Montag, 8. Dezember 2008

Ich gehörte vor Jahren auch zu jenen Sündern, die in den Sträuchern vor Weihnachtren im Garten Hunderte von Lämpchen installiert hatten. Doch gab es bei uns weder Blinklichter noch farbige Kläuse , Engel oder Rentiere. In der Schweiz waren damals Lichterketten recht selten anzutreffen.

Als bei uns auch das Wettrüsten Einzug hielt, installierten wir nur noch kleine Scheinwerfer, dieiusere Bäume und Sträucher in der Adventszeit verzauberten. Dieses Jahr bauten wir nochmals ab und nun haben wir nur noch Dutzende von Laternen mit echten Kerzen rund um unser Haus.

Hier ein Beispiel (Quelle 20 Minuten) aus Amerika, das zu denken gibt. Ich bin überzeugt, dass Europa diese Lichterspiele ebenfalls in einigen Jahren auch copieren wird. Es sei denn, die Finanzkrise korrigiere diesen fragwürdigen Trend.

Der Wahnsinn geht wieder los

Jedes Jahr findet in amerikanschien Vorgärten ein regelrechtes Weihnachts-Wettrüsten statt. Wer am meisten LED-Lichter ums traute Heim verbaut, ist der Grösste.

Krasser die Lämpchen nie leuchten: Die Lichtshow der Familie Cox besteht aus 200'000 Lämpchen.

In der Adventszeit schmücken unzählige Lichterketten Fenster und Fassaden. Einige Hobby-Dekorateure geben sich allerdings mit dem herkömmlichen Angebot nicht zufrieden und bauen deshalb ein bisschen aus. Dieses Phänomen nimmt speziell in den USA immer extremere Ausmasse an.

So stellt die Weihnachtsbeleuchtung des Amerikaners Robert Cox alles bisher Dagewesene in den Schatten. Rund um sein Haus in Pittsburgh, Pennsylvania, verlegte der Elektroingenieur gemeinsam mit seiner Gattin Raquel ganze neun Kilometer Kabel. Sie sorgen dafür, dass rund 200'000 Birnchen auch genügend Saft bekommen. Die einzelnen Lichtchen werden abgestimmt zu einem einstündigen Musikprogramm automatisch an-und ausgeschaltet.

Mit ihrer verrückten Lichtshow ziehen die Cox jedes Jahr Tausende von Fans an. Aus Rücksicht auf die Nachbarn wird die Musik nicht über riesige Boxentürme verteilt, sondern über eine eigens dafür eingerichtete UKW-Frequenz. Diese Lösung hat sich bei den Lichtkünstlern schon seit Jahren bewährt.

Weshalb hat Obama seine frühere Widersacherin zu seiner Aussenministerin gemacht?

Es ist denkbar:

--> Dass er sich an das Sprichwort hält: "Sei Deinen Freunden nah und Deinen Feinden noch näher!"

--> Dass er mit einem Schlag mit dieser Wahl die Maschinerie der Clintons unter Kontrolle hat.

--> Dass er Clintons Fähigkeit zur exaltierten Selbstdarstellung neutralisieren kann.

--> Dass er sich mit diesem Entscheid aus dem schweren Geschütz Clintons nehmen kann.

--> Dass er sich mit der Ernennung Hillarys auch die Stimmen der Frauen sichert.

--> Einiges deutet darauf hin, dass er durch die allein erziehenden Mutter und durch die einflussreiche Grossmutter geprägt wurde und auch in der Familie durch seine Frau und die Töchter, in der Politik auch Frauen mit grösster Selbstverständlichkeit mit einbezieht. Und damit merken alle Frauen, dass sie mehr als nur Dekor sind.

--> Obama hat sich vielleicht auch deshalb für Hillary entschieden, um zu demonstrieren, dass er Bürger einer globalisierten Welt ist.

--> Hillary Clinton hat auch einen enorm grossen Leistungsausweis. Sie hat ein grosses Beziehungsnetz und kennt die Länder dank der Reisen mit ihrem Mann.

--> Im Unterschied zu Condoleezza Rice hielt sie sich nicht in den klimatisierten Hotels auf. Sie besuchte auch verarmte Dörfer. In der dritten Welt vergöttern deshalb viele Frauen Hillary Clinton.

--> Zudem verfügt Hillary über ein enorm grosses Netz hervorragender Berater.

Wahrscheinlich wissen beide, Obama und Hillary, das Schlüssel zur Bewältigung der Krisen, die Fragen von Krieg und Frieden sind.

Sonntag, 7. Dezember 2008

Ob Christophe Darbellay das schlechte Gewissen plagt?

Es ist hinlänglich bekannt, dass Christophe Darbellay einer der wichtigsten Drahtzieher der Nacht- und Nebelaktion vom 12..12.07 gewesen war. Er zählt zu den Architekten des erfolgreichen- aber hinterhältigen - Coups mit der überraschenden Abwahl Blochers. Es wäre dem Präsidenten der CVP peinlich, wenn man ihm wiederum vorwerfen könnte, er agiere im Dunkeln und wirke nochmals aktiv am Plan M (Verhinderung Maurers zum Bundesrat) mit. Er liess sich deshalb auch nicht unter der Gruppe 13 aufführen, obwohl alle wissen, dass für ihn nur ein Bundesratkandidat wählbar ist, der gewisse Bedingungen erfüllt - Bedingungen die Maurer jedenfalls für ihn nicht erfüllt. Mich verwundert es nicht, dass er nun kurz vor der Wahl betont, er werde bei dieser Wahl keine Spiele mehr spielen. Es geht Darbellay um seine Reputation, denn vor einem Jahr hatte er mit Erfolg der SVP einen Streich gespielt und musste lange darunter leiden. Vielleicht wurde er sogar deswegen im Wallis als Staatsrat nicht gewählt.

