Dienstag, 15. Oktober 2013

Therapiewahn in der Stadt Zürich

Lehrer können sich dank der wachsenden Therapieangebote entlasten, aber.....

Innert nur 7 Jahren stiegen die Logopädie Therapien in der Stadt Zürich um 28%.
Die psychomotorische Therapien sogar um 35%.
Zürich eröffnete viele neue Therapiestellen. Wie in anderen Bereichen gilt auch  bei den Therapien die Tatsache:
Ist ein Angebot da, wird es auch genutzt.


Schulschwierigkeiten, die früher von den Lehrkräften zu meistern waren, werden nicht mehr vom Klassenlehrer gelöst. Der Therapiewahn in Zürich ist nachvollziehbar, zumal es an konstanten Bezugspersonen mangelt. Die Schattenseiten beim Therapiewahn werden uns heute allmählich bewusst:
Wir können davon ausgehen, dass sich die Kinder nicht stark verändert haben. Geändert hat jedoch die Vorstellung der Lehrkräfte und Eltern zu Frage, was normal ist und was nicht.
In Zürich stellen wir fest, dass zwar Lehrkräfte die Therapiemöglichkeit als Entlastung schätzen.
Kinderärzte finden jedoch den Trend problematisch.
Kinder bleiben oft unentschuldigt der Schule fern oder verweigern den Unterricht. Die Lehrerin nimmt in solchen Fällen sofort den Schulpsychologischen Dienst in Anspruch. Sie entlasten sich. Zwei Schulärzte schreiben in ihrem Buch über Schulschwierigkeiten, man könne heute von einem Therapiewahn sprechen. Der riesige Therapiemarkt habe mehr "kranke" als gesunde Kinder geschaffen.
Während  viele Lehrer die Möglichkeit - Kinder gesondert zu fördern - schätzen, empfinden hingegen andere die vielen  Standortgespräche (die bei therapierten Kindern notwendig sind) als zu belastend.

Montag, 14. Oktober 2013

Näui rächtschriibig





Brief einer Viertklässlerin an ihren „Fata“

 

Rechtschreibeschwächen  - dank falscher Lehrmethode?

 






  Rechtschreibschwächen dank falscher Lehrmethode?

Vater Henryk Wichmann sagt: „Erst als meine Tochter in die dritte Klasse kam, hat sie ihr erstes Diktat geschrieben. Der Klassendurchschnitt lag bei Note 4, meine Tochter hatte eine 4 –“; Diesen Brief schrieb Wichmanns Tochter an ihren Vater. Das Mädchen ist zehn Jahre alt
Foto: ddp images/Klaus-Dietmar Gabbert
Quelle: BILD-online

Wänn Inen an diesm Saz nichz ungewönlich forkommt, kommen Sie fieleicht aus Brandenburg.
Das Bundesland belegt zwar Platz 3 bzw. 4 beim neuen Schulvergleich (Mathematik und Naturwissenschaften), an der deutschen Sprache hapert’s allerdings. Zumindest in Lychen, einem 3000-Einwohner-Städtchen in der Uckermark.
Dort lebt Familie Wichmann. Vater Henryk ist Jurist, seine Frau Germanistin. Ihre große Tochter ist zehn Jahre alt und ging bis vor Kurzem auf die örtliche Grundschule – bis das Mädchen einen Brief schrieb, mit bunten Filzstiften und rotem Herzchen als Schlusspunkt. Sie gratulierte darin ihrem „Fata“ zum „Fatatak“.

Seitdem ist „Fata“ Hendryk auf der Zinne. „Es kann doch nicht sein, dass meine Tochter in der vierten Klasse noch nicht die deutsche Rechtschreibung beherrscht“, schimpft Wichmann. Der 36-Jährige ist CDU-Landtagsabgeordneter, sein politischer Werdegang war 2012 in dem dokumentarischen Film „Herr Wichmann aus der 3. Reihe“ im Kino zu sehen.

Und nun der Irrsinn mit der Rechtschreibung! Nach Ansicht von Vater Wichmann und seiner Ehefrau, 31, ein pädagogisches Problem. Denn an der Schule ihrer Tochter wird in der ersten und zweiten Klasse nach der Methode „Lesen durch Schreiben“ unterrichtet. Auf gut Deutsch heißt das: Die Kinder sollen Wörter nach Gehör schreiben, es wird nichts korrigiert.

