Montag, 28. Januar 2013

Doping Posse und Lügengeschichten ohne Ende



„Er ist ein lügender Mistkerl“ Doping-Zeugen gehen auf Armstrong los




Das Häppchen-Geständnis von Doping-Sünder Lance Armstrong (41).
In seiner TV-Beichte bei Oprah Winfrey hat er nur das erzählt, was ohnehin alle schon wussten. Nicht mehr und nicht weniger. Viele sind enttäuscht, die meisten genervt.
Der britische Radprofi Bradley Wiggins (32) geht jetzt auf Armstrong los. Der Tour-de-France-Sieger und Olympiasieger von 2012 äußerte sich jetzt erstmals nach Armstrongs TV-Auftritt und nennt ihn einen „lügenden Mistkerl“.
Wiggins reagiert auf die Aussage Armstrongs, der behauptet hatte, nach 2005 nicht mehr gedopt zu haben und seine letzten beiden Touren 2009 und 2010 sauber gefahren sein will.
Wiggins beendete die Tour 2009 als Vierter, einen Platz hinter Armstrong. Besonders ein Moment hat sich in sein Gedächtnis gebrannt. Wiggins beendete die 15. Etappe durch die Schweizer Alpen nach Verbier 29 Sekunden schneller als Armstrong. Sechs Tage später hatte Armstrong auf der Hochgebirgs-Etappe Mont Ventoux plötzlich 21 Sekunden Vorsprung auf Wiggins.
Wiggins: „Was mich am traurigsten gemacht hat, war über 2009-10 – ich dachte:

 'Du lügender Mistkerl.'“

„Ich kann mich noch an den Mann auf dem Gipfel von Verbier 2009 erinnern und an den Mann, den ich eine Woche später auf dem Gipfel von Ventoux gesehen habe, als wir gemeinsam bei der Doping-Kontrolle waren – das war nicht der gleiche Radfahrer. Man muss sich nur die Videos ansehen, wie der Kerl gefahren ist“, so Wiggins weiter.
Wiggins' abschließendes Urteil ist traurig und hart: „Ich glaube nichts mehr, was aus seinem Mund kommt.“
Eine mutige Frau, die schon vor Jahren den Doping-Missbrauch von Armstrong bezeugte, ist genauso enttäuscht: Betsy Andreu (46).


Vergrößern Betsy Andreu
Betsy Andreu wurde nach ihrer Zeugen-Aussage von Armstrong verklagt

Foto: Getty Images
Die Ex-Frau von Armstrongs Teamkollegen Frankie Andreu hatte er verklagt, weil sie vor Gericht aussagte, dass Armstrong schon 1996 im Krankenhaus einem Arzt gegenüber Doping gestanden hatte. Er beschimpfte Andreu als „verrückt“ und „Miststück“.
Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ sagt Andreu jetzt, dass Armstrong nur „Rosinen-Pickerei“ betrieben habe: „Bei einigen Antworten war er ehrlich, bei anderen gar nicht.“
Betsy Andreu weiter: „Ich habe vorher gesagt, er hat diese Chance die Wahrheit zu erzählen. Wenn er das nicht tut, wenn er nicht die volle, ganze Wahrheit erzählt, dann hat er seine Chance auf Vergebung absolut vertan.“
Nach dem TV-Auftritt bei Oprah Winfrey hatte Andreu auch Kontakt zu anderen Armstrong-Opfern: „Die Reaktionen waren nicht gut für ihn. Jeder dachte nur, was zum Teufel macht er da?“

FAZIT:
Die Doping-Posse um Lance Armstrong – ein Ende ist nicht in Sicht...

Sonntag, 27. Januar 2013

Wäre schon längs fällig gewesen:



Weniger Lehrer pro Klasse!

Schulversuch in Zürcher Volksschule angekündigt.

