Freitag, 22. Juli 2011

Auswendiglernen nicht mehr verpönt?


Vor Jahren wurden Pädagogen, die Inhalte auswendig lernen pflegten, von den zeitgemässen Kollegen belächelt. So wie es keinen Frontalunterricht mehr geben durfte, war jegliches Memorieren tabu.

Nun scheint die Wissenschaft erkannt zu haben, dass im Zeitalter des Interets die Förderung der Gedächtnisleistung wieder einen neuen Sinn bekommt. In der Kampus Beilage NZZ wurde diese Thematik jüngst beleuchtet.


Ich zitiere:


«Ich komm gerade nicht drauf!»

Wir können unserem Gedächtnis ruhig mehr zutrauen – es kann Verblüffendes

Erinnerungen können sich zu neuen, spannenden Ideen verknüpfen. Man muss sie aber erst einmal in den Kopf abfüllen. (Bild: Falko Ohlmer)Zoom

Erinnerungen können sich zu neuen, spannenden Ideen verknüpfen. Man muss sie aber erst einmal in den Kopf abfüllen. (Bild: Falko Ohlmer)

Lernstoff auswendig lernen gilt leider heute oft als aufreibend und sinnlos. Wozu im Zeitalter des Internets das Gedächtnis anstrengen? Memorieren kann aber unterhaltsam sein – und hat seine Vorteile.


Es ist wie eine allergische Reaktion, die ganze Studentenscharen befällt. Kaum heisst es «bitte auswendig lernen» folgt die Abwehrhaltung. Wozu braucht man all den Stoff? Im Beruf wird man die Fakten eh per Mausklick und nicht per Gedächtnis herbeizaubern. Und kaum hat man das memorierte Wissen bei der Prüfung abgespult, scheint der Stoff aus der Erinnerung verschwunden.
Tatsächlich aber ist das Gedächtnis weder so schwer in den Griff zu kriegen noch so leistungsschwach wie wir annehmen. Das Problem ist nur: Wir trauen ihm nichts mehr zu. Im Zeitalter von elektronischen Erinnerungsfunktionen und Adressbüchern wird das Gedächtnis ein Opfer des Outsourcing. Schliesslich, so scheint es, ist es wesentlich einfacher die Maschinchen machen zu lassen als das eigene Gehirn.


Ende Zitat


Der NZZ Beitrag macht uns  bewusst, dass dem  Gedächtnis in unserem Leben eine tragende Rolle im gesellschaftlichen Leben zukommt. Wer früher als kultiviert gelten wollte, lernte die Werke von der ersten bis zur letzten Seite auswendig. Das geschriebenen Wort war lediglich  eine Stütze zu: «Die Dinge werden in Büchern niedergeschrieben, um dem Gedächtnis zu helfen», hielt Thomas von Aquin in seiner «Summa theologica» fest.

Im antiken Griechenland Griechenland führte Simonides von Keos die Gedächtniskunst – Mnemonik – ein. Sein simpler Rat entsprach den heutigen Erkenntnissen: Wenn wir uns an etwas erinnern wollen, müssen wir die Gedanken Bildern zuordnen. Wenn die Bilder gedanklich  in ein vertrautes Gebäude gesetzt werden, lassen sie diese Bilder nachher auswendig wieder abrufen. Das Erinnern wird  zu einem imaginären Gang durch diese Räume. Diese sogenannte Loci-Methode funktioniert erstaunlich gut. Es ist eine Eigenart des Gedächtnisses, dass wir visuelle und räumliche Informationen besonders gut speichern können.
Die Methode wird noch heute als Strategie der Sieger nationaler und internationaler Gedächtnis-Meisterschaften angewendet. Visualisierung ist ihr Schlüssel.
.

