Montag, 27. November 2006

In 20 Min gelesen: __________________________________________________________________ Beim Spicken erwischt: Liestaler Schüler droht Lehrer mit Mord Ein 19-jähriger Lehrling drohte seinem Lehrer vor versammelter Klasse, er werde ihn umbringen. Der Lehrer hatte ihn beim Abschreiben erwischt. ______________________________________________________________ Der Vorfall ereignete sich vergangenen Donnerstag. Nach Angaben des Bezirksstatthalteramtes Liestal vom Montag verliess der aus dem Iran stammende Schüler während der Schulstunde zeitweise das Klassenzimmer, kehrte aber kurz vor der Pause wieder zurück. Der Schüler habe den Lehrer vor der Klasse verbal beschimpft. Er habe Akten und weitere Gegenstände vom Schreibpult des Lehrers zu Boden geworfen und ihm gedroht, er werde ihn umbringen. Ein Mitschüler habe eingegriffen und den Kollegen aus dem Zimmer gebracht. Nach dem Eingang der Strafanzeige nahm das Bezirksstatthalteramt den Lehrling am vergangenen Freitag fest, wie Mediensprecher Albert Augustin auf Anfrage sagte. Es sei ein Strafverfahren eröffnet worden. Es sei dies im Bezirk Liestal das erste Mal, dass ein Schüler wegen eines solchen Vorfalles festgenommen wurde. __________________________________________________________________ KOMMENTAR: ___________________________________________________________________ Im Zusammenhang mit der Jugendgewalt, den unglaublichen Vergewaltigungen im Schulalter machen uns die zahlreichen Vorfälle bewusst: Gewalt gab es zwar seit je. Doch die Hemmschwelle sinkt deutlich. Gewalt wirkt sich brutaler aus. Kindern, die keine Wertvorstellungen mehr vermittelt werden, die keine Grenzen mehr kennen, die sich selbst überlassen werden, sind nicht mehr fähig, ein NEIN zu ertragen. Der Frust wird abgebaut und zwar "subito". Ich vertrete die These, dass auch die moderne Jugend Vorbilder, Leitplanken benötigt. Ethische Grundwerte dürfen nicht so leichtfertig über Bord geworfen werden. Sie müssen langfristig erworben, gelebt werden. Erziehende sollten erkennen, dass "Verzichten lernen", "Rücksichtnahme", "emotionale Stabilität", "Empathie"(Einfühlungsvermögen) in vielen kleinen Schritten mühsam erworben, gelernt, geübt werden muss! Wegschauen, schönreden, bagatellisieren, verwöhnen oder Schuldzuweisungen ist der falsche Weg. Eltern, Lehrkräfte und Erziehende müssen endlich erkennen: Erziehungsprozesse bedürfen Zuwendung und Zeit. Hiezu bedarf es Präsenz. ___________________________________________________________________ Wir stellen fest: Das Delegieren der Erziehungsarbeit an Fachkräfte wie auch das nachträgliche Therapieren von Problemkindern durch Psychologen ist sicherlich aufwendiger und kostspieliger als die Basisarbeit in den Familien und in den Schulzimmern mit konstanten Bezugspersonen. Gefragt sind nicht weitere Sozialarbeiter, Tagesschulen und Mediatoren, sondern Eltern und Lehrkräfte, die nicht zuwarten mit ihrer Einflussnahme. Die psychische Stabilität wird nämlich schon vor der Pubertät erworben. ___________________________________________________________________ Tugenden, die wieder gross geschrieben werden müssten:

- Einsatz (Kinder sollten im Haushalt Pflichten übernehmen)

- Pflichtgefühl und Engagement in der Gemeinschaft wird erworben

- Respekt vor....

- Innere Ordnung (Es muss das Gefühl einer inneren Heimat vermittelt werden)

- Wertegebundene Erziehung (Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft)

- Einsatz und Engagement zur Leistung

- Durststrecken durchstehen können

- Geregelter Alltag (Rituale beim Essen und in der Freizeit)

____________________________________________________________ Die drei Sünden der Wohlstandsverwahrlosung sind:

* Bewegungsmangel

* Fast food

* Glotze

__________________________________________________________ Konsequenz, Disziplin sind verkannte Zauberworte, die heute nach der Verwöhnungsfalle und der Nichterziehungsphase eine Renaissance erleben. _________________________________________________________

Freitag, 24. November 2006

Konnte sich Jo Ackermann freikaufen?

