Rhetorik.ch Blog
Persönliche Gedanken von Marcus Knill
zu Aktuellem.
Samstag, 23. Mai 2009
Hat uns der Bundesrat angelogen?
Zitat Blick:
Die starke Zuwanderung der letzten Jahre habe nicht zu mehr Wirtschaftswachstum geführt, sagt der Freiburger Professor Reiner Eichenberger. «Man sollte endlich aufhören, einfach zu behaupten, dass wir der Einwanderung das Wirtschaftswachstum verdanken.»
Die Schweizer Regierung habe noch im letzten Herbst behauptet, dass im internationalen Vergleich gute Wachstum von 0,5 Prozent sei auch eine Folge der Einwanderung, erklärte der Wirtschaftswissenschaftler in der «NZZ» von heute.
Bereinigt um das starke Bevölkerungswachstum von 1,4 Prozent wäre die Wirtschaftsleistung pro Kopf damals aber längst um 1 Prozent gesunken, sagte der Professor an der Universität Freiburg. Bevölkerungswachstum verursache enorme Kosten. «Wir sollten auf Wirtschaftswachstum setzten, nicht auf Bevölkerungswachstum.»
Denn eine wachsende Bevölkerung führe zu dichterer Besiedlung, zu Landverschleiss, erfordere hohe Investitionen in die Infrastruktur, führe zu Lärm und Stress – etwa wegen den Verkehrsproblemen. «Die Schweiz hat europaweit das höchste Bevölkerungswachstum. Im Kanton Zürich beträgt es 2 Prozent. Wie soll das weitergehen?», fragt Eichenberger.
Das Thema Bevölkerungswachstum kritisch zu betrachten, gelte als anrüchig, weil bei diesem Thema eine gewisse Nähe zur Ausländerfeindlichkeit bestehe, weiss der Professor. «Dieses Thema hat die SVP gepachtet, weil die anderen Parteien nicht fähig waren, auf die Probleme, die es in diesem Bereich gibt, ernsthaft einzugehen.»
Eichenberger sieht die Migration jedoch nicht nur negativ: Heute kämen vor allem gut qualifizierte, produktive Einwanderer. Und das heisse: bauen, bauen, bauen. Davon könne das Gewerbe, das politisch von der SVP vertreten werde, profitieren.
Kommentar: Jede Münze hat zwei Seiten. Es hängt immer davon ab von welcher Seite man die Münze betrachtet.
Moritz Leuenberger provozierte bewusst, damit die Sonntagspresse anbeisst!
Im Tele D (Diessenhofen) begründete Moritz Leuenberger seine umstrittenen Worte in seinem Blog gegen die Obwaldner.
Ich zitiere aus dem BLOG:
Raumplanerische Zonen für Reiche sind die definitive Karikatur des Steuerwettbewerbes. Er selbst schafft ja schon Ungleichheiten, die mühsam korrigiert werden müssen: Wenn eine Gemeinde mit sehr niedrigen Steuersätzen derart viele Reiche anzieht, dass die Bodenpreise ins Unermessliche steigen, muss sie, die Gemeinde, auf der anderen Seite wieder dafür sorgen, dass die Angestellten, ohne die eine Gemeinde nicht funktioniert, erschwinglich wohnen können. Dass die Bodenpreise als Folge des Bodenmarktes den meisten Menschen den Zugang zu Grundeigentum verwehren, ist seit Jahrzehnten Anlass, um eine ausgleichende und gerechtere Bodenpolitik und Raumplanung zu versuchen. Doch die behördliche Reservierung von Boden für Menschen, die „einen volkswirtschaftlichen Nutzen bringen“, ist nichts anderes als Apartheid.
Ende Zitat
Hernach folgte denn auch wie das Amen in der Kirche - ein kritischer Artikel in der Sonntagspresse über diesen angeblich unzumutbaren Vergleich!
Leuenberger erläuterte im Tele D, dass er am Wochenende den Spruch mit dem Apartheit - Vergleich bewusst als "List" im Blog geschrieben habe, wohl wissend, dass Journalisten den Blog vor der Ausgabe wie gewohnt durchkämmen. Tatsächlich hatte die Sonntagspresse den Leuenbergers Vergleich publiziert. Dies führte zu einem kleinen Medienwirbel mit der Folge, dass die Thematik nachher breiter diskutiert wurde. Das war Leuenbergers Absicht.
