Donnerstag, 6. November 2008

Sind Ypsilantis Gegenspieler Verräter oder haben sie nur konsequent politisiert?

Die SPD Politiker, die den Wortbruch Ypsilantis nicht toleriern wollten, versuchte die Partei zuerst als Verräter hinzu stellen und es wurde ihnen sogar mit Parteiausschluss gedroht. Im Grunde genommen handelte das Quartett nach dem ersten Versprechen der SPD: "Wir arbeiten unter gar keinen Umständen mit den LiNKEN zusammen!" Im Grunde genommen müsste man diese Vier als Menschen mit Standfestigkeit auszeichnen. Die Abweichler wehren sich nun. Denn im Grunde genommen war Ypsilanti die Abweichlerin mit ihrem Hin und Her.

Spiegel online:

Die Vorwürfe sind knallhart - und sie richten sich direkt gegen Andrea Ypsilanti: "Personenkult", "Züge von Religion" und mangelnden "Respekt" - in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen" erheben Jürgen Walter und seine drei Mitstreiterinnen schwere Anschuldigungen gegen die hessische SPD-Parteichefin.

Ihre Bedenken gegen Ypsilantis Linksbündnis seien nicht ernst genommen worden – nun würden sie von der Parteiführung als Verräter und Lügner beschimpft. Hintergrund ist die Weigerung von Walter, Carmen Everts, Silke Tesch und Dagmar Metzger, Ypsilanti zur Ministerpräsidentin zu wählen.

SPD-Landesvorsitzende Ypsilanti: Scharfe Kritik am Führungsstil
AP

SPD-Landesvorsitzende Ypsilanti: Scharfe Kritik am Führungsstil

Ypsilantis Lager weist die Vorwürfe entrüstet zurück, und auch hier wird schweres Geschütz aufgefahren. Generalsekretär Norbert Schmitt veröffentlichte auf der SPD-Homepage Auszüge aus E-Mails, die er von der Abweichlerin Everts erhielt. Überschrift: Zitate kurz vor der "Gewissensentscheidung" – das letzte Wort in Anführungszeichen gesetzt. So demonstriert Schmitt seine Überzeugung, die vier hätten keineswegs aus Gewissensgründen gehandelt.

In den E-Mails vom 29. Oktober schreibt Everts, dass sie "keiner öffentlichen Aufforderung" bedürfe und "nie einen Zweifel daran gelassen" habe, die rot-grüne Minderheitsregierung und Ypsilantis Wahl zur Ministerpräsidentin zu wollen.

SPD setzt den Weg der Selbstzerstörung fort

SPIEGEL-TV-VIDEOS ZUM YPSILANTI-DEBAKEL IN HESSEN

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Foto: SPIEGEL TV

bild-online:

TRICKSILANTI KANN ES NICHT LASSEN

Ypsilanti: Mit neuem Kandidat Thorsten Schäfer-Gümbel gegen dieselbe Wand

Tricksilanti!

Mit neuem Kopf gegen dieselbe Wand

Ypsilanti bleibt Tricksilanti!

Bei der vorgezogenen Neuwahl in Hessen lässt SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti jetzt ihren Vertrauten Thorsten Schäfer-Gümbel (39) antreten. Thorsten wer?

Ein neues Gesicht (39, verh., drei Kinder), gebürtiger Bayer, Politik- und Agrarwissenschaftler, Vize-Chef des Bezirks Hessen-Süd, fleißig, intelligent und UNBEKANNT.

Er will genauso weitermachen wie seine gescheiterte Vorgängerin.

Und die will als Landesvorsitzende auch künftig die Fäden in der Hand behalten.

Selbst den meisten Berliner Spitzengenossen ist der bekennende SPD-Linke völlig unbekannt. Heute will Schäfer-Gümbel sich bei SPD-Chef Franz Müntefering und im Parteipräsidium vorstellen.

