Dienstag, 16. November 2010

Wer ist ein guter Rhetoriker?


Viele Berater vertreten die Meinung das WIE des Kommunizierens sei alles. Andere trainieren vor allem
das ARGUMENTIEREN (das Botschaftenmanagement) und sind überzeugt, der Inhalt sei alles.
Im Alltag entscheiden selbstverständlich bei Kommunikationsprozessen das WIE und das WAS. Aber vor allem die Persönlichkeit, der Ruf, das Image (Marke) einer Person. Deshalb setzte ich zu nachfolgendem Beitrag  einige Fragezeichen. Wenn der Tagesanzeiger nach einer Videosequenz (Die Wermuth in einer Sequenz zeigt, wie er Köppel destabilisieren konnte) eine Befragung macht, wer der beste Rhetoriker ist,  finde ich die Umfrage fragwürdig. Der Artikel suggeriert zudem durch die Wertung   eines PR Beraters, dass die bodenständige Schweizer Rhetorik ausgedient hat und  Céderic Wermuth dadurch gepunktet habe, weil er den Gegner in Rage bringen konnte. Für den Berater ist die Verpackung ALLES!? Wermuth wird gelobt, weil er auf die Argumente NICHT eingegangen ist, weil er vor allem mit dem Moderator, anstatt mit dem Gegner geredet habe. Dann folgt die fragwürdigste Erkenntnis: Wermuth habe gepunktet, weil er den Gegner  mit spöttischen Einwürfen abgekanzelt habe.
Für den PR Berater ist Wermuth  ein RIESIGES POLITISCHES TALENT!!!!!
Ich vertrete eine völlig andere Meinung.

Quelle TAGI (Zur Ueberprüfung der Beurteilung):


Wie man das Volk verführt

Der Erfolg von Politikern verdankt sich meist der richtigen Rhetorik. Aber was ist gute Rhetorik? Und wer ist der beste Schweizer Redner und Debattierer?

 Cédric Wermuth
Das Jungtalent setzt sich über die Spielregeln nicht nur der gegnerischen, sondern auch der eigenen Partei hinweg und beherrscht das Spiel mit der Provokation.
   

Vergangene Woche kreuzten SP-Jungspund Cédric Wermuth und «Weltwoche»-Verleger auf Tele Züri die Klingen, ein Wortgefecht, aus dem viele Wermuth als rhetorischen Sieger hervorgehen sahen. Bezüglich medialer Aufmerksamkeit war er das mit Sicherheit. Alle redeten über den Chef der Jungsozialisten, und vergangenen Sonntag wurde er mit einem Auftritt bei Viktor Giacobbo geehrt. Aber hat Wermuth tatsächlich den rhetorischen Sieg davongetragen? Hatte er wirklich so viel bessere Argumente als Köppel? Und was heisst eigentlich in diesem Zusammenhang rhetorisch?


Alles ist Rhetorik




Die Beherrschung der Argumentation mache lediglich 25 Prozent der Wirkung aus, sagt Rhetorikfachmann Klaus J. Stöhlker. So ging es denn beim Rededuell nicht in erster Linie um sachliche Argumente sondern darum, wer seine Botschaft vermitteln konnte. Wermuth punktete mit ruhig vorgebrachter Anti-Abzocker-Rhetorik. Köppel verlor, weil er versuchte, dagegen anzureden und wütend wurde. Es geht also um die Form, den Eindruck, den man hinterlässt. Tatsächlich kann ein und dieselbe Botschaft, vermittelt durch verschiedene Akteure, völlig unterschiedlich ankommen. Verpackung ist alles – besonders heute, da Politik vornehmlich medial vermittelt wird. Von der knackigen Formulierung der eigenen Ideen, Thesen und Positionen über ihre Präsentation bis zu Äusserlichkeiten wie Kleidung und Stil muss alles sitzen. All dies zusammen bestimmt darüber, wie man auf andere wirkt und in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.
Beim Duell Köppel/Wermuth konnte Wermuth punkten, weil er sich nicht den Spielregeln von Alphatier Köppel unterwarf und diesen so in Rage brachte. Rhetorisch geschickt wiederholte Wermuth seine Kernbotschaft, wandte sich beim Reden vor allem an Moderator Gilli, ging auf Köppels Gegenargumente kaum ein, sondern kanzelte ihn höchstens mit spöttischen Einwürfen ab. Wermuths Qualitäten, so Stöhlker, zeigten sich aber vor allem auch im grösseren politischen Zusammenhang. Laut Stöhlker kommt er auch deshalb so gut an, weil er Frische in das erstickende SP-Parteiklima bringe. Wermuth habe sich als Kämpfer mit einem guten Gespür für die richtige Story erwiesen. «Ein riesiges politisches Talent.»






