. Die Jugendlichen haben Handys, können Pronos konsumieren und Gewalttaten problemlos filmen.

Nachtrag, 12.3.07.

Schule nimmt Drohungen von Schülern ernst

Quelle: 20 Minuten

Die Stadtpolizei Zürich hat heute (12.3.) das Schulhaus Buchleren in Zürich-Altstetten evakuiert. Grund waren massive Drohungen, die ein Schüler gegenüber Lehrern und Mitschülern ausgesprochen hatte.

Die Polizei intervenierte mit bewaffneten Einheiten. Grund waren telefonische Drohungen, die ein Schüler des Schulhauses gegen Lehrer und Schüler ausgesprochen hatte. Das Telefonat wurde um 10 Uhr geführt. Da die Drohungen als ernst eingestuft wurden, wurden die Schülerinnen und Schüler des Schulhauses Buchleren am Mittag aus Sicherheitsgründen nach Hause geschickt. Sie hatten am Nachmittag frei.

Kommentar: Wenn Gewalttaten in Schulen zum Alltag gehören, müssen auch Trittbrettfahrer ernst genommen werden. Die Behörden, Eltern und Schulen sind heute gefordert, alles zu tun, damit Schulen wieder zu gewaltfreien Zonen werden. ______________________________________________________________

Nachtrag 12.4.07:

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Haben schon wieder Schüler eine 14 jährige vergewaltigt? Zwei - 16 Jährige (ein Türke un sein Freund aus der Dominikanischen Republik) sollen ausserhalb des Oberstufenschulhauses Näglimoos in Kloten eine Mitschülerin vergewaltigt haben. Die Eltern des Mädchens reichten Strafanzeige ein. ___________________________________________________________

Schüler vergewaltigen Mitschülerin. So etwas darf nicht zur Selbstverständlichkeit werden. ____________________________________________________________

Sonntag, 11. März 2007

Cortis Rede seines Lebens

Blick veröffentlichte exklusiv am 10.3.07 Auszüge aus seiner Schlussrede vor dem Bezirksgericht in Bülach. Am Schluss gab es für Corti "Standing Ovations".

Corti holte sich beim Publikum dank seiner Offenheit und Rhetorik enorm viel Bonuspunkte. Doch beeinflusst bei einem Strafprozess die Rhetorik das Urteil kaum. Vor Gericht zählen vor allem die Fakten. Das Wirtschaftsstrafrecht ist verhältnismässig jung. Da geht es nur um einzelne Handlungsabläufe und Vergehen, wie ungetreue Geschäftsführung und Misswirtschaft. Cortis Erfolg im Umgang mit der Oeffentlichkeit wird das Urteil kaum gross beeinflussen.

Rhetorisch brachte es Corti fertig, immer wieder seine Kernaussagen zu betonen:

- Ich habe nichts zu verbergen. Ich habe alles offen gelegt.

- Das Grounding wäre vermeidbar gewesen

- Es ist im Leben besser, das Richtige zu tun und zu verlieren, als das Falsche zu tun und zu gewinnen

Corti hat mit seinen Reden und Auftritten vor allem die Oeffentlichkeit überzeugt. Doch werden wir sehen: Die rechtliche Seite wird durch die rhetorischen Fähigkeiten kaum beeinflusst. Corti muss sich nach dem Urteil auch noch mit den zivilrechtlichen Klagen auseinandersetzen. Und diese können noch happige finanzielle Folgen haben. Das weiss Mario Corti. Der Fall Swissair ist somit noch nicht abgeschlossen.

Samstag, 10. März 2007

Geste und Gestik

Ein Geste ist eine bewusste oder unbewusste Körpergewegung, die Worte begleitet oder ersetzt und die irgend etwas bedeutet.