In der SPD-Führung heißt es: „Herr Gümbel ist der verlängerte Arm von Ypsi – aber nach der Wahl im Januar ist die ganze Sache sowieso erledigt ...“

Am Wochenende kündigte der neue Spitzenmann schon mal an, er werde auch an Ypsilantis umstrittenem Schatten-Wirtschaftsminister Hermann Scheer festhalten. Ein Gespräch mit den vier SPD-Abweichlern, die Ypsilanti Anfang vergangener Woche gestürzt hatten, lehnt er hingegen ab: „Ich muss mich um die Zukunft der Partei kümmern und deswegen werde ich mich mit ihnen nicht beschäftigen ...“

Andrea Ypsilanti begründete ihren Rückzug als Spitzenkandidatin im Gespräch mit BILD so: „Der neue Wahlkampf soll nicht mit den alten Vorwürfen belastet werden.“

Außerhalb der SPD stößt das Vorgehen der Landeschefin allerdings nur noch auf Kopfschütteln. Der designierte Grünen-Chef Cem Özdemir: „Im Vergleich zu Frau Ypsilanti war selbst Jutta Ditfurth in ihren schlimmsten Tagen noch reformfähig und gut sortiert.“

Joschka Fischer: „Ypsilanti hat den Karren zum zweiten Mal an die Wand gefahren. Das ist schon fast serielle Täterschaft.“

Samuel Schmid musste ebenfalls notfallmässig ins Spital

Nach einer akuten, aber unkomplizierte Gallenblasenentzündung musste der Verteidigungsminister ins Spital. Er wird dort operiert. Falls der Spitalaufenthalt länger dauert, müsste ihn Hans- Rudolf Merz vertreten, der vor wenigen Wochen selbst am Herz operiert worden war. Wir fragen uns, ob sich nicht der monatelange Aerger auf die Magengegend des Bundesrates ausgewirkt hat. Ich bin überzeugt, dass psychische Belastungen Auswirkungen auf den Körper haben können. Ich kenne viele Menschen mit psychosomatischen Erkrankungen.

Samuel Schmid kam gestern Abend notfallmässig ins Spital. (Reuters)

Ich zitiere BLick online:

Schmid hatte sich gestern Abend aus freien Stücken in Spitalpflege begeben, sagte Bugnon . Während der Bundesratssitzung hatte der Verteidigungsminister noch keine Schmerzen verspürt.

Nach der Sitzung sei Schmid mit anderen Bundesräten Mittag essen gegangen. Danach sei er in sein Büro zurückgekehrt. Mitte des Nachmittags habe sich Schmid nicht gut gefühlt und sei nach Hause gegangen.

Am frühen Abend brachte ihn seine Frau auf Anraten seines Arztes ins Spital.

Seit Monaten in der Schusslinie

Schmid ist der zweite Bundesrat, der innert kürzester Zeit erkrankt. Erst am 20. September hatte Finanzminister Hans-Rudolf Merz einen Herz-Kreislauf-Kollaps erlitten und war in ein künstliches Koma versetzt worden. Aber was steckt hinter der Einweisung von Merz´ Kollega Schmid?

Schmid steht seit Monaten in der Schusslinie von Medien und Öffentlichkeit. Das Jungfraudrama, wo sechs Rekruten ums Leben gekommen war, das tödliche Unglück auf der Kander, die Affäre um Armeechef Roland Nef – Vorfälle, die Schmid angreifbar machten und seine Führungsqualitäten als Militärminister zunehmend in Frage stellten.

Schlug ihm das alles jetzt auf den Magen?

Viele Leser raten Schmid, besser abzutreten, um seine Gesundheit zu schonen.

Doris Leuthard als fragwürdige Krisenmanagerin

Die Krisenkommunikation fiel der Finanzministerin während Finanzkrise schwer.

Kaum ein Tag ohne Hiobsbotschaften von Firmen, die Kurzarbeit anmelden.

Doris Leuthard: "Wir sehen Null Indizien für eine Rezession" (Aussage Mitte September 08). Es gebe höchstens Anzeichen der Verlangsamung.

Wenig später kam die Konjukturforschungsstelle der ETH Zürich zu einem anderen Schluss und sagte, die Schweiz könne sehr wohl in eine Rezession abgleiten.