Ich zitiere den Tagi:

«Wir hecken keine Streiche aus»

Laut CVP-Präsident Christophe Darbellay könnte die Ausschlussklausel der SVP zum Verhängnis werden.

Er verspricht aber, am Mittwoch mit offenen Karten zu spielen.

Christophe Darbellay: Der CVP-Chef verspricht Transparenz für die Wahl vom Mittwoch.

Christophe Darbellay:

Der CVP-Chef verspricht Transparenz für die Wahl vom Mittwoch. Bild: Keystone

«Für uns ist klar: Wir spielen mit offenen Karten, wir hecken keine Streiche aus», sagt Darbellay im Interview mit der «NZZ am Sonntag». Auf jeden Fall aber will der CVP-Chef ein Duell von Christoph Blocher gegen den Grünen Luc Recordon verhindern. «Klar ist: Ein solcher Betriebsunfall darf nicht passieren. Die Grünen sind nicht am Zuge, und Blocher ist nicht wählbar», sagt der Christdemokrat.

Grundsätzlich anerkennt die CVP den Anspruch der SVP auf den freiwerdenden Bundesratssitz.

Ob sie Maurer unterstützt, bleibt aber offen: «Das werden wir am Dienstag in der Fraktion besprechen», so Darbellay.

Die zentrale Frage sei, ob Maurer, vor allem aber auch die SVP als Partei, tatsächlich gewillt sei, in die Regierung zurückzukehren und das Doppelspiel Regierung-Opposition zu beenden. Es sei an Ueli Maurer, der CVP diesen Willen glaubwürdig zu vermitteln.

Weshalb muss Darbellay immer wieder betonen?

Wir hecken keine Streiche (mehr?) aus!

Wir werden die Karten auf den Tisch legen!

Worte wie TRANSPARENZ, OFFEN!

Die SVP hat einen Anspruch auf einen Sitz!

Meine Prognose: Es wird wieder versucht, einen SVP Sprengkandidaten zu finden, dann ist für ihn dieses Versprechen eingehalten. (Bei der Sprengkandidatin gegen Blocher betonte Darbellay vor einem Jahr immer wieder: Wir haben ja eine SVP Vertreterin gewählt!) Wenn bei der kommenden jedoch kein SVP Sprengkandidat Hand bietet, Ueli Maurer zu verhindern, dann stehen für die CVP alle Türen offen, auch mit einem transparenten Spiel. Die Partei kann dann das Duo Blocher/ Maurer mit einer anderen Kandidatur auszutricksen.

Es steht für mich eindeutig fest: Darbellay will keinen SVP Hardliner. Denn diese sind für ihn nicht wählbar. Er will nur einen Kandidaten, der ihm genehm ist. Und da agiert er bestimmt aktiv mit, nur nicht mehr an der vordersten Front. Dabellay weiss, die heimlichen fragwürdigen Spielchen könnten langfristig der CVP nach dieser Wahl wiederum grossen Schaden anrichten. Bei der Politik geht es immer wieder um die Glaubwürdigkeit bei den Bürgern.

Samstag, 6. Dezember 2008

Nach dem Geheimplan B folgt nun der Plan M

Am 12. Dezember 07 hatte der Geheimplan zur Abwahl Blochers tadellos funktioniert. Die SVP wurde überrascht und die verschworene Kerngruppe, die im Geheimen den Plan B geschmiedet hatte, brachte es fertig - mit einem strategisch geschickten Coup Blocher aus dem Bundesrat zu kippen. Die Sieger jubelten damals nach der Abwahl (Wir erinnern und an die Fernsehaufnahmen im Bundeshaus). Ihr Erfolgsrezept: Die Trumpfkarte wurde erst kurz vor der Wahl gezogen. Die Blochergegner Fehr, Hämmerle, Darbellay, Wyss und Co. konnten sich auf die Schultern klopfen. Es ist gut nachvollziehbar, dass die Sieger vom 12. Dezember alles unternehmen werden, dass der Erfolg keine EIntagsfliege ist und der unliebsame SVP Hardlinergeist noch einem schon wieder im Bundesrat Einzug halten könnte. Meine Prognose: Wir werden in den wenigen Tagen vor den Bundesratwahlen bestimmt ein Trommelfeuer gegen den missliebigen Kandidaten Ueli Maurer erleben. Alle Register werden von der Gruppe 13 gezogen, um dem Parlament bewusst zu machen, dass diese Person nicht wählbar ist. Sicherlich werden auch Argumente aus der untersten Schublade gezogen. So wird man beispielsweise alle alte unangenehme Aussagen des Kandidaten zusammenschneiden, so wie wir es an der letzten ARENA erlebt haben. Dort wurde Maurers Rechtfertigung zu seinem Ausspruch, man sei nicht gerne der NEGER, so präsentiert und zusammengeschnitten , als habe Maurer bei offiziellen Aussagen das Wort Neger in den Mund genommen. Dabei legte er nur dar, dass wir im Volkmund dieses Wort oft ohne rassistische Absicht benutzen: "Ich bin doch nicht der Neger." Ueli Maurer muss nun nach den Attacken eine dicke Haut haben. Vor der Wahl werden wir gewiss die unmöglichsten Taktiken des Fertigmachens erleben. An Unterstellungen und bösartigen Behauptungen wird es wohl nicht mangeln. Der Tagesanzeiger erweist sich schon heute als Wasserträger der Gruppe 13. Wir lesen jedenfalls in einem einseitigen Bericht über die gestrige ARENA nur all jene Argumente Fehrs die sie gegen Maurer immer wieder betont und detailliert aufgelistet hatte.