Man redet von Gesten auch im übertragenen Sinn, dann wenn herkömmliches Verhalten mehr signalisieren soll als das Handeln selbst - oder das Nichthandeln. Zur Zeit gibt es eine Ausstellung an der ETH über das Thema "Geste und Gestik". Auf dem Plakat ist eine Illustration von Wilhelm Tell abgebildet, auf der Tell mit verschränkten Armen vor dem Pfahl mit dem Hut steht. Als Wilhelm Tell vorm Hut auf der Stange nicht salutierte, so ist es gerade dieses Nichtstun gewesen, das als Rebellion verstanden worden war. In der grafischen Sammlung können weitere Illustrationen betrachtet werden, die sich mit der Geste oder der Gestik auseinandersetzen.

Kommentar

In der angewandten Rhetorik spielt die Gestik eine grosse Rolle:

- als Verständlichkeitshelfer

- Gestik (durch die Bewegung) baut Stress ab

- Entspannt, lockert die Muskeln

Die Gestik sollte immer mit der Aussage und der Person übereinstimmen. Einstudierte Gestik wird auch von Laien erkannt und wird nur in unprofessionellen Trainings erworben. Bei unserem individuellen Coaching sorgen wir dafür, dass Sie überzeugend auftreten können ohne, dass sie sich auf die Gestik konzentrieren müssen.

24. Januar - 30. März 2007: Geste und Gestik Eine Formelsammlung
Henri Courvoisier-Voisin (1757-1830) Tell verweigert den Gruss des Hutes auf der Stange um 1790 Aquatinta und Radierung Graphische Sammlung der ETH Zürich
Gregor Rabinovitch (1884-1958) Der Sonderling 1921 Radierung und Kaltnadel Graphische Sammlung der ETH Zürich
Ein und dieselbe Haltung, eine Gebärde, ein Lächeln oder keines können aber in verschiedenen Handlungszusammenhängen Verschiedenes und bisweilen Gegenteiliges heissen. Solche Situationen werden mit Blättern aus der Graphischen Sammlung der ETH belegt. Und die resultierende Formelsammlung vereint Hohes und Niedriges, Feierliches und Prosaisches. Das ist ja der Vorzug, den ein so reichhaltiger Fundus von 150.000 Drucken und Zeichnungen der Arbeit an einem so reichhaltigen Thema bietet. Denn die Geschichte der Kunstgeschichte überhaupt ist ja eine Geschichte von "Geste und Gestik"! Deshalb konzentriert sich die Ausstellung auf zwei Anschauungsprinzipien: erstens auf ein Alphabet, das heisst auf knappe Bildassoziationen zu nicht immer ernsthaften Stichworten in der Buchstabenfolge von A bis Z, in einem äusseren Umgang. Zweitens führt ein zentrales Arrangement eine Auslegeordnung des Gestischen vor, und zwar als Kombination von körperlichen Bedingungen und Möglichkeiten ihrer mehr oder weniger kommunikativen Bedeutungsvariationen; das kann sich beim Verhalten "mit leeren Händen" ergeben oder bei wechselnden Umgangsformen mit Gegenständen und Attributen - allein oder zu mehreren Personen. Vorgeschaltet sind der Ausstellung, in den Gangvitrinen, gewisse Sonderfälle - zunächst die Physiognomik von Lavater und seines Kritikers Georg Christoph Lichtenberg. Weiter geht es um "Gestik als Stil", also um die gestische Spur als Kunstprinzip. Der Begriff "Störgeste" wird angewendet auf einige Arbeiten, die das Gleichgewicht fragloser Auffassungen von Kunst und Kunstbetrieb entweder mit subtiler oder mit ironischer Logik der Störung demonstrativ destabilisieren.

Freitag, 9. März 2007

Ein Gedanke zur Manipulierbarkeit der Kommunikation

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Soziobiologen waren der Ansicht:

Jedes Individuum versucht andere zu manipulieren. Mit dem Zweck, für sich selbst einen Vorteil zu gewinnen. Es wird behauptet, die Universalität dieses Verhaltens führe letztlich zum Erfolg der "egoistischen Gene".