Die Schule sagt, das Modell sei sinnvoll. Wichmann sagt, die Schule mache ihm ein X für ein U vor. Er ist sich sicher: „Wenn meine Tochter nach der herkömmlichen Methode schreiben gelernt hätte, könnte sie heute trotz einer leichten Lernschwäche fehlerfrei schreiben.“




KOMMENTAR:

Schule wohin? Die Absicht war gut gemeint. Kinder sollten keine Angst vor Fehlern haben. Kinder sollten so schreiben lernen, wie sie reden. Dadurch sollte es  keine Rechtschreibefehler mehr geben. Was die progressiven Pädagogen mit diesem Einstieg in die Rechtschreibung ausgeheckt hatten, stimmt aber nicht mit der Realität überein. Wer in jungen Jahren falsch schreiben lernt, kann diese Angewohnheiten nur mit enormem Aufwand nachträglich wieder gut machen. Kommt dazu, dass richtiges Schreiben zu den Kernkompetenzen zählt und es auch um das VERSTEHEN des  Geschriebenen geht. Wer sich ein kreative Schreibweise aneignet und feststellt. dass seine Schrift schwerer und weniger eindeutig verstanden wird, müsste diese Methode sofort wieder entsorgen. Unsere Schule darf nicht zum unbedachten Experimentierfeld verkommen.

Sonntag, 13. Oktober 2013

Horrorszenariao oder ernst zu nehmende Vorwarnung?

Steht Mega-Migrationswelle bevor?

(Quelle 20 Min)

«Millionen könnten in die Schweiz wandern»

 Laut Strategieexperte Albert A. Stahel könnten künftig bis zu zehn Millionen Ägypter und Syrer in die Schweiz kommen. Migrationsexperten halten dies für unwahrscheinlich.

storybildLaut dem Strategieexperten Albert A. Stahel könnten künftig mehrere Millionen Menschen in die Schweiz wandern.

Europa und die Schweiz könnten in naher Zukunft mit einer massiven Völkerwanderung konfrontiert sein. Dies zumindest sagt der Strategie-Experte Albert A. Stahel. Ausgangslage für sein Szenario ist die aktuelle politische Lage in Ägypten und der Bürgerkrieg in Syrien. Ägypten sei gegenwärtig mit massiven innenpolitischen und wirtschaftlichen Problemen konfrontiert, die künftig eskalieren könnten: «Der gegenwärtige Machtkampf zwischen den Muslimbrüdern und der Armee könnte zu einem wirtschaftlichen Kollaps des Landes führen», so Stahel.

Kommt es zum Zusammenbruch, wäre es laut dem Strategieexperten möglich, dass 20 bis 40 Millionen Ägypter das Land Richtung Europa verlassen. «Und auch der Bürgerkrieg in Syrien und ein allfälliger Sturz des Diktators Baschar al-Assad könnten weitere Millionen Menschen zur Wanderung nach Europa zwingen.» Neben Ägypten und Syrien existierten zudem weitere zerfallende Staaten. Stahel nennt etwa Libyen oder Pakistan und Afghanistan.
In Europa aber wartet keine bessere Ausgangslage: «Angesichts der Finanzkrise würde diese Völkerwanderung auf instabile Staaten in Süd- und auch in Osteuropa treffen», warnt Stahel. Staaten wie Griechenland, Spanien, Portugal oder Italien gerieten angesichts der Masseneinwanderung in Bedrängnis. «Italien etwa hat selbst massive innenpolitische und wirtschaftliche Probleme. Das Land wäre nicht fähig, mit einer solchen Völkerwanderung umzugehen.» Italien würde die Menschen wie bis anhin einfach weiter nach Norden treiben.