Verpackung statt Inhalt






Dass es in der Politik nicht so wichtig ist, was man sagt, sondern vor allem, wie man es sagt, wussten schon die alten Griechen. Und so erfanden sie zum Staatswesen auch gleich noch die Rhetorik, welche zur politischen Meinungsbildung und vor allem dazu dienen sollte, die andern von der eigenen Meinung zu überzeugen. Die Kunst der Beredsamkeit hat seither nicht an Bedeutung verloren – im Gegenteil. In der Informationsgesellschaft entscheiden nach wie vor die rhetorischen Fähigkeiten darüber, ob ein Politiker es weit bringt oder im Mittelmass versumpft. Schliesslich geht es in der Politik ja nicht in erster Linie darum, was man sagt, sondern vor allem, wie man es sagt.
Rhetorik und Ausstrahlung sind heute auch deshalb so wichtig, weil Politik vornehmlich medial vermittelt wird und die Medien heute weder Zeit noch Raum bieten, komplexe Sachverhalte auszuführen. Es geht also vor allem darum, zu überzeugen, gut rüberzukommen, das richtige Gefühl zu vermitteln. Studien hätten ergeben, so Stöhlker, dass Zuschauer nach einer Fernsehdebatte kaum mehr wüssten, wer was gesagt habe. Sie könnten nur noch darüber Auskunft geben, wer besser auf sie gewirkt habe. Ausstrahlung ist alles, wobei sich Politiker darüber klar sein müssten, was sie verkörpern wollten, und dann alles daran setzen, das auch so rüberzubringen.




Mut zum Ego




Daher auch die Tendenz zur Personifizierung der Politik auf einzelne Köpfe. «Mut zum Ich», sagt Stöhlker, «hängt eng mit Rhetorik zusammen.» Denn in einer Zeit, da die Schweiz nicht mehr nur vom Röstigraben, sondern von zahlreichen Rissen durchzogen wird, verlangt das Publikum nach einem starken Ich, das diese Gräben überwinden kann. Die typisch schweizerische Rhetorik sei deshalb auch eine eher bodenständige Rhetorik. Und obschon es auch Ansätze zur grossen, intellektuellen, eleganten Rhetorik gebe, wie sie etwa Kurt Furgler pflegte und woran sich Pascal Couchepin vergeblich versucht habe, sei diese heute im Aussterben begriffen.
Das bedeutet nun aber nicht, dass Redner heute von Sachgeschäften nichts mehr verstehen und nur noch Phrasen dreschen müssen. Im Gegenteil. Nur wer über eine komplexe Materie Bescheid weiss, kann diese auch sinnvoll verkürzen. Wichtiger aber noch ist laut Stöhlker die innere Überzeugung. «Politik ist Mitreissen», sagt der Fachmann. Deshalb seien sich grosse Rhetoriker immer ihres Publikums bewusst, auch wenn sie mit einem Journalisten sprechen, richteten sie sich an die ganze Nation. Und auch Provokationen, wie sie Cédric Wermuth verkörpert, seien ein wichtiges politisches Instrument.
. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)



Kommentar: Für mich ist ein guter Rhetoriker, der bei den Adressaten überzeugt. Einer, der stur seine Behauptungen herunterleiert, nicht zuhören will und  das Gegenüber nur provozieren will und schadenfreudig abzukanzeln versteht, der ist alles andere als glaubwürdig. Ein guter Kommunikator kann übrigens auch seine Argumente  verständlich und glaubwürdig darlegen. Leider ist Beides wichtig: Das WIE und das WAS! Shows werden auch von Laien erkannt. Ein Rhetoriker kann zwar mit Tricks, Kniffs -mit theaterzentriertem Verhalten vorübergehend Punkte holen. Doch habe ich im Alltag immer wieder erlebt: Jene Personen überzeugen, die auch das glauben, was sie sagen. Unabhängig von der politischen Botschaft ist Wermuth eine Paradebeispiel von einer Persönlichkeit, die nicht überzeugt.  Letztlich zählt immer die Marke PERSOENLICHKEIT und nicht die Fähigkeit das Gegenüber fertig zu machen. Ausschlaggebend ist für mich die Ausstrahlung, die Wirkung und die Glaubwürdigkeit. Zuhören können und auf die Argumente des Gegenübers einzugehen ist nach meinem Dafürhalten keine Schwäche. Im Gegenteil! So wie Schlagfertigkeit nichts mit Schlagen oder mit "Fertigmachen" zu tun hat, geht es auch bei  echten Dialogen weder um Duelle noch um Egomanie.  
 