Unbeeindruckt von dieser Meldung beantwortet Leuthard im Nationalrat die selbe Frage erstaunlicherweise wieder, mit dem Hinweis, der Bundesrat erwarte "keinen ausgeprägten Einbruch."

Leuthards typisches Fehlverhalten in Krisen sehen wir oft auch in anderen Branchen. Man will keinen Pessimismus aufkommen lassen und macht bewusst zu optimistische Aussagen (Schönwetterpolitik). Das hatte auch UBS Kurer in der Krise getan. Wenige Tage vor dem Bittgang zum Bund behauptete er, die Bank habe genügend Eigenkapital.

Fehler Nr 1 der Krisenkommunikation:

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Man will beschönigen und lügt. Das Verfälschen der Notsituation wird als situative Notlüge entschuldigt. Das ist falsch! Ich betone immer wieder: Man muss in Krisensituationen nicht alles sagen, was wahr ist. Aber man darf nichts kommunizieren, was nicht wahr ist.

Nach der beschönigenden Aussage schlug dann die Finanzkrise voll auf die Wirtschaft durch. Die CVP- Magistratin wollte aber immer noch nichts von Impulssprogrammen wissen!

Sich nicht an die Sprachregelung der Bundesrates gehalten

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Regel Nr 2: In Krisensituationen werden Botschaften koordiniert. Eine Institution spricht nur mit einer Stimme.

Fehler Nr 2: Aussagen werden nicht abgesprochen. Es werden unterschiedliche Aussagen gemacht.

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Zuerst schwieg Leuthard lagen zu Krisenkommunikation. Als sie dann nach Eveline Widmer- Schlumpfs Interviews auch noch bemüssigt fühlte, sich zu äussern, verhaute sich sich. Für das Finanzdepartement war es gewiss ärgerlich, als Leuthard anfangs Oktober im Radio sagte,

" der Bundesrat werde den Konkurs der Grossbanken mit Sicherheit verhindern".

Diese unbedachte Aeusserung (sie war zur Besänftigung der Situation gedacht ) führte dazu, dass hernach spekuliert wurde, ob der Bund die UBS unterstützen müsse. Was dann auch - eine Woche darauf - der Fall war.

Erkenntnis: Die Wirtschaftministerin hätte sich an das Botschaftenmanagement der Finanzministerin halten müssen. Widmer-Schlumpf hatte in vorbildlicher Weise immer dieselbe Aussage gemacht und stets verlauten lassen, der Bundesrat habe alle Situation bedacht und werde jetzt noch nichts sagen. Wer dann doch etwas gesagt ausgeplaudert hatte, war Doris Leuthard!

In Sachen Krisenkommunikation müsste die Finanzministerin bestimmt noch Einiges lernen.

Nach einigen Tagen wechselt Doris Leuthard die Brille

Ich zitiere 20 Min:

Leuthard legt die rosa Brille ab

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Nach den dramatischen Entwicklungen der letzten Wochen schliesst auch Volkswirtschaftministerin Doris Leuthard nicht mehr aus, dass die Schweiz in eine Rezession gerät. Noch Mitte September hatte sie dafür «null Indizien» ausgemacht

Die Meinung sollte man nicht so rasch wechseln, wie das Hemd. Man kann us Fehlern lernen.Doch sollte man den gleichen Fehler nicht wiederholen

Obama und das Internet

Ohne das Netz wäre Obama nicht gewählt worden. Im Gegensatz zu McCain nutzte er das Internet. Er bekam über seine Fans enorme Spenden und dank seinem Netz konnte er die Werbung schneeballähnlich verbreiten.

Spiegel online:

OBAMA IM NETZ: SIEGESTAUMEL IM SOZIALEN WEB

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Anzahl der Zustimmung signalisierenden Klicks auf die Story "Obama gewinnt die Präsidentschaftswahl" im techniklastigen Social-News-Portal digg.com: mehr als 23.500, ein neuer Rekord. Der bisherige Spitzenreiter war die Ankündigung des iPhones.

