Donnerstag, 8. Mai 2008

Chinesen erzwangen den Erfolg.

Mit enormem Polizei- und Militäreinsatz zelebriert China in den Medien einen Fackellauf ohne Demonstrationen

blick-online:

Chinas «Raketen-Fackel» auf dem Everest
08.05.2008

Chinas «Raketen-Fackel» auf dem Everest

Für die Chinesen ist es ein Triumph, für die Tibeter eine Schmach: Das Olympische Feuer hat den Gipfel des Mount Everest erreicht. Getragen ausgerechnet von einer Tibeterin

Tagi-online:

everest

Olympische Flamme auf dem Mount Everest

Das chinesische TV zeigte Bilder, wie Bergsteiger die Flamme in einer Laterne zur Spitze des höchsten Berges der Welt brachten, wo dann die olympische Fackel entzündet wurde.

Kommentar: China jubelt. Endlich wieder zensierte, saubere Bilder. Jetzt entspricht die Meinungseinheit den Machthabern: Sie haben endlich wieder die Medien im Griff! Einheitsbrei statt Meinungsfreiheit.

Mittwoch, 7. Mai 2008

Muss an ein Wunder glauben: Hillary Clinton

Quelle ZEIT.de:

US-Vorwahlen

Wer glaubt noch an ein Wunder?

Antwort: Nur Hillary

Bild online findet:

„Hillary, jetzt reicht es aber!“

n-tv-online:

Clinton vor dem Aus: Rückzug hat begonnen

Clinton vor dem Aus

Rückzug hat begonnen

Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten ist Anfang Juni entschieden, sagt der Wahlkampfmanager von Hillary Clinton. Wenn die Ex-First-Lady bis dahin keine Mehrheit habe, werde sie sich hinter Barack Obama stellen. "Die Luft ist komplett raus", beschreibt ein Demokrat die Stimmung unter den Clinton-Unterstützern.

Kommentar: Ich würde mich nicht wundern, wenn Obama sich der verbissenen Kämpferin noch einen Job inder Regierung zusichert. Hillary wird sich gewiss Obama noch grosszügig als Vizepräsidentin anbieten, als hätte sie gewonnen. Ich gehe davon aus, dass bei einem Sieg Hillarys das Entgegenkommen an einem kleinen Ort gewesen wäre.

Vischer-Hämmerli- Fehr - Cavalli Palästina Reisli:

Provokation oder Rache?

Im 10 vor 10 vom 6. Mai waren jene Parlamentarier zu sehen, die am Geburtstag Israels angeblich privat zu den Palästinenser gereist sind. Das ROT-GRUENE Team (Vischer, Fehr, Hämmerli und Cavalli) inszenierten diese Demonstration gegen Israel vor den Medien. Somit hat diese Aktion nicht mehr nur einen privaten Charakter.

Privatreise nach Palästina?

Am 14. Mai feiert der Staat Israel seinen 60. Geburtstag. Gerade jetzt reisen eine Gruppe von Schweizer Parlamentariern und Professoren nach Palästina. Israel besuchen sie nicht. Israel zu ignorieren, sei gerade jetzt eine unsinnige Provokation, sagen Kritiker.

Ich finde: Wenn Parlamentarier öffentlich eine derartige Provokation inszenieren, so hat dies einen Aussagecharakter und kann nicht mehr nur mit dem Hinweis - es handle sich ja lediglich um eine private Reise - abgetan werden.

Das Team wollte sicherlich mit dieser einseitigen Geste etwas bewirken. War es eine Solidaritätskundgebung für Micheline Calmy-Reys Nichteinladung (Geburtstagsfeier in Israel)? Oder war es mir eine unbedachte Handlung? Oder doch eine bewusste Provokation an die Adresse Israels?

Uebrigens: Ich wollte heute morgen den Beitrag im Archiv SF 10 vor 10 überprüfen - Eigenartig: Wie bei der Calmy-Rey Kritik des französischen Staatspräsidenten war der Beitrag nicht mehr verfügbar. Immerhin einige Stunden später konnte ich die Sequenz doch noch visionieren.