BFM rechnet nicht mit Mega-Migrationswelle

Für die offizielle Schweiz wäre eine solche Entwicklung gemäss Stahel eine grosse Herausforderung: «Rund 5 bis 10 Millionen Menschen aus Nordafrika, dem Mittleren Osten und Zentralasien könnten in die Schweiz wandern.» Bereits heute sei Bern mit der aktuellen Asylsituation überfordert. «In einem solchen Fall könnte die Schweiz selbst mit einem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kollaps konfrontiert werden.»
Dass die Schweiz von Millionen von Menschen überrannt wird, hält man in Bern allerdings für unwahrscheinlich. «Solche Szenarien sind sehr schwer vorherzusehen», sagt Michael Glauser, Sprecher des Bundesamts für Migration BFM. Wenn man die Entwicklung in Nordafrika und im Mittleren Osten betrachte, könne man zwar auf hohe Migrationszahlen kommen. «Das BFM rechnet in nächster Zeit aber nicht mit solch einer enormen Migrationswelle», so Glauser.
In den letzten zwei bis drei Monaten seien die Asylgesuche gar noch zurückgegangen. «Trotzdem ist bekannt, dass Millionen Menschen unterwegs sind. Auch die Schweiz spürt diesen Migrationsdruck.» Für Schlepper beispielsweise sei es ein lukratives Geschäft, diese Migranten illegal nach Europa zu bringen. Glauser: «Wir müssen deshalb davon ausgehen, dass die Asylgesuche in nächster Zeit wieder ansteigen werden.»

«Es ist nicht so einfach, nach Europa zu wandern»

Auch Thomas Liebig, Migrationsexperte bei der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, glaubt nicht an eine Mega-Migrationswelle: «Es flüchtet selbst in extremen Konfliktsituationen immer nur ein kleiner Teil der Bevölkerung ins Ausland.»
Von einer drohenden Völkerwanderung in diesem Ausmass zu sprechen, hält der Migrationsexperte deshalb für reine Panikmacherei.

KOMMENTAR: Die Einwanderungswelle muss ernst genommen werden. Das machen die  Tausende von illegalen Einwanderern bewusst, die  von kriminellen Schleppern nach Europa eingeschleuste werden und nicht gestoppt werden dürfen. Dieses Problem kann die Schweiz allein nicht lösen.
Die aktuelle Einwanderungswelle wird das politische Klima im Land beeinflussen. Die Schweiz spürt die Welle im Tessin am meisten. Wird nichts getan, werden die Rechtsparteien noch mehr Aufwind erhalten. Will heissen: Wir dürfen das Problem nicht einfach verdrängen nach der Devise: Was wir nicht sehen, existiert nicht!

Samstag, 12. Oktober 2013

Zum Wintereinbruch


6|39Die Kühe in Grandvillard aus dem Kant

Stimmungsbilder



Mit reichlich Schnee eingedeckt wurden die Zentral- und Ostalpen. In Graubünden und Glarus fielen auf 2000 Metern bis zu 80 Zentimeter Neuschnee. Das Bild zeigt einen Laubbaum in St. Antönien im Prättigau.

Jaguare und Jaguare

Menschen werden von Jaguaren angezogen



Solche Jaguare haben für Menschen eine 
magische Anziehungskraft .

Und die echten Jaguare werden von Duftstoffen angezogen

(aus 20 Min)

Tief im Dschungel von Nicaragua macht sich ein Tierforscher eine besondere Schwäche von Jaguaren zunutze. Er lockt sie mit Parfüm in Fotofallen.

storybild
Ein Duft, der Jaguare anzieht: Obsession for Men. (Bilder: PD)

Der Jaguar ist eine imposante Erscheinung: Er kann mit Schwanz bis zu 260 Zentimeter lang und 70 Zentimeter hoch werden. Mit bis zu 185 Kilogramm Lebendgewicht ist er die grösste Raubkatze des amerikanischen Doppelkontinents und nach Tiger und Löwe die Nummer drei weltweit. Beim Zubeissen ist er sogar einsame Spitze. Mit einer Beisskraft von fast 1000 Kilo kann er locker Schildkrötenpanzer knacken oder seine Beute mit einem gezielten Biss durch die Schädeldecke töten. Ein Zeitgenosse also, dem man lieber nicht persönlich begegnet.
Da Jaguare zudem äusserst selten und nachtaktiv sind, setzen Wissenschaftler für deren Erforschung bevorzugt auf Kamerafallen. Diese sind praktisch, da sie die Tiere vollautomatisch aufnehmen – in der Nacht sogar mit einem Infrarotblitz, den die meisten Säugetiere und Vögel nicht sehen. So können Forscher seltene Tiere in unwegsamen Regionen studieren, ohne ihren Lebensraum allzu sehr durcheinanderzubringen oder sie einfangen zu müssen. Ausserdem sind Kameras einiges günstiger als eine Armee von Feldforschern, die sich im Dschungel die Beine in den Bauch stehen.
Wegen dieser Vorteile nutzt auch Miguel Ordeñana für seine Jaguar-Studien Fotofallen. Da die gepunkteten Katzen aber wie bereits erwähnt selten sind und ausserdem in Territorien leben, die gegen 80 Quadratkilometer gross sein können, musste er sich etwas einfallen lassen. Um seine Trefferquote zu erhöhen, hilft der Biologe vom Naturgeschichtlichen Museum in Los Angeles der Natur diskret auf die Sprünge – mit Calvin Klein Obsession for Men.

