Sesselkleber Wulff: Keine Ende der Affaire in Sicht
Schon wieder half ein reicher Freund
Neuer Wirbel um einen Wulff-Urlaub
Dicke Freunde: Christian und Bettina Wulff mit Filmfonds-Manager David Groenewold
Foto: DAVIDS
Aus BILD:
Berlin –
In der Affäre um Christian Wulff (52) sollte
offenbar ein weiterer Luxus-Urlaub vertuscht werden, den ein reicher
Freund für den Bundespräsidenten gebucht und bezahlt hatte.
Die Anweisungen ans Hotel zum Großklicken
Vom 31. Oktober bis 3. November 2007 übernachtete Christian Wulff mit
seiner heutigen Ehefrau Bettina (38) im vornehmen „Hotel Stadt Hamburg“
(HSH) auf Sylt. Der Preis in der Suite 135 betrug für den damaligen
Ministerpräsidenten pro Nacht 258 Euro – inklusive Frühstück.
Zeitgleich
war der Berliner Filmfonds-Manager David Groenewold (38), ein enger
Freund von Christian Wulff, in dem Luxus-Hotel untergebracht. Jener
Film-Finanzier, der in der Wulff-Affäre schon in die Schlagzeilen
geraten war, weil er ein Upgrade für eine Suite für Wulff im
„Bayerischen Hof“ in München bezahlt hatte.
Nach
BILD-Recherchen hatte David Groenewold seinen und Wulffs Sylt-Aufenthalt
beim VIP-Service von Airtours gebucht und vor Reiseantritt mit seiner
Platinum-Kreditkarte von American Express bezahlt. Jetzt steht der
Wulff-Freund im Verdacht, diesen Vorgang vier Jahre später vertuschen zu
wollen.
Vor rund drei Wochen, am 16. Januar 2012, rief Groenewold im
„Hotel Stadt Hamburg“ an. In der BILD vorliegenden Notiz des Hotels über
diesen Anruf heißt es: „lt. tel. 16. 1. keine Daten von Hr. Groenewold
rausgeben! (War 2007 mit Hr. Wulff hier & hat den Aufenthalt
übernommen.)“
Am 17. Januar notiert das Hotel in
seiner internen Aufgabenliste für Mitarbeiter, die BILD vorliegt: „Hr.
David Groenewold hat gestern angerufen, wir sollen keinerlei Infos über
ihn rausgeben! Er war 2007 mit Hr. Wulff im HSH und hat den gesamten
Aufenthalt übernommen. Falls also BILD oder Spiegel anruft, wir wissen
von nichts!“
Zur gleichen Zeit interessierte sich die
Opposition im niedersächsischen Landtag für die Beziehungen zwischen
Wulff und Groenewold. Am 19. Januar fragt der SPD-Fraktionsvorsitzende
Stefan Schostok im Parlament: „Mit wie viel Geld wurden Filmprojekte
bzw. Firmen, an denen Herr Groenewold beteiligt ist, durch das Land bzw.
durch die nordmedia gefördert?“
Die SPD will – wie schon beim
umstrittenen Hauskredit von Wulff-Freund Egon Geerkens – wissen, ob es
eine geschäftliche Beziehung zwischen der Wulff-Regierung und dem
Wulff-Freund Groenewold gab.
Das „Hotel Stadt Hamburg“ auf Sylt. Die Suite des Ehepaars Wulff buchte Groenewold, sie kostete 258 Euro pro Nacht
Ausgerechnet an diesem 19. Januar fährt Film-Produzent
Groenewold wieder nach Sylt und bucht sich erneut im „Hotel Stadt
Hamburg“ ein.
Am Morgen des 20. Januar fordert er
Mitarbeiter des Hotels auf, relevante Rechnungen und Belege aus dem
gemeinsamen Kurzurlaub mit dem Ehepaar Wulff aus dem Jahr 2007
auszuhändigen. Ein Hotel-Manager übergibt Groenewold Anreiselisten,
Meldescheine und Verzehrquittungen.
BILD konfrontierte das Bundespräsidialamt mit der Aktion Groenewolds und fragte: Wer hat den Wulff-Urlaub gebucht und bezahlt?