Andreas Hämmerli behauptete im Radio Grischa- nachdem die Reise zu den Palästinensern ausgerechnet mit der Geburtstagsfeier Israels zusammentraf - als reiner Zufall. Mich erinnert diese unglaubwürdige Aussage an jene Antworten der SP im Zusammenhang mit den Absprachen mit Eveline Widmer-Schlumpf. Wer so treuherzig tut, als habe ein Nationalrat von der Geschichte Calmy- Reys gar nichts mitbekommen, nimmt Medienkonsumenten nicht ernst. Hämmerli muss sich nicht wundern, wenn seine zwielichtigen Aussagen über die Vorgespräche mit der Bundesratskandidatin Widmer- Schlumpf nachträglich noch kritischer beurteilt werden. Hämmerli schliesst übrigens nicht aus, sich mit den radikalen Hamas zu treffen. Super!

Aus wiko.de:

Jetzt ist alles klar!

Calmy-Rey hat noch einen Freund

Daniel Vischer, der Grüne aus Zürich, Vorsitzender der Gesellschaft Schweiz-Palästina, hält fest zu Micheline Calmy-Rey. «Es ist penibel, wenn Calmy-Rey die völkerrechtliche Situation darlegt und nun dafür gerügt wird.» Daniel Vischer ist mit dem Ausgang der Dinge mehr als zufrieden. Für ihn stellt sich die Frage, «ob es nicht besser ist, wenn kein Bundesrat an dieser Konferenz teilnimmt – gerade auf...

Dienstag, 6. Mai 2008

Zyklon "Nargis":

In Krisensituationen hat Kommunikation Priorität

Fehlende Kommunikation erschwert Hilfe

Illustration n-tv:

Birma nach dem Zyklon: Bis zu 100.000 Tote

15.000 Tote, Hunderttausende sind obdachlos

– so die verheerende Bilanz des Zyklons. Westliche Regierungen mahnen Birma nun, die internationale Hilfe nicht zu behindern.

Das Ausmaß des verheerenden Zyklons in Birma wird immer deutlicher. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Dienstag unter Berufung auf birmanische Regierungsquellen von mindestens 15.000 Toten.

Zyklon «Nargis» hat in Birma wahrscheinlich mehr als 15.000 Menschen in den Tod gerissen. Das sagte der Informationsminister Birmas Kyaw Hsan am Dienstag vor der Presse in der schwer beschädigten Hafenstadt Rangun. 14.911 Tote seien bereits gemeldet worden, und 2500 Menschen würden noch vermisst.

Allein in Bugalay im Irrawaddy-Delta kamen nach seinen Angaben 10.000 Menschen ums Leben, in Laputta 1000 Menschen und auf den beiden Inseln Haing Kyi und Mawlamyaing vor der Südküste knapp 3000. In Rangun seien mindestens 59 Menschen getötet worden.

Hunderttausende Menschen sind obdachlos.

Nargis war am Samstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 190 Kilometern pro Stunde und mit einer mehr als drei Meter hohen Flutwelle über das verarmte Land hinweggefegt. Im Delta des Irrawaddy-Flusses wurden zahllose Dörfer überschwemmt. Uralte Bäume wurden von der Wucht der Orkanböen aus dem Boden gerissen und versperrten Straßen. Hunderttausende Menschen wurden obdachlos.

Augenzeugen berichteten von verheerenden Zuständen. Manche Dörfer seien dem Erdboden gleichgemacht. In anderen hätten kaum zehn Prozent der Bevölkerung überlebt. Die Reisernte, die in den nächsten Wochen eingefahren werden sollte, dürfte zerstört sein - eine Hiobsbotschaft für die Bevölkerung in dem bitterarmen Land.

Die Regierung, die das Land seit Jahrzehnten abschottet und nur wenigen Ausländern Zugang erteilt, hat inzwischen UN-Hilfe akzeptiert.

«Wir werden umgehend die am dringendsten benötigte humanitäre Unterstützung liefern», sagte der Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki Moon.

«Wegen fehlender Kommunikation und Informationen sind wir noch nicht ganz sicher über das Ausmaß der Schäden und die Zahl der Toten.»

Kommentar: Es zeigt sich nun, dass sich die Abschottung rächt. Kommunikationskanäle fehlen.

Journalisten sind nicht vor Ort.

Erstaunlich, wie lange sich die Armee ziert, sich helfen zu lassen, obschon sie völlig überfordert ist.

