Als Schweizer Premiere schaffte der Kanton Zürich auf den 1. Juli die
Stelle eines Männerbeauftragten. Für die Funktion auserkoren wurde
Markus Theunert, der 39-jähriger Gründer der Schweizer Männerzeitung und
Präsident des Vereins Männer.ch. Genau diese Doppelfunktion wurde ihm
nur drei Wochen nach seinem Amtsantritt zum Verhängnis. Theunert hat am
Dienstag seinen Rücktritt bekanntgegeben.
Auslöser für seinen Rücktritt ist ein Artikel der «NZZ am Sonntag»,
der am 15. Juli erschien - zwei Wochen nach Theunerts Amtsantritt. Darin
zitierte die Zeitung aus einer acht Monate alten Stellungnahme von
Männer.ch zur Revision des Strafgesetzbuchs, in der eine Lockerung der
Bestimmungen zum Zeigen von pornografischen Darstellungen gewünscht
wurde. Eltern und geschulte Fachleute sollen solche Darstellungen
Jugendlichen unter 16 Jahren zugänglich machen könnnen. Heute ist dies
strafbar.
Eine solche Änderung würde insbesondere auch den
Sexualunterricht an Schulen betreffen und es ermöglichen, beispielsweise
Ausschnitte aus Pornos im Klassenzimmer zu zeigen. Man dürfe die
Jugendlichen mit dem Thema nicht alleine lassen, begründete der Verein
seine Idee.
«Glaubwürdigkeit beschädigt»
Die
Medienberichterstattung darüber habe inner- und ausserhalb der
Verwaltung hohe Wellen geworfen und empörte Reaktionen provoziert,
schreibt Theunert in einer Stellungnahme. Die kantonale Fachstelle sei
der Ansicht gewesen, dass seine Doppelrolle den Ruf der Fachstelle und
die Glaubwürdigkeit des Männerbeauftragten beschädigt habe.
Die
kantonale Verwaltung habe von ihm verlangt, aus dem Vorstand von
Männer.ch zurückzutreten, schreibt Theunert weiter. Dazu sei er nicht
bereit, weshalb er sein Amt als Männerbeauftragter niederlege. Er wäre
nur dazu bereit gewesen, sich nicht mehr öffentlich für Männer.ch zu
engagieren, jedoch nicht das Engagement völlig zu beenden. Die kantonale
Fachstelle schreibt in einer Mitteilung, dass sie Theunerts Schritt
begrüsse.
Männerverband kritisiert Kanton
Enttäuscht
über das Verhalten des Kantons Zürich ist der Verein Männer.ch. «Wir
bedauern, dass der Kanton Zürich sich nicht überzeugt hinter seinen
Männerbeauftragten zu stellen vermochte», schreiben der Vorstand in
einer Mitteilung. Bereits bei der ersten Belastungsprobe sei Theunert
entgegen früheren Abmachungen vor ein für ihn inakzeptables Ultimatum
gestellt worden.
Männer.ch sei froh, weiterhin auf das Engagement
seines Präsidenten bauen zu können. Man hoffe aber auch, dass der
Kanton Zürich an seiner Strategie festhalte und die aktive Beteiligung
der Männer am Gleichstellungsprozess weiter fördere.