Kommentar: Damit demonstrierte Bundesrat Leuenberger, wie die Medien instrumentalisiert werden können. Ob jedoch die Rechnung mit derartigen Listen langfristig aufgehen, darf bezweifelt werden. Wenn nämlich die Journalisten solche Tricks durchschauen, hat es auch ein Bundesrat nicht mehr so einfach, den Journalisten künftig - so wie man Hunden Knochen hinwirft, damit sie zubeissen - Provokationen oder hinkende Vergleiche zu publizieren.
Interessant finde ich den Umstand, dass sich Leuenberger früher geärgert hatte, wenn es der SVP mit ähnlichen Provokationen und überspitzten Formulierungen gelang, Ihre Anliegen vertiefter zu diskutierten. Die SVP profitierte ebenfalls von den erbosten Reaktionen und den Protesten. Hauptsache war für die Partei die Medienpräsenz. Sie konnte wie Leuenberger nachträglich den verärgerten Stimmen entgegnen und kam damit nochmals zu Wort.Ob wohl Bundesrat Leuenberger von einem SVP Strategen gecoacht worden ist?
Freitag, 22. Mai 2009
Orientierungslosigkeit - ein ernst zu nehmendes Zeitproblem
Denn: Orientierungslosigkeit kostet nicht nur viel Zeit und Geld.
Es ist nicht verwunderlich, dass unsere Gesellschaft viele Probleme selbst verschuldet. Der Mensch wünscht Halt, Orientierung und Wertmassstäbe.Die Tendenzen sind jedoch gegenläufig. In der pädagogischen Landschaft führen zu schnelle Wechsel von Lehrmitteln und Methoden zu einer Orientierungslosigkeit für Lehrkräfte. Bei meinen Seminaren klagen die Lehrkräfte über den grassierenden Aktionismus im Schulwesen. Die konstanten Bezugspersonen verschwinden auf der Volkschulstufe. Es mangelt an Ruhe. Gefragt ist hingegen Betriebsamkeit, Bürokratisierung und Veränderung um der Veränderung willen. Es gibt Klassen, die werden heute von 6 bis zum Teil sogar von 8 Teilzeitlehrkräften betreut. Auch die Normfamilien mit konstanten Bezugspersonen werden rar.
Fremdbetreuung wird vom Staat zusätzlich gefördert, sodass die Erziehung der eigenen Kinder nicht mehr attraktiv ist. Den Eltern sollte man besser ihreErziehungstätigkeit entschädigen, damit es sich weider lohnt, die eigenen Kinder selbst zu betreuen. Aber nicht nur in Schule und Familie wächst die Orientierungslosigkeit.
Die Orientierungslosigkeit zeigt sich auch beim heutigen Rechtschreibechaos.
Mein Ziehvater - ein deutschen Diplompsychologe - prognostizierte schon vor Jahrzehnten, dass der Wertezerfall und die Orientierungslosigkeit Ursache zahlreicher Zeitprobleme werde. Er behauptete, es folge nach den ersten Schäden schon noch ein Umdenken.
Nach seinem Dafürhalten ist die Sucht-, die Gewaltproblem mitunter eine Folge der zunehmende Halt- und Grenzenlosigkeit. Man müsste eigentlich einmal die Folgekosten der jahrelangen Beliebigkeit in der Erziehung und wechselnden Betreuung auflisten, forderte der Psychologe, der auch als Mediziner eine grosse Erfahrung hatte.
Zur Orientierungslosigkeit der neuen Rechtschreibung
Die neue Rechtschreibung ist ein Musterbeispiel, wie über Jahre die Konfusion in Schulen, Verlagen und Redaktionsstuben unnötigerweise geschürt wurde. Seit der Einführung und dem unbegreiflichen Hin und Her ist die Bevölkerung im deutschsprachigen Raum verunsichert. Heisst es nun "voll spritzen" oder "vollspritzen"? Gilt "Gräuel" oder kann man weiterhin doch noch "Greuel" schreiben? Man wollte zuerst bei der Rechtschreibung eine zwingende Einführung. Nachdem dann jedoch gewisse Verlage die Aenderungen verweigerten, folgte ein orthografischer Freistil. Lehrmittel wurden zuerst mit grossen Summen neu gedruckt. Dann wurde klar, dass dies gar nicht notwendig gewesen wäre (weil die Regeln noch gar nicht nicht definitiv abgesegnet waren). Dann machte sich auch bei Lehrern eine Verunsicherung breit, als die Umsetzung nicht mehr zwingend war. Die neue Rechtschreibung - ohne klare Regeln - führten auch bei der Benotung zu einer grossen Verwirrung. Sprachwissenschafter Rudolf Wachter (Universität Basel) formulierte es so:
"Wenn dar Staat weiterhin gewisse Schreibvarianten bevorzugt und andere -populärere - als Fehler anstreicht, drohen Rekurse." Zur Zeit herrsche die Meinung, alles sei erlaubt. Nun drohe das totale Chaos.