Anzahl der Kommentare unter Web-Videos, Flickr-Fotos, Blogeinträgen, Nachrichtenartikeln zum Thema: unzählige Millionen.

Stellvertretend für sie alle sei Xeni Jardin vom für Netz-Verhältnisse altehrwürdigen Kultblog "BoingBoing" zitiert: "Yes we can. And Yes We Did. Was für eine unglaubliche und historische Nacht. Noch nie habe ich so viele Menschen überall im Land gleichzeitig so viel Hoffnung, Optimismus und Stolz zeigen sehen. Wenn die Stimmung in den USA heute Nacht ein Vorzeichen dafür ist, was jetzt kommt, könnte die Zukunft - trotz allem - besser werden als die vergangenen acht Jahre."

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Foto: YouTube
Das soziale Netz feiert den Wahlsieg Barack Obamas, mit einer Emotionalität und einem Enthusiasmus, der das ohnehin längst überkommene Klischee vom desinteressierten, vergnügungssüchtigen Netz-Nerd Lügen straft. Das Internet hat einem vor 20 Monaten nahezu unbekannten Mann entscheidend dabei geholfen, die Wahl zu gewinnen - und heute feiert es sich selbst dafür.

Kein Zweifel: Obama weiß, wie wichtig das Netz für ihn war und ist. Als John McCain einmal fragte, wer dieser Obama eigentlich sei, entgegnete der öffentlich, der Kontrahent möge doch einfach einen Blick auf seine Facebook-Seite werfen. In seiner Dankesrede im Grant Park in Chicago dankte er den "jungen Leuten, die den Mythos von der Apathie ihrer Generation nicht hinnahmen". Und diese jungen Leute organisierten sich nicht zuletzt übers WWW.

Obamas Facebook-Seite versammelt mehr als 2,5 Millionen Unterstützer, sein MySpace-Profil verweist auf fast 850.000 "Freunde". Viele Facebook-Nutzer legten sich auf ihren eigenen Profilseiten sogar zeitweise den Zweitnamen "Hussein" zu, den auch Obama trägt, um ihre Solidarität mit dem Kandidaten zum Ausdruck zu bringen.

Sein souveräner Umgang mit dem Web hat Obama den Weg ins Weiße Haus geebnet.

Seine Anhänger nutzten die Möglichkeiten der digitalen Vernetzung, um ihm das größte Spendenaufkommen aller Zeiten zu bescheren, sie engagierten sich online, um ältere Verwandte ins Obama-Lager zu holen, sie organisierten Fundraising-Dinner und Aktionen, um Nichtwähler zu Wählern zu machen. Obamas eigene Netz-Zentrale my.barackobama.com ist schon jetzt ein Modell für die Kampagnen der Zukunft, in den USA und anderswo.

Das Netz veränderte den Wahlkampf von Grund auf - und die Wahl dominiert das Netz, zumindest am 5. November. Von den hundert Suchbegriffen, die Google auf seiner " Hot Trends"-Seite sammelt, Begriffen also, nach denen aktuell besonders häufig gesucht wird, haben am 5. November 87 mit der Wahl zu tun.

Am häufigsten gesucht: die bewegende Rede, in der John McCain seine Niederlage eingestand.

Mittwoch, 5. November 2008

Die Migros zeigt gute Werbung

tagi-online:

Seit fünf Jahrzehnten steht die Migros für herausragende Schweizer Werbung. Nun öffnet die Grossverteilerin ihr Archiv und zeigt die besten TV-Spots im Internet.

T-Shirt und Hut landen unter hysterischem Gekreische im weiblichen Publikum. Nun macht sich der Stripper daran, seine eng anliegenden Jeans zu öffnen. Doch der Reisverschluss klemmt. Schnitt. Der Slogan «Jeans kauft man besser in der Migros» erscheint auf dem Bildschirm. Es ist dies nur ein Werbefilm unter Dutzenden, mit welcher der Orange Riese ganze Generationen zum Lachen brachte und damit Werbegeschichte schrieb. Über Jahrzehnte hinweg gelang es ihm wie keinem anderen Schweizer Unternehmen, sich mit Werbespots Popularität in der breiten Bevölkerung zu verschaffen. Nun öffnet die Migros ihr Archiv der Werbespots und zeigt die besten Spots der letzten fünf Jahrzehnte.