Vor dem Gericht sind alle gleich, heisst es. Dann dürfte aber nicht sein, dass ein Fall sistiert werden kann, indem sich jemand mit einer grossen Geldsumme vor einer Verurteilung loskaufen kann. Nach einer Pressmitteilung soll Jo Ackermann eine grosse Summe angeboten haben, damit sein Fall sitstiert wird. Ackermann könnte dann nicht mehr veruteilt werden. Er müsste auch den Sessel als Bank-Boss nicht räumen. Es bleibt zu hoffen, dass dem nicht so ist. Sonst wäre dies wiederum Wasser auf die Mühle jener Skeptiker, die sets lauthals verkünden: Geld regiert die Welt. 24.11.2006 -- Tages-Anzeiger Online Geldzahlung statt Urteil Im Mannesmann-Prozess zeigt sich die Staatsanwaltschaft Düsseldorf bereit, das Verfahren einzustellen. Dies, falls die sechs Angeklagten eine Geldauflage von insgesamt 5,8 Millionen Euro zahlen. Das Landgericht Düsseldorf werde frühestens kommende Woche darüber entscheiden, ob der Untreue-Prozess gegen Ackermann und weitere fünf Angeklagte vorzeitig beendet wird, wie ein Gerichtssprecher sagte. Zuvor erklärte die Staatsanwaltschaft, sie sei bereit, der Einstellung des Verfahrens zuzustimmen. Die sechs Angeklagten müssten dafür aber eine Geldauflage von insgesamt 5,8 Millionen Euro leisten. Von Verteidigung gefordert Der Anwalt des Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann, Eberhard Kempf, hatte zuvor die Einstellung des Verfahrens gefordert und die Zahlung einer geeigneten Summe als Gegenleistung angeboten. Nach dem Vorschlag der Staatsanwaltschaft soll Ackermann 3,2 Millionen Euro zahlen, der ehemalige Mannesmann-Vorstandsvorsitzende Klaus Esser 1,5 Millionen Euro, Ex-Aufsichtsratsvorsitzender Joachim Funk eine Million Euro. Die übrigen Angeklagten sollten mit fünfstelligen Beträgen davonkommen. Angesichts der geringen Schwere der Schuld zu rechtfertigen Die Staatsanwaltschaft begründete ihre Zustimmung zu einer Einstellung unter anderem mit der voraussichtlich langen Dauer des Verfahrens. Dies sei auch angesichts der relativ geringen Schwere der Schuld und der zu erwartenden Strafen nicht zu rechtfertigen. Ackermann steht im Mittelpunkt des spektakulären Strafverfahrens, das seit dem 26. Oktober in Düsseldorf neu aufgerollt wird. In dem Prozess geht es um die Rechtmässigkeit von Prämien und Abfindungen in Höhe von 57 Millionen Euro, die nach der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone Anfang 2000 an amtierende und frühere Konzernmanager geflossen waren. WIR FINDEN: OBWOHL SICH ACKERMANN RECHTLICH FREIKAUFEN DURFTE, SO LASTET AUF DEM BEFREIUNGSAKT EIN GROSSER MAKEL: OBWOHL DURCH DIE ZAHLUNG DES VEREINBARTEN BETRAGES (FUER DEN BANKCHEF IST ES EINE KLEINIGKEIT DES TASCHENGELDES) DER BANKER ALS NICHT VORBESTRAFT DEN JOB NUN WEITER AUSÜBERN KANN, SO MUSS DOCH BETONT WERDEN: JO ACKERMANN IST MIT DEM FREIKAUF AUCH NICHT FREIGESPROCHEN!!! MIT DER ZAHLUNG DES MILLIONENBETRAGES WIRD DER OEFFENTLICHKEIT VIELMEHR BEWUSST: ES MUSSTE BEI DER GESCHICHTE ETWAS NICHT STIMMEN. HAETTE JO ACKERMANN EINE WEISSE WESTE, HAETTE ER GAR NICHTS ZU BEFÜRCHTEN GEHABT. DER FREIKAUF WIRD BESTIMMT DEM IMAGE ACKERMANNS UND DEM IMAGE DER DEUTSCHEN BANK WEITERHIN SCHADEN. DIE BEVOELKERUNG HAT NAEMLICH ERLEBT: ES WERDEN NICHT ALLE GLEICH BEHANDELT!. ES SIND NICHT ALLE VOR DEM GESETZE GLEICH! WER GELD HAT, KANN SICH GLEICHSAM LOSKAUFEN! AUF JO ACKERMANNS WESTE BLEIBT TROTZ DES (VERMEINTLICH RAFFINIERTEN) DEALS EIN FLECK HAFTEN, DEN ER NICHT MEHR SO RASCH LOS WERDEN KANN!

Mittwoch, 22. November 2006

JUGEND - MEDIEN UND GEWALT

Gedanken zur Uneinsichtigkeit der jugendlichen Peinigern, die ein Mädchen über Wochen vergewaltigt und die Taten sogar mit Handys gefilmt hatten.

