Samstag, 6. September 2008

Rhetorische Frage oder Aussage?

Micheline Calmy-Rey fühlt sich mit der Frage, ob man nicht auch mit dem Terroristenführer einen Dialog führen solle, missverstanden und greift den Journalisten an, der ihre Frage publiziert hatte.

Ich zitiere NZZ- online:

Calmy-Rey straft ausländische Journalisten ab

Michelin Calmy-Rey beschwerte sich bei der Agence France Presse und fordert Konsequenzen.

Wenn die Schweizer Aussenministerin laut denkt

Verwirrung nach Calmy-Reys Eröffnungsrede zur Botschafterkonferenz

Sorgt für Verwirrung: Bundesrätin Micheline Calmy-Rey.
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Sorgt für Verwirrung: Bundesrätin Micheline Calmy-Rey. (Bild: Reuters)

Die Schweiz wolle Usama bin Ladin treffen, heisst es auf einzelnen internationalen Nachrichtenseiten. Und: die Schweiz sei das erste demokratische Land, das sich mit einem Terroristenführer an den Tisch setzen wolle. Selbst eine grössere Schweizer Tageszeitung glaubte, ein Treffen zwischen Calmy-Rey und bin Ladin stehe kurz bevor.

Viel zu reden gibt derzeit nicht die Botschafterkonferenz selbst, sondern eine Passage aus Bundesrätin Calmy-Reys Eröffnungsrede. Eine rhetorische Frage der Aussenministerin suggeriert sowohl im Ausland wie auch hierzulande, die Schweiz sei bereit, sich mit dem Kaida-Führer Usama bin Ladin an einen Tisch zu setzten.

Ein Tabu gebrochen

Laut der französischen Zeitung «Le Monde» soll die Schweizer Aussenministerin bereit sein, sich mit Usama bin Ladin an den Tisch zu setzen. Damit sei ein Tabu gebrochen worden, weil die Schweiz sich als erstes demokratisches Land bereit erklärt habe, mit einem Anführer einer terroristischen Organisation einen Dialog zu führen, schreibt «Le Monde» weiter.

Kommentar: Worte sind immer ernst zu nehmen. Die öffentliche Diplomatie d.h. die Tendenz in der Oeffentlichkeit laut zu denken, wird der von den Medien getragenen Aussenministerin immer mehr zum Stolperstein. Zu oft tappt Sie mit Ihrer angeblichen offen Art ins Fettnäpfchen. Wird sie falsch verstanden, sieht sie den Fehler auf der Gegenseite. Es gibt ein Axiom bei kommunikationsprozessen:

Bei Missverständnissen ist in der Regel der Sender schuld!

(Kopftuchgeschichte, Lybien Geiselbefreiung ...). Neu sorgt eine rhetorische Frage für grossen Aerger. Frage an die Aussenministerin: Wer hat die rhetorische Frage gestellt?

In Krisen gehört der Chef auf Deck

Samuel Schmid scheint diese Regel der Krisenkommunikation nicht zu kennen. In der schlimmsten Situation taucht er ab. Wer dem Verteidigungsminister beigebracht hat im falschen Moment zu schweigen - abzutauchen und im falschen Moment eine Medienkonferenz einzuberufen weiss ich nicht. Jedenfalls ist es mit dem Kommunikationsmanagement im VBS nicht zum Besten bestellt, obschon es dort viele Kommunikationsspezialisten hat.

Blick-online schreibt über das jüngste Abtauchen des angeschossenen Bundesrats:
schmid ab nach china topteaser

Samuel Schmid fliegt weg!

Ausgeflogen: VBS-Chef Schmid – ab nach China! (Keystone/Montage BLICK)

Es brennt nach wie vor lichterloh im Hause Schmid. Daran änderte auch die Medienoffensive von Verteidigungsminister Samuel Schmid am Donnerstag nichts. Offene Fragen bleiben, und die Fraktionen der Bundesversammlung verlangen Aufklärung. Ausgerechnet jetzt sucht der angeschlagene Bundesrat das Weite.

Gestern Abend um 19.30 Uhr flog Schmid laut VBS von Zürich Richtung China ab. Um in Peking an den paralympischen Spielen den Gesamtbundesrat zu vertreten. Am Dienstag wird er wieder in Bern erwartet.

