Dienstag, 11. Oktober 2011

Aus BLOG Persönlich. com:


Fortsetzung folgt auf Oben-ohne Foto der FDP Frauen

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Vor Wochen habe ich die Werbekampagnen der FDP Frauen analysiert. Ich setzte schon damals einige Fragezeichen zur Werbeaktion mit der Generalsekretärin mit folgender Aufschrift auf dem schwarzen Balken: «Nicht mehr oben ohne».

Nun gibt es eine Fortsetzungsgeschichte, die ich letzte Woche auf 20min.ch las. Auf einem Balken posierte die Generalsekretärin der FDP Frauen im Juli «oben ohne» für mehr Frauen in Führungspositionen. Der «Blick» druckte das Bild unzensiert unter dem Titel «Freisinnige Nacktpanne».  Dafür muss er sich nun verantworten.



Denn für Esseiva war das eine klare Verletzung des Rechts an ihrem Bild und ein massiver Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte. «Niemand darf ohne mein Einverständnis ein bewusst technisch manipuliertes Bild von mir verwenden», sagte sie gegenüber 20min.ch. Deshalb habe sie beim Presserat eine Beschwerde gegen die Zeitung eingereicht.

Natürlich habe die Grafikerin einen Fehler gemacht, als sie eine Datei aufgeschaltet habe, bei der die verschiedenen Bildebenen nachträglich bearbeitbar gewesen seien, räumt Esseiva ein. Sie hätte jedoch nie damit gerechnet, dass dies getan werde. Mit ihrer Forderung an den Presserats werden die Bilder aber weder verschwinden, noch ist eine Richtigstellung zu empfehlen. Weshalb also dieser Schritt? «Mir geht es um das Recht an meinem Bild und um Stil im Journalismus», sagt die Freiburgerin. Es sei eine Chance zu zeigen, dass die Medien mit Frauen und Männern unterschiedlich umgingen. «Wenn der Grüne Nationalrat Bastien Girod nackt vor einem Polizeiauto posiert, finden das alle cool, aber bei mir als Frau macht man den Balken weg.»

Ob das Geschlecht Esseivas tatsächlich eine Rolle gespielt hat beim Entscheid, das Foto ohne Balken zu publizieren, ist offen. Bei Ringier, dem Verlag des «Blicks», wollte man dazu mit Verweis auf das hängige Verfahren keine Stellung nehmen.

Kommentar: In meinem ersten Beitrag über die «Oben ohne» Werbung hatte ich bereits darauf hingewiesen, dass es bei PR-Aktionen immer auch darum geht, Aufmerksamkeit zu erlangen. Das haben die FDP Frauen mit ihrem Flyer eindeutig erreicht. So gesehen wäre schon die erste Aktion ein PR Erfolg gewesen. Oft wird in der Politik und Kunst nur deshalb provoziert, damit man einen Medienwirbel auslösen kann und zum Medienthema wird. Diese Methode hatte mitunter die SVP jahrelang mit Erfolg angewendet. Provokateure sind stets sauer, wenn sie ignoriert werden. So gesehen könnten eigentlich die FDP Frauen mit ihrer Aktion zufrieden sein. Sie hatten bewusst provoziert. Die FDP Frauen konnten – dank der Diskussionen in der Öffentlichkeit – ihr Anliegen  erläutern. Die jüngste Klage gibt den Frauen eigentlich erneute Publizität. Man spricht einmal mehr vom angeblich gelungenen «Oben-ohne»-Plakat. Die PR-Gruppe der FDP Frauen könnten sich somit erneut auf die Schultern klopfen. Wieder erlangte man mit dem analogen Plakat Aufmerksamkeit. Die Generalsekretärin zeigt sich nun im nachhinein unglücklich. Die Geschichte habe ihr letztlich geschadet, findet sie. «Blick» habe nun mit der Publikation des Bildes – ohne Balken – die Grenze überschritten.