Als Medienpädagoge wurde ich schon vor Jahren immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob Brutalovideos und Videospiele Kinder emotional abstumpfen können. Viele Erzieher und Eltern wollten von mir wissen, wie schädlich der Konsum von Brutalos sei. Ich wies früher darauf hin, dass die Wirkung recht unterschiedlich sein kann und allein selig machende Thesen billig sind. Jeden Kind reagiert situativ. Der Einfluss hängt vor allem von der jeweiligen psychischen Befindlichkeit und der betreffenden Persönlichkeit ab. Wie stabil ist das Kind (Erlebtes Urvertrauen, Geborgenheit usw.) Es gibt somit keine einhellige These, was beobachtete Gewalttaten (Filme, Videos, Bilder) auslösen müssen. Ich stellte vor Jahren in verschiedensten Artikeln und Ausstellungen die unterschiedlichten Theorien vor. Thesen, die versuchen, die möglichen Auswirkung von Gewaltdarstellungen beim Medienkonsum einzuordnen. Ein paar Beispiele: ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Nachahmungstheorie +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ * Die Happy-Slapping Gewalt werde durch neuere Technologie wie Camara-Handies motiviert. Es gibt schon Schulen wie die "Crofton School" im Englischen Lewisham, die deshalb Handis aus der Schule verbannten. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Sensibilisierungsthese ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ * Die Fälle hätten gar nicht eskaliert. Die Leute seien lediglich sensibler geworden und Gewalttäter werden heute vermehrt an. Dies beeinflusse die Statistik. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Mangel an Orientierunghilfen (Vorbildern) +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ * Wir leben in einer Zeit von Orientierungslosigkeit. Wie sollte ein Jugendlicher wissen, was Menschenwürde ist, wenn er davon noch nie etwas gehört hat? +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Taten sind vor allem Produkt einer Sinnleere +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ * Die Jugendgewalt sei eine Produkt des Frustes und Sinnleere wie Arbeitslosigkeit, oder Hoffnungslosigkeit. In der Familie und in den Schulen wolle leider niemand mehr Grenzen setzen. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Nachahmungstheorie +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ * Gewalt in den Medien und Spiele erzögen die Kinder zu Gewalttätern. Negative Vorbilder bildeten die Konsumenten zur Gewalt aus. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Gruppendruck als Triebfeder ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ * Vielfach gebe es gar keine Motive. Alles sei wie ein Spiel. Man suche sich ein Opfer und dann eskaliere alles automatisch. Ein Jugendlicher schilderte es so: "Es geschieht einfach. Hat man angefangen, muss man es zu Ende führen." Als Einzelperson wäre die Tat nie möglich gewesen. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Entstauungsstheorie ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ * Es fehlt an körperlicher Bewegung. Bewegungsexperten meinen, dass Sport und vermehrte Bewegung Aggressionspotentiale reduzieren könne. Mehr Turnunterricht sei nötig. Kinder sollten weniger in die Schule gefahren werden. Bewegungsmangel wirke sich nachweisbar negativ aus. Es gibt Schulen mit Mofaverbot (sie hatten nachweisbar weniger Gewalttaten). +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Reizersatz ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Jeder Mensch sucht den Kick und sucht Herausforderungen. Wer nie die Gelegenheit an die Grenzen zu gehen (Sport usw.) deckt sich dieses Bedürfnis mit fragwürdigen Aktionen. Einige wollten möglicherweise bewusst Ärger. Unser Leben sei viel zu stark genormt und alle müssten ständig funktionieren. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Machttrieb ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ * Die Ausübung von Gewalt schaffe immer ein Machtgefühl. Typische Aussage: "Als Einzelner bin ich ohnmächtig. Aber in der Gruppe kann mir nichts geschehen. Wir sind zusammen stark." ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Abstumpfungstheorie ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Ein Arzt, der operiert, wird sich zwangsläufig an das Blut und die Wunden gewöhnen müssen. Würde es ihm jedes Mal während des Operierens übel, wäre das nicht gut (hier ist die Gewöhnung hilfreich). Aber auch ein Kind, das ständig unangenehme Bilder, harte Pornos und abscheuliche Brutalos anschaut, wird sich ebenfalls an diese Handlungen gewöhnen. Der ständig Konsum führt somit zwangsläufig auch zu einer Abstumpfung. ____________________________________________________________ Seit den jüngsten unfassbaren Gewalttaten Jugendlicher, die ihre Gewalttaten und Vergewaltigungszenen mit dem Handy gefilmt hatten, fragen sich heute viele Erzieher, ob nicht der leichte Zugang zu Pornographie und abartigen Sexualspielen, unsere Jugendlichen zu stark beeinflusst haben könnte. ___________________________________________________________ Täter fanden ihr Tun gar nicht schlimm ____________________________________________________________ Wir wissen bei den letzten schockierenden Vergewaltigungsfällen in einer Schule (in der Schweiz): Ueber Wochen wurde ein Mädchen gepeinigt und vergewaltigt. Nur durch Zufall gelang die Geschichte in die Medien. Die jungen Peiniger von Michelle (13) zeigten - gemäss Einvernahmeprotokollen - keine Reue. Sie wirkten abgebrüht, cool gleichsam abgestumpft. __________________________________________________________ Die Ermittler haben so etwas noch nie erlebt ____________________________________________________________ Peter Rüegger, Chef Ermittlungen der Stadtpolizei Zürich und sein Vorgesetzter Rolf Nägeli, Chef der Fachgruppe Kinderschutz wie auch der leitende Jugendstaatsanwalt Christoph Hug klären seit Jahren die schlimmsten Verbrechen auf. Sie haben schon viel erlebt und gehört. Sie sind schockiert. Doch das, was die drei Ermittlungsprofis zu hören, zu sehen und zu lesen bekamen, sprengte die Grenzen ihrer Vorstellungskraft. Wie zitieren aus dem Sonntagsblick vom 19.11.06: * «Es hat mir die Haare aufgestellt, als ich die Befragungen der Tatverdächtigen gelesen habe", sagt Rüegger. * «Er wirkte relativ kaltschnäuzig, als wenn das Geschehene das Normalste wäre», meint Nägeli über den 15-jährigen Mazedonier, der als Haupttäter verdächtigt wird. * «Einzelne Täter weisen ein vermindertes Unrechtsempfinden auf», ergänzt Hug. Diese Aussagen verdeutlichen: Für viele aus der Sex-Bande von Zürich-Seebach ist so eine Vergewaltigung gar nichts Schlimmes. Rüegger: «Man muss sich das so vorstellen, dass sie mal mit einem der Jugendlichen alleine war, dann waren diese wieder zu zweit oder zu dritt. Oder wenn einer fertig war, kam der Nächste dazu.» ___________________________________________________________ Erschreckend ist die Uneinsichtigkeit