Den ersten 30-Sekunden-Spot strahlte die Migros 1967 aus. Es ist zugleich auch der erste Fernsehspot, der über die Mattscheibe des Schweizer Fernsehens flimmerte. Die Kurzfilmchen sind nach einem denkbar einfachen Strickmuster aufgebaut: Im Mittelpunkt steht der günstige Preis oder das Produkt selber. Die Migros lässt zu karibischen Klängen Bananen tanzen, schon damals wäscht Total strahlend weiss. Auch in den 70er-Jahren setzt die Migros auf bewährte Werbekonzepte: Sie ruft die Migros-Familie ins Leben. Aus heutiger Sicht reichlich hausbacken begleiten die Spots Mami, Papi und Kinder beim «Sonntags-Zmorge» oder beim Veloausflug in den strapazierfähigen Jeans.

In den 80er-Jahren dann folgt der grosse Bruch, der die Migros-Werbung in die erfolgreiche Zukunft katapultiert: Völlig untypisch für einen Detailhändler beginnt das Duttweiler-Unternehmen nicht mehr den Preis oder das Produkt in den Mittelpunkt der Werbung zu stellen. Stattdessen lanciert die Migros für ihre Angebotssortimente Imagespots. «Die Migros hat’s» heisst es nun zu rockigen Klängen. Mit einer Reihe humorvoller Kurzgeschichten demonstriert die Migros Volksverbundenheit – und erobert im Sturm die Herzen der Konsumenten.

In den 90er-Jahren setzt die Migros ihre Werbestrategie fort. Mit Erfolg: Der kluge und treuherzige Hund Max wird zum Liebling der Nation. Die TV-Schmunzelgeschichten lösen eine eigentliche Sympathiewelle in der Bevölkerung aus. Die Geschichten sickern ins kollektive Gedächtnis der Eidgenossen ein.

Auch in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends vermag die Migros mit amüsanten und eigenwilligen Spots zu überzeugen. An den internationalen Werbefestivals räumt die Migros ab. Nach und nach aber zeigt die Werbung Abnützungserscheinungen. Während sich das Werbebudget der Migros aufbläht, scheinen den Werbern nach und nach die Ideen auszugehen. Das sehen auch die Marketingverantwortlichen der Migros: Zuletzt – im vergangenen September - verfügt die Migros einen Stopp ihrer Imagewerbung. Sie kündigt allen Werbeagenturen die Verträge. Nun plant sie einen Neuanfang. Lässt sie sich von den Werbespots der vergangenen Jahrzehnten inspirieren, kann eigentlich nichts schief gehen.

Kommentar: Werbung veranschaulicht, dass auch bei Alltags- Kommunikationssprozessen der Adressat im Mittelpunkt steht. Auch dort sollten Elemente, wie Bilder, Geschichten, Humor, Vereinfachungen zur Selbstverständlichkeit werden.