Besser lernen

 dank weniger Lehrern










Der Schulalltag soll lat Zürcher Regierungsrat mit dem Versuch vereinfacht werden.
Der Schulalltag soll lat Zürcher Regierungsrat mit dem Versuch vereinfacht werden. (Bild: Karin Hofer/ NZZ)

Im kommenden Sommer beginnt ein Schulversuch, von dem sich die Bildungsdirektion stärkere Lernbeziehungen und eine einfachere Schulorganisation verspricht. Der Regierungsrat hat das nahezu kostenneutrale Projekt vor Weihnachten bewilligt.
Aus NZZ- online:


Weniger Spezialisten, dafür mehr personelle Ressourcen für die Regelklassen: Dass die Bildungsdirektion hohe Erwartungen in einen Schulversuch nach diesem Rezept hegt, war schon seit einiger Zeit bekannt. Mit vier Gemeinden ist die Übungsanlage dazu letztes Jahr auf dem Papier durchgespielt worden. Kurz vor Weihnachten gab der Regierungsrat grünes Licht für den Versuch. Am Freitag hat Bildungsdirektorin Regine Aeppli (sp.) zusammen mit dem für Schule und Sport verantwortlichen Winterthurer Stadtrat Stefan Fritschi (fdp.) das Projekt vorgestellt.

Förderliche Beziehung

«Fokus: Starke Lernbeziehungen» heisst der auf Kindergärten und Primarschulen beschränkte Schulversuch. Seine Grundidee ist, dass pro Klasse nur noch zwei Lehrpersonen unterrichten, und zwar möglichst alle Fächer. Diese beiden Lehrpersonen übernehmen auch den bisher Spezialisten übertragenen Unterricht in Deutsch als Zweitsprache (DaZ), die integrative Förderung (IF, zum Beispiel bei Lernschwächen) und die Begabtenförderung. In ihrer Arbeit werden sie von schulischen Heilpädagogen beraten und unterstützt.
Aeppli will mit der Reduktion der Anzahl Lehrpersonen pro Klasse eine «konstante, förderliche Beziehung» zwischen den Lehrkräften und den Schulkindern ermöglichen und erhofft sich positive Auswirkungen auf deren Entwicklung und Lernerfolge. Auch die Eltern seien nicht mehr mit einer Vielzahl von Ansprechpartnern konfrontiert. Darüber hinaus hat der Versuch zum Ziel, die Lehrkräfte vom grossen Aufwand für Koordination und Absprachen zu entlasten und die Schulorganisation zu vereinfachen.

Grosses Interesse Winterthurs

Was das konkret bedeuten kann, erläuterte Stefan Fritschi am Beispiel Winterthurs. Schon Erstklässler wie sein eigener Sohn hätten heute mit bis zu sieben Lehrpersonen zurechtzukommen. Anderseits müssten Fachlehrer oft an vier bis sechs Klassen arbeiten, um auf ein vernünftiges Pensum zu kommen, und damit mehr als hundert Kinder kennen. Wer ein halbes Pensum in einer Klasse und zusätzlich ein paar Lektionen DaZ unterrichte, könne zwei verschiedenen Pensionskassen angehören und in mehreren Anstellungsverhältnissen stehen. Entsprechend kompliziert seien Pensenänderungen. Mit zahlreichen unattraktiven Kleinstpensen falle es zudem schwer, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.
Winterthur will deshalb in grösserem Stil in den Versuch einsteigen, wenn auch erst in der zweiten, im Sommer 2014 beginnenden Etappe. Fritschi würde sich wünschen, dass in jedem der sieben Schulkreise eine Schule mitmacht. Insgesamt zählt Winterthur 39 Schulen. Er ist «schwer der Ansicht», dass der Versuch neben den erwähnten Verbesserungen auch eine Stärkung der Position und des Ansehens der Klassenlehrpersonen mit sich bringe. Diese könnten kompetenter auftreten, wenn sie die Verantwortung für ihre Klasse nicht mit vielen andern teilen müssten.