Für mich hat diese  Fortsetzungsgeschichte verschiedene Ebenen:

Es geht um die rechtliche Frage: Hat «Blick» gegen die Persönlichkeitsrechte der Generalsekretärin der FDP Frauen verstossen, obwohl der Fehler bei der Grafikerin lag? Werden die FDP Frauen von dieser Geschichte PR mässig langfristig tatsächlich profitieren oder verlagert sich die Diskussion noch mehr auf jene Ebene, die von den Frauen nie gewünscht wurde (Frau als Sexobjekt)?

Die Geschichte bestätigt einmal mehr, dass es sich bei Marketingaktionen immer lohnt, mit Profis zu arbeiten, die keine dilettantischen Fehler machen. Auf dieses Problem habe ich verschiedentlich bei den heutigen Wahl-Spots hingewiesen, die kontraproduktiv sein können, weil sich Kandidaten vorschnell vor eine Kamera stellen und sich mit ihren Auftritten lächerlich machen.

Aus meiner Sicht das Wichtigste: Steht letztlich die gewünschte Kernbotschaft nach den Mediengeschichten im Zentrum oder war die Aktion doch kontraproduktiv? Das entscheiden immer nur die Adressaten und nicht die Macher. In diesem Fall hatte ich leider keine guten Rückmeldungen erhalten. Aufmerksamkeit zu erlangen ist das nur ein Aspekt. Das Wichtigste beim Marketing ist und bleibt die Vermittlung einer überzeugenden Kernbotschaft. Diese müsste verankert werden.

Marcus Knill
Dienstag, 11. Oktober 2011
Kategorie: Allgemeines




Montag, 10. Oktober 2011

Zu den Polit-Wortwolken in diesem Wahlherbst


Alle Parteien versuchen sich auf allen Ebenen zu profilieren. Die Stassenränder sind mit Plakaten vollgepflastert. Vor lauter Köpfen fehlt der Bevölkerung vielfach der Durchblick. Welche Partei - welcher Volksvertreter setzt sich für meine Anliegen ein? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten, weil uns die Parteien mit Wortwolken einnebeln. Kernbotschaften sind kaum mehr zu erkennen.


Die SonntagsZeitung vom 9. Oktober hat dies mit auschaulichen WORTWOLKEN sehr gut dargestellt. Aus diesen Wortfetzen lässt sich immerhin ein besseres Profil der Versprechen und Kernbotschaften erkennen.




Wenn wir die Aussagen aus diesen Wortwolken destillieren, bleiben folgende Aussagen zurück:



FDP:


- die Leistung muss sich lohnen

- Wir sind für eine leistungsstarke Wirtschaft


- Wir sind für eine liberale Schweiz

- Wir sind kompetent

- Statt nach links oder rechts wollen wir vorwärts



Nach den Medienauftritten des Parteipräsidenten Pelli:




- Die Schweiz hat eine Erfolgsgeschichte 

- Wir wollen mit einem starken Finanzplatz dazu beitragen, dass der Wohlstand erhalten bleibt





CVP:



- Wir stärken die Familien

- Wir wollen Inhalte statt Lärm

- Wir wollen Lösungen statt Gejammer

- Unsere Schwerpunkte sind: Bildung, Sicherheit

- Wir wollen eine Schweiz ohne Schlagseite



Nach den Medienauftritten des Parteipräsidenten Darbellay:



- Wir wollen den bilateralen Weg

- Wir schaffen die Heiratsstrafe ab

- Wir wollen keine Krankenkassenbeiträge für Kinder

- Wir wollen den Atomausstieg geordnet schaffen



SVP:


- Stopp der Zuwanderung

- Die Ausschaffungsinitiative muss umgesetzt werden

- Unsere Partei bekämpft den EU Beitritt

- Wir stärken die Landwirtschaft



Nach den Medienauftritten des Parteipräsidenten Brunner:



- Wir sind gegen Masseneinwanderungen

- Wir dürfen uns nicht weiter verschulden

- Wir sind für ein Rentenalter von 65 Jahren für alle


SP:

- Wir sind fürs Umverteilen

- Die Reichen müssen zur Kasse gebeten werden


- Mieten und Krankenkassenprämien müssen für Arme verbilligt werden

- Wir fordern einen Mindestlohn 

- Wir wollen die Erbschaftsteuer  einzuführen



Nach den Medienauftritten des Parteipräsidenten Levrat:



- Wir sind für sozialen Ausgleich




- Wir fordern nicht nur Mindestlöhne sondern auch generell höhere Löhne

- Wir fordern verbilligte Mieten

- Slogan der Umverteilung: Für ALLE, statt für WENIGE





GRUENE:


Nach den Medienauftritten des Parteipräsidenten Leuenberger:

Wir sind:


- Für die Zukunft


- Für eine soziale Wirtschaft

- Für mehr Umweltschutz


- Für den sofortigen Atomausstieg

- Für Zuwanderung



Die GRUENLIBERALEN:

- Sie setzen auf Nachhaltigkeit




 BDP:


- fokussiert sich gegen Blocher

- Fokus auf "bürgerliche Kraft"

- Fokussiert sich auf Kompromissbereitschaft

- (Wir haben die beste Bundesrätin und lehnen jede Abwahl von Bisherigen ab)

- Unsere Partei ist jung und unverbraucht




Ich habe die Auftritte unzähliger Kandidaten mitverfolgt und stellte fest:


- Die Kandidierenden haben eine Vorliebe für abstrakte Formulierungen:

FREIHEIT- ZUKUNFT - SICHERHEIT - ENERGIEVERSORGUNG - NACHHALTIGKEIT. Solche Begriffe sind  besonders beliebt. Dieses Jahr ist der Verweis auf die SCHWEIZ generell hoch im Kurs. In den Wortwolken dominiert das Wort FUER....



Mein Kommentar:

- Die Kernbotschaft wird zu wenig visualisiert
- Worte müssten die passenden Bilder auslösen
- Die Bilder sollten jedoch zur  Botschaft passen
- Der Ruf (das Image) der Werbeträger ist wichtiger als die Botschaft

- Jede Partei hat Probleme mit Vorurteilen
- Im Grunde genommen ist nichts überzeugender als die eigene Ueberzeugung
- Somit ist es schwierig - mit noch so viel Werbung - die Bevölkerung umzustimmen

Die Parteien müssten sich in diesem Wahlkampf mit folgenden verbreiteten Vorwürfen besser auseinandersetzen:

Die FDP bleibt für viele die Partei der Banken und Bosse. Das negative Image von Bundesrat Villiger im Zusammenhang mit den Vorkommnissen der UBS hat das Vorurteil der Partei der Reichen und Banken zusätzlich zementiert ( Assoziationen zu Honegger, Kopp, Swissair, Boni) Dieses Image bringt die Partei kaum mehr los.

Die CVP hat durch die vielen Positionswechsel das Image von Wendehälse, von einer Wischi-waschi Partei.

Die SVP gilt als eine Volkspartei, die von einem Millardär gesteuert wird.
Der gravierendste Vorwurf: Sie ist nicht kompromissbereit und dadurch auch nicht regierungsfähig.

Die SP fordert nur und wünscht und wünscht. Sie sagt aber nicht, wer all die Forderungen zahlen soll. Wenn der Staat alle Wünsche erfüllen muss,  führt dies zwangsläufig zu Steuererhöhungen und einen Verschuldung. Die Partei hat das Image einer Umverteilungspartei.

Den GRUENEN wird vorgeworfen, sie nehme  im Hinblick mit dem sofortigen Umsteigen in Kauf, dass der Benzinpreis auf 4 Franken steigt und sich die Strompreise für die Bevölkerung verdoppeln. Bei der Förderung der Windenergie und der Nutzung der Windkraft zählen sie selbst (aus Umweltschutzgründen) zu den Blockierern.