Vorteile des kooperativen Verhaltens

Robert Frank kritisierte diese These. 1988 fasste er seine Gedanken zusammen. Nach Frank zeigen viele Menschen kooperatives, bis hin zu altruistischem Verhalten, selbst dann, wenn sie unmittelbar oder langfristig keinen Nutzen daraus ziehen. Altruistisches Verhalten schaffe Vorteile gegenüber anderen potentiellen Partnern, denn jeder bevorzuge mit "Ehrlichen" ein Geschäft zu machen. Die Intelligenz und die soziale Kompetenz würden somit den "Ehrlichen" vor Ausbeutung schützen. Somit setze sich dieses Gen schneller durch. Dessen Träger und auch seine Kinder hätten klare Vorteile. Ihnen würde später Vertrauen entgegengebracht. Anhand der Mimik werden diese Annahmen belegt. Die Praxis bestätigt: Falsches Lächeln fällt auf. Noch deutlicher verhält es sich mit der unwillkürlichen Reaktion des Errötens und Erblassens - quasi als Lügensperre.

Erkenntnis:

Die weitgehend "fälschungssichere" Mimik lässt den Interaktionspartner ziemlich genau erfahren, was unsere Stimmungen und Handlungsabsichten sind. Dadurch können sie ihre eigenen Reaktionen angepasst steuern.

Dies stellt einen sehr wichtigen Prozess für Säuglinge und Kleinkinder dar. Der Prozess wird als "social referencing" bezeichnet. Schon der junge Mensch lernt die Reaktionen seiner Bezugspersonen einzuschätzen und modelliert dadurch sein eigenes Verhalten.

Dienstag, 6. März 2007

Monika Stockers Verhalten -

Nachdem die Medien Missstände aufdeckten

Früher lobten wir verschiedentlich das Medienverhalten der Zürcher Sozialvorsteherin Monika Stocker in verschiedenen Beiträgen (Siehe rhetorik.ch ---> Artikel können über das Suchfenster - Stichwort Monika Stocker - eingesehen werden). Nachdem die Weltwoche über mehrere Fälle von Sozialmissbrauch in Zürich geschrieben hatte, machte die Politikerin genau das, was nie gemacht werden dürfte. Sie ging auf die Medien los!

(Dank Sozialhilfe kam eine Familie auf monatlich 5151 Franken, eine sechsköpfige auf 7000.-- und eine weitere über 9100 Franken. Die Anstellung eines Dienstmädchens wurde sogar unterstützt).

Anstatt diese Missstände restlos aufzuklären, verweigerte Monika Stocker eine Stellungnahme. Sie schickte die Polizei auf die Informanten los.

Wir können nicht verstehen, dass Monika Stocker heute die Politikermentalität "Deckel drauf" oder "Geschichte unter Verschluss halten" übernimmt. Schade! Das war bislang nicht ihre Methode. Es ist für uns völlig unverständlich, wenn sich nun (gemäss Sonntagszeitung vom 4. März) Monika Stocker gegen die Massnahmen zur Missbrauchsbekämpfung (beispielsweise mit unangemeldeter Kontrollen) mit allen Mitteln stemmt und sogar noch 200 000 Fr für eine Studie in Auftrag gegeben hat, die beweisen soll, dass die Sozialhilfe trotz enormer Kosten eigentlich rentiert. So, als ob Sozialhilfe je rentieren könnte.

Kommentar:

Die Sozialministerin bringt heute mit ihrem mangelnden Transparenzverständnis die Sozialhilfe in Misskredit. In diesem Fall darf nicht den Medien die Schuld in die Schuhe geschoben werden, sondern der Mentalität der Sozialvorsteherin, welche gleichsam das Motto "unter den Teppich kehren" auf ihre Fahne geschrieben hat - anstatt so rasch als möglich bestehende Missstände zu beheben.