Hier noch ein lesenswerter Artikel aus NZZ online:

Leitartikel

Unbequem heisst nicht unwählbar

Unbequem heisst nicht unwählbar

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Eigentlich ist die Ausgangslage klar. Die SVP will zurück in den Bundesrat. Von der Opposition hat sie genug. Das unterstrich die wählerstärkste Partei des Landes, kaum hatte Samuel Schmid seinen Rücktritt angekündigt. Und gleich im Dutzend stellten sich Parteigrössen in die Reihe der Nachfolgekandidaten.

Dagegen erhoben zwar die Grünen Einspruch, nicht aber die Bundesratsparteien: Die SP liess am Tag von Bundesrat Schmids Demission verlauten, die SVP habe «grundsätzlich Anrecht auf den frei werdenden Sitz im Bundesrat». Auch die CVP hielt nach einer ersten fraktionsinternen Aussprache fest, sie anerkenne «den Anspruch der SVP auf den frei gewordenen Bundesratssitz». Die FDP hat bereits Klartext gesprochen. Sie empfiehlt den langjährigen SVP-Präsidenten Ueli Maurer zur Wahl in den Bundesrat.

Blochers Abwahl hallt nach

Vor einem Jahr war die Ausgangslage ebenfalls klar. Alle sieben Bundesräte traten zur Wiederwahl an. Trotzdem erlebte die SVP ihr helvetisches Waterloo. Die Nichtwiederwahl von Bundesrat Blocher war für die Partei, die zuvor in den Parlamentswahlen ihre Stellung als dominante Kraft markant ausgebaut hatte, eine Katastrophe. Eine Demütigung.

Wiederholt sich die Geschichte? Gut möglich. Bei der bevorstehenden Bundesratswahl werden die Nerven deshalb strapaziert, weil die SVP nicht auf die Zukunft setzt – sondern auf Vergangenheitsbewältigung. Die Volkspartei macht mit der Nomination Christoph Blochers deutlich, dass sie das Verdikt gegen ihren ehemaligen Bundesrat noch nicht verkraftet hat. Immerhin haben sich die Parteistrategen taktisch nicht komplett verrannt. Sie haben neben dem chancenlosen Zürcher Altbundesrat Blocher den Zürcher Nationalrat Ueli Maurer auf den Schild gehoben. Die Tür zum Bundesratszimmer bleibt so für die SVP nicht von vornherein verriegelt.

Maurer verkörpert geradezu prototypisch jene SVP, die heute zur Rechten die Marschrichtung vorgibt. Zu den Kennzeichen der nicht weichgespülten Parteimehrheit gehört der unbequeme und provokative Politstil. Ueli Maurer ist in seiner langjährigen Rolle als personifizierter SVP-Lautsprecher öfters in die Leitplanken des schweizerischen Konkordanzsystems geknallt. Ihm aber deswegen von vornherein das Bundesratsformat abzusprechen, wäre falsch. Er ist mit den politischen Dossiers ebenso intim vertraut wie mit der Bundeshausmechanik. Er ist führungsstark, kommunikativ versiert, volksnah und überdurchschnittlich belastbar – und nicht zuletzt deshalb ein valabler Bundesratskandidat.

Die Landesregierung ist kein Kuschelgremium. Sie wird nicht automatisch lahmgelegt, wenn ihr Figuren mit Ecken und Kanten angehören. Die Schweiz hat jedenfalls keinen bleibenden Schaden davongetragen, als die Alphatiere Blocher, Calmy-Rey und Couchepin gemeinsam regierten.

Szenario «SVP light»

Das schweizerische Konkordanzsystem erfordert allerdings, dass sich die gewählten Magistratspersonen nicht mehr als Parteisoldaten gebärden. Diesbezüglich setzen SP und CVP ein Fragezeichen hinter die Kandidatur Maurers. Zudem wird der Anspruch der SVP, dass einzig und allein ihre offiziell nominierten Kandidaten wählbar seien, in der Bundesversammlung richtigerweise nicht als sakrosankt gewichtet. Der Wahlkörper muss frei bleiben in seiner demokratischen Entscheidfindung.

Hinter den Kulissen wird deshalb am Szenario «SVP light» gebastelt. Die rot-grün-christlichsoziale Allianz könnte sich darauf verständigen, wiederum eine Person aus den Reihen der SVP zu wählen, die von der SVP nicht portiert worden ist. Ein Novum wäre das nicht. Samuel Schmids Wahl im Dezember 2000 entsprach ebenso wie die Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf anstelle Christoph Blochers dem Szenario «SVP light».

In der 246-köpfigen Bundesversammlung verfügt die rot-grün-christlichsoziale Allianz, die den amtierenden Bundesrat Blocher stürzte, mit 128 Stimmen unverändert über die Kraft, nach eigenem Gusto eine «wilde» SVP-Kandidatur durchzuboxen. Damit würde die SVP erneut brüskiert. Ob die auserkorene Person nun Fuhrer, Germann, Mermoud, Wandfluh oder Zuppiger hiesse: Ihr würde das gleiche Ungemach – sprich: Parteiausschluss – drohen, das bereits mit Eveline Widmer-Schlumpf durchexerziert worden ist. Dafür hat die SVP mit ihrem fragwürdigen statutarischen Imperativ vorgesorgt. Die Rückkehr zur arithmetischen Konkordanz würde faktisch verunmöglicht.