VBS-Kommunikationschef Jean-Blaise Defago sagt: «Es waren nur falsche Entscheide möglich. Wäre Bundesrat Schmid nicht nach Peking gereist, hätte es geheissen, er habe weiche Knie bekommen.»

Aber geplant ist auch ein Treffen mit dem ersten Vize-Vorsitzenden der Zentralen Militärkommission Chinas, General Guo Boxiong. Und da ist er schon wieder beim leidigen heimischen Thema. Boxiong ist der ranghöchste uniformierte Militär Chinas – sein Schweizer Pendant bis im Sommer war also Roland Nef. Der abgesetzte Armeechef, über den Schmid jetzt stolpern könnte. Danach sieht es im Moment aus. Diese Woche musste er einräumen, dass er ein halbes Jahr früher vom Nötigungsverfahren wusste als bisher zugegeben. Das habe er aber vergessen gehabt. Politiker aller Couleur wollen wissen: Hat Schmid jetzt endlich die ganze Wahrheit gesagt?

Stimmt eine Aussage von Nef in der Sicherheitskommission, geht aber auch die Vergesslichkeitstheorie nicht auf. Nef sagte, als er im Frühling 2007 Schmid über das Verfahren informieren wollte, habe der gesagt, er wisse schon davon. Offene Fragen – und die Parteien misstrauen Schmid zunehmend. FDP und SP fordern, dass die Geschäftsprüfungskommission (GPK) bis im Dezember Klarheit über die Umstände der Nef-Wahl schafft. Das verlangte gestern auch die CVP. Und: «Über das Vorgehen der Wahl und den Informationsstand von Bundesrat Schmid bestehen Unsicherheiten.» Die Grünen fordern längst Schmids Rücktritt, und bei der SVP hat er ohnehin keinen Kredit. Christoph Blocher liess gestern offen, ob er nochmals als Bundesrat kandieren will. Die Frage sei müssig, denn die anderen Parteien würden Schmid sowieso stützen, so Blocher. Er könnte einer der Letzten sein, der das glaubt.

Die GPK kündigte gestern an, dass sie bis Anfang November einen Zwischenbericht zur Affäre vorlegen will. Fällt der für Schmid negativ aus oder kommen bis dahin weitere Gedächtnislücken zum Vorschein, werden ihm die Parteien das Vertrauen entziehen. Und, sollte er noch zur Wahl des Vizepräsidenten des Bundesrats antreten, durchfallen lassen. Das wäre das politische Ende.

Es brennt, der Hausherr ist ausser Landes. Die Feuerwehr ist nicht in Sicht.

Nachtrag aus news.ch:

Grunder bedauert Schmids Kommunikationspannen

Bern - BDP-Nationalrat Hans Grunder distanziert sich vorsichtig von BDP-Bundesrat Samuel Schmid.

PS: Grunder stand bis anhin immer hinter Schmid

Freitag, 5. September 2008

Folgen der Affaire Schmid/ Nef

Die Affäre Schmid/Nef hat ein Nachspiel

Die Vorfälle rund um die Wahl des ehemaligen Armeechefs Roland Nef sollen gründlich geklärt werden. Das gab die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Nationalrats heute an einer Medienkonferenz bekannt.

Kontext-Box

Sie beauftragte die Subkommission VBS, bis Ende November in einem Zwischenbericht alle Fakten offenzulegen, wie Kommissionspräsident Pierre-Francois Veillon (SVP/VD) am Freitag vor den Medien in Bern sagte.

In einem zweiten Schritt sollen dann Massnahmen und Empfehlungen erarbeitet worden. Die GPK folgt damit einem Antrag der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats . Diese beantragte Ende vergangenen Juli zudem, dass die GPK auch den Zustand des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) allgemein unter die Lupe nimmt. Eine Untersuchung der einzelnen Departemente sei eigentlich immer in Gang, sagte Veillon. Die GPK beauftragte jetzt aber die Subkommission VBS, eine Prioritätenliste der anzugehenden Fragen im Verteidigungsdepartement zu erstellen.