Nachtrag 10. März:

Schon wieder eine Panne?

Wie zu erwarten war, recherchierten die Medien weiter und wurden fündig. Der Tages-Anzeiger publizierte einen weiteren Fall von krassem Missbrauch von Sozialhilfegeldern. Der Fall gehört in den Zuständigkeitsbereich von Monika Stocker. Obwohl eine Prostituierte im Monat 8000 Fr brutto verdiente, konnte sie von der Sozialhilfe problemlos weitere Fürsorgegelder kassieren. Eine Dominikanerin, die des des Drogenschmuggels überführt werden konnte, bezog vors der Verhaftung in einem halben Jahr (bis zur Verhaftung) 18000.-- Fr, wirtschaftliche Sozialhilfe. Monatlich erhielt sie einen Fixbetrag von 1460.-- Fr. Auch Krankenkassen-, Arzt -, Spitalkosten, auch die Abklärungen der städtischen Berufsberatung wurden von der Stadt übernommen. Das Sozialgeld hatte sie für sich und ihre Geschwister in der Dominikanischen Republik verwendet.

Kommentar

Pannen kann es überall geben. Doch darf von einer Politikerin erwartet werden, dass sie konkrete Massnahmen einleitet, damit derartige Pannen weniger häufig eintreten.

Die Sonntagszeitung vom 11. März brachte eine weitere Geschichte über Sozialgelder, die angeblich für eine dubiose islamische Extremistengruppe bezahlt worden sind. Monika Stocker nimmt nun in einem grossen Interview doch Stellung zu all den Vorwürfen. Dieses proaktive Verhalten war geschickt.

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Monika Stocker nimmt Stellung

Wie die Szialvorsteherin kontert:

(Aus dem Interview in der Sonntagszeitung)

Vorwurf: Warum gehen Sie gegen Beamte vor, die Missstände verraten, anstatt die Fälle zu untersuchen?

Stocker:

Das stimmt nicht! Neben der Anzeige wegen Amtsgeheimnisverletzung, zu der ich per Gesetz verpflichtet bin, habe ich Kontrollen durchführen lassen. In keinem Fall wurde ein Missbrauch festgestellt.

Antworttechnik:

Stocker begründet, warum sie das Leck untersuchen muss. Sie erklärt, die Sache untersucht zu haben und es sei kein Missbrauch festgestellt worden.

Vorwurf: Fürsorgefamilien erhalten teils massiv höhere monatliche Zahlungen, als Familien zur Verfügung stehen.

Stocker:

In den Skos-Richtlinien ist der Grundbedarf für alle Haushalte festgelegt. Für grosse Familien ist dieser Betrag erklecklich. Damit will man die Chancen der Kinder erhalten.

Antworttechnik: Die Sozialvorsteherin wäscht ihre Hände in Unschuld. Sie findet: Nicht ich, sondern die Richtlinien sind schuld, dass die Familien so enorm hohe Beträge erhalten. Die grossen Beträge sind im Interesse der Kinder.

Monika Stocker versteht es, im erwähnten Interview ihre vorbereiteten Argumente zu verkaufen. Endlich nutzt sie die Chance, ihre Botschaften in der Presse zu platzieren:

- Die Sozialhilfe ist nicht schuld, dass die Familien in den chaotischen Verhältnissen leben.

- Eine Heimplatzierung wäre teurer als die Direktunterstützung mit 9000.-- Fr. monatlich.

- Diese Sachverhalte sind jedoch sehr schwierig den Normalbürgern zu erklären.

Den Vorwurf- die Fälle unter dem"Deckel zu behalten"- rechtfertigt Monika Stocker mit dem Argument, die Fallakte gelten per Gesetz als schützenswert (Alles sind vertrauliche Akten).

Bei der Frage, was die Sozialvorsteherin zu tun gedenke, um die Kontrollen zu verschärfen, gibt sie eindeutig zu, dass sie gegen verdeckte Ermittlungen ist.