Barack Obama - der schwarze Kennedy - gewählt

Entscheidung gefallen

Der 5. November ist ein historischer Tag. Nach einer Zitterpartie kann Barack Obama als 44. Präsident der Vereinigten Staaten ins weisse Haus einziehen. Ich habe alle seine Auftritte verfolgt und gesehen: - Sein Enthusiasmus steckt an - Er sprach junge Leute an und verkörperte im Gegensatz zu McCain das Wort CHANGE - Obschon es wirtschaftlich schlecht steht. Die Kassen leer sind und Stueren erhöht werden müssen: Er konnte die Bevölkerung motivieren, Hoffnung wecken und motivieren - Persönlich strahlt er das Gefühl des Aufbruchs aus - Er konnte den Mittelstand für sich gewinnen Ich behaupte : Die Duelle gegen Hillary Clinton halfen ihm, stärkten ihn. Alte Leichen - wie die Geschichte mit dem fragwürdigen Pastor - kamen schon in der Vorwahl ans Tageslicht. Palin McCains Vice hingegen liess anderseits kein Fettnäpfchen aus und wurde für den Kontrahenten zur grössten Hypothek. Wahrscheinlich hatte die Wirtschaftskrise Obama geholfen. Er benannte die Probleme und bot Lösungen an. McCain war hingegen in der Krisensituation nicht präsent. Mich hat Obama immer überzeugt, weil er stets ruhig, überlegt und dialogisch kommuniziert hatte. Bei Angriffen blieb er souverän und sachlich. Er war bei allen Auftritten päsent und sprach frei (dialogisch). Er wirkte für mich ECHT!

Photo Spiegel:

AP

Barack Obama - er konnte die Wähler überzeugen - und wird im Januar 2009 ins Weiße Haus einziehen

Dienstag, 4. November 2008

KOPF AN KOPF Eine Ausstellung über Politikerporträte, die nicht aktueller sein könnte

Wenige Tage vor den Präsidentschaftswahlen in Amerika eröffnete das Museum für Gestaltung eine beachtenswerte Ausstellung über Politikerköpfe und die Manipulationstechniken, um gewählt zu werden. Ich durfte die Fotoreihe von Angela Merkel analysieren und besprechen. Ich werde später darüber einen Beitrag machen.

Aus Züri tipp:

Wähl mich!

Eine Ausstellung führt vor Augen, mit welchen Bildformeln Politisierende um die Wählergunst kämpfen.

Am eifrigsten war Julija Timoschenko: Die ukrainische Ministerpräsidentin beantwortete die an sämtliche Regierungen der Welt gegangene Anfrage des Museums für Gestaltung um ein Porträt ihres Staatsoberhaupts gleich mit einer ganzen Kiste voller Propagandaplakate. Darin tritt die stilbewusste Blondine mit dem Bauernzopf in immer wechselnden Rollen auf: als kühle Strategin, als Astronautin oder Mutter Teresa. Politik als karnevalesker Personenkult.

Die Episode offenbart, wie sorgfältig Politisierende ihr öffentliches Profil über Bilder aufbauen und pflegen. Ihre Gesichter sind die Markenzeichen, in denen sich die gesamte Wahlkampfrhetorik verdichtet. Spezialisierte Berater stehen ihnen zur Seite. Die mächtigen Einflüsterer greifen dabei auf wiederkehrende Bildformeln zurück. Welche das sind - nach welchen Mustern sich Politisierende im Wahlkampf inszenieren -, zeigt das Museum für Gestaltung in einer überraschenden Schau.

Pathos und Demontage

Gleich zu Beginn begegnen wir dem «Common Man», der sich gerne mit Fussballschal oder im T-Shirt zeigt und zur Classe politique auf Distanz geht - ein Typus, der in der Schweiz besonders gut ankommt. Dagegen badet der «Volksfreund» in der jubelnden Menge, während sich der «Economic Man» vor Industrieanlagen aufbaut und der «Visionär» bedeutungsvoll in die Ferne blickt

.

Einem aber gelingt es, all diese Eigenschaften in einer Person zu vereinen: Silvio Berlusconi. In einem 130-seitigen, 21 Millionen Mal aufgelegten Heft präsentiert er sich als Mustersohn, Philosoph, Gärtner, Tifoso und Wirtschaftskapitän. Ein Alleskönner, für alle wählbar. Berlusconi überwindet damit eine grundsätzliche Einschränkung des Mediums Plakat: Es kann nur eine einzige Botschaft transportieren. Das zwingt die Politisierenden dazu, ihre Position auf eine - möglichst mehrheitsfähige - Kernbotschaft zu verdichten. Für die Qualität der Grafik bedeutet dies nichts Gutes: Politikerplakate neigen zur konventionellen, mutlosen Darstellung. Bedeutend bunter wird es dagegen, wenn die Politisierenden sich fern jedes Wahlkalküls inszenieren: Die Porträts der Zürcher Regierungsratspräsidentinnen und -präsidenten aus dem Walcheturm, die nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt sind, stehen mit ihren persönlichen, bisweilen spleenigen Bildideen in deutlichem Gegensatz zur klassischen Repräsentation.