Nachtrag Spiegel - online 7.5.08:

ZYKLON "NARGIS"

Mehr als 100.000 Tote in Burma befürchtet

AFP

Die Opfer-Zahlen werden immer unfassbarer, die Not der Überlebenden ist groß: US-Diplomaten befürchten, dass mehr als 100.000 Menschen durch den Wirbelsturm "Nargis" ihr Leben verloren haben. Im verwüsteten Irrawaddy-Delta stürmen Hungernde die inzwischen wieder geöffneten Läden.

Montag, 5. Mai 2008

Medienpräsenz der SVP wirkt sich positiv aus

Wer es schafft, von sich reden zu machen, hat es geschafft. Erstaunlich, auch negative Schlagzeiten können eine Wählerbindung fördern.

nzz online:

SVP auf allen Kanälen

Die Querelen um Eveline Widmer-Schlumpf bringen eine starke Medienpräsenz

Toolbox

Die Querelen innerhalb der SVP um den Ausschluss von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf bringen der Partei vor allem eines: Eine hohe Medienpräsenz.

Stichproben belegen, dass die SVP im letzten Monat in dieser Beziehung alle anderen Bundesratsparteien hinter sich liess. Am 2. April veröffentlichte die Partei ihre Mitteilung, in der sie ihr Ausschluss-Szenario darlegte und damit sowohl Widmer-Schlumpf wie auch die SVP Graubünden unter Druck setzte.

Das bescherte der Partei eine (noch) stärkere Beachtung in den redaktionellen Teilen von Zeitungen, Wochenzeitungen und Zeitschriften.

Wie ein Blick in die Schweizer Mediendatenbank (SMD) zeigt, wurde der Begriff «SVP» ab dem 3. April bis zum 5. Mai in Schweizer Printpublikationen insgesamt 6111 mal gedruckt. Dazu gehören nicht ausschliesslich Texte zum laufenden Ausschlussverfahren, sondern auch Berichte über Aktivitäten der Partei in den Kantonen. Auf dem zweiten Platz folgt die SP mit 4244 Nennungen im gleichen Zeitraum, vor der FDP (3147) und der CVP (2602).

Blocher bleibt wichtig

Interessant ist auch ein Blick auf die Exponenten der Parteien. Parteipräsident Toni Brunner bringt es im letzten Monat auf 414 Erwähnungen, die Ausgestossene, Eveline Widmer-Schlumpf, auf 1684 Nennungen. Wie wichtig alt Bundesrat Christoph Blocher für die Partei nach wie vor ist, zeigt die Zahl von 1095 Treffern.

Vergleichsweise bescheiden ist dagegen die Präsenz der Parteipräsidenten von SP, CVP und FDP. Der Name Christian Levrat (sp.) wurde in der SMD 134 Mal gefunden, Christophe Darbellay (cvp.) brachte es auf 179 Nennungen und der Name des FDP-Präsidenten Fulvio Pelli war 146 Mal zu lesen.

Auch bei einem Blick in die Agenturen oder in einzelne Zeitungstitel schwingt die SVP deutlich obenaus. Das gilt selbstredend für die «Südostschweiz» und die «Berner Zeitung», die in Kantonen erscheinen, deren SVP-Sektionen unter verstärkter Beachtung standen. In der «Südostschweiz» brachte es die SVP seit dem 3. April auf 395 Treffer, gefolgt von der SP mit 336 Nennungen. In der «Berner Zeitung» liegt die SVP (395) ebenfalls vor der SP (336).

Geringe Beachtung der Parteiversammlungen

Der Vorsprung der SVP bei der Medienpräsenz ist umso erstaunlicher, als die CVP und die FDP im April noch Delegiertenversammlungen abhielt, was in der Regel im Vorfeld und im Nachgang eine überdurchschnittlich starke Berichterstattung auslöst. Auch eigene Auftritte und Medienmitteilungen verschafften SP, CVP und FDP nicht das erhoffte Gehör.

Wie Untersuchungen der letzten Jahre zeigen, dürfte die SVP aus dieser erdrückenden Präsenz in den Schweizer Medien am Schluss Profit schlagen. Die Partei, die verstärkt auf die Kanäle Gratisanzeiger und Regionalradios setzt, hat es mit der Auseinandersetzung um Bundesrätin Widmer-Schlumpf geschafft, dass ihr auch in den redaktionellen Teilen der arrivierten Publikationen wieder mehr Platz eingeräumt wird. Dass es dabei in erster Linie um Stilfragen und kaum um Sachthemen geht, dürfte letztlich keine Rolle spielen.