Uebrigens ist es nicht das erste Mal, dass uns Stöhlkers Ratschläge sauer aufgestossen sind.
2003 kommentierte ich in rheotrik.ch seine Tips


Ich zitiere aus meiner Analyse:

Es wurde in der Filmsequenz zudem erwähnt, dass der mediengewandte Berater in seinen Büchern fragwürdige Anregungen gegeben hatte, die gegen die Menschenwürde verstossen. Deshalb sei er aus dem Verband der schweizerischen PR Gesellschaft ausgeschlossen worden. Dies erklärte Mireille E. Saucy von der Public Relations Gesellschaft. Stöhlker soll früher Tips gegeben haben, die mit den Standesregeln der Schweizerischen PR Berater unvereinbar sind. So schrieb beispielsweise in einem seinen Bücher, dem "Wahlkampf von A bis Z in den 80 er Jahren":




"Darum vielleicht auch der Rat, Behinderte und Alte vor den Karren des Wahlkampfes zu spannen."


Vor zwei Jahren empfahl er in einem Serviceclub, in dem es um "die 48 Gesetze der Macht" ging, Tips die alles andere als dialogisch sind:

:

  • Lernen Sie Menschen von sich abhängig zu machen.
  • Geben Sie sich wie ein Freund - agieren Sie wie ein Spion.
  • Mimen Sie den Trottel, um die Aufmerksamkeit von Trotteln zu erringen.
  • Vernichten Sie ihren Feind.


Stöhlker wies im Interview darauf hin, das diese Zitate nicht von ihm, sondern von Reinhard Selten seien. Wir wiesen schon beim Borerskandal darauf hin, dass sich Botschafter Borer gemäss NZZ (17.3.89) ebenfalls von Klaus Stöhlker beraten liess. Stöhlkers Rat lautete damals:



"Liegt jedoch ein schwerer Angriff vor, ist diese Ursache entweder abzustreiten, auch dann wenn sie gegeben ist, oder kurz und sofort zu erwidern."


Nachdem sich Borer am Anfang seiner Krisensituation entsprechend diesem Rat verhalten hatte, fragten wir uns im damaligen Beitrag, ob er sich möglicherweise bei der ersten ungeschickten Antwort an den fragwürdigen Rat Stöhlkers erinnert haben mag?

**********

Was sich leider erst nach der Sendung bestätigt hatte: Das angebliche Zitat von Reinhard Selten ist unauffindbar. Stöhlker gelang es - dank einer  Behauptung, die vor Ort nicht überprüft werden konnte - den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.


EINIGE  KOMMENTARE ZU WERMUTHS TALENT:


Hans Lips

15:44 Uhr
Wermuth ist ein Rüppel, der anderen ins Wort fällt und andere sind eben anständig:Ein weiteres linkes Merkmal linker Debattierer ist der häufige Gebrauch ihrer Extremitäten, mit denen sie andern vor dem Gesicht herumschwadern.


Ivan Casale

15:33 Uhr
Ich will keinen Rhetoriker als Politiker. Wir haben ein Milizsystem. Ich wähle keinen staatsgefütterten Rhetoriker. Er soll das Bewährte verwahren und Gutes und Neues bringen - nicht mehr nicht weniger. Die Medien sollten mehr in ihre eigenen Fähigkeiten stecken als diese sich bei Politikern herbeizusehnen.

robert mueller

15:04 Uhr
Sie schreiben, Herr Wermuth sei für seine Rhetorik mit einem Auftritt bei Giacobbo/Müller " geehrt " worden. Diese sogenannte Ehre ist doch eher fragwürdig und hat keinen Stellenwert....

Albert Stachel

15:04 Uhr
Für mich ist Roger Köppel der beste Rhetoriker, auch wenn ich seine politische Standpunkte nicht vertrete. Noch nie habe ich von ihm eine schlechte Argumentation zu Ohren bekommen.