Zibeton und Vanilleextrakt


Das Parfüm verdrehe den Jaguaren derart den Kopf, dass sie deutlich öfter vor die automatischen Kameras treten würden, wie der «Scientific American» berichtet. Laut Ordeñana hatte ein Forscher im New Yorker Bronx-Zoo verschiedene Parfüms an Jaguaren ausprobiert und dabei die magnetische Wirkung von Obsession entdeckt.
Die Anziehungskraft des Parfüms ist offenbar dem darin enthaltenen Zibeton oder Vanilleextrakt geschuldet. Zibeton ist einer der ältesten für Parfüms verwendeten Duftstoffe und wurde ursprünglich aus den Duftdrüsen von Zibetkatzen gewonnen. «Wir nehmen an, dass das Zibeton ähnlich wie die Markierung des Jaguars riecht und die Raubkatzen deshalb ihren eigenen Duft darauf verreiben», erklärte Ordeñana. Vanille könnte ganz einfach die Neugier der Raubkatzen stimulieren. Was es auch immer ist, es funktioniert.

Freitag, 11. Oktober 2013

Zweifel am Erfolg der integrativen Schule

Die grosse Ernüchterung reift um sich

Nachdem mit grossen Hoffnungen die Klassen alle Kinder aufnehmen mussten - Schwache, Spitzenschüler und Verhaltensgestörte - haben nun viele Lehrer erkannt, dass
die erwünschte Integration mit zahlreichen Schwierigkeiten verbunden ist und die sogenannten integrativen Schulen weder den Begaben noch den schwierigen Schülern gerecht wird.




Ich zitiere NZZ-online:

Die Skepsis gegenüber der integrativen Schulung wächst in der Schweiz. Dabei zeigt sich: Mancherorts erweist sich das Modell als erfolgreich. Doch strapaziert man die Integrationsbemühungen, verkehrt sich das Prinzip in sein Gegenteil.

Bis 2003 nahm der Anteil der Schüler und Schülerinnen, die in Sonder- und Kleinklassen unterrichtet werden, kontinuierlich zu: 3,9 Prozent waren es damals, seither ist die Quote rückläufig – 2008 verzeichnete das Bundesamt für Statistik noch 3,1 Prozent. Die Zahlen spiegeln die Entwicklung hin zu einer Schule wider, die auch Kinder mit Behinderungen oder mit Lernschwierigkeiten möglichst in die Regelklassen integriert. In den meisten Kantonen wurde und wird an sonderpädagogischen Konzepten gearbeitet. Sie sind eine Folge der Neugestaltung des Finanzausgleichs (NFA), die den Kantonen die Verantwortung dafür überträgt und die IV finanziell entlastet.

Solothurn bremst, Basel voran

Ausserdem schreiben das Behindertengleichstellungsgesetz und viele Volksschulgesetze die Förderung der integrativen Schulung vor. Diskussionslos geht dieser Prozess indessen nicht über die Bühne – nicht nur im Kanton Zürich, wo das sonderpädagogische Konzept 2010 nach harter Kritik zurückgezogen wurde. Im Kanton Solothurn kam es im Dezember ebenfalls zu einem abrupten Bremsmanöver, als der Kantonsrat mit grosser Mehrheit eine Verordnung zur flächendeckenden Einführung der integrativen Schule ablehnte. Inzwischen hat Bildungsdirektor Klaus Fischer die Projektleitung ausgewechselt und einen dreijährigen Versuch angekündigt.