Neue Rechtschreibung?
Kommentar: Diese Orientierungslosigkeit bei der Rechtschreibung erinnert mich an den Erziehungs- und Führungsgrundsatz: Jeder kann machen was ihm beliebt. Alles ist richtig. Wenn klare Grenzen fehlen, bin ich davon überzeugt, dass damit dem Menschen die Orientierung fehlt. Es lohnt sich deshalb bestimmt, rasch Gegensteuer zu halten. Legen wir die derzeitigen "Laisser - faire- Mentalität" ab. Die REchtschreibung hat sich ständig gewandelt und niemand hat etwas gegen Verbesserungen. Doch müssten Veränderungen immer nur schrittweise und langsam vorgenommen werden, damit sie in der breiten Oeffentlichkeit verinnerlicht werden können.
4. März 2006 ... in Deutschland wieder neue Rechtschreibregeln pauken müssen. ... Bei dem Hin- und Her von der alten zur neuen Rechtschreibung und nun ...www.rhetorik.ch/Aktuell/06/03_04.html - 10k - Cached - Similar pages
Donnerstag, 21. Mai 2009
K+K wünscht allen Leserinnen und Lesern einen erholsamen Tag der Auffahrt (Christi Himmelfahrt)
Die Suche nach Glück Erstaunlich viele Buchtitel machten mir in der Buchhandlung bewusst, dass sich die Suche nach Glück vermarkten lässt. Ernst Fritz Schubert schreibt von einem neuen Schulfach GLUECK (wie damit die Schule verändert werden kann). Joseph Murphy titelt sein Buch mit "GLUECK ist kein Zufall". Stefan Klein schrieb ein Buch "Die GLUECKSFORMELN oder wie die guten Gefühle entstehen". Ein Buch von Eckart von Hirschhausenes heisst: "GLUECK kommt selten allein"Beim Durchblättern suchte ich nach konkreten Glücksformeln. Dabei las ich, dass die Deutschen vor allem das Glück im Privaten finden. (Umfrage von Emnid) 57 % der Befragten fühlten sich glücklich, wobei die eigene Gesundheit und die Gesundheit der Angehörigen eine wichtige Rolle spielen. Auf einer Weltkarte des Wohlbefindens dominiert Dänemark und dann die Schweiz vor Oesterreich. Psychologe Adrian White stellt fest, dass das Glücksgefühl mit einem guten Gesundheitssystem, einem höheren Pro-Kopf- Einkommen und einem Zugang zu Bildung zusammenhängt. Fritz Schubert findet, Zufriedenheit, Selbstsicherheit und Selbstverantwortung könne gelehrt werden. Es leuchtet ein, dass Bindungsfähigkeit, soziale Kompetenz und eine funktionierende Selbstkompetenz das seelische Wohlbefinden beeinflusst.Dabei geht es nicht darum, das negative auszublenden, sondern darum, das Positive zu verstärken. (Uebrigens ein wichtiger Bestandteil unserer Seminare). Eine wichtige Glückformel fand ich im Hinweis, wir müssten vermehrt lernen, unsere Glücksmomente bewusst wahrzunehmen. Das Glücksgefühl kann angeblich im Hirn lokalisert werden. Das Aufschreiben dieser Glücksmoment in ein Glückstagebuch ist ein wichtiger Schritt zum Bewusstmachen dieser Augenblicke.Wir müssen uns bewusst werden, wann wir glücklich sind. Hirschhausen hat auf seiner Homepage kein vierblättriges Kleeblatt, sondern ein dreiblättriges. Er will damit sagen, dass wir uns nicht auf das Zufallsglück ausrichten sollen, sondern, dass wir das Glück selbst an die Hand nehmen sollen. (Jeder ist seines Glückes Schmid) Dass Gold nicht das Glück bringt, greift zu kurz. Es ist uns klar, dass materielle Dinge allein kein Glück bringen. Ein Lottogewinn bringt meist nur kurzfristige Freude. Die Glücksliteratur machte uns bewusst, dass für die langfristige Lebenszufriedenheit vor allem die Beziehung zu Freunden und ein gesichertes finanzielles Auskommen ist. Di Zufriedenheit im Alltag unterschiedet glückliche von unglücklichen Menschen.Für Klein ist besonders wichtig, dass wir uns nicht ständig mit anderen verglichen und falsche Erwartungen vermeiden. So sind an der Olympiade die Silbermedaillengewinner unglücklich, weil sie erwartet hatten Gold zu gewinnen. Die Bronzemedaillengewinner sind meist glücklicher, weil sie eher die Erwartung hatten, keine Medaille nach Hause zu bringen. Negatives Denken ist die grösste "Glücks-Falle". Positive Signale fördern hingegen die Zuversicht und das eigene Handeln und das Erlebnis von Glück.Beim Durchblättern der Glücksliteratur wurde mir bewusst, dass in der jetzigen Krisenzeit das Thema Glück Hochkonjunktur hat.