Eineinhalb Stellen pro Klasse

Aeppli betonte, dass die Idee zum Versuch nicht von oben, sondern aus den Schulen und Schulgemeinden komme. Man sei schon im Rahmen des breit angelegten Projekts «Belastung/Entlastung im Schulfeld» darauf gekommen. Die Stärkung der Lernbeziehungen gehöre zudem zu den Legislaturzielen der Bildungsdirektion. Man reagiere jetzt auf die in den letzten Jahren forcierte Spezialisierung. Das sei nicht mit einer Kritik an der Arbeit der Spezialisten verbunden, diese leisteten gute Arbeit. Aber ihre Zahl müsse reduziert werden.
Alimentiert wird der Versuch nicht durch zusätzliche Mittel, sondern durch die Umverteilung von bereits vorhandenen Ressourcen wie den Dotationen für IF, DaZ und die kommunale Begabtenförderung in die Regelklassen. Damit erreiche man – abhängig vom Sozialindex der Gemeinde – 130 bis 160 Stellenprozente pro Klasse, was Teamteaching und Halbklassenunterricht während des grössten Teils der Unterrichtszeit ermögliche. Nach diesem Modell können bisherige schulische Heilpädagogen und DaZ-Lehrkräfte, die alle über ein Lehrerdiplom verfügen, entweder eine Aufgabe als Klassenlehrer oder beratende Aufgaben an ihrer Schule übernehmen. Mit dem Versuch wird ein auf den individuellen Bedarf abgestimmtes Weiterbildungsangebot entwickelt. Dafür und für die wissenschaftliche Begleitung und Projektorganisation sind 4,9 Millionen Franken gesprochen.
Mindestens 200, höchstens 350 Klassen sollen am Versuch teilnehmen, was maximal 5 Prozent aller Kindergarten- und Primarklassen des Kantons entspricht. Der Versuch ist befristet bis Sommer 2019. Gesucht werden noch Schulen, die bereits diesen Sommer einsteigen wollen. Die zweite Etappe startet 2014, eine dritte 2015. Auch der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband ruft die Schulen zur Teilnahme auf. (Ende Zitat)

Kommentar:

Insgesamt 200 bis 350 Primar- und Kindergartenklassen will der Kanton Zürich in den nächsten drei Jahren für ihr Versuchsprojekt gewinnen. Die Anzahl der Lehrer pro Klasse sollen drastisch reduziert wird. Man verspricht sich bessere Schulerfolge, weil sich Schüler nicht mehr auf etliche Bezugspersonen einstellen müssen. Auch für Eltern soll es einfacher werden, weil sie für Belange ihres Kindes, nur noch eine oder zwei Ansprechpersonen haben.
Ich erteile seit vielen Jahren Weiterbildungskurse für Lehrer aller Stufen, Schulleiter und Schulbehörden.  Dass die Bildungsdirekton mit der zunehmender Spezialisierung auf die falsche Karte gesetzt hat, war  mir schon längst bewusst.Es kann doch nicht sein, dass ein Volksschüler 6-10 Lehrkräfte haben muss. Der Wunsch nach Teilzeitarbeit verstärkte die Auflösung des Wunsches nach einer konstanten Bezugsperson. Eine Klasse neben dem Klassenlehrer von verschiedensten Fachleuten betreut worden, beispielsweise im Bereich Deutsch als Zweitsprache (DAZ) oder bei der integrativen Förderung (IF). Heilpädagogen, Turn- Sing- lehrer wirkten alle an derselben Klasse.
Das hatte zur Folge, dass etliche DAZ-Lehrer, Kleinstpensen an verschiedenen Schulen wahrnehmen mussten, um ein attraktives Pensum zu erreichen. Andererseits hatten  die Lehrer einen enorm grossen Koordinationsaufwand. Denn sämtliche Massnahmen und Unterrichtsmethoden mussten in unzähligen Meetings und Teamsitzungen  untereinander abgesprochen werden. Ganz zu schweigen von den Schülern und Eltern, die sich an etliche Bezugspersonen gewöhnen mussten. Aehnlich, wie wir bei einem Spitalaufenthalt ständig von einer anderen Person betreut werden.

Erstaunlich, dass die Bildungsdirektorin erst heute die Bedeutung des Klassenlehrers erkannt hat.
DIESE ECHTE VEREINFACHUNG DER SCHULE
WAR UEBERFAELLIG! 

Der angebliche Schritt zurück ist nach meinem Dafürhalten ein Schritt nach vorn hin zur bewährten Bezugsperson. Dieses Zurück zur KONSTANZ vereinfacht das unterrichten wesentlich.
Als Ombudsman einer Kantonschule zeigte sich  bei meiner Arbeit immer wieder, wie wichtig  die Konstanz der Bezugsperson Klassenlehrer  ist - trotz zahlreicher Fachlehrkräfte, vor allem bei Konflikten oder persönlichen Problemen.
LINKS:


17. Mai 2002 ... Mangelnde Konstanz von Bezugspersonen Vertrauen können wir nur bei einer Person aufbauen, die wir kennen. Niemand wird einer ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Mai_17_2002.html

20. März 2007 ... Dass Kinder Geborgenheit, Nestwärme und eine Konstanz hinsichtlich Bezugspersonen benötigen, ist unbestritten. Es geht oft nur um die ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/07/03_20/index.html



























27.01.2013

Lob für den Roman "Elvis"

Nachrichtenmagazin rezensiert Ackeret-Roman.