Gedanken zur Kommunikation und Ausstrahlung der Parteien:
 



Die FDP: Sie lavierte zu oft. Sie sieht überall Feinde (Medien/andere Parteien). Es fehlt bei den Sprechern an Sympathieträgern 


Die CVP: Sie hat mehrere Kommunikationstalente (Leuthard/Darbellay/Schwaller/ Bischof). Leider schadet sich der Parteipräsident selbst, indem er oft zu forsch reinschiesst und dann zurückbuchstabieren muss.





Die SVP: Sie kommuniziert stets in einfacher Sprache und die Partei spricht mit "einer"Stimme. Doch fragt man sich. Es diese Partei wirklich die Partei des kleinen Mannes? Die Parteistrategen winden sich sehr, wenn es um Macht und Wirtschaftspfründe geht (Inhaltlich und kommunikativ)

.

Die SP: Sie bemüht sich den Kommunikationsgau mit dem fragwürdigen SP Parteiprogramm (Kapitalismus überwinden, Abschaffung der Armee, EU) zu konkretisieren. Der Beitritt zur EU kommt "vorläufig"nicht in Frage.  Erbschaftssteuer, Mindestlohn, Einheitskrankenkasse  generell die Umverteilung wurde ins Zentrum des Themenkatalogs gerückt. Trotz Banken-Boni-Euro-Krise konnte sich die Partei nicht richtig profilieren. Levrat kommuniziert verständlich und geschickt. Doch tritt er zu oft als poltender Gewerkschafter auf. Die Parteistrategen winden sich sehr, wenn es um Macht und Wirtschaftspfründe geht.


Die GRUENEN: Sie leiden immer noch unter dem Image der Körnchenpicker und Wolle-Bast-Hanf Politiker.




Die GRUENLIBERALEN: Hier dominiert der Präsident Bäumle. Neben ihm ist kaum noch jemand auszumachen. Er ist intelligent, hat ein gutes Mundwerk und verblüfft, weil er von Wirtschaft etwas versteht. Er muss aufpassen, dass er die Gegner nicht als "Zürischnurri" überfährt.


Die BDP:
sie profitiert vom Evelyne Widmer-Schlumpf Effekt. Die Frau ist klug, agiert geschickt, verliert nicht die Nerven, bleibt sachlich. Die Partei hat das Problem, dass sie keinen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.




Fragen, die mir in diesen Tagen gestellt worden sind:


Welche Parteien überzeugten am meisten?

Wird weniger polarisiert als früher?

Wer gewinnt?


Wer im Bundesrat gewählt?



Ich bin nicht Politologe  möchte ich diese Fragen nur aus kommunikativer Sicht beurteilen.



Auch bei der politischen Kommunikation gilt es bei den Parteien vier Aspekte zu betrachten:



1.  Das SENSIBILISIEREN (Welche Themen werden aufgenommen?)


2.  Das VISUALISIEREN (Lassen die Parteien Bilder sprechen?)


3. Das MOBILISIEREN (Suchen sie Verbündete?)


4. Das PERSONIFIZIEREN (Setzen sie die richtigen Botschafter ein?)


Zur SENSIBILISIERUNG:


Hier verweise ich mich auf mein Destillat der Themen.
Die SVP nutzt zur Sensibilisierung Aengste und das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung und setzte auf ein Thema das unter den Nägeln brennt.


Die CVP setzt auf das Thema Familie


Die SP auf die Umverteilung und verspricht.......