Mittwoch, 20. Mai 2009
Bundesrätin Eveline Widmer Schlumpf wegen Personalpolitik in der Kritik
SP und SVP möchten eine Begründung, weshalb sich die Justizminiserin ohne eigentliche Begründung von ihren Spitzenbeamten Eduard Gnesa und Urs Betschard Knall auf Fall trennt.Gnes und Betschard waren wegen ihrer Erfahrung rundum geschätzt. Es wird vermutet ,dass die Justizministerin die Probleme mit der Intergration und der Ausländerpolitik auf die engsten Mitarbeite abwälzen will, um damit selbst aus dem Schussfeld der Kritik zu geraten.
Auch Bundesrat Couchepins Fell könnte doch noch nass werden
Nach dem Ja zur Alternativmedizin ist es offensichtlich, dass das Abstimmungsresultat nicht nach dem Gusto des Gesundheitsministers ausgefallen ist. Anstatt die Volkmeinung ernst zu nehmen, zeigt sich nun, dass Couchepin die Umsetzung auf die lange Banks schieben will. Eigenmächtig verkündet er, dass bei den angebotenen Heilmethoden zuerst bewiesen werden muss , dass sie Erfolg bringen. In einem Interview spielt er sich "scheinheilig" als Befürworter der Alternativmedizin auf, abschon er immer offen gezeigt hatte, dass er nicht viel von diesen Methoden hält.Auf die Frage, bis wann er den Volksauftrag erfüllen werde, antwortet er in gewohnt unverbindlicher aber selbstherrlicher Art:Das wird sich weisen. Auf die Nachfrage: Bis wann? Couchepin: Das wird sich weisen. Ich weiss nicht. Zuerst müssen die Befürworter beweisen, dass sei die gesetzlichen Bedingung erfüllen.Diese Ausweichtaktik stiess bei vielen Journalisten sauer auf. Damit steht fest: Couchepin wird bei der umsetzung des Volksauftrages bewusst auf die Bremse stehen . Es sieht so aus, als könne Napoleon Couchepin nie in die Pflicht genommen werden. Meine Prognose: Couchepin Fell könnte doch noch nass werden- noch vor seinem bevorstehenden Rücktritt.
Dienstag, 19. Mai 2009
Gewalt ist geil - Gewalt als Kick - Gewalt aus Langeweile?
Ein Interview, das das Phänomen Gewalt am 1. Mai und nach Fussballspielen neu beleuchtet.
Krawalle nach dem Match gibt es schon, seit es Fussball gibt, sagt Hooligan-Experte Maurice Illi.
Die neuesten Ausschreitungen haben ganz neue Dimensionen angenommen.
1/12Basler Chaoten versuchten kurz nach Abpfiff des Spiels durch einen leeren Sektor in den FCZ-Familien-Sektor zu gelangen...
Bild: KEYSTONE/AP
Maurice Illi ist Soziologe mit Spezialgebiet Hooliganismus. Er hat seine Lizenziatsarbeit zum Thema «Hooliganismus in der Schweiz» verfasst und war an der Fussballweltmeisterschaft 2006 als Co-Leiter der Fan-Botschaft Schweiz tätig.