Die
Antwort von Wulffs Anwalt: „Die Organisation des Aufenthalts erfolgte
durch Herrn Groenewold. Herr Groenewold hatte die Hotelkosten
verauslagt. Herr Wulff erstattete Herrn Groenewold die verauslagten
Kosten des Aufenthalts in den Räumlichkeiten des ,Hotels Stadt
Hamburg‘.“ Die Zahlung sei bar erfolgt.
Foto: dpa
In bar will Wulff, der in den vergangenen Jahren mehrfach gratis bei
reichen Unternehmern Urlaub machte, die von Groenewold übernommenen
Hotelkosten auch bei einer Oktoberfest-Besuch im Jahr 2008 erstattet
haben.
Bereits für die Zeit vom 9. bis 16. August 2008
hatte Groenewold für das Ehepaar Wulff eine Ferienwohnung für einen
weiteren Sylt-Urlaub gebucht und bezahlt. Kosten: 1540 Euro. Auch in
diesem Fall, so behauptet Groenewolds Anwalt, habe Wulff dem Freund das
Geld in bar gegeben.
Der Fraktionsvorsitzende der SPD im
Niedersächsischen Landtag Stefan Schostok sagte zu den Vorgängen rund um
den Sylt-Urlaub des Bundespräsidenten gestern zu BILD: „Offenbar finden
gerade Versuche statt, Akten zu säubern.“
Der Fraktionschef der Grünen im niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel, forderte Ermittlungen der Behörden in diesem Fall.
Wenzel
zu BILD: „Wer solche Dokumente verschwinden lassen will, dürfte etwas
auf dem Kerbholz haben. Hier muss endlich der Staatsanwalt ran!“
Und
der Verfassungsrechtler Professor Hans Herbert von Arnim sagt BILD:
„Verheimlichungshandlungen sind nach Auffassung des Bundesgerichtshofes
mögliche Beweisanzeichen bei Korruptionsdelikten wie der
Vorteilsannahme. Was Wulff und seine Anwälte mit ihren andauernden
Ausflüchten dem gesunden Menschenverstand antun, geht auf keine
Kuhhaut.“
Ist der Film-Finanzier Groenewold nur einer der
reichen Freunde Wulffs? Oder hatte er auch geschäftliche Beziehungen zum
Land Niedersachsen, wie die SPD in ihrer Anfrage wissen will?
Tatsache
ist: Groenewold gründete 2007 in Niedersachsen mit seinem Unternehmen
„Odeon“ eine Filmfirma und bekam dafür eine Millionen-Bürgschaft des
Landes Niedersachsen zugesagt.
Groenewold damals in einer
Pressemitteilung: „Den Standort Niedersachsen haben wir für unsere
Firmengründung ganz bewusst gewählt, da hier Ministerpräsident Christian
Wulff mit viel persönlichem Einsatz wichtige Impulse für die
Weiterentwicklung der Medienwirtschaft gibt und damit optimale
Voraussetzungen für Investitionen und neue Arbeitsplätze geschaffen
hat.“
Diese Presseerklärung hatte Groenewold damals mit
Wulffs inzwischen entlassenem Sprecher Olaf Glaeseker abgestimmt. Für
Glaeseker soll Groenewold wenig später ein Geburtstagswochenende für
dessen Frau Vera im Hotel „Jörg Müller“ auf Sylt gebucht und bezahlt
haben.
Auch der Wulff-Vertraute Glaeseker, gegen den die
Staatsanwaltschaft inzwischen wegen Bestechlichkeit ermittelt, soll die
Kosten später in bar erstattet haben. David Groenewold wollte sich auf
BILD-Anfrage zu den Vorwürfen nicht äußern.
Übrigens: 84 Prozent der Bundesbürger halten den Bundespräsidenten inzwischen für nicht ehrlich.
Kommentar: Kein Kommentar meinerseits. Die Affaire nimmt seinen gewohnten Lauf.
NACHTRAG ZEIT:
Bundespräsident Staatsanwaltschaft prüft Wulffs Sylt-Urlaub
Berlin (dpa) - Bundespräsident Christian Wulff gerät wegen seiner
Urlaube als niedersächsischer Ministerpräsident erneut in die
Schlagzeilen.