Wir können von Gedächtnis-Profis lernen

Die Bildung von Schlüssel- und Brückenbegriffen ist eine weitere Hilfe:

Wir können einzelne Kapitel mit bereits gelerntem Stoff verknüpfen und somit das Erinnern erleichtern. Wenn es sich nicht um ganze Bücher, sondern um überschaubare Mengen des Lernstoffs handelt, ist auch das Auswendig lernen durch regelmässige Wiederholung zu empfehlen. Denn das Gedächtnis zu fördern und ihm ruhig mal etwas zuzutrauen zahlt sich nicht nur im Examen aus: Erinnerungen können sich zu neuen, spannenden Ideen verknüpfen, denn Kreativität schöpft stets aus dem Alten, bereits Vorhandenen.



Das Gedächtnis kann und muss trainiert werden




Es ist bekannt, dass ein Schauspieler seitenweise Texte auswendig speichern kann. Dies ist jedoch ohne Training nicht möglich. Auch Namen können auswendig gelernt werden, indem gezielt Eselsbrücken genutzt werden. Diese Merkfähigkeit kann gelernt werden. Ein Medizinstudent sagte mir, wer nicht gelernt hat Medikamente und Begriffe aus der Anatomie automatisch abzurufen, der hat Probleme bei Prüfungen. Er habe sich während des Studiums das Gedächtnis bewusst gefordert und trainiert.
Viele Schüler sagen sich, dass man ja im Zeitalter des Internets alles abrufen könne und es völlig sinnlos sei, Flüsse, Seen oder Städte ( analog der Briefträgergeografie) auswendig zu lernen. Diese Kritiker sind sich nicht bewusst, dass jedes noch so sinnlose Training von Namen, Texten oder Fremdwörtern, beitragen kann, die Merkfähigkeit zu verbessern.


Ich zitiere aus meinem Lehrbuch "Angewandte Rhetorik" (natürlich, adressatengerecht, inhaltzentriert reden) aus dem Kapitel Gedächtnis:




Das Gedächtnis ist ein «Sieb»* 


Mit diesem Test können Sie jeden, der eine Armbanduhr mit Zeigern besitzt, prüfen (also auch sich selbst). Die Testperson darf dabei nicht auf ihre Uhr blicken und soll möglichst genau deren Aussehen beschreiben:


Welche Farbe hat das Zifferblatt? Enthält es Zahlen, Striche, Punkte oder mehreres davon? Wie sehen die Zwölf, die Sechs und die Drei aus? Ist für jede Minute eine eigene Markierung vorhanden?


  Der Test ergibt meist viele falsche Antworten. Der Grund: Nicht das Aussehen der Uhr inter essiert uns, wenn wir auf sie blicken, sondern die angezeigte Zeit. Unser Gedächtnis siebt
Informationen aus, die im Grunde unwichtig sind:
Andernfalls würde das Gedächnis «platzen».



Das Gedächtnis speichert nur Dinge, die als wichtig eingestuft worden sind.



Um bei der Siebvorstellung zu bleiben: Zum Beispiel mit dem Vernetzen Wort -
Bild (Mnemotechnik) bleiben die Informationen letztlich hängen. Deshalb können wir uns Wort reihen mit Wortpaaren besser merken, wenn sie mit Bildern eingeprägt werden.



Berg - Baum Nachricht - Kerze
Tisch - Frau
Terminabläufe, Zahnarzt/Sitzung/usw. (Wir stellen uns den Ablauf als Bildergeschichte
vor.)



Namen und Gesichter lassen sich so besser merken: Frau Glocker - (Glocke)
Herr Kaminski (Kamin/Ski)



Zahlen merken



Der 2. Weltkrieg ging 1945 zu Ende (eine Viertel stunde vor acht).
Geschichten als Bildergeschichten einprägen (Comics ähnlich mit Strichzeichnungen). Ein Reallehrer verlangte von seinen Schülern bei jeder Französischlektion das Auswendiglernen eines kleinen Textes. Diese Gedächtnisschulung war zuerst äusserst mühsam. Einige der Klasse fühlten sich überfordert. Trotz gutem Willen und stundenlangem Lernen blieben die Sätze nicht haften. Erst nach dem gemeinsamen Erarbeiten des Textes als Bilderzeichnung blieb der Text gespeichert.