_____________________________________________________________ Die gefilmten Vergewaltigungstaten von Schülern (in der Schweiz) war für viele ein Schock. Vor allem der Umstand, dass zwölf Beschuldigten im Alter zwischen 15 und 17 Jahren genau wussten , was sie angerichtet haben. Mit ihrer Uneinsichtigkeit verhöhnen sie nun gleichsam ihr Opfer. Die Schandtaten wurden auf ihren Video-Handys gespeichert und nachher betrachtet. Unklar ist, ob die Filme auch ins Internet gelangten. Die Täter prahlten angeblich mit ihren Taten bei den Kollegen. Für sie scheint die Vergewaltigung etwas so Selbstverständliches zu sein,, wie die Handlungen in den unzähligen fragwürdigen Sexfilmen, die man im Internet oder auf den Handys in der Schule und zu Hause tagtäglich problemlos konsumieren kann. (Mädchen sind nun einfach dazu da,...?) Nach dieser unfassbaren Tat haben sich nach der ersten Schockphase zahlreiche Experten und Politiker zu Wort gemeldet. Es wurden verschiedenste Massnahmen gefordert. Viele Fachleute scheinen genau zu wissen, was zu tun wäre. Der Forderungskatalog wird jeden Tag länger: Härtere Strafen! Weil es vorwiegend Ausländer waren: Ausländer raus! Handyverbot! Mehr Sozialarbeiter! Die Schule muss Zusatzaufgaben übernehmen! Weil die Eltern die Erziehungsaufgaben nicht mehr wahrnehmen: Ganztagesschulen! Mehr Aufklärungsarbeit! Erziehungsauftrag an die Schulen! Eltern sollten sich wieder mehr Zeit für die Kinder nehmen! Es braucht Psychologen und zusätzliche Fachstellen. Die Kirchen haben versagt: Es fehlt an der Vermittlung von Normen und Wertvorstellungen! (Normen und Gebote wie "Du sollst nicht...." hören Jugendliche nicht mehr). Auf die Beliebigkeit in der Erziehung müsste künftig verzichtet werden! Weil Vater und Mutter arbeiten, kommt es zu einer Verwahrlosung oder Orientierungslosigkeit! Sozialarbeiter und Institutionen müssen deshalb die Erziehungsarbeit des Elternhauses übernehmen. Dafür hat der Staat aufzukommen. In den Medien sind nach der jüngsten Bluttat in einer deutschen Schule wiederum die üblichen Schuldzuweisungen zu hören: - Das Internet ist schuld! - Die Verwahrlosung der Jugend, die Orientierungslosigkeit ist schuld! - Die kulturellen Unterschiede sind schuld! - Das Gewaltpotential der Männer ist schuld! - Die Eltern sind schuld, weil sie sich nicht mehr um die Kinder kümmern! - die Erzieher sind schuld, weil sie wegschauen. - Die Provider sind schuld! - Die Mädchen sind selbst schuld, weil sie zu wenig deutlich Nein sagen! - Der Gruppendruck ist schuld! - Die Gesellschaft ist schuld! - Die Strafgesetzgebung ist schuld, weil Jugendliche nicht richtig bestraft werden können (Mit solchen Situation hatte niemand gerechnet). usw. Die Sündenbockliste wird ständig erweitert. _____________________________________________________________ Es gibt leider keine allein selig machende Lösung ____________________________________________________________ Im Zauberlehrling von Johann Wolfgang von Goethe wurde der Lehrling plötzlich nicht mehr Herr der Lage, als er die hilfreichen Besen wieder zu zähmen versuchte. Er verlor die Kontrolle über die Wasserträger. Der Einsatz von Gewalt - mit einer Axt - war kontraproduktiv. Erst dem Meister gelang es - mit einem Zauberspruch - die unzähligen Besen zu besänftigen und sie mit einem Zauberspruch in die Ecke zu bewegen. Die moderne Technik und die Freiheiten (Internet, Handy) wurden ebenfalls von der Menschheit zuerst als segensreiche Hilfe geschätzt. Sie trugen dazu bei, uns im neues Kommunikationszeitalter schneller zurechtzufinden und den Informationsaustausch wesentlich zu erleichtern. Es kommt nun heute zu einer ähnlichen Situation wie beim Zauberlehrling. Die Geister die wir riefen, werden wir plötzlich nicht mehr los. Nach den unliebsamen Auswirkungen versuchen wir nun mit allen Mitteln das Internet oder die Handynutzung einzudämmen - mit Sperren und Verboten. Doch fehlt uns derzeit ein Meister, der uns in der Not, die Informationsflut bändigen könnte. Fragwürdige Filme, die auf einem Handy gedreht werden, können trotz neuer Richtlinien, Sperren oder Gesetze auf ein anderes Handy übertragen werden. Informatikspezialisten scheinen derzeit machtlos. Wir sind nicht nicht mehr Herr der Lage. Ein Internetspezialist liess verlauten, dass es künftig kaum mehr möglich sein werde, das weltweite Netz in der Griff zu bekommen. Selbst China, das versucht, "Google" zu zensurieren, werde bald erleben, dass Informationen auch auf Nebenwegen durchsickern, um ins Netz zu gelangen. Die Handys können wir nicht mehr ausrotten oder mit einer Axt zerschlagen. _____________________________________________________________ Sind wir wirklich machtlos? ____________________________________________________________ Ich vertrat schon früher (bei den Brutalovideos) die Meinung: Die neuen Medien sind heute eine Tatsache. Das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Wir können höchstens lernen, mit den neuen Medien umzugehen. Anstatt Verbote sind wir alle (Eltern, Lehrkräfte, Politiker, die ganze Gesellschaft) gefordert, uns mit den Vor- und Nachteile der neuen Technik und Medien auseinanderzusetzen. Die Kinder haben rechtzeitig zu lernen mit diesen Medien umzugehen. Wie beim Autofahren oder im Umgang mit Suchtmitteln können wir uns der Verantwortung nicht mehr entziehen. Dazu braucht es Zeit, Präsenz und Zuwendung. Erziehungsaufgaben lassen sich nicht delegieren. So wie wir nur dank Training mit einem (gefährlichen) Auto umgehen lernen müssen , so geht es im Umgang mit den Medien nicht ohne Informationen, Diskussionen, Auseinandersetzung - und vor allem nicht ohne eine zeitraubenden Bewusstseinbildung. Hiezu bedarf es immer Präsenz und vor allem Bezugspersonen, die gut zuhören können, vertrauenswürdig sind und sich für unsere Kinder interessieren. **********************************************************************************