"Ein solches Vorgehen hat nichts zu suchen im Sozialamt. Es gibt bei uns keine unangemeldeten Hausbesuche."

Auf den Einwand des Journalisten, dass alle Bürger bei Verdacht auf Schwarzsehen (Fernsehgebühren) mit unangemeldeten Besuchen rechnen müssten, folgt eine ehrliche Antwort, die aber bestimmt noch zu reden geben wird:

"Ein Grossteil der Menschen verbraucht doch nicht seine Energie, um den Staat zu betrügen. Sozialhilfebezüger haben andere Sorgen. Die müssen ihren Alltag bewältigen. Man darf diese Menschen nicht unter Generalverdacht stellen."

Kommentar:

Monika Stocker hat mehrheitlich geschickt argumentiert. Sie kann vieles begründen. Ihre Weigerung hingegen, Missstände ohne verdeckte Ermittlungen beheben zu wollen, wird ihr wahrscheinlich noch Schwierigkeiten bereiten. Denn ohne unangemeldete Hausbesuche wird es kaum möglich sein, die festgestellten Missbräuche schneller aufzudecken. Politische Gegner werden hier einhaken. Denn die Oeffentlichkeit wird es nicht verstehen, dass bei mutmaslichen Missbräuchen gleichsam vorgewarnt werden.

Nachtrag 13.3.07

Monika Stocker beantwortete auch kritische Fragen im Tagi

In einem Interview im Tagesanzeiger gesteht die Sozialvorsteherin, dass es bei vier Prozent aller Fälle zu Missbräuchen kommt. Wiederum kann sie Detailfragen mit dem Argument kontern, Sozialhilfefälle sei eben vertraulich. Monika Stockers Philosophie wird in folgender Antwort deutlich:

"Wer Sozialhilfe bezieht, braucht diese Sozialhilfe auch. Das ist der Grundsatz, auf dem wir unsere Arbeit aufbauen."

Die Sozialvorsteherin der Stadt Zürich beantwortet am Schluss noch folgende kritische Frage:

Tagi: Sie haben sich am Montag in einer Medienmitteilung über ein «politisch aufgeheiztes Umfeld» beklagt. Das ist ein ungewöhnlicher Schritt für eine krisenerfahrene Stadträtin.

Stocker:

"Nun, ich weise lediglich auf das Umfeld hin, welches das bestehende System der Sozialhilfe grundsätzlich in Frage stellen will. Hintergrund sind, wie ich meine, drei grundsätzliche Dinge. Erstens: Man stört sich an den hohen Kosten im Sozialbereich. Zweitens: Man äussert den Grundverdacht, dass alle, die Sozialhilfe beziehen, Betrüger sind. Und drittens: Man will der SVP und ihrer laufenden Initiative für private Sozialhilfe-Kontrolleure Argumente zutragen. Das meine ich mit einem politisch aufgeheizten Umfeld. Und dieses Umfeld macht unsere Arbeit sehr, sehr schwer."

Kommentar:

Nach unserem Dafürhalten ist es gut, Menschen Vertrauen entgegen zu bringen. Doch bei Missbräuchen ist blindes Vertrauen ein falscher Ratgeber. Der Grundsatz, dass generall alle Sozialhilfeempfänger Hilfe brauchen, geht zu weit. Vor allem aber Stockers Ablehnung unangemeldeter Kontrollen, ist unverständlich. Und dies nur deshalb, weil die SVP eine derartige Kontrolle wünscht. So wie Autofahrer überall unangemeldet kontrolliert werden können, so dürften auch Sozialhilfeempfänger mit überraschenden Kontrollen rechnen. Wer nämlich ein gutes Gewissen hat, müsste nichts befürchten. Würden im Strassenverkehr alle Kontrollen angekündigt, so hätten wir im Strassenverkehr bestimmt weniger als vier Prozent Uebertretungen.