Variante Richtungswahl

Das zweite Szenario zielt darauf ab, der SVP weiterhin die Oppositionsrolle aufzubürden. Darauf arbeiten die Grünen offen hin. Die Sprengkandidatur des Waadtländer Ständerats Luc Recordon soll unterstreichen, dass es die aufstrebende Partei ernst meint. An Supportern im Bundeshaus, die eine Rückkehr der SVP in den Bundesrat partout verhindern wollen, mangelt es nicht. Der Genosse Andreas Gross, der grüne Präsident Ueli Leuenberger und der irrlichternde Freisinnige Kurt Fluri umwerben mit medialem Getöse jene Ratsmitglieder, welche die von Blocher geprägte SVP ins Pfefferland wünschen.

Vordergründig richtet sich auch dieses Szenario gegen das Zweierticket Blocher/Maurer. In Tat und Wahrheit geht es allerdings um eine politische Richtungswahl. Im Bundesrat zu ersetzen ist der Sitz von Samuel Schmid. Auch wenn er im Spätherbst seiner Karriere von der SVP verbannt wurde, blieb er gleichwohl ein grundsolider Bürgerlicher. Die rot-grün-christlichsoziale Allianz hat es in der Hand, im Bundesrat eine neue Mehrheit zu installieren. Die Wahl des grünen Sprengkandidaten – oder eines Christlichdemokraten – käme einem klaren Linksrutsch gleich.

Ob die CVP zu diesem Szenario Hand bietet? Sie könnte der Verlockung erliegen, jetzt den zweiten Bundesratssitz zurückzuerobern, der 2003 mit der Nichtwiederwahl von Ruth Metzler verloren ging. Darauf arbeitet die Parteispitze um den umtriebigen Christophe Darbellay und den abonnierten Bundesratskandidaten Urs Schwaller beharrlich hin. Der Preis, den die zwischen links und rechts pendelnde CVP zahlen würde, wäre allerdings hoch. Der wertkonservative Parteiflügel würde heimatlos. Die CVP hinge definitiv am Rockzipfel der Sozialdemokraten. Die Grünen würden ebenfalls einen happigen politischen Zins einfordern. Und Urs Schwaller stünde im Regen. Er hat am 14. November öffentlich erklärt, er stehe als Bundesratskandidat «nicht zur Verfügung». Zudem war Schwaller einer der ersten Tenöre, die Ueli Maurer als SVP-Kandidaten mit Wahlchancen besangen.

Die SVP soll mitregieren

Nach der Abwahl Christoph Blochers lagen sich dessen Gegner im Nationalratssaal kreischend in den Armen. Wird der 10. Dezember erneut zum Jubeltag der parlamentarischen Strippenzieher? Für Spannung sorgen SP und CVP, die sich zugeknöpft geben. Die beiden Bundesratsparteien werden sich hinter verschlossenen Fraktionstüren genau überlegen müssen, ob der Zeitpunkt günstig ist, mit der Konkordanz zu brechen. In der jetzigen Konstellation ist klar, dass sowohl eine Neuauflage des Szenarios «SVP light» als auch die Wahl eines grünen oder christlichsozialen Bundesrats die schweizerische Tugend der Machtteilung ad absurdum führen würde.

Die SVP mag ebenso unbequem sein, wie es die SP zur Linken seit je ist. Der Rechtsausleger Ueli Maurer mag politisch ebenso kantig sein wie früher Otto Stich oder heute Micheline Calmy-Rey. Es wäre gleichwohl falsch, ihn nicht zu wählen – und damit die weitaus stärkste Partei auf der Oppositionsbank zu belassen. Die Konkordanz erfordert, dass die SVP wieder mitregiert. Notwendig ist aber auch, dass der zu wählende Magistrat dies konstruktiv tut.

Auswirkung der Negativkampagne - An Anti-Maurerbeiträgen fehlt es nicht

Blick:

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Ringier Vordenker Frank A .Meyer spricht im Blick Klartext gegen den SVP kandidaten:

Inzwischen ist der Gott zum Götzen geschrumpft. Jetzt soll sein Famulus zum Bundesrat erhoben werden. Kein anderer, keine andere. Niemand Anständigeres, niemand Fähigeres.

Wer immer auch gegen dieses Diktat verstosse und eine Wahl durch die Bundesversammlung annehme, werde, wie Schmid und Widmer-Schlumpf, aus dem SVP-Paradies vertrieben.

Denn so lautet die Botschaft der Partei an die Bundesversammlung: Das Parlament hat sich den SVP-Statuten zu beugen, die in Artikel 9 neuerdings den Ausschluss von SVP-Bundesräten verfügen, falls diese ohne den Segen der Partei das höchste Regierungsamt im Land annehmen.

Und genau darum geht es: um die Unterwerfung der Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft unter die Statuten der Schweizerischen Volkspartei – angeführt von einer radikalen rechten Kohorte und ihrem vergotteten Führer.

Man sollte meinen, eine solche Provokation werde vom Parlament mit einem «So nicht!» beantwortet, vor allem von den Parteien, die sich so gern bürgerlich nennen. Die bürgerliche Bundesverfassung ist in diesem Punkt ganz klar: Jeder Parlamentarier wählt den Bundesrat ohne Inst­ruktion, nach bestem Wissen und Gewissen. Nie und nimmer trifft er seine Wahl nach dem Diktat einer Partei, nicht einmal nach dem Diktat seiner eigenen!

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Zur Sendung "Standpunkte" Ringier TV (Samstag 6. Dez SF 1):

In der Gesprächsrunde unter Leitung von Hannes Britschgi diskutierten nur Gegner der Kandidatur Ueli Maurers.