Die dunkle Seite des Internet

Machen solche Spiele Kinder zu Killern?

Von R. PÖRNER, D. DREYFÜRST und J. RUDOLPH

Aktuelles

Er robbt hinter die Mauer. Rechts und links machen sich die Kameraden bereit zum Feuerschutz. Gewehrfeuer prasselt. Er sieht den feindlichen Posten, visiert den Kopf an! Treffer! Die Gestalt bricht zusammen. „Ausgeschaltet!“ knistert es aus dem Kopfhörer. „Weiter!“

Virtueller Krieg in deutschen Kinderzimmern. In den Computern und an den Spielkonsolen wird geballert, was der Prozessor hergibt.

„Counterstrike“ heißt das Computerspiel, in dem sich auch der irre Amokläufer Bastian B. († 18) Anregungen für seine Wahnsinnstat in Emsdetten holte. Teamweise wird dort Jagd aufeinander gemacht. Mit Messer, Pistole, Gewehr und Raketenwerfer.

Dabei gilt „Counterstrike“ in der hartgesottenen Szene noch als „Kinderkram“. Bei „Unreal“ ist die Grafik besser, das Blut spritzt in leuchtendem Rot. Bei „Doom 3“ sind die Gegner Monster, Köpfe und Gedärme fliegen. In „God of War“ werden Gefangene verbrannt und in Stücke gerissen.

Die dunkle Seite des Internets. Wie gefährlich ist sie für unsere Gesellschaft?

Prof. Dr. Manfred Spitzer, Gehirnforscher und Psychiater, sagt zu BILD: „Der statistische Zusammenhang zwischen Baller-Spielen und Gewalt ist genauso eindeutig wie der zwischen Rauchen und Lungenkrebs.“

Die „kriegerischen“ Kids erbosen solche Expertensätze sehr. Sie diskutieren nach Emsdetten aufgeregt im Internet. Oft beschworenes Argument: Es gäbe Hunderttausende Baller-Spieler. Aber nur alle paar Jahre einen Amokläufer.

Doch eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, unter 23000 Kindern und Jugendlichen durchgeführt, belegt eindeutig: Jene Kinder, die früh und viel Gewaltspiele spielen, sind besonders schlecht in der Schule.

Das Versagen im Klassenzimmer führt zu neuen Aggressionen. Und das wieder zur verstärkten Flucht in die Scheinwelt der Computer-Krieger.

Ein Teufelskreis. Bei Bastian B. endete er mit einem blutigen Finale in der Wirklichkeit.

Prof. Spitzer: „Bei der US-Armee wurde in den 90er-Jahren mit genau solchen Spielen trainiert, die Tötungshemmung auszuschalten. Und mit diesen Spielen trainieren wir heute unsere 10-Jährigen.“

Aber warum wird der Baller-Schund nicht einfach verboten?

Edmund Stoiber kündigte an, Bayern werde seine Initiative zum Herstellungs- und Verbreitungsverbot von Killerspielen erneut in den Bundesrat einbringen. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff fordert ein Verbot von Gewaltspielen: „Selbst bei Spielen, die ab 16 freigegeben sind, wird reichlich getötet und fließt jede Menge Blut.“

Thomas Feibel (44), Journalist und Buchautor („Killerspiele im Kinderzimmer“) hält dagegen nichts von Verboten: „Politiker können Killerspiele verbieten, bis der Arzt kommt. Das Gros der Spiele wird ohnehin im Internet heruntergeladen.“

Und das Internet ist weit. Anarchisch. Und unkontrollierbar.

Feibel fordert Kontrolle im Kinderzimmer. „Eltern müssen Grenzen setzen, aber davor haben viele Angst – das Kind könnte ja widersprechen. Außerdem müssen die Eltern eine Alternative bieten. Und die kann nicht heißen: Räum dein Zimmer auf. Sondern: Lass uns zusammen ein anderes Computerspiel aussuchen.“

Woran können Eltern erkennen, dass ihre Kinder gefährdet sind?

Prof. Spitzer: „Wenn ich merke, mein Kind hat weniger Kontakte zu anderen, wird schlechter in der Schule, dann wird es höchste Zeit.“

Feibel: „Wenn trotz Computer noch geklettert, vorgelesen und gebastelt wird, dann ist der PC ein sinnvoller Baustein. Wenn nur noch der Computer das Spielzeug ist, muss man eingreifen. Quelle: BILD ONLINE