Profit aus der Auseinandersetzung

Denn die SVP schlägt in zweierlei Hinsicht Profit aus der anhaltenden Auseinandersetzung.

Die Diskussion um Stilfragen bringt vorab die anderen Parteien in Verlegenheit. Schweigen sie zu den Vorgängen, so setzen sie sich dem Vorwurf aus, das Vorgehen der SVP indirekt zu legitimieren. Kritisieren sie das Vorgehen gegenüber Widmer-Schlumpf und der SVP Graubünden, so verhelfen sie der SVP zu noch mehr öffentlicher Wahrnehmung.

Zweitens hilft die gegenwärtige Medienpräsenz - ungeachtet von Lob oder Kritik - der SVP bei der Mobilisierung ihrer Wählerschaft. Die Partei war ohnehin schon führend bei der Erschliessung ihres Wählerpotenzials. Die laufenden Querelen dürften der SVP helfen, ihre (potenziellen) Wähler noch geschlossener hinter sich zu scharen. Unter dem Eindruck «Alle gegen die SVP» sind diese noch bedingungsloser bereit, den Vorgaben der Parteileitung zu folgen und deren Haltung gegenüber Widmer-Schlumpf mitzutragen.

Kommentar: Das Dilemma wurde in einem Votum von Christine Goll (SP) im gestrigen SonnTalk (Tele Züri) bewusst, als sie sagte: "Mir stinkt es, dauernd nur über die SVP zu reden. Wenden wir uns doch wichtigeren aktuellen Themen zu, wie beispielsweise der Abzockerei der Bosse usw." Im Grunde genommen hatte sie recht und das Problem erkannt.

Doch brachte dieses Verhalten das Dilemma zu Tage: Aeussert sich nämlich Goll als SP Nationalrätin nicht zur Ausschlussfrage der Bundesrätin Widmer Schlumpf, so könnte man der Nationalrätin vorwerfen, sie lasse die angeschossene Bundesrätin im Regen stehen. Auessert sie sich jedoch zur Thematik, so befindet sich die Politikerin in der angesprochenen Themenfalle. Sie verhilft der SVP zwangsläufig zu einer zusätzlichen Medienpräsenz.

Genau das hatte ich Hans Jörg Fehr im letzten Wahlherbst vorgeworfen. Er hatte sich im Feindbild Blocher festgebissen und verpasste es, mit der Partei das eigenständige Themensetting. Sein Hauptthema war der Gegner.

Sonntag, 4. Mai 2008

SVP will rasch handeln

20 Min online:

Kontext:

SVP will Widmer-Schlumpf rasch los werden

Der SVP-Zentralvorstand wird am 17. Mai in Zürich über die Eröffnung eines Ausschliessungsverfahrens gegen die SVP Graubünden entscheiden. Das Verfahren werde rasch vorangetrieben, teilte die Partei heute mit.

Die von der Bündner SVP gedeckte

Widmer-Schlumpf habe ihre Wahl in den Bundesrat nachweisbar mit den politischen Gegnern vorbereitet, um den amtierenden Bundesrat Christoph Blocher aus der Landesregierung zu verdrängen, hält die Partei fest. Damit habe sie ihr persönliches Interesse und das Interesse der politischen Gegner der SVP klar über jenes der eigenen Partei gestellt. Sie habe im weiteren die SVP-Parteispitze hinters Licht geführt mit der Zusicherung, eine allfällige Wahl in den Bundesrat nicht anzunehmen. Auch habe sie die Öffentlichkeit wahrheitswidrig über das Zustandekommen ihrer Kandidatur orientiert.

Da die Statuten der SVP Schweiz es nicht erlaubten, ein einzelnes Mitglied auszuschliessen, müsse nun die Bündner Sektion handeln.

Die auf Ende April gesetzte Frist sei bedauerlicherweise ungenutzt abgelaufen, womit als letztes Mittel die Eröffnung eines Ausschliessungsverfahrens anstehe. Dazu würden der Leitende Ausschuss und der Zentralvorstand am kommenden 17. Mai in Zürich eine ausserordentliche Sitzung abhalten. Falls eine Eröffnung beschlossen werde, würden diese Parteigremien eine zweite Sitzung mit dem Aussschliessungsgeschäft traktandieren. Dieser Termin sei noch offen. Ebenso offen sei, wann die Delegiertenversammlung über eine allfällige Beschwerde gegen einen allfälligen Ausschluss befinden werde.