Die  GRUENEN auf das Energieproblem


Zur VISUALISIERUNG:


Die Visualisierung ist bei den meisten Parteien ein Schwachpunkt (ausser bei der SVP).
Das "Ja" als Schlüsselwort ist bei der SP missverständlich und ohne Bild verknüpft. 
Die Kandidaten reden meist zu abstrakt und scheinen nicht gernt zu haben, wie EINE Dachbotschaft mit dem passenden BILD (BEISPIEL, GESCHICHTE oder ANALOGIE) verbunden d.h. visualisiert werden kann.
Wenn ein Gag zur Botschaft wird, stimmt etwas nicht.




Zur MOBILISIERUNG:


Die FDP wirkt demobilisierend. Der Alleingang wird sich rächen. Es fehlt die Vernetzung. Die Partei leidet unter der Demobiliserung der eigenen Wähler.
Bei der CVP mobilisiert der Leuthard- Effekt.
Bei der SP mobilisiert  Bundesrätin Sommaruga, so wie es bei der BDP mit Evelyne Widmer Schlumpf der Fall ist.


Die Frage nach der vermehrten Mobilisierung der jungen Wählerinnen ist künftig neu zu bedenken.




Zur PERSONIFIZIERUNG:


Die FDP hat nur in der welschen Schweiz eine Galionsfigur (BR Burkhalter).
Bundesrat Schneider - Ammann ist kommunikativ eine Hypothek.
Im Grunde genommen wäre Regierungsrätin Keller-Sutter eine Wahllokomotive.


Bei der CVP  kommt Darbellay zwar recht gut an. Doch schadet der Partei sein Zickzackkurs und sein Taktieren.










Wie stehen wir nun kurz vor den Wahlen im Wahlkampf.




Zur aktuellen Situation:


Die einzelnen Parteien versuchen sich im Endspurt nochmals zu positionieren. Die SVP will die Bevölkerung  für die Thematik "Stopp der Masseneinwanderung"  mobilisieren und deckt angeblich einen Geheimplan auf (Kurz nach den Wahlen soll es an einer Sitzung zu einer Annäherung an die EU kommen).




 Die CVP betont ihre Vermittlerfunktion und unterstreicht ihre Haltung in der Energiefrage. Galionsfigur ist ihre beliebte Vorzeige- Bundesrätin. Leider versucht Darbellay die SVP unter Druck zu bringen, indem er bekannt gibt, dass die CVP nur einen Kandidaten unterstützen werde, der hinter den bilateralen Verhandlungen steht.



Die SP scheint sich vom unnötigen Ballast endgültig befreit zu haben (Abschaffung der Armee und Ueberwindung des Kapitalismus). Sie setzt nun voll auf die Karten: Erbschaftssteuer, ohne den Mittelstand zu belasten, Mehr Lohn, billigere Wohnungen, Krankenkassenprämienermässigung für  Minderbemittelte und die Flugzeugbeschaffung, ohne das Volk zu befragen.



Die FDP  versucht sich weiterhin vom Image der BO- Partei (BOnzen und BOnibezüger) zu befreien und verlagert das Schwergewicht vom "Kampf gegen die Bürokratie" zu einer "Partei liberaldenkender Menschen, die Leistungen nicht bestraft".



Zur Frage: Weshalb ist der Wahlkampf so flau?


Die Parteien haben gelernt, sich nicht von den Plakaten der SVP  provozieren zu lassen. Die SVP muss sich im Hinblick auf die Ständeratswahlen staatsmännischer geben. Dennoch finde ich den Wahlkampf gar nicht so flau. Ich gehe sogar davon aus, dass sich die Stimmbeteiligung am Schluss sehen lassen wird.