Kommentar: Ich finde es gut, dass beim VBS die Kommunikation eingehender unter die Lupe genommen wird. Da gab es laufend Pannen und unprofessionelles Verhalten. Wenngleich es nicht an Kommunikationsverantwortlichen mangelt. Nach wie vor gehe ich davon, dass Sesselkleber Schmid den Platz nicht räumt, zumal ihn niemand dazu zwingen kann. Ich stelle fest, dass der Bundesrat voll und ganz hinter den Kollegen steht. Als gestern einzelne Magistraten auf den Fall Schmid angesprochen wurden: Eisiges schweigen - eilges Verlassen des Mikrofons.

Razzia bei Roland Nef

Bundesrat Schmid wurde persönlich informiert

Bundesrat Schmid kann sich «nicht erinnern», ob er bereits im November 2006 über die Vorwürfe an Roland Nef informiert worden ist. Jetzt berichtet der ehemalige Armeechef Keckeis über eine Razzia in Nefs Büro - und dass er Bundesrat Schmid persönlich darüber informiert habe. Mehr...

Dies lesen wir heute in 20 Min- online.

Obwohl gestern im 10 vor 10 Alt-Bundesrat Stich und weitere Persönlichkeiten Samuel Schmid geraten haben, zurückzutreten, wird Samuel Schmid weiter am Sessel kleben. Niemand kann ihn zwingen, zurückzutreten. Selbst dann, wenn weitere Desinformationen an den Tag kommen.

Donnerstag, 4. September 2008

Wie Sämi Schmid sein Fell trocknen kann

Die Krisenkommunikationstaktik ist für den "Selbstverteidigungsminister" immer analog: Zuerst abtauchen und dann aus der Deckung kommen und das Fell schütteln um hernach treuherzig da zustehen , als sei nichts geschehen. Als erneut bewiesen werden konnte, dass er über die Untersuchung im Fall Nef ein halbes Jahr früher informiert worden war, als öffentlich bekundet, gibt er den Fehler zu und sagt: Die Festellung ist richtig aber nichtig.

Heute gab er im DRS 1 ein Exklusiv - Interview und sagte, er habe einen Fehler gemacht, das könne geschehen. Er habe den Vorfall vergessen. Damit ist seine Falschinformation abgetan und nichtig. Er zeigt sich als Mensch, der auch vergisst , wie wir alle und angelt sich so Mitleid.Nach dem Motto, das kann doch allen geschehen.

Nach Tagi hatte Franz Fischlin Samuel Schmid ebenfalls gefragt, ob er Fehler gemacht habe. Ich zitiere:

«Habe Vertrauen geschenkt»

Fischlin fragte Schmid, ob er denn Fehler gemacht habe. «Ich habe hier zu viel Vertrauen geschenkt, wenn das ein Fehler ist, dann habe ich tatsächlich Fehler gemacht», sagte Schmid. Er müsse wohl davon ausgehen, dass ihm nicht genügend erzählt worden sei. In der Tat würden ähnliche Verfahren in Zukunft anders gehandhabt, an Anpassungen werde bereits gearbeitet.

Für Samuel Schmid bestand somit sein Fehler lediglich darin, dass er zu viel Vertrauen geschenkt habe. Damit kann er weiderum sein Fell trocken schütteln. Viele haben Verständnis, denn es scheint gar nicht möglich zu führen ohne dass man den Mitarbeitenden Vertrauen schenkt. Damit gelingt es dem Verteidigungsminister, sich erneut billig zu verteidigen. Die wenigsten merken, dass man auch fahrlässig blindes Vertrauen schenken kann. Zu viel Vertrauen entgegen bringen naiv naiv alles glauben, was ein Beschuldigter sagt, sind zwei verschiedenen Paar Stiefel. Zumal der Bundesrat über die Untersuchung eingehend ins Bild gesetzt worden ist (Uebrigens auch nicht so, wie er es an den Medienkonferenzen formuliert hatte. Laut Verteidigungsminister wusste er nichts Konkretes über die untersuchungen). Dass Schmid zu viel Vertrauen geschenkt hat ist nach heutiger Erkenntnis ein grober Fehler. Dass er die Oeffentlichkeit irregeführt hat mit der Behauptung, er habe damals nichts gewusst- ist ebenfalls ein gravierender Fehler. Und dass er Roland Nef selbst bestimmen liess, was relevant ist, ist noch schlimmer.