Vorgehen:



1. Übersetzung (Französisch ins Deutsche)


2. Erstellen einer Bildergeschichte (mit Piktogrammen/Strichzeichnungen)



3. Die Benützung der Bilder als «Spick» wurde erlaubt (bewusst!).


Erstaunlicherweise verzichteten die meisten später auf die Bilder, weil Text und Bild vernetzt im Langzeitgedächtnis haften blieben. 


Wie verhindern wir das Vergessen? (Gedächtnis training)


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Das Gedächtnis ist ein kapriziöses und launiges Wesen, einem jungen Mädchen zu vergleichen, bisweilen verweigert es ganz unerwartet, was es hundertmal geliefert hat, und bringt es dann später, wenn man nicht mehr daran denkt, ganz von selbst entgegen.



Schopenhauer



Die Zahl der Kursteilnehmer an Rhetorikseminaren, die an der Kapazität ihres Gedächtnisses zweifeln, ist recht gross. Sie wissen nicht, dass es Voraussetzungen und Techniken gibt, die Effizienz des eigenen Gedächtnisses zu verbessern.
So können wir «das Vergessen» verhindern:



Möglichkeiten:



- Sich konzentrieren


- Kombinieren (Gedanken mit ähnl. Sachverhalten verbinden)

- Sich fragen (bewusst Fragen stellen, Sachverhalte hinterfragen

- Sich interessieren (Neugierde)

- Bewusstes «In-Trab-halten» des Gehirns (Denken beschleunigt Blut- und Sauerstoffzufuhr. Nicht Zuckerwasser trinken oder tief atmen macht «gescheit».)



- Denkanstösse (spielend denken)

- Einsicht in Logik und Zusammenhänge 

- Wille zum Speichern

Zur Konzentrationsfähigkeit:


Entscheidend ist der Grad der Anteilnahme (Aufmerksamkeit) und die Abschirmung von störendem Umweltgeschehen

- Denken mit Wissen verbinden

- Zusammenhänge sehen (Begriffe einordnen: Herkunft von Wörtern feststellen)


- Diskussion mit Aussenstehenden


- Freude am Lernen

- Günstige Stimmung schaffen (angenehmes Lernklima)

- Wiederholen (auf allen Kanälen repetieren):

• schreibend 


• hörend (Tonband laufen lassen, mit eigenen Hörgedanken oder mit ausformuliertem Text)

• sehend

• lesend (sich dabei Fragen stellen), laut lesend


• zusammenfassend (in Intervallen)

• zeichnend

• mit Stichworten wiederholend (denkend und laut trepetieren

) • ohne Stichworte wiederholend

- Kombinierte Wiederholung: Indem der nämliche Inhalt in neue Zusammenhänge eingebettet wird (Stoff mit anderen Sachverhalten verbinden...


- Verknüpfen (Neues mit Bekanntem), Gedanken verknüpfen
4-Takt-Motor ala Velopumpe sehen. Kompression kann man sich so besser vorstellen
(vor dem Takt «Zündung»)


- Assoziationsbrücken (Eselsbrücken
)
- Verzicht auf Drogen und übermässigen Alkoholgenuss


- Ausgewogene, vitaminreiche Nahrung

- In Etappen lernen (Erholungspausen machen)


Lieber an zwei Tagen nur je eine Stunde üben, alsan einem Tag zwei Stunden trainieren.


- Schreiben (mitschreiben bei Vorträgen)
Vervielfältigungsapparate sind Gedächtniskiller, da Lernende nicht mehr selbst schreiben, strukturieren, umformulieren, zusammenfassen müssen.

- Aufmerksames Zuhören

- Lesen mit schweifendem Blick. Der Lesendenimmt mit einem Blick aufs Manuskript den Gedanken auf (schnelles Überfliegen des Satzes), und der Blick springt dann frei zum Publikum. zwingt zum Mitdenken beim Lesen).


- Laut denken (Sprachmelodie, Betonungen sind
Gedächtnisstützen)


- Schnelllesen (überfliegen und dabei mitdenken, sich
Fragen stellen während des Überfliegens).

Die Zeitungslektüre ist für das Gedächtnis bereits eine
gute Sache.