In den Bergen ist bereits der Winter  eingekehrt
- bei uns wurde es gestern jetzt richtig Herbst


Foto 20 Min:


Sonntag, 9. Oktober 2011

Die Fortsetzungsgeschichte einer FDP Werbung:


Vor Wochen habe ich im PERSOENLICH- BLOG die Werbekampagnen der FDP Frauen analysiert. Ich setzte schon damals einige Fragezeichen zu der Werbeaktion  der Generalsekretärin mit der Aufschrift auf dem schwarzen Balken. "Nicht mehr oben ohne". Nun gibt es eine Fortsetzungsgeschichte (Ich zitiere 20 Min):

Hinter einem Balken posierte die Generalsekretärin der FDP Frauen im Juli «oben ohne» für mehr Frauen in Führungspositionen. Der «Blick» druckte das Bild unzensiert – und muss sich jetzt dafür verantworten.

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Die Idee war frech, die Umsetzung dilettantisch. Hüllenlos posierte Nationalratskandidatin Claudine Esseivaauf MerklisteKandidatendetails diesen Sommer für einen Flyer der FDP Frauen. Lediglich ein schwarzer Balken verhinderte die freie Sicht auf den nackten Oberkörper. Die Botschaft «Nicht mehr oben ohne» sollte auf die unterdurchschnittliche weibliche Vertretung in Führungspositionen aufmerksam machen.
Doch auf der im Internet aufgeschalteten Version des Flyers war die Generalsekretärin der FDP Frauen nicht nur oben ohne, sondern auch ohne Balken zu sehen. Dazu reichten lediglich drei Klicks auf einem Grafikprogramm. Dieser Umstand blieb auch der Redaktion des «Blicks» nicht verborgen. Am 11. Juli publizierte die Zeitung unter dem Titel «Freisinnige Nacktpanne» Bilder Esseivas mit und ohne Balken.
Für die 32-Jährige war das eine klare Verletzung des Rechts an ihrem Bild und ein massiver Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte. «Niemand darf ohne mein Einverständnis ein bewusst technisch manipuliertes Bild von mir verwenden», sagt sie auf Anfrage von 20 Minuten Online. Deshalb habe sie beim Presserat eine Beschwerde gegen die Zeitung eingereicht.


Fehler der Grafikerin


Natürlich habe die Grafikerin einen Fehler gemacht, als sie eine Datei aufgeschaltet habe, bei der die verschiedenen Bildebenen nachträglich bearbeitbar gewesen seien, räumt Esseiva ein. Sie hätte jedoch nie damit gerechnet, dass dies getan werde.
Der Presserat kann in diesem Zusammenhang allerdings weder dafür sorgen, dass die Bilder verschwinden, noch eine Richtigstellung empfehlen. Weshalb also dieser Schritt? «Mir geht es um das Recht an meinem Bild und um Stil im Journalismus», sagt die Freiburgerin. Es sei eine Chance zu zeigen, dass die Medien mit Frauen und Männern unterschiedlich umgingen. «Wenn der Grüne Nationalrat Bastien Girod nackt vor einem Polizeiauto posiert, finden das alle cool, aber bei mir als Frau macht man den Balken weg.»


«Blick» will sich vorerst nicht äussern


Ob das Geschlecht Esseivas tatsächlich eine Rolle gespielt hat beim Entscheid, das Foto ohne Balken zu publizieren, ist offen. Bei Ringier, dem Verlag des «Blicks», wollte man dazu mit Verweis auf das hängige Verfahren keine Stellung nehmen.


Klar ist, dass mit der Beschwerde gegen die Publikation die Geschichte um das Oben-Ohne-Plakat nochmals aufgekocht wird. Publizität, die eigentlich im Wahlkampf gesucht wird. «Im Gegenteil», wehrt sich Esseiva, «persönlich kann ich diese Publizität überhaupt nicht gebrauchen, da ich sowieso keine Wahlchancen habe.»