Wie die «Bild»-Zeitung am Mittwoch berichtete, hat der
Filmunternehmer David Groenewold für Wulff und dessen spätere Frau
Bettina im Herbst 2007 einen viertägigen Hotelaufenthalt auf Sylt
gebucht und zunächst bezahlt. Zur gleichen Zeit hielt sich auch
Groenewold im «Hotel Stadt Hamburg» auf.
Wulffs Anwalt Gernot Lehr sagte der «Bild», Groenewold habe die
Kosten von 258 Euro pro Nacht lediglich bei der Buchung verauslagt.
Wulff habe die Kosten für die drei Nächte später in voller Höhe selbst
bezahlt. Die Staatsanwaltschaft Hannover prüft den Fall.
Anwälte Groenewolds wiesen die «Bild»-Darstellung zurück, wonach der
Unternehmer im Verdacht stehe, er habe im Januar 2012 versucht, die
Angelegenheit zu vertuschen. Anwalt Christian-Oliver Moser sagte der
Nachrichtenagentur dpa: «Es gab nicht mal ansatzweise den Versuch meines
Mandanten, etwas zu vertuschen.»
Die Staatsanwaltschaft Hannover erklärte, man habe bereits Mitte
Januar aus den Medien von diesem Fall erfahren. Neu seien Informationen
über angeblich in Sylt abgeholte Unterlagen: «Das fließt jetzt alles in
die Prüfung ein», sagte Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Lendeckel der
Nachrichtenagentur dpa. Wann diese Prüfung abgeschlossen sein werde,
stehe nicht fest.
«Bild» hatte berichtet,
Groenewold habe in dem Hotel angerufen und
die Angestellten zu Stillschweigen über den Vorgang verpflichtet. Sein
Anwalt Moser erklärte, sein Mandant habe im Vorfeld das Hotel darum
gebeten, gegenüber der Presse Diskretion zu wahren. Groenewold habe aber
zu keinem Zeitpunkt darum gebeten, die Unterlagen zum Hotelaufenthalt
«zu vernichten, zu manipulieren oder ähnliches».
Das Sylter Hotel bestätigte, dass Groenewold vor rund drei Wochen
dort gewesen sei und um die Kopie einer Rechnung vom Aufenthalt im Jahr
2007 gebeten habe. Er habe sie auch erhalten, sagte Direktor Bernd
Knochenhauer der dpa.
Wulff selbst wusste nach Angaben seines Anwalts Lehr nichts davon,
dass Groenewold das Hotel aufgesucht und auf Verschwiegenheit gedrängt
habe. «Christian Wulff hielte eine solche Vorgehensweise in jeder
Hinsicht für falsch», erklärte Lehr.
Groenewolds Anwalt Moser erklärte, die drei Nächte 2007 seien von
Groenewold über einen Reiseveranstalter gebucht worden. Die Bezahlung
sei über Gutscheine erfolgt. Wulff habe gar nicht vor Ort direkt
bezahlen können.
Nach früheren Berichten hat Groenewold auch 2008 beim Münchner
Oktoberfest ein 400-Euro-Upgrade für eine Suite im Fünf-Sterne-Hotel
«Bayerischer Hof» für das Ehepaar Wulff bezahlt. Von der Übernahme der
Kosten habe Wulff aber nichts gewusst, erklärte Groenewolds Anwalt.
Der Filmunternehmer und Wulff sind lange miteinander befreundet.
Groenewold hatte 2007 in Hannover einen Ableger der Odeon Film AG
gegründet. Waterfall Productions soll nach «Bild»-Angaben eine
Millionen-Bürgschaft des Landes Niedersachsen erhalten haben. Dies
dementierte Wulffs Anwalt Lehr. Der Filmunternehmer habe in der Amtszeit
des Ministerpräsidenten nie eine Unterstützung des Landes Niedersachsen
erhalten.
Auch Groenewolds Anwalt wies Berichte über eine angebliche
Landesbürgschaft zurück. Eine Förderung des Landes könne ausgeschlossen
werden, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Hannover.