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blick:

Als Major hat Ueli Maurer den Befehl verweigert

1991 entfernte sich Ueli Maurer unerlaubt von der Truppe. Trotz eines ­abgelehnten Urlaubsgesuchs nahm er an einer Podiumsdiskussion teil.

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In der Sonntagspresse werden die Worte Nötigung und Erpressung der SP auch von Darbellay übernommen und breit gestreut:

NZZ am Sonntag:

Titel auf der Frontseite:

CVP wirft SVP Erpressung vor!

Jedes SVP-Mitglied, das gegen den Willen der Partei eine Wahl in den Bundesrat annimmt, wird aus der Partei ausgeschlossen: Diese Klausel hat die SVP im Oktober in ihren Statuten verankert. Nun gefährdet die Statutenänderung die Wahlchancen des offiziellen SVP-Kandidaten Ueli Maurer. «Die SVP riskiert, dass sich die Klausel als Eigengoal erweist», sagt CVP-Präsident Christophe Darbellay der «NZZ am Sonntag».

In der ARENA vom letzten Freitag verstanden es CVP und SP die Worte "Nötigung", "Erpressung", "Mauer ist nicht wählbar" dank mustergültiger Weiderholungstaktik in den Köpfen zu verankern.

Zwei Tage vor der Wahl im Tagi:

«Ueli Maurer als Bundesrat? Nicht geeignet!»

Es gebe keine Verschwörung einer «Gruppe 13» gegen die Regierungsbeteiligung der SVP, sagt der Solothurner FDP-Nationalrat Kurt Fluri. Ebenso offen sagt er aber auch, dass Ueli Maurer für ihn nicht als Bundesrat taugt.

Die Worte "Nötigung und Erpressung" werden nun auch in anderen Zeitungsartikeln übernommen. Die NZZ am Sonntag macht immerhin bewusst, dass die CVP zusammen mit der SP Gefahr läuft, dank der Machtposition eine ähnliche Dummheit zu begehen, wie in der Nacht vor der Abwahl Blochers. Als damals die CVP und die SP die Nerven verloren und die Person Blocher mit einer ihr genehmen Kandidatin aus dem Bundesrat kippte. Dass sich die SVP gegen eine Wiederholung dieses hinterhältigen Spiels wappnen mussten (mit einer unschönen Klausel) ist nachvollziehbar. Es wäre jedoch eine politische Dummheit, wenn die CVP und die SP nur aus Angst , die erfolgreiche Nacht und Nebelaktion vom 12.12.07 werde mit der Wahl von Maurer zunichte gemacht, jetzt glaubt, die Wahl eines der SVP genehmen Kandidaten mit einem Coup verhindern zu müssen. Die Gegner der SVP Hardliner könnten es zahlenmässig durchaus gemeinsam schaffen, mit dem Argument "Wir lassen uns nicht erpressen" den Blochergeist abzublocken und die SVP erneut vor den Kopf zu stossen.

Damit riskieren sie jedoch eine politische Katastrophe. Denn ohne Einbindung der grössten Partei in die Exekutive droht eine Vergiftung des Klimas. Wenn Darbellay als erfolgreicher Blocherkiller sagt: Die SVP könnte sich als Eigencoal erweisen, so könnte ihm auch entgegengehalten werden:

Ein zweiter erfolgreicher Coup gegen die SVP würde bei den nächsten Wahlen für die CVP und SP sicher auch zum Eigencoal.

Die NZZ am Sonntag appelliert immerhin an die Vernunft!

Bei Ringier tönt es eindeutig :

Maurer darf nicht gewählt werden!

Es werden wenige Tage vor der Wahl alle Register gezogen!

So schreibt der Chefredaktor im EDITORIAL des Sobli:

UELI DER LOEWE IST NICHT WAEHLBAR!

und im Beitrag "SonntagsBlickArena" (Elefantenrunde mit den Parteipräsdidenten) steht der Titel:

"Maurer beteiligte sich an Hetzjagden"

Dann werden im Beitrag Zitate der Maurer Gegner hervorgehoben, wie:

Jetzt frisst Maurer Kreide, um Bundesrat zu werden (Das SP Argument "Schauspieler", "Wolf im Schafpelz" wird gefestigt)

Nur die Dümmsten rufen den Brandstifter statt die Feuerwehr (Unterstellt die These, dass die SVP nicht bereit ist, Lösungen zu suchen)

Nebelspalter:

Grünes Licht für Maurer?
Ueli Maurer ahnt es vielleicht: Es ist nie gut, wenn man zu früh als Favorit einer Bundesratswahl gilt. » Zur Meldung

Die rotschwarze Propaganda trug am Wochenende bereits Früchte: Ueli Maurer zweifelt jedenfalls nach heutigen Berichten an seiner Wahl. Er sieht angeblich kein grünes Licht mehr. Psychologisch ist er somit angeschlagen.

20 Min:

Bundesratswahl

Ueli Maurer glaubt nicht an Sieg

Der Wahlkrimi am Mittwoch könnte jedenfalls nicht spannender sein.