Ende Zitat


Kommentar: In meinem ersten Beitrag über die "Oben ohne" Werbung hatte ich bereits darauf hingewiesen, dass es bei PR Aktionen immer  auch darum geht, Aufmerksamkeit zu erlangen. Das hatten die FDP Frauen mit ihrem Flyer sicherlich erreicht. So gesehen wäre ihre Aktion ein PR Erfolg gewesen. Oft wird in der Politik wie auch in der Kunst nur deshalb provoziert, damit man einen Medienwirbel auslösen kann und zum Medienthema wird. Diese Methode hatte die SVP jahrelang mit Erfolg angewendet. Provokateure sind stets sauer, wenn sie ignoriert werden. So gesehen könnten eigentlich die FDP Frauen zufrieden sein. Sie hatten bewusst provoziert. Die Frauen konnten - dank der Diskussion - ihr Anliegen in persönlichen Gesprächen erläutern.  Mit der jüngsten Klage gibt es nun für diese Frauen erneute Publizität. Man spricht wiederum von diesem"Oben-ohne" Plakat. Die PR Gruppe der FDP Frauen könnten sich somit erneut auf die Schultern klopfen.  Die  Generalsekretärin ist jedoch im Nachhinein unglücklich. Die Geschichte habe ihr nun geschadet, findet sie. "Blick" habe mit der Publikation des Bildes - ohne Balken - die Grenze überschritten.
Für mich hat diese  Fortsetzungsgeschichte verschiedene Ebenen:


- Es geht um die rechtliche Frage. Hat Blick gegen die Persönlichkeitsrechte der Generalsekretärin der FDP Frauen verstossen (obwohl der Fehler bei der Grafikerin lag)?


- Werden nun die FDP Frauen von dieser Geschichte PR mässig langfristig profitieren oder hat sich nun  sich die Diskussion noch mehr auf jene Ebene verlagert, die von den Frauen nie gewünscht wurde (Frau als Sexobjekt)?


- Die Geschichte bestätigt einmal mehr, dass es sich bei Marketingaktionen immer lohnt, mit Profis zu arbeiten, die technisch keine Dilettanten sind. Auf dieses Problem habe ich verschiedentlich bei den heutigen Videospots hingewiesen, die kontraproduktiv sein können, weil sich Kandidaten vorschnell vor eine Kamera stellen und  mit ihren unvorbereiteten Auftritten lächerlich gemacht haben (Beispiel: Marco Fischer FDP in Luzern).


- Aus meiner Sicht das Wichtigste: Steht letztlich die gewünschte Kernbotschaft nach den Mediengeschichten im Zentrum oder war die Aktion letztlich nicht kontraproduktiv? Das entscheiden immer die Adressaten und nicht die Macher oder Experten. In diesem Fall hatte ich leider keine gute Rückmeldungen erhalten. Aufmerksamkeit zu erlangen ist das eine. Das Wichtigste beim Marketing ist und bleibt jedoch die Vermittlung einer  überzeugenden Kernbotschaft.


Die Fortsetzungsgeschichte der "Oben-ohne" Werbung bestärkt meine Zweifel, die ich bereits im ersten Beitrag geäussert hatte.




LINKS:
07 Juli 2011
So sexy haben sich die Freisinnigen Frauen noch nie präsentiert: Mit nackter Brust, nur bedeckt von einem Banner «Nicht mehr oben ohne», posiert Generalsekretärin Claudine Esseiva ab heute Donnerstag auf Facebook für die ...
08 Juli 2011
In diesem Fall bezweifle ich, dass auf Grund des “Oben – ohne Auftrittes” die Frauen der FDP im Herbst mehr Stimmen bringen werden und künftig etwas getan wird, damit mehr Frauen in den Verwaltungsräten sitzen. ...

Jörg Kachelmann endgültig freigesprochen






Es ist und bleibt richtig, dass einem Beschuldigten allfällige Straftaten nachgewiesen werden müssen und nicht umgekehrt. Die Devise muss lauten: im Zweifel für den Angeklagten.


Ich zitiere Tagi:


Jörg Kachelmann ist endgültig frei

Der Freispruch des Wettermoderators Jörg Kachelmann vom Vorwurf der Vergewaltigung ist rechtskräftig. Die Revisionsanträge wurden zurückgenommen.