- Informationen interpretieren, beurteilen

- Genügend Ruhe, Schlaf!



Wichtig!

Eigene Veranlagung berücksichtigen. Der Redner benötigt vor allem das Kurzzeitgedächtnis (beim Überfliegen der Stichworte holt der Redner Gedanken zurück, um sie dann frei wiederzugeben).


Für das Einprägen im Training hilft es, mit zu berücksichtigen, dass Menschen unterschiedlich veranlagt sind.

> Der eine prägt sich Texte eher motorisch ein (muss es mehrmals schreiben).


> Oder er ist eher akustisch eingestellt (muss laut lernen oder ab Tonband).


> Visuell veranlagte Menschen merken sich Inhalte besser über: verschiedene Schriften, Farben, Unterstreichen, Benützen von Strichbildern, Piktogrammen, usw.


Übung:


1. Fernsehfilm zusammenfassen (ins Diktiergerät)


) 2. Buchinhalt wiedergeben


3. Tagebuch schreiben

4. Vortrag schriftlich wiedergeben

Nothilfe kann die Schweiz nicht verweigern, obschon....!


Um die Schweiz als Asylort weniger attraktiv zu machen, darf sie nicht auf die Nothilfe verzichten. Die Nothilfe ist verfassungsmässig festgeschrieben. Für viele Asylanten sind jedoch diese Beträge bereits viel höher, als der Verdienst im Ursprungsland.  Deshalb steigen die Kosten für Nothilfe noch mehr. Wenn die Gemeinden oder Kantone die Kosten nur auf den Bund abwälzen möchten, so ändert dies nicht an den Ausgaben - bezogen auf das ganze Land. 


Ich zitiere 20 Min:


In der Schweiz beziehen heuer dreimal mehr Menschen Nothilfe als im Jahre 2008. 

Deshalb sind auch die Kosten massiv gestiegen. Jetzt stellen die Kantone Forderungen an den Bund. 

storybild

Die Zahl der Nothilfebezüger ist in der Schweiz in den letzten Jahren stark angestiegen. (Bild: Keystone)

In den letzten drei Jahren hat sich die Zahl der Nothilfebezüger mehr als verdreifacht. 2400 Personen mit einem negativen Asylentscheid bezogen im Jahr 2008 Nothilfe. Im letzten Jahr waren es bereits 8400 Menschen. Das zeigen neuste Zahlen des Bundesamtes für Migration, welche «10vor10» vorliegen.
Dies führte zu höheren Kosten. In der selben Zeitspanne haben sich diese von knapp 10 auf über 40 Millionen vervierfacht. Diese Entwicklung bereitet den Kantonen Sorgen. Deshalb wollen sie jetzt die Notbremse ziehen: «Ich fordere den Bund auf, die anfallenden Kosten für die Kantone vollständig zu begleichen,» sagte Ruedi Hofstetter, Leiter des Sozialamtes Kanton Zürich, zu «10vor10». Der Bund solle das Problem bei der Nothilfe nun ernsthaft angehen. Zudem soll der Bund überprüfen wie die Rückschaffungen beschleunigt werden könnten.


«Gar keine Nothilfe mehr auszahlen?


Der Kanton Graubünden geht noch einen Schritt weiter. Ernst Brand, Chef des Amtes für Polizeiwesen, fordert in der Sendung «10vor10» in Zukunft ganz auf die Auszahlung von Nothilfe zu verzichten. Nur so könne die Attraktivität «zu bleiben» gesenkt werden.
Allerdings ist die Nothilfe in der Schweiz verfassungsmässig garantiert. Dies hat laut Rudolf Schaffner, Leiter des Sozialamtes im Kanton Basel-Landschaft, den Vorteil, dass man die Leute so kontrollieren kann und weiss, wo sie sind. «Ohne Nothilfe würden sie wohl untertauchen», sagt Schaffner.
Das Bundesamt für Migration ist sich der Problematik bewusst. Es hat im Oktober eine Sitzung mit den Kantonen einberufen. An dieser soll das Problem zusammen mit den Kantonen angegangen werden. Handlungsbedarf sieht der Bund bei abgewiesenen Asylbewerbern, welche die Schweiz nicht verlassen und über Jahre Nothilfe beziehen.