Anhand so unterschiedlicher Politstars wie Lenin und Schwarzenegger führt die Schau ferner vor Augen, wie sich Images über Bilder gezielt verändern lassen. So verschmilzt Schwarzenegger seine Vergangenheit als Muskel- und Actionheld mit seiner Rolle als Gouverneur geschickt zu einem Kondensat, das den Wählern Durchsetzungskraft und Verlässlichkeit suggeriert.

Pathetische Inszenierungen fordern selbstverständlich zur Demontage heraus. Die klug komponierte Ausstellung spart auch diese bissigen Konterkampagnen nicht aus. Und erstaunt so mit einem Unterhaltungswert, den man ihr aufgrund ihres Sujets nicht zugetraut hätte.

Zürich, Museum für Gestaltung, Ausstellungsstr. 60, «Kopf an Kopf - Politikerporträts» bis 22.2.;

«Kopf an Kopf – Politikerporträts» Tipp

Bis 22. Feb. in der Halle
Web: -
Galerie
kopf an kopf

Obama beschwört zwar politisch den Wandel, reiht sich aber gestalterisch in eine Traditionslinie ein, wie dieses Wahlplakat von John F. Kennedy zeigt.

Home > Ausstellungen > «Kopf an Kopf – Politikerporträts»

kopf an kopf Obama beschwört zwar politisch den Wandel, reiht sich aber gestalterisch in eine Traditionslinie ein, wie dieses Wahlplakat von John F. Kennedy zeigt. Alle in dieser Bildstrecke präsentierten Plakate sind jetzt in der Ausstellung «Kopf an Kopf – Politikerporträts» im Museum für Gestaltung in Zürich zu sehen. Quelle: Plakatsammlung, ZHdK
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Züritipp:

Christian Fichter : «Es ist wie im Theater»

Durch Imagebildung werden Politiker erst wählbar. Dabei erhalten sie Hilfe von Profis - die sich jedoch diskret im Hintergrund halten.

Interview: Sascha Renner

fichter

Christian Fichter untersucht an der Universität Zürich den Einfluss von Image auf politische und wirtschaftliche Entscheidungen.

Herr Fichter, die Schweizer PR-Legende Rudolf Farner hat einmal gesagt: «Gebt mir eine Million, und ich mache aus jedem Kartoffelsack einen Bundesrat. Können Politiker im Medienzeitalter tatsächlich «gemacht» werden?

Nur bis zu einem bestimmten Grad. Denn sonst kommt irgendwann die Stunde der Wahrheit, in der der «gemachte» Politiker an der Realität gemessen wird und auffliegt. Dazu braucht man bloss über den grossen Teich zu blicken. Das prominenteste Beispiel ist sicherlich George W. Bush, der während seiner Amtszeit völlig demaskiert wurde und von dessen peinlicher Entblössung wir Zeugen sind.

Sind Imageberater in der Politik unverzichtbar geworden?

Ja, aus zwei Gründen. Erstens sind die «Produkte», also die politischen Ziele, ähnlicher geworden. Von links nach rechts versprechen heute alle einhellig Sicherheit, Wohlstand, Freiheit. Bloss die Programme, wie dies zu erreichen sei, unterscheiden sich. Deshalb versuchen sich Politiker vermehrt über das Image zu differenzieren. Zweitens werden wir von einer Informationsflut überschwemmt, in welcher die politische Kommunikation unterzugehen droht. Daher bieten Spin Doctors aus Image-Massnahmen bestehende Schwimmhilfen an, welcher sich Politiker bedienen. Dass solche Schwimmringe aus rhetorischem Schaumgummi bestehen, wird von PR-Beratern gekonnt kaschiert.