Stefan Bosshard

14:48 Uhr
Es ist leider tatsächlich so, dass es wichtiger ist, wie man etwas sagt als was man sagt. Denn wäre der Inhalt einer Botschaft das entscheidende Kriterium, würde Herr Wermuth am Schluss der Rangliste landen. Bei ihm habe ich immer den Eindruck, dass er viel redet ohne dabei etwas zu sagen.

Selbstverständlich gab es auch Echos, die Stöhlkers Meinung bestätigten.



Der erste Schnee (bis 600 Meter)!


Hallo Winter!: Schnee bis auf 600 Meter 


Im Zürcher Oberland hat es bis auf 450 Meter hat es am Dienstag hinuntergeschneit. Auf den Autobahnen kam es zu Behinderungen.



teaser image  Nass und kalt: In der Schweiz fiel in gewissen Regionen Schnee bis in tiefe Lagen.


Photo: TAGI

Bundesräte als Statisten


Wenn Bundesräte die Bühne suchen, statt zu regieren, dürfen wir Fragezeichen setzen.  Wenn jedoch Moritz Leuenberger nach seinem Rücktritt einen Bühnenauftritt sucht , ist  nichts einzuwenden. Das ist seine Sache.  Es kann auch nachvollzogen werden, dass ein ehemaliger Bundesrat  - hinsichtlich öffentlicher Auftritte -Entzugserscheinungen hat.


Ich zitiere 20 Min:






Bei der Premiere der Oper «Wilhelm Tell» im Zürcher Opernhaus spazierte alt Bundesrat Leuenberger über die Bühne. Der überraschende Auftritt wird unterschiedlich beurteilt.


Erstaunt verfolgte das Publikum letzten Samstagabend das Geschehen auf der Bühne des Opernhauses Zürich. Während der Ouvertüre zu Rossinis «Wilhelm Tell» hatte Moritz Leuenberger einen Auftritt als Statist: Er schob ein Militärvelo über die Bühne und setzte sich dann auf eine Bank, wie das Schweizer Online-Opernmagazin «Im Scheinwerfer» schreibt. Dieser Gastauftritt kam nicht bei allen Besuchern gut an, wie die Gesellschaftsreporterin Hildegard Schwaninger gestern im «Tages-Anzeiger» vermeldete. Sie berichtet von empörten Pausengesprächen des Publikums, «das traditionsgemäss ja eher aus Vermögenden und Schönen als aus SP-Wählern ­besteht». Der Auftritt des alt Bundesrates, der an Fluglärm und andere Ärgernisse erinnere, habe die Ouverture gehörig vermasselt....


Ende Zitat



Kommentar: Ich habe den Auftritt nicht gesehen. Leuenberger Wilhelm Tell und ein Miliärvelo haben nicht viel gemeinsam.
Ich gehe davon aus, dass der Regisseur die Irritation beabsichtigt hatte. Vielleicht wollte er den Bezug Leuenberger - Militär - Wilhelm Tell als Anregung zum Reflektieren einstreuen.
Ich verzichte auf eine Interpretation des irritierenden Einschubes auf der Opernbühne. Dies überlasse ich den Lesern.


Montag, 15. November 2010

Unfreiwillige Propaganda für die Ausschaffungsinitiative


Folgender Vorfall am Wochenende ist Wasser auf die Mühle der Befürworter der Ausschaffungsinitiative. Die Diskussionen an Gewerbeschulen in der Staatskunde (Aussage zahlreicher Lehrkräfte) zeigen vor der Abstimmung, dass die Jugendlichen eindeutig für die Ausschaffung  krimineller Ausländer sind. Viele haben persönlich  brutale Szenen erlebt (vor allem im Ausgang).


Ich zitiere BLICK:



Messer-Stecherei in Zürich: Jugendlicher schwer verletzt
Messer-­ Stecherei in Zürich Jugendlicher schwer verletzt

Der 17-Jährige ist heute Morgen früh in Zürich-Oerlikon niedergestochen worden. Die Polizei nahm vier junge Männer aus Albanien, Bosnien und Serbien fest.