Grosse Ehre für "persönlich"-Chefredaktor Matthias Ackeret. In der aktuellen Ausgabe des deutschen Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" wird sein Roman "Elvis" als "Trouvaille" gelobt. Der "Spiegel" schreibt, "das Ding ist wirklich, wie Martin Walser sagt, 'gnadenlos unterhaltend'". Damit nimmt die Zeitschrift Bezug auf die Youtube-Rezension von Walser. Und weiter: "Elvis ist die helle Beleuchtung in diesem schwungvollen Kleinstthriller, für die dunkle Hälfte sorgt kein Geringerer als Adolf Hitler." Die Buchsprechung über "Elvis" endet mit dem Satz: "Gute Arbeit, Matthias Ackeret." Der Roman "Elvis" ist im Meierbuchverlag, Schaffhausen, erschienen.

Lieber Matthias

Herzliche Gratulation!

Marcus

Originell oder kontraproduktiv?

Bio, bodenständig, blond

Die Blondine ist so etwas wie die Alterspräsidentin der Geschlechterstereotypen. Seit Jahrzehnten liefern ihre intellektuellen Defizite und ihre verruchte Sexualmoral die Pointen zahlloser Witze und Zoten.
Was ist nun davon zu halten, wenn sich eine linke Politikerin in einem Wahlkampf selber zur Blondine macht? Die Rede ist von Brigit Wyss, der grünen Bewerberin für die Solothurner Kantonsregierung. Die 52-Jährige – im Jahr 2010 offizielle Bundesratskandidatin ihrer Partei – kämpft laut eigener Aussage seit früher Kindheit gegen Rollenmuster. Und jetzt empfiehlt sie sich  mit dem Slogan «Bio, bodenständig, blond» für die Wahl vom 3. März. «Ich will erreichen, dass die Leute meinen Wahlprospekt länger anschauen», so wird Wyss in der «Basellandschaftlichen Zeitung» zitiert. «Der Slogan ist mit einem Augenzwinkern zu nehmen, er ist zum Schmunzeln.»

hr Wahlauftritt ist misslungen: Die Solothurner Grüne Brigit Wyss. (Keystone/Peter Klaunzer)
Ihr Wahlauftritt ist misslungen: Die Solothurner Grüne Brigit Wyss. (Keystone/Peter Klaunzer)
Zum Schmunzeln? Bedauerlicherweise zeigt der Slogan in erster Linie, dass Selbstironie für politische Kampagnen eine gefährliche Ingredienz darstellt. Vor allem, wenn die Selbstironie Selbstzweck ist und nicht über sich hinaus weist. «Bio» enthält ansatzweise ein politisches Bekenntnis, «bodenständig» vermittelt eine Charaktereigenschaft, «blond» hingegen enthält und vermittelt nichts. Der Inhalt der Botschaft besteht aus Haarfarbe und fertig. Selbst wenn die Leute die Wahlsujets tatsächlich «länger anschauen»: Wer so wirbt, kann beim Betrachter den Eindruck erwecken, das anvisierte Amt – oder die Wähler – nicht wirklich Ernst zu nehmen.
Und mit der Komik will es auch nicht recht hinhauen. Witz entsteht durch geistreiches Spiel mit Doppelbödigkeit. Nehmen wir an, ein afrikanischstämmiger CDU-Kandidat priese sich als «schwarz» an: Es wäre witzig, weil schwarz die politische Farbe der CDU ist. Der blonden Wyss hingegen fehlt der Witz, weil «blond» keine solche Mehrdeutigkeit erkennen lässt. Jedenfalls keine beabsichtigte. Die Kandidatin will wohl kaum ernsthaft ihre Qualitäten als Klischee-Blondine bewerben.
So droht die Stereotypie am Ende noch zementiert zu werden. Das ist gewiss nicht im Sinn von Brigit Wyss, die explizit als «zweite Frau» in die Regierung möchte. Sie sollte die Strategie wechseln – und den Wählern nicht die Farbe ihrer Haare, sondern ihrer Politik verkaufen: grün.

Kommentar: Brigit Wyss müsste bedenken:

Wer so wirbt, kann beim Betrachter den Eindruck erwecken, das anvisierte Amt – oder die Wähler – nicht wirklich Ernst zu nehmen. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass Selbstironie bei politischen Kampagnen tatsächlich gefährlich ist. Ich unterstütze den Rat: Die Kernbotschaft muss die politische Haltung der Kandidatin sein.