Kommentar:

Es gibt im Grunde genommen nur eine Möglichkeit, die Attraktivität des Aufenthaltes zu reduzieren. Die Ausschaffungen von Wirtschaftsflüchtlingen und der Dublinfälle müssten rasch beschleunigt werden. Wird nämlich  nichts getan, so hilft dies bei den Wahlen vor allem der SVP.

Donnerstag, 21. Juli 2011


Hans Selye Stress

 
Hier eine Datei über den Stress: „Jedermann erlebt Stress. Stress ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf Druck, Spannung oder Veränderung. Eine gewisse Dosis an Stress kann das Leben interessanter und weniger langweilig machen (Eustress). Zu viel Stress jedoch kann schädlich sein und Krankheiten oder Unfälle verursachen. Es ist wichtig, Stresssymptome erkennen zu können um wenn nötig Schritte gegen schädlichen Stress (Distress) unternehmen zu können“, schreibt Hildegard Knill. Hier die Datei und die Homepage der Autoren:





Hans Selye
Stress


Aus dem Blog von Buttler:

Nach dem Sommer im Frühling folgt nun der Winter im Sommer



storybild

Wintereinbruch im Sommer: Webcam-Bilder vom Mittwoch, 20. Juli 2011 aus Andermatt (2290 M.ü.M.), St.Moritz (2500 M.ü.M) und dem bündnerischen Juf (2126 M.ü.M). (von links nach rechts)



(aus 20 min)

Mittwoch, 20. Juli 2011

Niemand ist perfekt- Fehler gehören zum Leben



Tröstlich, dass auch Profis immer wieder Fehler unterlaufen.


Heute im Tagi--> (falscher Wochentag)




Ist die Frisur wichtiger als die Politik?


Für mich ist es lächerlich, wenn sich die Oeffentlichkeit und die Medien über die neue Frisur der Bundespräsidentin mehr auseinandersetzen als mit der Politik der Magistratin.


Ich zitiere 20 Min:


Calmy-Reys neue Frisur sorgt für Gesprächsstoff

Strenger Bob weicht toupiertem Haar: Stil-Experten und Coiffeure lassen kein gutes Haar an Micheline Calmy-Reys neuer Frisur. Sie sehen die Bundespräsidentin sogar schon bald zurücktreten.

storybild «AHV-Frisur» statt Short-Bob: Micheline Calmy-Rey. (Bild: Keystone/Thomas Burla)

«Mit dieser Mähne sieht Micheline Calmy-Rey aus wie eine Grossmutter.» Jeroen van Rooijen, Mode-Experte der «NZZ am Sonntag», findet die neue Frisur der Bundespräsidentin zum Haareraufen. Diese hatte ihre Haare beim Treffen mit Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in Genf gestern erstmals hochtoupiert.


Kommentar: Ich bin mir zwar bewusst, dass in den Medien und im Alltag Aeusserlichkeiten das Image einer Person beeinflussen können und etwas zur Wirkung beitragen. Wenn jedoch eine Frisur wichtiger wird als die Taten einer Politikerin, so habe ich Mühe.

Dienstag, 19. Juli 2011


Besser als der Vater

Als Ems-Chefin trat Magdalena Martullo-Blocher aus dem Schatten ihres Vaters. Taugt sie auch als politische Nachfolgerin? Leute, die sie kennen, halten das für möglich.
1/6 Ein Fehler, sie einfach nur an ihrem Vater zu messen: Magdalena Martullo und Christoph Blocher vor der Ems Chemie Mitte 2003, ein halbes Jahr vor der Stabsübergabe vom Vater an die Tochter.
Bild: Keystone