Herr Illi, Sie haben sich lange mit Hooligans und radikalen Fans beschäftigt. Was sagen Sie zu den Randalen vom Sonntag?
Das gezielte Abfeuern von Pyrotechnik in die gegnerischen Fansektoren oder die bewussten Steinattacken auf die Polizei, das hat mittlerweile schon neue Dimensionen angenommen. Vor fünf, sechs Jahren waren das Einzelfälle.
Waren das Fans, Hooligans oder Krawalltouristen?
Es waren sicher keine Fans. Aber auch nicht Hooligans im klassischen Sinn. Denn diese suchen den direkten Kampf mit einer anderen gleichgesinnten Gruppierung.
Also waren es Krawalltouristen: Mit Fussball hat das nichts mehr zu tun.
Richtig. Aber bei Hooligans hat es das auch nicht wirklich. Der Sportanlass vereinfacht da nur die Organisation des Hobbys. Dank dem Super-League-Spielplan weiss man: In zwei Wochen geht's nach Basel, in drei nach Bern. Manchmal verzichten Hooligans aus taktischen Gründen bewusst auf den Besuch des Fussballmatches; so verwirren sie den Gegner.
Diese sinnlose Randale erinnert stark an den 1. Mai.
Das ist so. Die Randalierer suchen sich in erster Linie ein Ereignis, von dem sie sich einen heissen Nachmittag erhoffen. Da spielt immer eine gewisse Dynamik mit.
Warum gingen die Gewalt-Brüder auf die Polizei und nicht vor allem aufeinander los?
Wenn der Adrenalin-Spiegel hoch ist, aber der eigentliche Gegner nicht auftaucht, macht man schnell etwas Dummes und zwingt die Polizei so zum Eingreifen. Im Nachhinein kann dann sogar die Polizei als angreifende Partei dargestellt werden. Hauptsächlich geht es aber nicht darum, die Polizei zu attackieren. Sonst könnten sie ja gleich beim Urania-Gebäude klingeln gehen.
Worum geht es den Krawall-Brüdern dann?Sie sind geil auf Gewalt. Egal welche Gruppe, es geht um den Kick, den Nervenkitzel. Man könnte es mit einer illegalen Extremsportart vergleichen wie S-Bahn-Surfen oder Base-Jumping.
Geht es um Ur-Instinkte?
Ja. Hooligans sagen das auch so: «Wir stehen unseren Mann und schauen zum rechten. Wir verteidigen unser Zürich gegen dieses Basel.» Es geht um Revierverteidigung, Gruppendynamik und Stammesrituale, aber auch um Kameradschaft – zumindest beim klassischen Hooliganismus. Hooligans haben sich aber schon seit jeher über die 16-jährigen Mitläufer aufgeregt, die aus dem Hinterhalt Steine warfen und ihnen die Schlägerei kaputt machten.
Es scheint fast so, als hätten nun diese Mitläufer überhand gewonnen?
Das ist gut möglich. Schon 2003 wurde vom erlebnisorientierten radikalen Fan gesprochen, der mit allen Mitteln Radau und Krawall sucht. Egal ob gegen andere Krawallbrüder, ob gegen die Polizei oder in Form von Sachbeschädigung gegen eine Tramstation. Das macht es ja auch so gefährlich.
Sie finden normale Hooligans also weniger gefährlich?
Ja. Eine saubere Hooligan-Schlägerei kann man manchmal schnell über die Bühne gehen lassen. Da ist oft in drei Minuten die Luft raus. Es kämpft Mann gegen Mann, wird nicht mit Steinen geworfen und es gibt keine Sachbeschädigung. Dieser Hooliganismus wird aber immer mehr an den Rand gedrängt. Die Vorfälle am Sonntag waren reine Zerstörungswut.