Ein zweiter Fall:



Weil eine alte Frau ihn rügte, rastete ein 17-jähriger Kosovare komplett aus: Er warf die 83-Jährige zu Boden und deckte sie brutal mit Fusstritten ein. 

storybild

Der Verkäufer vom anliegenden Optikergeschäft zeigt den Tatort. (Bild: ras)
Die hässliche Szene spielte sich am letzten Freitag am Zuger Bundesplatz ab: Die Rentnerin wartete am Fussgängerstreifen, als der Jugendliche trotz Rotlicht die Strasse überquerte. Weil es ihm ein kleines Kind nachmachte, rügte ihn die alte Frau auf der anderen Strassenseite. Da tickte der Kosovare aus. Er begann laut zu schreien und stiess sie zu Boden. Doch damit nicht genug: Der Teenager traktierte die 83-Jährige mehrmals brutal mit Fusstritten, wie die «Neue Zuger Zeitung» berichtete.
L. O.* vom anliegenden Optikergeschäft und ein Ladendetektiv* von Coop City hörten das Geschrei auf dem Bundesplatz und rannten zum Tatort. Der 17-Jährige stand immer noch beim Kebap-Laden gleich nebenan. «Er gestikulierte mit den Fäusten und hatte einen total verstörten Blick», so der Ladendetektiv. Als sie auf ihn zu rannten, ergriff der junge Mann die Flucht Richtung See. Neben einer Baustelle habe er angehalten. «Ich habe dann meinen Pfefferspray benützt und ihn am Boden festgehalten.» Eine Minute später war die Polizei da. Der Jugendliche, der offenbar geistig zurückgeblieben ist, wurde vorübergehend festgenommen.
Das Opfer wurde mit Verdacht auf Rippenverletzungen ins Spital gebracht. Mittler­weile ist die Rentnerin wieder zuhause. «Es geht ihr aber körperlich und psychisch nicht gut», so Marcel Schlatter von der Zuger Polizei.




Otto Inneichen wollte Jugendlichen helfen, doch....




Nationalrat und Unternehmer Otto Ineichen mit Küchenschürze und Handy am Werk


Heute ist er schwer enttäuscht, weil viele gar nicht arbeiten wollen.

Sie wollen nur ihren Traumberuf, wollen sich die Hände nicht schmutzig machen und geniessen die Unterstützung des Staates. Wer keine Leistungsbereitschaft zeigt, soll deshalb von Staat nicht so leicht Geld bekommen!


Ich zitiere aus 20 Min:



Vier von zehn Jugendlichen, die keine Lehrstelle finden, wollen sich nicht wirklich helfen lassen.


Das ist das ernüchternde Fazit von Otto Ineichens Stiftung Speranza.


Das Problem sei nicht der Lehrstellenmangel – sondern die Einstellung vieler Jugendlicher, sagt Ineichen gegenüber der Zeitung «Der Sonntag».


«Ich habe resigniert», räumt der 69-jährige Unternehmer ein, als er von seiner Organisation Speranza erzählt, mit der er sich mit viel Herzblut gegen Jugendarbeitslosigkeit engagiert.


Ineichen ist vier Jahre nach der Gründung von Speranza desillusioniert, denn viele Jugendliche seien gar nicht bereit, sich helfen zu lassen: «Die Unternehmer machen mit, wenn wir ihnen garantieren können, dass die Jugendlichen wollen. Doch rund 20 Prozent sind uns abgesprungen, weil sie enttäuscht wurden.» Bis ins Jahr 2011, so das Ziel von Speranza, soll kein Jugendlicher nach dem Schulabschluss mehr ohne Anschlusslösung sein.



Ineichens Erfahrungen sind ernüchternd


Mit enormem Engagement hat Ineichen für diese gute Sache geweibelt – in der Wirtschaft, in der Politik, bei den Medien. Doch seine Erfahrungen sind ernüchternd: Vier von zehn Jugendlichen, die mit Speranza in Kontakt kommen, lassen sich nicht integrieren. Wer zu Speranza kommt, hat oft mehrere missglückte Versuche hinter sich, in der Arbeitswelt Fuss zu fassen. Die Organisation ist für viele so etwas wie eine letzte Chance. Umso weniger kann es Ineichen verstehen, wenn Jugendliche diese Chance nicht packen. Mitleid hat er mit ihnen nicht: «Wer nach all diesen Integrationsprojekten immer noch ohne Lehrstelle dasteht, ist ganz einfach selber schuld», sagt er.