Die SVP rechnet mit einer Niederlage. Bereits werden die Folgen nach der dritten Demütigung der SVP bei Bundesratswahlen heraufbeschworen. Aus meiner Sicht könnte der dritte Streich gegen die SVP auch zu einer internen Ausmarkung in der Partei führen und die Nichtwahl könnte ein Dolchstoss für die bisher so erfolgreiche Volkspartei sein. Gelingt der dritte Streich gegen die grösste Partei, so wird - wie vor einem Jahr - bei den Grünen, Roten und Schwarzen erneut ein peinlicher Jubel ausbrechen. Ein Jubel der Schadenfreude. Und diese Freude hat bekanntlich einen schlechten Nährboden. Falls es gelingt Maurer abzuschiessen, folgt später -so wie das Amen in der Kirche - der Gegenschlag. Es wird in der Politik nicht mehr so schnell Ruhe einkehren. Könnte ich auf das Parlament Einfluss nehmen, ich würde ebenfalls an die Vernunft appellieren. Nach meiner Beurteilung wird jedoch die Gruppe 13 die Kröte nicht schlucken und das erfolgreiche Spiel 12. Dez.07 weiterspielen. Oder bringt sie es fertig, doch noch über den Schatten zu springen und Ueli Mauer die Chance geben, zu beweisen, dass er die Rolle eines Magitraten übernehmen kann? Die CVP spielt nun das Zünglein an der Waage.

Tagi:

«Ich glaube auch, dass Maurers Wahl sehr schwierig wird»

SVP-Präsident Toni Brunner sagt, man könne nicht ausschliessen, dass ein inoffizieller Kandidat der SVP die Wahl als Bundesrat annehme. Dieser würde aber definitiv ausgeschlossen. Mehr..

Freitag, 5. Dezember 2008

Das Rennen um den SVP Sitz ist wieder offen

Die Drahtzieher gegen einen SVP Hardliner können aufatmen. Die Gruppe 13 ist keine Gefahr für Maurer. Aber die Akterer, die wie bei der Abwahl Blochers im Hintergrund an den Fäden ziehen. Dazu zähle ich: Darbellay. Wyss und Co. Wenn es zutrifft, dass bekannte SVP Nationalräte die Wahl annehmen, dann wird es spannend.

tagi online:

Bisher war Ueli Maurer der offizielle Kandidat. Wenige Tage vor der Bundesratswahl haben jetzt aber einige SVP-Politiker anderen Parteien signalisiert, dass sie eine Wahl durchaus annehmen würden.

Als wilder Kandidat für den Bundesrat gehandelt: Nationalrat Bruno Zuppiger.

Als wilder Kandidat für den Bundesrat gehandelt: Nationalrat Bruno Zuppiger.

Würde Wahl wohl auch annehmen: Bauernpräsident Hansjörg Walter.

Würde Wahl wohl auch annehmen: Bauernpräsident Hansjörg Walter.

Mit ihm könnte Bern den Bundesratssitz verteidigen: SVP-Nationalrat Rudolf Joder.

Mit ihm könnte Bern den Bundesratssitz verteidigen: SVP-Nationalrat Rudolf Joder.

Es war vor einer Woche während der Fraktionssitzung der CVP: Fraktionschef Urs Schwaller bat die Mitglieder zu einer ersten Aussprache über die bevorstehenden Bundesratswahlen und die beiden SVP-Kandidaten Christoph Blocher und Ueli Maurer. Die Partei spielt das Zünglein an der Waage. Wer Bundesrat werden will, braucht die Stimmen der CVP.

Christoph Blocher hat keine Chance. Aber auch der zweite Mann auf dem offiziellen SVP-Ticket, Ueli Maurer, ist bei der CVP heftig umstritten. Nationalrat Urs Hany, wie Maurer aus dem Kanton Zürich, hat seine Zweifel ob dieser den Rollenwechsel vom Parteipräsidenten zum Bundesrat tatsächlich schafft. «Ich bin vom Zürcher Stimmvolk gewählt. Und dieses Stimmvolk wollte Maurer weder im Regierungsrat noch im Ständerat.» Dies müsse er bei seiner Wahl mitberücksichtigen.

Mehrere Politiker bestätigen

Jetzt fallen Maurer ausserdem die eigenen Leute in den Rücken. Der Zuger Politiker Gerhard Pfister bestätigt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz, dass mehrere SVP-Politiker der CVP signalisiert haben, sie würden eine Wahl annehmen. Sein Solothurner Parteikollege Pirmin Bischof bestätigt solche Manöver ebenfalls. Um welche SVP-Politiker es sich handelt, die sich der CVP als Alternativen angedient haben, wollen Pfister und Bischof nicht verraten. Recherchen zeigen jedoch, dass es sich dabei um die Nationalräte Bruno Zuppiger (ZH), Bauernpräsident Hansjörg Walter(TG) und den Berner Kantonalpräsident Rudolf Joder handelt. «Die Frage ist: Was ist die richtige Alternative?», sagt Bischof.

Aber noch etwas lässt die Wahl von Maurer in den Bundesrat unwahrscheinlicher werden. Sollte ein anderer anstatt Maurer gewählt werden, wird dieser nicht automatisch aus der SVP-Fraktion ausgeschlossen.

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Der Glarner SVP-Ständerat This Jenny liess gestern durchblicken, dass der Gewählte nicht ausgeschlossen werden könne, wenn zwei Drittel der SVP-Fraktion mit der Wahl einverstanden sind.

Für Pfister ist die «Fokussierung auf die beiden offiziellen SVP-Kandidaten Blocher und Maurer mit der Erklärung von Jenny wieder stark in Frage gestellt. «Das Rennen ist meines Erachtens wieder völlig offen.» Der Wunsch der SVP in den Bundesrat zurück zu kehren, sei offenbar grösser als man bisher angenommen haben, meint Pfister.

Es könnte chaotisch werden

Gerhard Pfister befürchtet allerdings, dass damit das Jekami, welches man vor dem Entscheid der SVP-Fraktion erlebt hatte, wieder von vorne beginnt. Und daher auch, das es bei der Wahl am 10. Dezember chaotisch zugehen könnte, weil viele Namen ins Spiel kämen.