Welche Rolle spielen die Imageberater in der Schweizer Politik?

Sie werden auch hierzulande immer wichtiger – es gibt bereits spezialisierte Anbieter. Diese bleiben aber eher im Hintergrund. Sie treten diskret als PR-Berater auf und bezeichnen ihre Dienstleistung als «Reputationsmanagement». Das Heimtückische daran ist, dass wir es mit einer besonders subtilen Form der Überzeugung zu tun haben, bei der Manipulationsversuche nicht so offensichtlich zu Tage treten wie bei klassischer Werbung. Den Beruf des «Spin Doctors» gibt es übrigens schon viel länger als die Bezeichnung – schon die alten Römer manipulierten ihr politisches Image.

Riskieren Politiker dadurch nicht, dass sie unglaubwürdig werden?

Es ist wie im Theater: Die Leute wollen eine Inszenierung sehen. Wenn sie aber zu platt ist, werden die Protagonisten ausgebuht. Politische Imageberatung ist daher immer eine heikle Gratwanderung, die ein feines Balancegefühl erfordert.

Hat sich der Polit-Zirkus dem Starsystem des Popbusiness hinsichtlich Management, Inszenierung, Vermarktung und Positionierung angeglichen?

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Sicher. Die Inhalte sind andere, aber es geht bei beidem um Beachtung und Aufmerksamkeit. Man spricht in diesem Zusammenhang von der «Aufmerksamkeits-Ökonomie»: Geld ist nicht mehr so der zentrale Wert, sondern die Beachtung, die jemand erfährt.

Wie gehen die Spin Doctors vor?

Es gibt kein Pauschalrezept für ein gutes Image. Zu unterschiedlich sind die Klienten, die Imageträger. Doch im Grundsatz folgt man am besten diesem Muster: Zunächst muss definiert werden, welches die relevanten Image-Dimensionen sind und wie der Politiker auf diesen abschneidet. Auf dieser Basis können dann seine positiven Merkmale in den Vordergrund gestellt und die negativen nachgebessert werden.

Was kann man als Stimmbürger tun, um den Wahlkampfstrategen nicht auf den Leim zu gehen?

Das ist sehr, sehr schwer. Sicher ist es hilfreich, wenn man seine Informationen aus verschiedenen Quellen bezieht und sich Sach- sowie Medienkompetenz aneignet. Doch irgendwann muss auch noch Geld verdient und die Familie versorgt werden. Zudem zeigt unsere Forschung, dass auch hoch gebildete und engagierte Wähler dem Einfluss von politischem Image unterliegen. Wenn man diese Einsicht den Leuten vermitteln könnte, wäre schon viel gewonnen.

Wie viel wissen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger eigentlich über die Kandidaten, denen sie ihre Stimme geben? Wie gross ist der Image-Anteil an den Entscheidungen, wie gross der Anteil «harter Fakten»?

Studien zeigen, dass der Image-Anteil oft sehr gross ist; in den USA sogar mehr als 50 Prozent. In der Schweiz ist es zum Glück noch nicht so schlimm, vermutlich dank unseres Systems der direkten Demokratie.

Wir haben Medien die Selbstdarstellung von Politikern geprägt und verändert?

Einerseits müssen Politikerinnen heute alle Medien abdecken – auch neue Medien wie das Internet, um möglichst viele Wähler erreichen zu können. Andererseits müssen die Selbstdarstellungen dem heutigen Medienkonsumverhalten angepasst werden: Kürzer, prägnanter, unterhaltsamer.

Welche Grundtypen der politischen Selbstdarstellung gibt es?

Wissenschaftlich fundierte Typisierungen existieren nicht. Doch man könnte Politikerinnen und Politiker aufgrund ihrer Image-Profile durchaus klassieren: Typisch für die Schweiz finde ich Volksvertreter vom Typ Blocher, Sachkundige wie Merz oder Strahm, Landesmütter wie Calmy-Rey, autoritäre Vaterfiguren wie Couchepin oder Intellektuelle wie Leuenberger.