Das Problem sind nicht die fehlenden Lehrstellen. Davon gibt es wieder genug, das zeigen die Zahlen des Lehrstellenbarometers des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie (BBT): Ende August waren in der ganzen Schweiz noch immer 7000 Lehrstellen nicht besetzt, 2000 mehr als im letzten Jahr. Mehr als zwei Drittel der Stellen blieben offen, weil die Bewerber für die Stellen ungeeignet gewesen seien. Ineichen macht bei Speranza ähnliche Erfahrungen: «Es gibt sehr viele Unternehmer, die bereit sind, Jugendliche aufzunehmen.»

Die Jugendlichen wollen sich die Hände nicht schmutzig machen.

Bei den meisten, die sich nicht integrieren lassen, fehle es schlicht am Willen – und nicht am Können. «Die Jugendlichen wollen sich die Hände nicht schmutzig machen. Viele wollen nur den Wunschberuf und sonst nichts», stellt Ineichen fest.




Laut Otto Ineichen werden die unmotivierten Jugendlichen zu sanft angefasst. «Sie erhalten ohne Probleme weiterhin ihr Geld. Viele bekommen dann Probleme mit den Eltern, die Gemeinde besorgt ihnen eine Wohnung und bezahlt sie. Sie sind dann frei, können machen, was sie wollen, sich tagsüber mit Gleichgesinnten treffen, ein süsses Leben führen.» Deshalb fordert Ineichen: «Wer keine Leistungsbereitschaft zeigt, der soll vom Staat auch kein Geld mehr ausbezahlt bekommen.»

Kommentar: Tatsächlich hatte ich in Weiterbildungsveranstaltungen von KMU immer wieder gehört, dass viele Schulabgänger (selbst während der Zeit der grossen Arbeitslosigkeit) nicht bereit waren, eine Stelle zu akzeptieren, bei denen man die Hände schmutzig machen musste (Bauberufe, Metzger, Schreiner, Kaminfeger, z. Bsp. bei Handwerkerberufen, bei denen man früh aufstehen muss). Es gab dort ständig freie Stellen. Nach dem Motto: Lieber arbeitslos und sich unterstützen lassen als etwas tun, das nicht dem Wunschberuf entspricht.

Samstag, 13. November 2010

Föhn bringt Licht - Sonne und eine wohlige Stimmung



Die neblichen Novembertage stehen uns bald bevor



August Hofer. 1899 Achthal/Obb. - 1981 Augsburg.

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August Hofer. 1899 Achthal/Obb. - 1981 Augsburg.
Föhnstimmung

Schneider Ammanns Berater bieten nur schriftliches Exklusivinterview an

Berater raten den Klienten in der Regel, aktiv zu kommunizieren. 

Die sonderbare Strategie mit dem bewussten Verzicht auf mündliche Interviews ist fragwürdig. Denn sie suggeriert: Der Klient könnte versagen.

 Quelle TAGI:

 

Dass Bundesräte von sich aus auf die Medien zugehen, wenn sie ein Interview geben wollen, ist nichts Aussergewöhnliches. Dass sie wie Johann Schneider-Ammann die Regeln diktieren, aber schon

storybild

Bietet sich an - aber nur schriftlich: Bundesrat Johann Schneider-Ammann. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Erstmals hat sich Bundesrat Johann Schneider-Ammann in einem Interview zur Ausschaffungsinitiative der SVP geäussert.  Ob die Antworten des schriftlich geführten Interviews der «Berner Zeitung» wirklich aus der Feder Schneider-Ammanns stammen, ist jedoch fraglich. Ein Bericht der «Basler Zeitung» lässt den Schluss zu, dass sie von Schneider-Ammanns PR-Abteilung beantwortet wurden.
So zumindest wäre es gelaufen, wenn die «Basler Zeitung» auf ein Angebot aus dem Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement (EVD) eingestiegen wäre, vermutet die Zeitung. Gemäss Bericht habe sich das EVD Anfang Woche auf die Suche nach einer Tageszeitung gemacht, welche ein exklusives Interview mit Schneider-Ammann zur Steuergerechtigkeitsinitiative führen sollte.
Dass Bundesratsinterviews nicht immer auf Wunsch der Journalisten, sondern auch dann zustande kommen, wenn Bundesräte gerne eine Botschaft platzieren wollen, ist ein offenes Geheimnis. Besonders ist am vorliegenden Fall aber, dass Schneider-Ammann die Kriterien für das Interview diktieren wollte. Da der Departementschef zu beschäftigt für ein Interviewtermin sei, müsse das Interview schriftlich geführt werden, habe es aus dem EVD geheissen.