Donnerstag, 9. November 2006

Jürg Maurers Anwälte erheben bei den zuständigen Gerichten Strafklage wegen herabsetzender Äusserungen, wegen Beschimpfung, wegen Verleumdung sowie Zivilklage wegen Persönlichkeitsverletzung gegen den Verlag und redaktionell Verantwortliche von Ringier-Publikationen ___________________________________________________________ SDA berichtet: Der von Blättern des Ringier-Verlages im Rahmen einer Kampagne gegen Verantwortliche bei Schweizer Pensionskassen öffentlich diffamierte Portfolio-Manager der Pensionskasse der Rieter AG in Winterthur, Jürg Maurer, geht nun gerichtlich gegen redaktionell Verantwortliche und den Verlag von Blick und SonntagsBlick vor. Ein Prüfungsbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young bescheinigt Jürg Maurer nicht nur ein absolut korrektes Verhalten bei seiner Arbeit für die Rieter-Pensionskasse, sondern zugleich eine ausserordentlich erfolgreiche Anlagepolitik zugunsten der Pensionäre des Unternehmens. Der Stiftungsrat der Rieter-Pensionskasse sieht sich durch den Bericht der Prüfer darin bestärkt, die Vermögensverwaltung weiterhin durch das -- wie es heisst -- sehr erfolgreiche Portfolio Management des Konzerns, d.h. durch Jürg Maurer und sein Team, vornehmen zu lassen. "Das Gutachten der Wirtschaftsprüfer gibt mir nicht nur eine Bestätigung für meine professionelle Arbeit im Dienste der Rieter AG und ihrer Belegschaft, sondern dokumentiert auch das skandalöse Vorgehen einiger Journalisten von Ringier-Publikationen und von Verantwortlichen des Verlages" erklärte Jürg Maurer nach Bekanntwerden des Berichtes von Ernst & Young. "Mit meinen Straf- und Zivilklagen gegen den Verlag und redaktionell Verantwortliche des Blick und Sonntagsblick will ich nicht nur erreichen, dass das mir als Privatperson durch die skandalöse Berichterstattung widerfahrene Unrecht wieder gut gemacht wird. Mein Ziel ist es auch, dazu beizutragen, dass künftig derartige Diffamierungen unbescholtener Bürgerinnen und Bürger unterbleiben. Jürg Maurers Anwälte haben bei den zuständigen Gerichten in Zofingen und Arbon Strafklage wegen herabsetzender Äusserungen, wegen Beschimpfung, wegen Verleumdung sowie Zivilklage wegen Persönlichkeitsverletzung gegen den Verlag und redaktionell Verantwortliche von Ringier-Publikationen erhoben, namentlich gegen Blick-Chefredaktor, Werner de Schepper, SonntagsBlick-Chefredaktor, Christoph Grenacher sowie Silvio Bertolami, Journalist. ________________________________________________________ WIR HABEN JUERG MAURERS UNPROFESSIONELLES VERHALTEN VOR DEN MEDIEN KOMMENTIERT UND SEINE PRESSEKONFERENZ ANALYSIERT (Siehe AKTUELL 30. Aug 06). Wir vertraten damals die Meinung, Jürg Maurer sei schlecht beraten gewesen. Es ist gut denkbar, dass die Ringierpresse Jürg Mauerer wohlwollender behandelt hätte, wenn er sich damals mediengerechter verhalten hätte. Für uns ist es spannend, mitzuverfolgen, wie das Gericht die Klage Maurers beurteilt.

Mittwoch, 8. November 2006

REDEPANNE IM VATIKAN __________________________________________________________________ Die Kurie verbreitete nach Blick online eine Rede des Papstes an die Schweizer Bischöfe, die der heilige Vater nie gehalten hat. Die aktuelle Ausgabe der Vatikanzeitung Osservatore Romano musste eingestampft werden. Das hat es in der neueren Geschichte der katholischen Kirche wohl noch nie gegeben. Gestern gegen Mittag verbreitete das vatikanische Presseamt eine Rede von Papst Benedikt, die dieser zur Begrüssung der Schweizer Bischöfe beim «Ad-limina-Besuch» in Rom gehalten haben soll. Sofort wurde sie via Presseagenturen auch in der Schweiz verbreitet. Von der Warnung, Laientheologen nicht zu viel Kompetenzen zukommen zu lassen, ist da die Rede; von Priestern, die eigenmächtig die katholische Lehre interpretierten; von der Entchristlichung der Gesellschaft, der die Bischöfe entgegenzutreten hätten. Starker Tobak, aber falscher Alarm. Denn diese Rede hat Benedikt der XVI. nie gehalten. Es war der Entwurf für die Ansprache, die Papst Johannes-Paul II. im letzten Februar halten sollte, wozu es aber wegen desser akuter Erkrankung nie kam. Entsprechend rieben sich die Schweizer Bischöfe ihre Augen, als sie nachmittags den angeblichen Redetext sahen. Denn was sie wirklich vom Papst gehört hatten, war etwas ganz anderes. Tatsächlich hatte Benedikt am Morgen zu den Schweizer Bischöfen gesprochen, aber auf deutsch, nicht wie in der «falschen» Rede auf französisch. Gemäss Informationen formulierte der Papst ganze Abschnitte seiner Rede frei, ohne Manuskript. Hier liegt eine mögliche Erklärung für die Mega-Panne: In seiner Not könnte ein Sekretär des Presseamtes auf den alten Entwurf zurückgegriffen haben. Ob es tatsächlich so war, wird wohl auf ewig ein Geheimnis des Vatikans bleiben. Die Folgen sind jedenfalls drastisch: Weil die offizielle Vatikanzeitung Osservatore Romano bereits mit falschem Text gedruck war, muss heute die gesamte Ausgabe eingestampft werden. Was der Papst nun tatsächlich gesagt hat, wird wegen der gewaltigen Aufregung im Vatikan später bekannt gegeben.