Geht Magdalena Martullo in die Politik? Für die Parlamentswahlen vom Oktober 2011 hat sie der Bündner SVP abgesagt, wie der «Sonntag» in Erfahrung brachte. Doch ansonsten nährt sie selbst das Gerücht, dass sie dereinst eine politische Karriere anstrebt, fleissig.
In den letzten Monaten zeigte sich die bis anhin medienscheue Ökonomin zunehmend in der Öffentlichkeit. Mit einem Einblick in ihren Bündner Chemiekonzern Ems im SF-Film «Reporter» oder im Rahmen der Firmenchronik «Erfolg als Auftrag», die Anfang Jahr erschienen ist. Dabei scheint sie jede Gelegenheit für politische Statements zu nutzen, sei es eine Medienkonferenz zur Atompolitik oder die Präsentation des Halbjahresergebnisses der Ems-Chemie vergangene Woche. Dort äusserte sie sich nicht nur zu Kennzahlen, sondern auch zur schweizerischen Energie- und Aussenpolitik, zum EU-Finanzdesaster und zur chinesischen Regierung.


Politische Exkurse




Aufhorchen lässt aber vor allem die Antwort der ältesten Blocher-Tochter, die im August 42 wird, auf die Frage nach ihrem Einstieg in die Politik: «Jetzt nicht – ausser ich muss.» Auch vor acht Jahren musste sie, als Christoph Blocher überraschend Bundesrat wurde. «Magdalena, du musst die Ems führen», hat er damals gesagt. Dass die Geburt ihres zweiten Kindes kurz bevorstand, spielte keine Rolle.
«Der neue Blocher ist eine Frau», titelte der «Sonntag». Und die NZZ schreibt, Martullo verfüge nicht nur über das unternehmerische Talent ihres Vaters, sondern sie neige wie er zu politischen Exkursen und Rundumschlägen. Zuweilen gingen die Exkurse an der Bilanzpressekonferenz so weit über den Tellerrand hinaus, dass man sich frage, was sie mit dem Unternehmen Ems denn noch zu tun haben. «Nicht auszuschliessen, dass sie sich zu mehr berufen fühlt als zum Führen eines mittelgrossen Konzerns.»


Die Gabe zur Vereinfachung




Bei der Unternehmensführung hat sich Magdalena Martullo bewiesen, wie ihr manche attestieren. Wie sie den Konzern durch die Wirtschaftskrise geführt und den Gewinn danach wieder gesteigert habe, sei beeindruckend gewesen, schreibt die NZZ. Fast sei man versucht zu sagen, der Vater hätte es nicht besser gekonnt. Und Publizist Karl Lüönd, der für das Buchprojekt «Erfolg als Auftrag» vier Jahre lang mit Martullo im Austausch war, sagt: «Sie macht vieles anders als ihr Vater und manches sogar besser. Sie hat das Unternehmen weiterentwickelt.» Es sei ein Fehler, sie einfach nur an ihrem Vater zu messen, sagt Lüönd.
Doch wenn Martullo Politikerin wird, muss sie sich automatisch am Vater messen lassen. Dieser hat die Entwicklung einer stagnierenden 10-Prozent-Partei zur heutigen SVP, die einen Drittel der Wähler hinter sich schart, massgeblich mitgeprägt. Taugt Martullo wie ihr Vater zum nationalen Partei-Aushängeschild und zur Chefstrategin? Ja, sie hätte das Zeug dazu, glaubt Lüönd. «Intellektuell und analytisch ist sie unglaublich stark. Und sie hat offenbar Charisma, sie wirkt immer echt und kommt bei vielen Leuten gut an. Und sie kann überzeugen, sie hat wie Christoph Blocher die Gabe zur Vereinfachung.»