Samstag, 26. Januar 2013

Jedem Schweizer sein Häuschen


Wir könnten allen Schweizer  Familien ein erschwingliches Einfamilienhaus ermöglichen, wenn wir
die Villenviertel "Made in China" copieren würden. Niemand müsste  Rasen mähen, noch Hecken pflegen.
Alle haben einen Balkon und könnten ums Traumhaus laufen. Das einzige Problem: Wie finde ich mein Heim, wenn...?

Made in China

Made in China

Solche, individuelle, kapitalistische Bauweisen mit Häusern im Grünen müsste der Staat verbieten und allen Einwohnern genormte Wohneinheiten zur Verfügung stellen, wie in China.  Einzelne Hühner dürfen in Legebatterieen  auch keine Sonderwünsche haben! Dank der Normierung sind und dem staatlichen Eingriff sind alle gleich!

Steinhart reden wie Steinbrück oder weichgespült wie Merkel?

Es ist eine Kunst, die Balance zu finden zwischen ungefilterten oder weichgespülten Aussagen.  Wir empfehlen immer, Sachverhalte auf den Punkt zu bringen ohne das Gegenüber zu verletzen oder vor den Kopf zu stossen.

 



Ungefiltert reden wie Stolpersteinbrück


  oder

 Airbagrhetorik pflegen wie Merkel?


Diese Grundsatzfrage muss alle Politiker beschäftigen  




(Quelle DIE ZEIT)

Zur Rhetorik der Macht

  