Eine wichtige Entscheidung über valable Alternativen zu Maurer und Blocher dürfte übers Wochenende fallen. Zuppiger, Walter, Joder oder vielleicht Jenny oder doch noch der Schaffhauser Germann? Oder gelingt Maurer in letzter Minute noch ein Comeback? «Die Ausgangslage ist sicher schwieriger als vor einem Jahr», meint Hany. Der Solothurner Bischof meint, mit Eveline Widmer-Schlumpf habe vor einem Jahr eine verlässliche Exekutivpolitikerin zur Verfügung gestanden, welche man ohne Bedenken habe wählen können. Keine Chance hat – wenigstens bei der CVP – der Zürcher Bruno Zuppiger.

Mörgeli Geschichte vor den Wahlen in den Medien thematisiert

Ist es Zufall oder geschickte Inszenierung, dass wenige Tage vor den Bundesratswahlen Couchepins Falschaussage in den Medien zur Sprache kommt? Der Tagesanzeiger musste die Geschichte bringen, weil das Bundesgericht immerhin prüfen will, ob Couchepins Immunität aufgehoben werden soll. Würde nämlich die Immunität des Bundespräsidenten aufgehoben, wäre dies etwas Aussergewöhnliches! Mörgeli wird diese Meldung gelegen kommen, zumal die Blocher Gegner immer wieder betont hatten, Blocher sei vor allem deshalb nicht wählbar , weil er ständig provoziere. Es ist nämlich nicht das erste Mal, dass Couchepin Kollegen beleidigt hatte.

Tagi-online:

Mörgeli-Mengele: Bundesgericht hinterfragt Couchepins Immunität

Im Streit um die Aussage von Bundespräsident Pascal Couchepin hat das Bundesgericht entschieden, die Aufhebung von Couchepins Immunität zu prüfen.

Hat Pascal Couchepin verklagt: Christoph Mörgeli lässt an einer Medienkonferenz im Frühling einen Mitschnitt von Couchepins Aussage laufen.

Hat Pascal Couchepin verklagt: Christoph Mörgeli lässt an einer Medienkonferenz im Frühling einen Mitschnitt von Couchepins Aussage laufen. Bild: Keystone

Das Gericht will gemäss einem heute veröffentlichten Entscheid als Erstes prüfen, ob Couchepin gerichtlich belangt werden kann. Sollte der Bundesrat Immunität geniessen, will das Bundesgericht prüfen, ob die Eidgenossenschaft für die Aussage verantwortlich gemacht werden kann.

Das Verfahren am Bundesgericht geht auf eine Kommissionssitzung des Nationalrats vom 1. Februar 2008 zurück. Damals hatte Couchepin statt «Mörgeli» «Mengele» gesagt, den Namen eines Nazi-Arztes. Der SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli sah sich durch diese Aussage in seiner Ehre verletzt und hat deshalb von der Eidgenossenschaft eine symbolische Genugtuung von 1000 Franken verlangt, die er für Nazi-Opfer spenden will.

Bundesrat lehnte Zahlung als Genugtuung ab

Der Bundesrat lehnte die Zahlung einer Genugtuung im April dieses Jahres ab. Eine Rechtswidrigkeit liege nicht vor, weil die Nennung zweier ähnlich klingender Namen, ohne dass ein inhaltlicher Bezug hergestellt werde, keine Verletzung der Persönlichkeit darstelle, urteilte der Bundesrat damals. Bei der fraglichen Äusserung lasse im Weiteren nichts darauf schliessen, dass Couchepin willentlich einen Vergleich zwischen Mörgli und Mengele habe ziehen wollen. Eine Absicht, Mörgeli anzugreifen oder zu beleidigen, habe nicht bestanden. Auf Grund dieser ablehnenden Haltung des Bundesrats rief Mörgeli das Bundesgericht an.

Mit der Tonbandaufzeichnung konnte belegt werden, dass es sich nicht um einen Versprecher handelte und Couchepins Beschönigung der bewussten Provokation nicht stimmen konnte.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Nicht nur mit 105 Jahren ist es ratsam, bei Interviews nie vorschnell zu antworten

Heester behauptet, man habe ihm in einen Interview Worte in den Mund gelegt, die er so nicht gemeint habe.

Tagi- online berichtet:

«Hitler ein netter Kerl»: Aufregung um Heesters-Interview

Der 105-jährige Schauspieler Johannes Heesters fühlt sich von einem holländischen Fernsehsender mit Fragen nach Hitler «hereingelegt».

Worte in den Mund gelegt?: Johannes Heesters.

Worte in den Mund gelegt?: Johannes Heesters. (Bild: Keystone)

Heesters, der zurzeit in Hamburg Theater spielt, sei in einem Interview des TV-Senders Vara «überfallartig» mit Fragen nach Hitler und Stalin konfrontiert worden, erklärte seine Frau Simone Rethel-Heesters am Mittwoch in einem Communiqué.

Gemäss Rethel-Heesters antwortete der Schauspieler auf die Frage

«War Hitler ein netter Kerl?» (Was Hitler een aardige man?)

unter anderem:

«...für seine Soldaten war er aardig (gut), die fanden ihn gut».

Sie sei überzeugt, dass die «schreckliche Antwort» ihrem Mann «in den Mund gelegt» worden sei, erklärte Rethel-Heesters.

Sie selbst habe die «perfide Frage» des Interviewers nicht verstanden, weil sie auf Holländisch gestellt wurde. «Mein Mann hat leider versucht, die Frage nach «Hitler, dem guten Mann» zu beantworten, indem er sich immer wieder ungeschickt und für ihn entsetzlich verfänglich ausdrückte.