Eine Frage der Ressourcen

Insgesamt aber ist mancherorts Ernüchterung der Euphorie gewichen. Interessanterweise stehen sich die politischen Pole dabei teilweise recht nahe. Es sei verfehlt, der Schule diese zusätzliche Verantwortung zu übertragen, die zu einer Überlastung der Lehrer und einer Nivellierung nach unten führe, reklamiert auf der einen Seite die SVP. Lehrerverbände und Gewerkschaften warnen auf der anderen vor einem Kollaps der Schule und drängen auf zusätzliche Stellenprozente, die nötig seien, um den Unterricht in heterogen zusammengesetzten Klassen in der gebotenen Qualität überhaupt erbringen zu können – oder wie es in der Vernehmlassung der Zürcher Schulsynode zum sozialpädagogischen Konzept heisst: «Das Konzept verfügt über positive Aspekte, stimmt aber im Einsatz der Mittel nicht mit der Realität überein.»
Auch wenn Hintergrund und Intention der Kritik je nach Herkunft unterschiedlich sind, wird zweierlei deutlich. Erstens: Integrative Schulung ist eine Ressourcenfrage. Dort, wo sie mit Sparbemühungen kombiniert ist, sinkt die Akzeptanz auf allen Seiten. Im Kanton Zürich, wo die Regierung bei der Sonderpädagogik 17 Millionen Franken einsparen wollte, wurde die Vorlage von breiten Kreisen in erster Linie als Sparprogramm wahrgenommen. Viele Lehrer befürchten trotz der Unterstützung durch Heilpädagogen disziplinarische Probleme, die den Unterricht erschweren. Schon ein halbes Jahr vor dem Rückzug des Konzeptes bezeichnete das Zürcher Volksschulamt die Ressourcen vor diesem Hintergrund als «Knackpunkt».

Gefahr der Stigmatisierung

Zweitens sind der integrativen Schulung Grenzen gesetzt – eine Erkenntnis, die zwar nicht neu ist, aber in den letzten Jahren möglicherweise zu wenig Beachtung fand. «Heute versucht man, möglichst viele Kinder in Regelklassen zu integrieren», kritisierte unlängst der durchaus nicht auf SVP-Linie agierende Psychologe Alain Guggenbühl gegenüber der Zeitung «Der Bund». Wenn man aber für jedes Kind individuelle Lernziele formuliere, gehe der Gruppenaspekt verloren, und es bestehe die Gefahr einer Stigmatisierung. Indizien dafür, dass solche Effekte infolge der Integrationsbemühungen möglicherweise tatsächlich stattfinden, ergeben sich aus Zahlen der Berner Gesundheitsdirektion. Dort nimmt die Zahl der Kinder mit Sonderschul-Status in der Regelklasse massiv zu.

Regel- zu Sonderschülern

Eine mögliche Erklärung dafür lautet, dass die Regelschulen auf diese Weise zu zusätzlichen heilpädagogischen Lektionen kommen, so die Vermutung in der Gesundheits- und Fürsorgedirektion auf Anfrage. Solche Anreize führen – überspitzt formuliert – zu einer Umkehrung des Prinzips: Statt Sonderschüler in die Regelklasse zu integrieren, werden so aus Kindern in der Regelschule Sonderschüler. Für Beatrice Kronenberg, die die integrative Schulung klar befürwortet, zeigen solche Hinweise, dass der Begriff der Integration strapaziert wird. Integration sei gut, «wenn man sie nicht zum unumstösslichen Prinzip erhebt», sagt sie. Man müsse sich bei jedem Kind fragen, wo es am besten aufgehoben sei und welcher Status die Situation des Kindes treffe. Und: «Man darf dabei die Klasse als Ganzes nicht aus den Augen verlieren.» 

Der BOBACHTER beleuchtet die Baustelle "Integrative Schule" aus der Praxis. Ich zitiere:

Lernschwache und behinderte Kinder sollen in gewöhnliche Schulklassen integriert werden – eine noble Idee. Doch bei der Umsetzung stossen alle Beteiligten an ihre Grenzen.