Die Medien ärgern  derzeit  über Peer Steinbrücks ungefilterte Aussagen. Sollte er vielleicht lieber so weichgespült reden wie die Kanzlerin?
Der Kanzlerkanditat macht mit seinem ungeschickter Umgang mit den Medien ständig von sich reden. Stolpersteinbrück habe, wie der Spiegel in seiner aktuellen Titelgeschichte noch einmal herausstellt, »den Eindruck« erweckt, sich ein besseres Einkommen verschaffen zu wollen, da er in einem Interview auf das zu tiefe Kanzlergehalt  hingewiesen habe.  Störend ist es, dass er vielmehr stets das Gegenteil behauptet hatte, zum Beispiel im November in der Bild am Sonntag: »Meine Bewerbung um die Kanzlerkandidatur zeigt, dass mir dieses politische Engagement wichtiger ist als Geld. Denn sonst würde ich mehr verdienen, wie ja jetzt jedermann weiß.« Das weiß natürlich auch jeder politische Kommentator, genauso wie er allerdings auch weiß: Darauf kommt es gar nicht an. Es kommt nicht in erster Linie auf die Aussage selbst an, es kommt darauf an, ob sich aus der Aussage ein zweifelhafter Eindruck ableiten lässt, der zu einer öffentlichkeitswirksamen Erzählung taugt. Die Erzählung lautet: Ausgerechnet ein Kanzlerkandidat der SPD, der für seine Vorträge hohe Honorare kassierte, hinterlässt den Eindruck, sich über sein mögliches zukünftiges Gehalt zu beschweren. Nach Steinbrücks Vorgeschichte, so der Spiegel, »wirkte es seltsam«, dass Steinbrück auf das Kanzlergehalt zu sprechen gekommen sei. Seltsam ist allerdings auch, dass die seltsame Wirkung einer Aussage ein Politikum sein soll.
Genau besehen, lässt sich aus den Steinbrückschen Interviewsätzen vor allem ableiten, dass er sich den Medienmechanismus nicht zu eigen machen möchte, wonach schon der mögliche Eindruck, den eine Aussage hinterlässt, diese sogleich zu einer kritikwürdigen macht. Eine kluge Antwort im Pingpongspiel eines journalistischen Interviews ist heute eine tautologische oder möglichst selbstverständliche, aus der sich, wenn überhaupt, nur indirekt etwas ableiten lässt. In diesem Sinne kluge Antworten kennt man gut von der Bundeskanzlerin. Nur einige allzu typische Beispiele aus den vergangenen Monaten: Am 2. Mai beantwortete Angela Merkel in der Welt die Frage, welche Bedeutung die Landtagswahl in Schleswig-Holstein für sie und die CDU habe, folgendermaßen: »Jede Landtagswahl ist wichtig, weil sie darüber entscheidet, welche Politik in einem Bundesland zum Tragen kommt (...).« Am 3. Mai wurde sie von der Hamburger Morgenpost gefragt, ob sie zur Fußballeuropameisterschaft in die Ukraine fahre: »Ich habe noch keine Reisepläne zu Spielen der EM gemacht, weder nach Polen noch in die Ukraine, so etwas entscheide ich immer kurzfristig (...).« Am 2. Dezember wurde sie in der Bild am Sonntag gefragt, welche Position die Union zur steuerlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare mit Eheleuten habe: »Der Parteitag ist der richtige Ort für eine solche Entscheidung (...).« Wie ernst nimmt sie ihren Herausforderer Peer Steinbrück? »Ich habe immer jeden meiner Konkurrenten und Herausforderer ernst genommen und respektiert (...).«
In Angela Merkels Interviewantworten wird entweder auf ein zuständiges Gremium verwiesen (»Parteitag«), die Fragestellung bis zur Unkenntlichkeit ins Allgemeine verschoben (»Jede Landtagswahl ist wichtig...«, »Ich habe immer jeden meiner Konkurrenten...«), oder aber die Frage wird als noch gar nicht beantwortbar deklariert, da eine Entscheidung noch aussteht: »Ich habe noch keine Reisepläne...« Es gehört übrigens zum guten Ton der Medienkritik, derlei Politikeraussagen zu beanstanden – als zu glatt, zu strategisch, zu unauthentisch (das sei bei Wehner, Brandt, Kohl noch ganz anders gewesen und so weiter), was natürlich zu kurz greift: Bis zu einem gewissen Grad bleibt Politikern gar nichts anderes übrig, als ihre Botschaften formelhaft zu wiederholen, damit sie auch durchdringen.
Nun folgen Steinbrücks Interviewantworten keineswegs der gewohnten politischen Kommunikationsstrategie, sie meiden irritierenderweise die Trias aus Ablenkung (»Parteitag«), Verallgemeinerung (»Jede Landtagswahl«) und Verschiebung (»Reisepläne«). »Zählt Nähe zu den Menschen zu Ihren Stärken?«, wurde Peer Steinbrück am 8. Dezember in der Süddeutschen Zeitung gefragt. Antwort: »Ich bin offen, biedere mich aber nicht an. Ich rede auch im Alltag so, wie mir der Schnabel gewachsen ist.« Die Bild am Sonntag fragte ihn am 25. November: »Sie haben Angela Merkel aufgefordert, den Deutschen in Sachen Griechenland endlich die Wahrheit zu sagen. Was ist die volle Wahrheit?« Antwort Steinbrück: »Wir Deutsche müssen Opfer bringen für den Zusammenhalt Europas. Wir sind längst in einer Haftungsunion. Griechenland wird in den nächsten acht Jahren nicht auf die Kapitalmärkte zurückkehren und braucht daher Brücken. Für diese Brücken müssen wir sorgen, und das kostet Geld.« Im selben Interview wird Steinbrück nach der Agenda 2010 gefragt. Seine Antwort ist zweifellos auch hier unglatt und unstrategisch: »Es gab Fehler, auch von mir persönlich. Die Besteuerung der Kapitaleinkünfte ist bis heute zu niedrig (...) wir haben an manchen Stellschrauben, etwa der Leiharbeit, zu stark gedreht.« Am 19. Dezember wurde er im ZEIT-Interview gefragt: »Ist das Ihr Trick, dass Sie wirklich etwas sagen, wenn Sie etwas sagen?« Und er antwortet: »Das ist kein Trick. Dieses Geschwafel passt einfach nicht zu mir.«
Journalisten beklagen sowohl politische Nullaussagen als auch unkluge Antworten.

 Unkluge Antworten sind in der Regel konkrete Antworten auf konkrete Fragen. In einer stark regulierten Medienwelt mit all ihren Eigengesetzlichkeiten wiegen unkluge Antworten schwerer als »Geschwafel«. In Interviews, die von einem Beraterstab im Zuge der Autorisierung nach Anrüchigem oder Angreifbarem panisch durchforstet werden, sind inhaltliche Fauxpas offenbar so selten geworden, dass zur Skandalerzeugung vorzugsweise die Form herhalten muss, also der Eindruck, den eine Aussage auch nur erzeugen könnte (oder, siehe Wulff, der Lebensstil – auch eine Formfrage). Zur Lösung des Formproblems des Kandidaten wird deshalb dringend eine bessere Formberatung anempfohlen: Warum, so wird gefragt, hat Steinbrücks Sprecher die Sätze nicht einfach herausgestrichen? Das Politische ist zusammengeschrumpft auf die desillusionierende Frage, ob die Kommunikations- und Imageberater auch klug genug sind. Die Falle, die sich bei Interviews auftut, folgt dabei der Logik des Doublebinds: Sowohl die unkonkrete Beantwortung einer Frage ist unbefriedigend als auch die konkrete. Aber nur Letztere hat das Potenzial zum großen Aufreger. Vor allem natürlich dann, wenn es der Befragte auf undisziplinierte und zu Recht als unprofessionell kritisierte Grenzüberschreitungen der Rezeptionsgewohnheiten von Interviews anlegt wie Steinbrück, der damit kokettiert, zu reden, wie ihm »der Schnabel gewachsen ist«.