  Gut gelaunte Anwältin, nachdenklicher Mandant: Andrea Combé verlässt mit dem freigesprochenen Jörg Kachelmann die Tiefgarage des Gerichts. (31. Mai 2011)


Fragen: 


Wie wird der Beschuldigte entschädigt?


Wie hoch ist sein Reputationsschaden?

Auch wir haben viel über den Fall geschrieben.


Auszug aus den zahlreichen LINKS:


29. Febr. 2008 ... Im November 2007 verbreiteten die Medien eine Aussage, die der Meteorologe Jörg Kachelmann angeblich gemacht haben soll. Es wurde im ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/08/02_29/index.html
Sex bei 120 Sachen: Im November 2007 verbreiteten die Medien eine Aussage, wonach Starmeteoro- loge Jörg Kachelmann angeblich “Sex bei 120 Sachen” ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/08/04_02/persoenlich.pdf
24. März 2010 ... Der Wetterfrosch Jürg Kachelmann ist in Untersuchungshaft. Für Promis gilt: Im Zweifel für den Angeklagten. Dass Menschen mit erfundenen ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/10/03_24/index.html
3. Nov. 2010 ... Einmal mehr handelte Jörg Kachelmann gezielt prozesstaktisch. Seine Anwälte wissen, dass sich Richter von der öffentlichen Meinung ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/10/11_03/index.html
28. März 2010 ... März, 2010. Der TV-Meterologe Jörg Kachelmann ist weiter in den Medien. Er wurde am 20. März aufgrund eines Vergewaltigungsverdacht in ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/10/03_28/index.html
31. Mai 2011 ... März, 2010 · Jörg Kachelmann und die Wurstmaschine. Nach 43 Verhandlungstagen hat das Landgericht Mannheim Jörg Kachelman ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/11/05_31a/index.html
6. Juni 2010 ... «Meteo-Rhetorik» und Kachelmanns Verhalten. Medienrhetorik. Jörg Kachelmann schuf vor einigen Jahren ein neues Meteo-Vokabular. ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/10/07_04/06_10.pd
12. Nov. 2010 ... Aus dem Tagi: Im Prozess gegen Jörg Kachelmann ist die Ärztin befragt worden, die bei Sabine W. Verletzungen nach der mutmasslichen Tat ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/10/11_12/index.htm
29. Juli 2010 ... Heute um 13:34 trat Jörg Kachelmann ins Freie. Er lächelte frisch rasiert in die Kameras. Liess seinen Anwalt reden und schwieg selber. ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/10/07_29/index.html
4. Nov. 2007 ... Wetterfrosch Jörg Kachelmann sogar mit Sex bei 120 Kilometern pro Stunde und fügte bei - als finde er es lustig - "und trotzdem passierte kein ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/07/11_04/index.html



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Samstag, 8. Oktober 2011

Leserfoto aus 20 Min:



Der erste Schnee

Mit einem Logo weltweit bekannt geworden


Mit einer Variation des Firmenlogos hat es ein Design-Student aus Hongkong nach dem Tod von Steve Jobs schlagartig zu Ruhm gebracht – AT&T verzeichnet einen wahren Ansturm auf das neue iPhone.

Quelle TAGI:
Logo zu Ehren von Steve Jobs verändert: Jonathan Mak.

Logo zu Ehren von Steve Jobs verändert: Jonathan Mak.
Bild: AFP

Er fühle sich überwältigt und «geschmeichelt» über die rasche Verbreitung seines Werks, sagte der 19-jährige Urheber des Bilds, Jonathan Mak, am Freitag in Hongkong. Sein Werk zeigt den typischen Apfel, anstelle der üblichen Bissspur jedoch die Silhouette von Jobs mit seiner markanten Nickelbrille. Die deutsche Zeitung «Welt» druckte es am Freitag auf der Titelseite ab.