Mittwoch, 22. Juli 2009

Köppel und die Rabenmütter

In verschiedensten Medien wurde jüngst die Frage diskutiert, ob eine Mutter mit Kindern auch ihren Job an der Führungsspitze problemlos meistern könne. Jene Managerinnen, die in einer wichtigen Fürhungspostition weder auf Job noch auf Kind verzichten wollte, erklärten, man müsse nur die Fremdbetreuung der Kinder organisieren (was mit grossen Kosten verbunden ist, wenn die Konstanz der Bezugsperson gewährleitet werden soll). Sie behaupteten, dass eine zufriedene Mutter, die sich selbst verwirklichen könne eine glücklichere Mutter sei. Was jedoch in den meisten Beiträgen ausgeklammert blieb, war die Meinung der Kinder. Die Frage nämlich, was sich eigentlich die Kinder wünschen: Fremdbetreuung oder Präsenz Elternteil? Auch die grosse Bedeutung der Konstanz der Bezugspersonen bei Kleinkindern wurde kaum erwähnt. Im CLUB wurde die Problematik der schwangeren Managerinnen ebenfalls dikutiert. An einer Veranstaltung des Sonntagsblick (an der ich vor wenigen Wochen teilnahm) erklärte Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre. Mit Kindern sei für sie so ein Job nicht möglich gewesen. Sie habe sich für die Karriere entschieden. In meinen Coachings höre ich von CEOs immer wieder: Auf dieser Stufe müsse man jederzeit verfügbar sein und zu Unzeiten wegfliegen können. Teilzeitjobs auf oberster Stufe sei deshalb nicht möglich, weil die Spitze nicht als Team funktionieren kann. Auf dieser Stufe gebe es keine "Fünfer und Weggli" Situation.

TV-Kritik: Roger Köppel diskutiert mit «Rabenmüttern»

Quelle Tagi

Im «Club» waren berufstätige Mütter das Thema des Abends. Der Bogen wurde gespannt von erster Hilfe bei Stürzen über Märchen bis zu VR-Sitzungen – und der Ton blieb erstaunlich friedlich.

Angeregte Runde: Der «Club» vom 21. Juli.

Angeregte Runde: Der «Club» vom 21. Juli. Bild: Club/Schweizer Fernsehen

«Bin ja noch der grösste Theoretiker»: Roger Köppel.

«Bin ja noch der grösste Theoretiker»: Roger Köppel. (Bild: Club/Schweizer Fernsehen)

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Der Weltwoche-Chefredakteur setzte gleich zu Beginn der Sendung die Agenda. Die Rolle als Geschäftsführer in einem grossen Unternehmen lasse keine extremen Zusatzbelastungen zu, wie eine Mutterschaft sie bedeute, sagte er. Köppel hatte bereits in einem Editorial die Entscheidung der ABB-Chefin Jasmin Staiblin kritisiert, in den aktuell schwierigen Zeiten 16 Wochen Mutterschaftsurlaub einzuziehen. «Wenn eine Frau ein Unternehmen leitet, muss sie sich dem 100 Prozent unterordnen», sagte er jetzt.

Köppel räumte ein, dass seine Meinung auch von persönlichen Erfahrungen herrühre. «Meine beiden Eltern waren berufstätig», erzählte Köppel der Runde. «Es war für mich der Horror, in den Hort zu gehen.» Wenn er ganz ehrlich zurückdenke, dann habe er die Mutter vermisst, weniger den Vater. «Zu ihr hatte ich den persönlicheren Bezug.» Ein Vater, und das sei keine repräsentative, sondern eine rein persönliche Aussage, bewege sich nicht in derselben Intimsphäre.

Das symbolische Pflästerli...

Rösli Zuppiger, Hausfrau und Mutter, und Claudia Deuber, Teilzeit-Stillberaterin und Mutter, pflichteten dem Chefredakteur bei. Eine Mutter müsse für ihr Kind da sein.

Diese Aussage war der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Diskussion: Die Teilnehmer drehten sich lange Zeit um die Frage, was das genau bedeutet. Zum Sinnbild wurde im Laufe der Debatte das Pflästerli, ein Verbandspflaster, das eben eine berufstätige Mutter dem Kind nicht selber aufkleben könne.

«Das ist richtig», sagte Andrea Degen, Ärztin und Unternehmerin dazu. Ein Pflästerli klebe jeweils nicht sie auf. «Aber ganz ehrlich: Das würde mich auch sehr bemühen.» Für sie sei vielmehr zentral, das sie ihren Kindern vermittle, dass ihre Mutter immer wieder heimkomme. «Ich sage meinen Kindern, ich fliege jetzt ins Ausland, aber ich komme immer zu euch zurück.»

...die Grimm'schen Märchen

Köppel verwies auf die Urangst des Kindes, von seinen Eltern getrennt zu sein. In seiner Generation sei viel zu wenig bedacht worden, was die Berufstätigkeit der Mutter für das Kind bedeute.

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Köppel: «Wenn du ganz nach oben willst, musst du dich voll und ganz dieser Herausforderung widmen.» Verantwortung sei unteilbar, und wer Teilzeit arbeite, zeige, dass er entbehrlich sei.

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Köppel, der selber bald Vater wird, meinte, ein Kind zu betreuen, habe ja wohl nicht denselben Effekt wie Golf zu spielen oder zu wandern. «Meinen Sie? Das habe ich auch mal gedacht», so Degen. Köppel hörte aufmerksam zu und meinte schliesslich: «Ich bin ja hier noch der grösste Theoretiker.» Man darf gespannt sein.

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