«Basler Zeitung» verzichtete auf Interview


Die «Basler Zeitung» verzichtete auf das Angebot. «Wir wären bereit gewesen, mit Schneider-Ammann ein mündliches Interview zu führen», erklärt der stellvertretende Chefredaktor Urs Buess auf Anfrage. Uns leuchtete nicht ein, weshalb jemand Zeit haben sollte, ein Interview schriftlich zu beantworten, wenn er keine 20 Minuten Zeit hat für ein Treffen.
EVD-Informationschef Christophe Hans versteht die Aufregung nicht. Schneider-Ammann habe Justizministerin Simonetta Sommaruga und Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf zugesichert, sich für die beiden Abstimmungen vom 28. November zu engagieren. Dies, weil beide Vorlagen wirtschaftspolitische Aspekte beträfen und ihm wichtig seien. «Da die Agenda stark belastet und die Zeit knapp ist und mehrere Anfragen von Medien eingegangen waren, hat Bundesrat Johann Schneider-Ammann entschieden, zwei schriftliche Interviews zu geben - eines zur Ausschaffungs- und eines zur Steuergerechtigkeitsinitiative und that's it», sagt Hans zu 20 Minuten Online.


Weiteres Interview noch diese Woche



Das Interview zur Ausschaffungsinitiative hat die «Berner Zeitung» publiziert. Wer das Interview zur Steuergerechtigkeitsinitiative drucken wird, wollte Hans nicht sagen. Es werde aber noch in dieser Woche erscheinen. Den Vorwurf, dass der FDP-Bundesrat im Abstimmungskampf im Interesse der Wirtschaftsverbände handelt, wollte der Departementssprecher nicht gelten lassen: «Bundesrat Schneider-Ammann vertritt aus voller Überzeugung die Meinung des Bundesrats. Bundesräte äussern sich im Vorfeld von Abstimmungen oft zu Vorlagen ihrer Kollegen.»
Die Interviewpraxis Schneider-Ammanns löst in zahlreichen Redaktionen Irritationen aus. David Sieber, Chefredaktor der «Südostschweiz», sagt beispielsweise, es sei nichts Aussergewöhnliches, wenn Bundesräte einer Zeitung ein Interview anböten. Wenn jemand aber die Konditionen diktieren wolle, sei das sonderbar. «Wir stimmen Interviews mit Bundesräten zu, wenn diese eine Botschaft verbreiten wollen. Gleichzeitig müssen sie aber auch bereit sein, über Themen zu sprechen, die wir setzen», so Sieber.


Schneider-Ammanns PR-Stelle


«Nie und nimmer würden wir uns auf solche Bedingungen einlassen», sagt Iwan Städler, Inlandchef des «Tages-Anzeigers», auf Anfrage. Damit würden die Leser irregeführt. «Denn jeder Journalist weiss genau, dass bei einem schriftlichen Interview die Antworten nicht von Schneider-Ammann, sondern von seiner PR-Stelle beantwortet und vom Bundesrat nur noch abgenickt werden.» Zwar gebe es Situationen, in denen ein schriftliches Interview unumgänglich sei, beispielsweise wenn sich ein Bundesrat gegen schwere Vorwürfe verteidige, aber keine Zeit für ein mündliches Gespräch finde. «Hier war das aber eindeutig nicht der Fall», sagt Städler.


«Berner Zeitung» hatte keine Bedenken


Keine Bedenken zum Abdrucken des Interviews mit Schneider-Ammann zur Ausschaffungsinitiative hatte die «Berner Zeitung». Der zuständige Redaktor sagt auf Anfrage, er habe ursprünglich ein Interview mit Sommaruga führen wollen: «Weil diese aber erst kurz vor dem Abstimmungstag Zeit gehabt hätte, bot Sommarugas Medienstelle als Ersatz ein Interview mit dem EVD-Chef an.» Bei diesem seien im Übrigen auch zwei, drei schriftliche Nachfragen möglich gewesen.



FAZIT: Dass sich ein Bundesrat  von Experten beraten lässt, ist im Medienzeitalter eine Selbstverständlichkeit. Doch geht es bei Medienkommunikationsprozesse auch um die Wirkung der  Kommunikations- Strategie. Bei Schneider Ammann wurde die Strategie im TAGI entlarvt. Ich bin sicher, dass ihm der Verzicht auf mündliche Interviews mehr geschadet hat, als wenn er - gut vorbereitet und professionell gebrieft- mündlich geantwortet hätte.