Verschoben hat sich die Sensibilität für Verfehlungen

Da eine kluge Kommunikationsstrategie derzeit zum Hauptmerkmal von politischen Prozessen gemacht wird, kommt es nämlich darauf an, konkrete Antworten und Aussagen nur noch mit äußerstem Bedacht zu wählen. Weil es, wie der Soziologe Niklas Luhmann Ende der achtziger Jahre entwaffnend schlicht formuliert hat, eine Asymmetrie im Verhältnis von Reden und Schweigen gibt, gilt stets die Regel: »Wer schweigt, kann immer noch reden. Wer dagegen geredet hat, kann darüber nicht mehr schweigen.« Im Stadium des Anwärters auf das Kanzleramt über das Gehalt des Kanzlers zu räsonieren erwies sich als zeitlich unpassend, wie die ZEIT bereits in der vergangenen Woche anmerkte.
In der heutigen Gesellschaft, so Luhmann, sind gesellschaftliche Prozesse nur als Kommunikation möglich. Jede Beobachtung setzt sich dabei selbst der Beobachtung aus (es gibt keine »unbeobachtbaren Beobachter« mehr wie einst die religiös legitimierten und gottähnlichen Politiker). Damit wird das Beobachten des Beobachters zum »Normalmodus gesellschaftlichen Prozessierens, und damit läuft zugleich die Kommunikation der Kommunikation aus dem Ruder«. Luhmann fügte ein seinerzeit populäres Beispiel an, ein berühmtes Interview mit Helmut Kohl: »Kohl hatte beobachtet, daß Gorbatschow wie Goebbels ein Meister in der Behandlung der öffentlichen Meinung ist. Die Beobachtung dieser Beobachtung führt dann aber zu dem Schluß, daß Kohl kein solcher Meister ist.«
Der klaustrophobische Befund, den Luhmann seinerzeit für die politische Kommunikation implizit erhob, gilt offenkundig noch heute:

Entweder riskieren Politiker, dass Kommunikation »aus dem Ruder« läuft, oder aber sie richten sich in der Trias aus Ablenkung, Verallgemeinerung und Verschiebung ein. Beobachtbar ist bei letzterem Verfahren die kluge Kommunikation mit Journalisten, da geschwiegen statt geredet wird (auch Nullaussagen sind eine Form des Schweigens). Und Dummheit, falls sich jemand dieser Strategie nicht unterwirft.

Verschoben hat sich allerdings seit Luhmanns Beobachtungen offenkundig die Sensibilität für Verfehlungen. Womöglich galt vor wenigen Jahrzehnten tatsächlich noch als Nullaussage (»Kanzlergehalt«), was heute zum Politikum taugt. Das aber würde über den Zustand der Medien, die sich derzeit wirtschaftlichem Druck und einer verschärften Aufmerksamkeitskonkurrenz ausgesetzt sehen, mehr aussagen als über das politische Personal. Dass sich die Medien in Zukunft selbst kritischer beobachten, dürfte allerdings als ziemlich unklug gelten und damit unwahrscheinlich sein.

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Abstimmung Familienartikel

Gegner befürchten hohe Kosten

Nationalrat Filippo Leutenegger (fdp.,Zürich), Nationalrätin Nadja Pieren (fdp.,Bern) und Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband SGV (von links) erachten die bisherige Unterstützung von Familien als genügend.
Nationalrat Filippo Leutenegger (fdp.,Zürich), Nationalrätin Nadja Pieren (fdp.,Bern) und Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband SGV (von links) erachten die bisherige Unterstützung von Familien als genügend. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Der Verfassungsartikel zur Familienpolitik, über den am 3. März abgestimmt wird, bringt aus Sicht der Gegner wenig, verursacht aber hohe Kosten. Zudem befürchten die Gegner aus dem bürgerlichen Lager, dass der Staat sich zu sehr in die Kinderbetreuung einmischt. Quelle NZZ