Montag, 23. Oktober 2006

DAS WAR UNGESCHICKT HERR SCHROEDER ____________________________________________________________ Ein Politiker darf nicht den Nachfolger oder die Nachfolgerin massregeln. Das ist ungeschickt und unklug. Gerhard Schröder warf Angela Merkel mangelnde Führungsfähigkeiten vor und verlor damit enorm viel an Achtung. Wir wundern uns, dass es immer wieder vorkommt, dass ein Politier nicht bescheiden ins hintere Glied treten kann und schweigen lernt, wenn er beim Nachfolger Mängel entdeckt. Alle andern dürfen kritisieren - nur nicht der alte Amtsinhaber! Uns hat Schröders Verhalten enttäuscht. Auch Ex Bundesrätin Dreifuss konnte es nicht lassen! ____________________________________________________________ Eine Ex-Bundesrätin liess sich als Galionsfigur für eine Abstimmungskampagne vor den Karren spannen, bei einer Initiative, die gegen den heutigen Bundesrat gerichtet war. Nach meinem Dafürhalten ist dieses Engagement - unabhängig von Sieg oder Niederlage - unklug gewesen. Ich kenne einen Politiker, der nach seiner Pensionierung dem Nachfolger immer wieder gute Ratschläge gab und sogar in der Presse mit Leserbriefen kund tat, dass der neue Amtsinhaber Fehler macht. Damit verlor der Ex- Politiker in der Oeffentlichkeit an Ansehen. Wenn ein Lehrer nach der Pensionierung der eigenen Schulgemeinde immer wieder öffentlich zu erkennen gibt, dass es die Nachfolger schlechter machen, so ist dies ebenso unklug, wie es das unbedachte Verhalten von Ex-Bundesrätin Ruth Dreifuss war. Das will nicht heissen, dass es Ruth Dreifuss verboten wäre, sich politisch zu betätigen oder sich für Soziales zu engagieren. Bei Sachfragen jedoch, die Entscheide des neuen Bundesrates betreffen, müsste sie unbedingt schweigen und dürfte bei diesen Geschäften nicht mehr die öffentliche Bühne betreten. Otto Stich gehörte leider auch zu jenen Magistraten, die es nicht fertiggebracht haben, sich nach dem Rücktritt in Bescheidenheit zu üben und sich in politischen Fragen der Bundesregierung konsequent zurückzuhalten. ______________________________________________________________ Die Weisheit von Amtsinhabern, die ihren Job abgeben oder zurücktreten, besteht darin, den Nachfolgern nicht mehr dreinzureden und ihnen nicht weis zu machen, dass sie auf dem falschen Weg sind. _____________________________________________________________

Dienstag, 17. Oktober 2006

Ein Rohrkrepierer für die SP?

Bundesrat Blocher ist nicht mehr tragbar, fand Hans- Jürg Fehr Präsident der SP. ES ist kein Geheimnis, dass nach dem Wirbel um Blochers umstrittene Aeusserung in Ankarra alles gesammelt wird, das helfen könnte, das Fass zum üeberlaufen zu bringen. Obschon Natinalratkommistionssitzungen "geheim" sind, wurde eine kritische Bemerkung Blochers über ein Spital in Afrika publiziert. In den Zeitungen war zu lesen:

Blocher provoziert mit «faulen Afrikanern»