Burschikose Direktheit




Kommunikationsexperte Marcus Knill traut ihr zu, dass sie die Argumentationstechnik und die Rhetorik von ihrem Vater «gleichsam geerbt, also bereits im Blut» hat. Vater Blocher mache zwar unzählige rhetorische Fehler, er spreche zu laut, wild, unkoordiniert gestikulierend. Trotzdem könne er seine Zuhörer fesseln und beeinflussen. «Sein Erfolgsrezept: Er glaubt an das, was er sagt, spricht in Bildern und Geschichten.» Auch seine Tochter könnte, sofern sie von dem, was sie sage, ebenfalls voll und ganz überzeugt sei, als Nachfolgerin «grosse Massen beeinflussen».
Er habe sich gewundert, wie Martullo im SF-Film ein Mitglied der Führungsriege als Träumer blossgestellt habe, sagt Knill. Doch seine Recherchen hätten gezeigt, dass sich in der Ems-Chemie niemand an der burschikosen Direktheit der Chefin störe, dass diese sogar geschätzt würde, weil man bei ihr wisse, woran man sei. «So gesehen könnte ihre Eindeutigkeit und Direktheit unserem politischen Klima guttun, in dem oft nur indirekt und mit Weichspülern kommuniziert wird.»




Auch die SVP hat militärische Züge




Trotzdem sind Wirtschaft und Politik nicht dasselbe. Das mussten schon andere erfolgreiche Unternehmer erfahren, die in der Politik einflussarm geblieben sind. Und Martullos unzimperlicher Führungsstil, der von Buchautor Karl Lüönd als militärisch bezeichnet wird, wirft die Frage nach der Politiktauglichkeit auf. Was in einer andern Partei zum Problem würde, ist in der SVP aber womöglich keines. Denn die Partei ist streng hierarchisch und straff organisiert, die Folgsamkeit der Parteifunktionäre gegenüber dem Chefstrategen ist augenfällig und hat ebenfalls militärische Züge.
«Klar ist, bei der SVP wäre die Erleichterung gross, wenn man Martullo einbinden könnte, um das drohende Vakuum zu füllen», sagt Politikberater Mark Balsiger. Sie hätte den Vorteil, keine Ochsentour absolvieren zu müssen, und würde sich «vermutlich innert weniger Jahre durchsetzen». Beim Aufstieg auf die nationale Bühne sei die Luft schnell einmal dünn, für die Position des Parteichefs brauche es eine dicke Haut, enorme Durchsetzungskraft und die Kondition eines Marathonläufers. Zudem sei die SVP traditionell eine Männerpartei, sagt Balsiger, der Frauenanteil in der Bundeshausfraktion liegt bei 8 Prozent, und die wenigen gezielt geförderten Frauen seien «jung, attraktiv und medientauglich» wie Natalie Rickli oder neu Anita Borer (ZH) und Nadja Pieren (BE).
Die Frage ist, ob die dreifache Mutter will, sagt Lüönd. «Diesen Schritt wird sie sich zweimal überlegen. Aber sie ist kein unpolitischer Mensch.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)




KOMMENTAR

Hier noch einen Nachtrag zu meinem Telefoninterview, das inhaltlich korrekt zusammengefasst worden ist:


Vater und Tochter haben  schon äusserlich Vieles gemeinsam.
Das Blocher-Prinzip als Führungsprinzip scheint im Management Erfolg zu haben. Vielleicht liegt es darin, dass bei Blochers  auftragsorientiert geführt wird. Als Kommunikationsberater kann ich jedoch Blochers These nicht
unterstützen, man dürfe einem Vorgesetzten keine Frage, sondern nur einen Antrag stellen. Wer den TV Beitrag von der Weiterbildungsveranstaltung mit Magdalene Blocher gesehen hat, ärgert sich verständlicherweise, wie sie einen Mitarbeiter aus dem eigenen Führungsteam vor allen anderen als Träumer blossstellt. Das widerspricht  einer menschenorientierten Führung. Ich habe  bei einer Recherche bei der EMS Chemie erfahren, dass sich dort jedoch  niemand an dieser burschikosen Direktheit der Chefin störe. Diese offene
Kritik ertrage das Team  und bei Magdalena Martullo-Blocher würde es stets geschätzt, dass man wisse, woran man sei. So gesehen könnte ihre Eindeutigkeit und Direktheit  in unserem politischen  Schon-Klima  gut tun, bei der zu oft nur
indirekt und mit Weichspülern kommuniziert wird und sich viele Parlamentarier als Airbagrhetoriker hervortun, indem sie  oft warme Luft produzieren, nur um nirgends anzuecken .