Die erste Erfahrung, die Tanja Brügger mit der schulischen Integration machte, war bitter: «Im Kindergarten wurde mein Sohn teilweise vom Unterricht suspendiert, obwohl sie ihn eigentlich integrieren wollten», schrieb die 39-Jährige in einem Internetforum. Sie war eine von zahlreichen Müttern, die sich innert weniger Stunden zur Frage «Integration: Fluch oder Segen?» äusserten, viele davon skeptisch bis negativ.
Jetzt sitzt Tanja Brügger in einem Café in Bern und erzählt, wie sich alles zugetragen hat. Ihr heute achtjähriger Sohn Remo hat ADHS. Im Kindergarten stand diese ­Diagnose noch nicht fest. Remo war sehr impulsiv, Freudenstürme und Wutanfälle waren an der Tagesordnung. Ihm wurde ­eine Heilpädagogin zur Seite gestellt. Trotzdem kam es einige Male zu unschönen Szenen, manchmal schmiss er Gegenstände durchs Zimmer. «Seine Konzentration liess im Lauf des Tages stark nach. Er liess sich leicht provozieren, schwierig wurde es vor allem am späten Vormittag», erzählt Brügger.

Unlösbar, sagen viele Lehrpersonen

Schliesslich wusste sich die Kindergärtnerin nicht mehr zu helfen. Man zog einen Erziehungsberater bei und kam überein, dass Remo vorübergehend einen Tag pro Woche gar nicht mehr in den Kindergarten kommen und an einem Vormittag früher nach Hause gehen sollte. Auch ins Turnen durfte er vorläufig nicht mehr, weil er oft davonlief und sich versteckte. So verkehrte sich die beabsichtigte Integration flugs ins Gegenteil: Remo wurde ausgeschlossen.
Die Integration von Kindern mit Ver­haltensauffälligkeiten, spezifischen Lernschwächen oder Behinderungen in die Regelklassen ist mittlerweile fast überall Pflicht (siehe «Integrative Schule»). Doch Lehrpersonen und Heilpädagogen stossen täglich an Grenzen beim Versuch, eine «Schule für alle» zu bilden, wie sie von Politik und Wissenschaft propagiert wird. Viele klagen über mangelnde Ressourcen und unlösbare Aufgaben. Ist die schöne Idee der Chancengerechtigkeit etwa eine Illusion?
Fest steht: Remo ist kein Einzelfall. ­Typisch daran ist, dass Verhaltensauffälligkeiten sehr oft erst im Kindergarten zutage treten. Und das stellt die Kindergärtnerinnen vor spezielle Probleme: «Man muss erst einmal herausfinden, woran es genau liegt, dass ein Kind zum Beispiel einer Aufforderung nicht nachkommt», sagt Brigitte Fleuti, Kindergärtnerin in Langnau am ­Albis. Manchmal sei es einfach eine Hörbeeinträchtigung oder eine Sehschwäche. Wenn ein Kind vom Verhalten her aber stark aus dem Rahmen fällt, kann das eine Lehrperson rasch überfordern – schliesslich hat sie noch 20 andere Kinder zu betreuen. Das kann wie im oben geschilderten Fall von Remo zu einem Ausschluss führen, wo doch Integration das Ziel war.

«Es braucht viel Routine, um zu verhindern, dass sich die anderen Kinder vernachlässigt fühlen»: Brigitte Fleuti, Kindergärtnerin
In Fleutis Kindergartenklassen sitzen seit etwa fünf Jahren regelmässig drei bis vier Kinder, die spezielle Förderung benötigen. Eine Heilpädagogin kommt für drei Lektionen pro Woche zur Unterstützung, übt ­bestimmte Dinge mit ihnen, etwa Stifthaltung oder Schneiden mit der Schere.

Kommentar: Wenn sich nachträglich zeigt, dass ein Modell nicht das bringt, was man sich erhofft hat, sollte es doch möglich sein - im Sinne einer Verbesserung - einen Fehlenscheid wieder rückgängig zu machen. Bei der integrativen Schule scheint dies ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Nach dem Motto:
Wer A sagt, muss auch B sagen.  Selbst dann, wenn offensichtlich ist, dass man sich auf dem Holzweg befindet.
Uebrigens: Ich finde es auch unehrlich, wenn Begriffe beschönigt werden.
Nach der heutigen Sprachregelung darf die Störung nicht mehr beim Namen genannt werden. Es heisst jetzt euphemistisch "verhaltensauffällig", statt "verhaltensgestört" Ich hörte sogar einmal den Begriff "verhaltensoriginell". Wenn ein Kind dem Tischnachbarn - einfach so - den Bleistift in die Hand bohrt. Was soll an so einer  Störung des Unterrichtes originell sein?


Donnerstag, 10. Oktober 2013

Der erste Schnee ist an vielen Orten schon da

Die Kälte kommt