An der Sitzung einer Nationalratskommission habe der Justizminister den Eindruck geweckt, Afrikaner seien «faul», um so die Entwicklungszusammenarbeit in Frage zu stellen. Andreas Gross, Zürcher SP-Nationalrat und Präsident der staatspolitischen Kommission, bestätigte einen entsprechenden Artikel der Westschweizer Sonntagszeitung «Matin dimanche». Diese Zeitung stützte sich auf ein vertrauliches Protokoll der Sitzung vom 14. September. Protokolle von Kommissionssitzungen sind vertraulich Regeln seien indessen zu respektieren, auch wenn ein Bundesrat in ein anderes politisches Lager gehöre, räumte Gross ein. Zu diesen Regeln gehöre, dass in einer Kommission gemachte Aussagen nicht für die Öffentlichkeit bestimmt seien. Neben dem Eindruck der Faulheit habe Blocher vor der Kommission auch durchblicken lassen, die Afrikaner seien «für ihre Situation selbst verantwortlich», sagte Gross weiter. Investitionen auf den afrikanischen Kontinent seien der Mühe nicht wert, sei eine weitere Einschätzung des Justizministers gewesen. Livio Zanolari, Informationschef im Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement, lehnte einen Kommentar ab. Er rief lediglich in Erinnerung, dass Blochers Zurückhaltung gegenüber der Entwicklungszusammenarbeit bekannt seien. Blocher habe in der Vergangenheit besonders ein Spital in Afrika als Beispiel erwähnt, das er selbst finanziert habe. Ein Mal in afrikanischen Händen, habe der Niedergang dieser Institution eingesetzt. Blocher habe in seinen Äusserungen rassistische Thesen vertreten, fand SP Nationalrat Gross. Wenn die Kommissionsangehörigen politische Folgen wünschen, müssten sie in der kommenden Session eine Interpellation einreichen. Das vertrauliche Protokoll der Sitzung dürfe dazu aber nicht beigezogen werden. _________________________________________________________________ KOMMENTAR: Wir fragen uns, ob nicht diese Indiskretion aus der Kommissionssitzung gezielt publiziert worden war. Blochers Geschichte von jenem Projekt, das in afrikanischen Händen missglückte, haben wir nicht persönlich gehört. Kritische Bemerkungen über der finanziellen Unterstützungen bei der Entwicklungszusammenarbeit dürften nach unserem Dafürhalten noch nicht als rassistisch bezeichnet werden. Um die Aussage genau zu beurteilen, müsste uns der genaue Wortlaut vorliegen. Ein ungutes Gefühl werden wir leider nicht los: Was war die Absicht der Indiskretion? Ging es vor allem um die Sicherung der Finanzen bei der Entwicklungszusammenarbeit oder vor allem darum, einen weiteren Beitrag zu publizieren, der Fehrs These stützt, Blocher sei untragbar geworden (Man schlägt jetzt den Esel und nicht den Sack). Uebrigens: Auch diese Geschichte dürfte die ARENA thematisieren, falls sie in den Medien prominent diskutiert würde. Niemand dürfte dann - nach dieser Sendung - dem Fernsehen vorwerfen, es habe sich durch die SP instrumentalisieren lassen. ççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççç Das EJPD stellt sich vor Bundesrat Christoph Blocher ___________________________________________________ Das Eidgenössische Justiz und Polizeidepartement erklärte heute , die Äusserungen zu «faulen Afrikanern» seien Blocher in den Mund gelegt worden und entbehrten «jeder Grundlage». Andreas Gross (SP) hielt hingegen hielt noch am Sonntag an seinen Aussagen fest und sagte, Blocher habe an einer Sitzung der staatspolitischen Kommission vom 14. September DEN EINDRUCK ERWECKT, Afrikaner seien «faul», um so die Entwicklungszusammenarbeit in Frage zu stellen. Diese Aussage wurde unter Berufung auf das Protokoll über die vertrauliche Sitzung gemacht. Dabei habe Blocher DURCHBLICKEN lassen, dass die Afrikaner für ihre Situation selbst verantwortlich seien, so Gross. Die Beschuldigung steht nicht im Protokoll und wurde angeblich auch nicht so nicht gesagt ______________________________________________________________________ Der Informationsdienst des Eidg. Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) wies am Montag «nach Prüfung der Sitzungsprotokolle» die Aussagen von Gross «entschieden zurück». Die Zitate und Äusserungen von Gross entbehrten «jeder Grundlage», hiess es vom EJPD. Diese seien im Protokoll nirgends zu finden und auch nicht gesagt worden. Gross präzisierte, er habe einen EINDRUCK bestätigt und NICHT DEN WORTLAUT der Aussagen Blochers wiedergegeben. Die Rede sei aber «einseitig» und AN DER GRENZE zum Rassismus gewesen. Kommentar: ççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççç Uns interessierte der genaue Wortlaut und nicht der Eindruck eines Politikers. Wir finden bei allen Verlautbarungen: Subjektive Interpretationen sind gefährlich. Waren nun Blochers Bedenken rassistisch oder nur AN DER GRENZE des Rassismus? Hat er den publizierten Vorwurf wortwörtlich so gesagt oder wie nun Gross nachträglich zugesteht, es nur hat DURCHSICKEREN lassen? Das sind wesentliche Differenzen. Hat nun Bundesrat Blocher die publizierte Aussage "Die Afrikaner sind faul" gesagt oder wie jetzt Andreas Gross klein beigeben muss, nur dem Sinn nach gesagt. Jetzt heisst es eigenartigerweise: Blocher habe an der Sitzung "den Eindruck erweckt". Bei derartigen gravierenden Anschuldigungen gilt stets der Grundsatz: Fakten, Zitate müssen auf den Tisch! Persönliche Eindrücke, Mutmassungen und Interpretationen hingegen dürfen erst nachher in einem Kommentar folgen. "Keine industrielle Kultur" __________________________ Wir zitieren 20 Min online: Gemäss EJPD hat Bundesrat Blocher sich an der Sitzung unter anderem zur Problematik des starken Migrationsdrucks aus Afrika geäussert. Seine Aussagen seien Ausdruck der «weit verbreiteten Ratlosigkeit im entwicklungspolitischen Umgang mit Afrika». Der Bundesrat habe gesagt, das wirtschaftliche Gefälle müsse beseitigt werden, zum Beispiel durch Industrialisierung. Das Beispiel Afrika zeige, dass sich die Situation auch nach Jahrzehnte langer umfangreicher Entwicklungshilfe nicht wesentlich verbessert habe. Vielerorts fehle in Afrika die industrielle Kultur. Deshalb würden anders als etwa in China industrielle Initiativen im Sand verlaufen. Niemand wisse, wie mit Afrika zu verfahren sei und wie es industrialisiert werden könne. Vielleicht gelinge es Afrika eines Tages aus eigener Kraft. Afrika sich selbst überlassen sei auch eine Möglichkeit, hatte Blocher laut EJPD gesagt. ççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççççç Politik mit Indiskretionen? ___________________________________________________________________ Das EJPD verurteilte, dass «der vertrauliche Inhalt der Kommissionssitzung den Medien zugespielt und vom Kommissionspräsidenten Gross wahrheitswidrig wiedergegeben wurde». Gross sagte nun gegenüber der Nachrichtenagentur SDA, er habe nicht aus dem Protokoll zitiert, weil er dies gar nicht zitieren durfte. Das wäre illegal gewesen. Kommentar: Wie finden: Das Departement Blocher handelt in der jetzigen Situation klever, wenn es nun fordert, dass die staatspolitische Kommission die entsprechenden Passagen des Protokolls offen legt. So könnte die vermeintliche "politische Bombe" zum Rohkrepierer werden. Gross bedauerte zwar noch am Sonntag, dass Informationen über die Kommissionssitzung an die Öffentlichkeit gedrungen waren. Dennoch agierte er frank und frei mit dieser Information - In welcher Rolle? Als Parteipolitiker? Sein Parteipräsident setzt jedenfalls alle Hebel in Bewegung, Blocher als unzumutbarer Bundesrat so rasch als möglich zu enttrohnen. Die Bevölkerung hat ein Anrecht darauf, zu erfahren, welche Spiele gespielt werden.