Was könnte man Ihrer Meinung nach dagegen tun?Das sind für mich Gewalttäter. Also müsste man sie auch entsprechend anpacken. Und zwar so, dass es weh tut. In der englischen Premier League etwa muss, wer aufs Spielfeld rennt, 10'000 Pfund Busse Zahlen. Kollektivstrafen wie Geisterspiele ergeben in meinen Augen keinen Sinn. Damit bestraft man diejenigen, die nichts dafür können. Bund, Fussballverband und Vereine gemeinsam sind gezwungen, schnellstmöglich griffige Lösungen zu präsentieren.(Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)
Kommentar: Bei den Gewalteskalationen am 1. Mai und in Schulen suchte man meist die Ursache im Stress und Druck von oben. Nun hat sich gezeigt, dass es ausgerechnet Langeweile, Orientierungslosigkeit, Grenzenlosigkeit ist, die Jugendliche reizen, sich an "organisierten" Anlässen auszutoben. Ich zitiere einen Ultras aus 20 Min:
«Wenn du durch die Strassen rennst, die anderen jagst oder die anderen hinter dir her sind und es fliegen ein paar Steine oder Flaschen - dieses Gefühl, das ist geil. Das schaffst du mit keiner Frau und mit keiner Droge. Dieses Gefühl, das ist einfach schön.»
Die Ausschreitungen im Stile "Züri brennt" waren am 1. Mai bereits zum Ritual mit Tradition geworden. Psychologen, die sich mit Jugendgewalt...www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Mai_01_2001.html - 9k - Cached - Similar pages
Am 1. Mai wurden seit fast 20 Jahren Scheiben eingeschlagen. ... Statistiken suggerieren, dass in westlichen Ländern die Jugendgewalt von 1980-1998 ...www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Mai_28_2003.html - 13k - Cached - Similar pages
20. Juni 2005 ...Gewalt gab es seit Bestehen der Menschheit - auch Jugendgewalt. ... Die Schweizer Jugend scheint keinen noch so dummen Trend auszulassen. ...www.rhetorik.ch/Aktuell/05/06_20.html - 16k - Cached - Similar page
Nachtrag Tagi (Auffahrt):
Ausschreitungen nach Cupfinal: Verletzte und 60 Verhaftete
Rund um den Fussball-Cupfinal zwischen Bern und Sitten ist es am Mittwochabend in Bern zu Ausschreitungen gekommen. Vor allem im Hauptbahnhof kam es zu Krawallen.
. (Bild: Keystone)
(Bild: Keystone)
Mehrere Personen wurden verletzt, wie die Kantonspolizei Bern mitteilte. Die Polizei hielt bis nach Mitternacht insgesamt rund 60 Personen an.
Die Polizei war mit einem Grossaufgebot präsent: Wegen dem hohen Zuschaueraufkommen am Cupfinal und den vielen Zuschauern in der Public Viewing Zone auf dem Bundesplatz standen mehrere hundert Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Die Berner Kantonspolizei wurde dabei vom Polizeikonkordat Nordwestschweiz unterstützt.
Die Sion-Fans besammelten sich vorgängig nicht wie vorgesehen auf der Schützenmatte, sondern blockierten über längere Zeit den Hauptbahnhof. Dadurch kam es zu erheblichen Behinderungen für die übrigen Bahnreisenden. Zudem sei es dort zu Sachbeschädigungen und massiven Verunreinigungen gekommen, so die Polizei. Auch Rauchpetarden wurden abgefeuert. Bei einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppierungen musste die Polizei Pfefferspray einsetzen.
Rauchpetarden und Fackeln wurden auch von YB-Fans auf dem Waisenhausplatz abgefeuert. Auf den Unzugsrouten wurden Sachbeschädigungen verübt. Es kam zu einzelnen Scharmützeln zwischen den beiden Fangruppen. Bis Spielbeginn mussten sechs Personen hospitalisiert werden. Die meisten Verletzungen stammten von Schlägereien oder Pyrotechnika.
Schlägereien unter grösseren Gruppen
Nach dem Spiel versuchte die Polizei die Fangruppierungen wiederum auseinander zu halten. Im Hauptbahnhof musste sie aber wegen Schlägereien unter grösseren Gruppen intervenieren. Um weitere Zusammentreffen zu verhindern, setzte die Polizei Gummischrot ein. Insgesamt kam es nach dem Match zu rund 40 Anhaltungen. Es wurden mehrere leicht verletzte Personen registriert.
Auch im Strassenverkehr kam es rund um das Spiel zu Behinderungen. Durch die beiden Fan-Umzüge zum Stadion wurde der Verkehr in der Innenstadt am Abend behindert. Zwischen 18.00 und 19.30 Uhr kam der Verkehr im Raum Wankdorf im Zusammenhang mit dem Verkehrsaufkommen durch die Messe BEA praktisch zum Erliegen. Aus dem Wallis kamen rund 110 Cars nach Bern.