(sda) «Der Staat soll sich nicht einmischen, wie Familien die Kinderbetreuung organisieren», sagte Nadja Pieren (svp.,Bern) am Donnerstag vor den Medien in Bern. Mit dem Familienartikel wolle der Staat den Familien aber vorschreiben, was das beste für das Kind sei. Das führe zu einer «Verstaatlichung der Kinder».
Gemäss dem Verfassungsartikel, über den das Volk am 3. März abstimmt, sollen die Kantone «für ein bedarfsgerechtes Angebot an familien- und schulergänzenden Tagesstrukturen» sorgen. Wenn die Kantone zu wenig unternehmen, kann der Bund eingreifen.

Nicht gegen externe Kinderbetreuung

Die Gegner aus dem rechten Lager wollen ihren Widerstand nicht als grundsätzliches Nein zur familienexternen Kinderbetreuung verstanden wissen. Statt auf die Eigenverantwortung zu setzen, übernehme der Bund mit dem Artikel aber in letzter Konsequenz die Verantwortung für die Kinderbetreuung, kritisierte der Zürcher FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger.
Das führe dazu, dass freiwillige Lösungen in der Familie und private Angebote, die an die lokalen Begebenheiten angepasst seien, konkurrenziert würden und deshalb verschwinden könnten. Er habe diesen Vorgang als Gründer von Kinderkrippen in Zürich selbst erlebt. Dort gebe es nur noch drei privat geführte Tagesstätten.
Die Gegner befürchten auch hohe Kosten, obwohl der Artikel direkt keine Kosten verursacht. Er biete aber die Grundlage für Forderungen nach einem «weit reichenden staatlichen Angebot», sagte Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes (SGV). Damit sei der Artikel ein «Blankocheck», dessen Umsetzung viel kosten und damit zu höheren Steuern führen würde.
Das Nein-Komitee lehnt beispielsweise einen Elternurlaub ab - was die Befürworter des Artikels allerdings explizit ausschliessen - oder fixe Quoten für Teilzeitangestellte in den Unternehmen.

Milliardenkosten befürchtet

Die möglichen Kosten beziffern die Gegner auf bis zu 12 Milliarden Franken pro Jahr. Darin eingeschlossen sind ein Elternurlaub von 24 Wochen, Krippenplätze für ein Drittel der Kleinkinder sowie ausserschulische Betreuungsangebote für die 5- bis 15-Jährigen.
Laut Bundesrat lassen sich die vom Artikel ausgelösten Folgekosten noch nicht abschätzen, weil erst die Ausführungsgesetzgebung zeigen wird, inwiefern das Parlament Angebote wie Krippenplätze, Kinderhorte oder Mittagstische zu unterstützen bereit ist. Ein solcher Beschluss untersteht dem Referendum.
Leutenegger und die in der Kinderbetreuung tätige Pieren kritisierten die strengen staatlichen Vorschriften, die ebenfalls kostentreibend wirkten. Sie forderten zudem, dass der Staat nur subsidiär in die Kinderbetreuung eingreifen solle, das heisst, nur dort aktiv werden solle, wo es tatsächlich an einem Angebot fehle. Schon heute profitierten Familien von Unterstützungsmassnahmen.

Warnung vor «Staatskindern»

Dem Gegnerkomitee gehören vor allem SVP-Parlamentarier, aber auch einige FDP-Politiker an. Während bei der SVP die Nein-Parole zum Familienartikel so gut wie sicher ist, steht die Parolenfassung bei der FDP noch aus. Im Parlament hatte eine deutliche Mehrheit der FDP-Fraktion dem neuen Artikel 115a zugestimmt.
In den Abstimmungskampf steigt das Komitee mit dem provokativen und emotional aufgeladenen Begriff «Staatskinder».

 Das Plakat zeigt das Bild eines Kleinkindes, in dessen Ohr eine Ohrmarke steckt - wie bei einer Kuh. 

Kommentar: Alle sind für die Unterstützung Familie. Doch besteht ein grosser Dissens hinsichtlich Fremd- und Eigenbetreuung. Die Diskussion ist eingeläutet. In Deutschland will Rot-Grün das Betreuungsgeld kippen. Sie befürchten, dass viele Eltern ihre  Kinder wieder selbst betreuen.