Illustration news.ch:

Sonntag, 4. Mai 2008 /
Bern - Die SVP Schweiz bleibt hart:

Die SVP kommt unter Zugzwang, denn sie muss verhindern, dass es zu einer Spaltung kommt .

Die Welle - Beeinflussungsphänomene

St Galler Tagblatt:

«Menschen sind zu allem fähig»

Jürgen Vogel spielt im Spielfilm «Die Welle» den Lehrer, dessen Kurs zum Thema Autokratie binnen kürzester Zeit eine gefährliche Eigendynamik annimmt. Ein Gespräch über Verführbarkeit, Rebellion, Nationalismus.

Könnte in Deutschland noch einmal eine Diktatur entstehen?

Jürgen Vogel: Ja, das glaube ich schon. Eine Diktatur ist immer möglich. Es wäre arrogant, das zu bestreiten. Wir Menschen sind zu allem fähig, und Diktaturen existieren heute noch in den verschiedensten Teilen der Welt. Die sogenannten ethnischen Säuberungen und die Massenvergewaltigungen in Ex-Jugoslawien sind ja auch nicht ewig her, und diese Dinge geschahen nicht weit weg von uns. Man muss nicht immer sechzig Jahre zurückschauen. Auch Ruanda hat gezeigt, wozu Menschen in der Lage sind. Und das schliesst uns mit ein.

Das Experiment im Film «Die Welle» bezieht sich nicht explizit auf faschistisches Gedankengut.

Vogel: Ja. Es geht um den Gemeinschaftssinn, der in eine falsche Richtung rutscht, sobald er keine andere Meinung mehr zulässt und sich über Andere hinwegsetzt. Das finde ich auch besser. Mit der alten Nazisymbolik könnte so etwas bei uns wahrscheinlich nicht wieder so schnell passieren. Dafür wissen wir zu viel. Das Experiment hat ja damals in Amerika stattgefunden, wo die Leute über Faschismus fast gar nichts wussten.

Was macht uns heute so anfällig für Demagogie?

Vogel: Wir leben in einer Gesellschaft, in der jeder alles machen kann. Jeder kann sich individualistisch ausdrücken. Alles geht in Ordnung, alles ist richtig. Du kannst im Stil der 70er rumrennen oder Hip-Hopper sein, zur gleichen Zeit findet alles statt. Man hat so viele Freiheiten, dass es einen beinahe schon verängstigen oder unsicher machen kann. Ich bin zwar individualistisch, aber wer bin ich eigentlich und was will ich überhaupt? Man fühlt sich in seiner Freiheit irgendwie einsam. Man hat keinen Raum, in dem man sich zu Hause fühlt und der einem Schutz bietet. Deshalb sind wir generell verführbar, gerade über diesen Gemeinschaftssinn.

Gab es Zeiten in Ihrem Leben, in denen Sie für Ideologien empfänglich waren?

Vogel: Klar, die gibt es doch bei jedem. Ich war damals zwei Jahre lang Schulsprecher. Es war die Zeit des Kalten Krieges und wir haben in unserer Schule eine atomwaffenfreie Zone gebildet. Im Grunde genommen war das ja auch schon eine Ideologie. Leider haben uns die 68er viel weggenommen. Wenn man erlebt, wie Engagement scheitern und sich umkehren kann, desillusioniert einen das ganz schön. Leute, die vorher links orientiert waren, wollen plötzlich Lauschangriffe machen. Die Helden der Jugend, wie Rudi Dutschke, wurden erschossen. Man hatte das Gefühl, das alles hat schon einmal stattgefunden, aber es hat auch nichts genutzt. Und heute sind die 68er oft die grössten Spiesser. Der nachfolgenden Generation wurde so die revolutionäre Energie genommen. Erst bei der Anti-Globalisierungsbewegung, die von ganz jungen Leuten getragen wird, spürte man wieder etwas davon.

Wogegen rebellieren Sie?