Interview im hohen Alter

Sie sei überzeugt davon, betonte Simone Rethel-Heesters, «dass Jopies Lebensleistung nicht durch einen einzigen unglücklichen Satz in einem Interview geschmälert wird, das er im Alter von 105 gegeben hat. Mein Mann ist im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen immer auf Distanz zu den braunen Machthabern geblieben.»

Mit der Ausstrahlung dieses Interviews, «das von einem jungen Mann geführt wurde, der gar nicht auf die Schwierigkeiten eines sehr, sehr alten, blinden Mannes einging, zynische Fragen stellte, die ein 105-Jähriger nicht mehr durchschaute, versucht man zweifellos, das Leben meines Mannes zu zerstören.»

Ärger statt Vorfreude

Für sie und ihren Mann, der sich so sehr auf die Feiern zu seinem 105. Geburtstag am Freitag gefreut habe, sei die momentane Situation «eine Katastrophe», erklärte die Ehefrau des Schauspielers.

«Er ist zurzeit praktisch nicht mehr in der Lage, seine Rolle zu spielen, und würde bei nochmalig auftretenden Bühnenschwierigkeiten aufhören müssen.» Heesters spielt noch bis zum 18. Januar in Hamburg den Kaiser Franz Joseph in der Operette «Im weissen Rössl».

Kommentar: Wer überfallartig mit Fragen konfrontiert wird, ist gut beraten, sich antizyklisch zu verhalten. Siehe www.rhetorik.ch unter dem Buchstaben A im Inhaltsverzeichnis: "Antizyklisch verhalten" . Wer nicht wartet, denkt und überlegt, bevor er spricht, läuft immer Gefahr, etwas zu sagen, das gravierende Folgen haben kann. Bei Heester geht es immerhin um seine Reputation.

Uebrigens: Wird eine Frage schlecht verstanden, darf nie geantwortet werden, bis die Frage geklärt ist.

Diese Erkenntnisse haben nichts mit dem Alter zu tun.

bild-online:

Was war passiert? In der holländischen TV-Show „Die Welt dreht sich weiter“ wurde Heesters für die Satire-Rubrik „Schakale“ interviewt und hat dabei Hitler als einen „guten Kerl“ bezeichnet. BILD druckt einen Auszug aus dem Gesprächs-Protokoll:

Der Journalist fragt: „War Hitler ein netter Bursche?“

Heesters: „Adolf Hitler, ja Gott, ich kenne den Mann wenig, aber ein Kerl, weißt du, das war er, ein guter Kerl.“

Heesters’ Frau Simone Rethel: „Ja, Jopie, was redest du?“

Heesters: „Was?“

Seine Frau: „Das war doch kein guter Kerl, der Hitler.“

Heesters: „Nun ja, das war er nicht, aber für mich war er nett.“

Seine Frau: „Jopie, Hitler war der größte Verbrecher auf der ganzen Welt! Da kannst du nicht sagen, er war ein feiner Kerl! Was redest du für dumme Sachen!“

Heesters: „Na ja, ich darf nicht mehr sagen, dann ist sie böse mit mir.“

Nachtrag -- die Kritik reisst nicht ab - Ich zitiere 20 Min:

«Er ist ein alter Narr»

Entertainer Johannes Heesters steht wegen seiner jüngsten Hitler-Äusserungen weiter in der Kritik. Der 105-Jährige hatte Adolf Hitler als «netten Kerl» bezeichnet.

< Johannes Heesters bei einem Auftritt letzte Woche

Seine Aussage, wonach der NS-Diktator «ein guter Kerl» gewesen sei, sei typisch für Heesters, sagte der niederländische Bestseller-Autor Leon de Winter der «Frankfurter Rundschau». «Er relativiert die NS-Zeit ja seit 60 Jahren», warf de Winter dem Entertainer vor.

Heesters Hitler-Entgleisung sei wohl auch auf sein hohes Alter zurückzuführen: «Er ist ein Narr, inzwischen ein alter Narr», wurde der Schriftsteller weiter zitiert. «Mit 105 ist er sicher nicht mehr klar im Kopf.» Vielleicht lockere das Alter aber auch nur seine Zunge - «so wie Betrunkene und Kinder sagen, was sie wirklich denken

Nachtrag Tagi 13.12.08:

Hitler-Ausspruch: Jopie Heesters entschuldigt sich vor laufender Kamera

Der Sänger war heute Abend zu Besuch bei «Wetten Dass?!». Bevor er zu singen anfangen könne, müsse er noch etwas sagen, sagte Heesters. Etwas Wichtiges.

1/28 Johannes Heesters, mit vollem Namen Johan Marius Nicolaas Heesters, wurde am 5. Dezember 1903 im niederländischen Amersfoort als jüngster von vier Söhnen geboren. Ursprünglich wollte er katholischer Geistlicher werden, machte dann aber eine kaufmännische Lehre. Mit 16 entschloss er sich nach einem Theaterbesuch, Schauspieler zu werden. Mit 17 Jahren stand er zum ersten Mal auf der Bühne.

«Ich habe vor ein paar Tagen etwas Dummes, etwas Fürchterliches gesagt, und dafür bitte ich um Verzeihung», sagte Johannes Heesters vor Beginn seiner Vorstellung. Er erntete dafür, wie auch für seine Vorstellung, intensiven Applaus. Zu Besuch war Heesters, weil er Gastgeber Thomas Gottschalk 2003 – mit 100 Jahren – versprochen hatte, dass er 2008 vorbeikommt.