Vogel: Gegen Normen oder das, was ich dafür halte. Im Grunde habe ich alles anders gemacht, als man es als Schauspieler normalerweise tut. Nicht, weil ich es so cool fand, sondern weil es mir ein Grundbedürfnis war. Wenn mir jemand gesagt hat, Fernsehen sei gefährlich, wenn man Kinoschauspieler sein möchte, dann war mir das egal. Wenn ich Bock drauf habe, gehe ich in Talkshows oder zu Uri Geller. Ich finde es wichtig, dass man sich nicht beugt. Man kann eine gute Serie machen und einen miesen Kinofilm. Manchmal sieht man es Leuten in Shows an, dass sie sich schämen, da zu sein. Schrecklich! Wenn man dazu steht, was man tut, kann man alles machen. Auch Fehler.

Namhafte Kollegen, Musiker oder Schauspieler, fühlen sich dazu berufen, auch politisch ihre Meinung zu äussern. Mit welchen Gefühlen verfolgen Sie das?

Vogel: Ich finde, dass wir schon Politik machen, indem wir Dinge darstellen. Was ist Politik eigentlich? Ist nicht deine Haltung gegenüber einer Figur schon Politik? Und sollte man sich nicht auf das reduzieren, was man wirklich kann? Es gibt sicherlich Gründe, wenn manche Leute sagen, ich muss jetzt da aussteigen und mal ganz klar was sagen. Ich kann das nicht verurteilen. Man sollte sich aber niemals vor einen parteipolitischen Karren spannen lassen.

Über das Fahnenmeer während der Fussball-WM waren die Deutschen sehr stolz. Wann wird so etwas gefährlich?

Vogel: Die WM fand ich sehr wichtig. Zum ersten Mal seit langer Zeit dachte man in der Welt im Zusammenhang mit Deutschland nicht zuerst an das Dritte Reich. Das war einfach nur gut. Die Leute, die von überall kamen, haben sich gut gefühlt und gefeiert. Das mit der Fahne war wie eine Befreiung. Man muss sich für die Dinge schämen, die im Dritten Reich geschehen sind, aber man muss sich nicht generell schämen, deutsch zu sein. Wenn man eine Fahne schwenkt, dann will man damit ja nicht ausdrücken, besser als Andere zu sein. Man darf das nicht mit völlig falschem Nationalismus verwechseln.

Was kann man gegen diesen falschen Nationalismus tun?

Vogel: Es bringt nichts, gegen etwas zu sein. Man muss für etwas einstehen. Wenn man sich gegen jemanden ausspricht, hört man auf, miteinander zu reden. Man sollte lieber versuchen, herauszufinden, wo das Problem liegt. Woher kommt es, wie kann man es verhindern? Wenn ich sage, ich bin gegen dich, dann ändere ich gar nichts. Das zu glauben, wäre völliger Quatsch. Es sind Jugendliche, Kids, Leute, die desillusioniert sind. Die will ich wieder zurückkriegen und sie nicht bekämpfen oder ihnen sagen, wie Scheisse ich sie finde. Das macht vielleicht unsere Politik, aber das ändert nichts an dem Problem.

Wofür sind Sie?

Vogel: Für eine Perspektive. Man darf nicht so schnell aufgeben und muss ein Ziel haben. Wie man es dann erreicht, bleibt jedem selbst überlassen.

Kommentar: Der Film "Die Welle" macht uns bewusst, dass die Mechanismen der Beeinflussung und Manipulation die gleichen geblieben sind. Es lohnt sich immer wieder, sich mit diesen Phänomenen auseinanderzusetzen.

Siehe www.rhetorik.ch (Navigation über das Inhaltsverzeichnis: Beeinflussen)

Der Film "Die Welle" macht bewusst, wie einfach Menschen manipulierbar sind. Der Film hilt die Meschen sensibler, hellhöriger und kritischer zu machen. Die Beeinflussungsphänomene dürfen nicht nur aus dem Blickwinkel der Beeinflussung von rechts zu betrachten. Solche Phänomene geschehen überall, wo sich das Individuum voll und ganz in der Gruppe auflöst. Selbst bei Punkern, Sportfans oder eingeschworenen "Teams" kann es soweit kommen, dass das einzelne Mitglied nicht mehr ausscheren kann. Es MUSS mitmachen. Meist geht es nicht nur um UNIformes Verhalten. Das Aeussere, Kleider Frisur manifestiert sich gleichsam in einer Uniform. Punker, Skins auch Mitglieder des Schwarzen Blocks passen sich den Normen der Gruppe an. Wer dazugehört unterzieht sich den Gruppennormen, Wer ausschert, wird mit Verachtung bestraft oder ausgestossen.