Schmid zunehmend auf verlorenem Posten

Selbst aus der FDP und aus der CVP werden Rücktrittsforderungen laut

Schmid verliert zusehends die Unterstützung.
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Schmid verliert zusehends die Unterstützung. (Bild: Reuters)

Obschon das Eis für Samuel Schmid immer brüchiger wird, kann ihn niemand entlassen. Er wird auch die nächste kalte Dusche überstehen - sein Fell schütteln und dastehen, als sei nichts geschehen. Darbellay und die Bundesratskollegen sind froh, wenn Schmid den Posten hält mit der Argumentation. Alles war nur ein kleiner Unfall. Schauen wir in die Zukunft und lernen wir aus den Fehlern!

Ist Samuel Schmid tatsächlich politisch tot?

20 Min schreibt:

Presseschau

«Samuel Schmid ist politisch tot»

Hat Bundesrat Samuel Schmid in der Affäre Nef gelogen oder bloss nicht die ganze Wahrheit gesagt? Nach den neuesten Enthüllungen in der Affäre Nef wird die Luft für den Verteidigungsminister jedenfalls zusehends dünner.

Kommentar: Ich bleibe bei meiner gestrigen These im Blog. Bundesrat Schmid kann sich ruhig noch weitere gravierende Pannen leisten. Er weiss: Ich werde vom Bundesrat - vor allem vom Bundespräsidenten - wie auch von den wichtigsten Parteien bis zum bitteren Ende getragen. Dazu gehören all jene Parlamentarier, die Blocher in einer raffinierten Nacht- und Nebelaktion aus dem Bundesrat kippen konnten. Sie alle wollen keinen zweiten Hardliner der SVP. Sämi Schmid - wenn gleich angeschlagen - ist ihnen viel lieber. Somit ist der "Selbstverteidigungsminister" noch lange nicht tot.

Mittwoch, 3. September 2008

Unglaublich - was sich Sämi Schmid alles leisten kann - ohne Folgen!

Nach allen Pannen und Führungsfehlern, zeigte sich immer wieder, dass Bundesrat Schmid gleichsam unantastbar bleibt. Er kann auch nicht entlassen werden. Würde er jedoch selbst zurücktreten, käme ein SVP Hardliner ans Ruder. Und dies möchte weder der Bundesrat, die CVP, FDP noch die Grünen. Ein Rücktritt muss mit allen Mitteln vermieden werden. Ich prognostizierte immer wieder: Der Verteidigungsminister wird allen Anfechtungen zum Trotz weiterhin unbeschadet davon kommen.

Blick-online:

es wird eng für schmid topteaser

Kommentar: Ich verglich Samuel Schmid mit einem Bär, der sich nach jeder kalten Dusche schütteln kann und nach kurzer Zeit trocken dasteht: "Ich bi dä Sämi - und mach mini Sach!" Bei Bundesrat Schmid trifft die Volksweisheit nicht zu: "Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht". Nachdem heute erneut zwei schwerwiegende Falschinformationen aufgedeckt worden sind, wird der Krug gewiss immer noch nicht brechen. Bei der Krisenkommunikation gilt zwar der Leitsatz:

Alles was Du sagst, muss richtig sein, aber Du musst nicht alles sagen was richtig ist.

Samuel Schmid hat leider mehrmals gegen dieses Wahrheits - Prinzip verstossen. Seine Aussagen waren falsch! Heute konnte zusätzlich nachgewiesen werden: Die Aussagen seiner Medienkonferenzen stimmten nicht. Er hat nicht erst im Frühling 07 von den Untersuchungen gegen Roland Nef gewusst, sondern schon ein halbes Jahr vorher Es ist nun klar, dass er auch viel eingehender informiert wurden ist. Es gibt heute Parlamentarier, die sprechen ungeschminkt von Lüge. Denn hinsichtlich Inhalt war Schmid stets besser informiert, als er es öffentlich behauptet hatte. Wenn nun Bundesrat Schmid diese Falschinformationen (gegenüber der Oeffentlichkeit und dem Parlament) als nichtig betrachtet, finde ich dies gravierend. In gewohnter Manier tauchte heute der "Selbstverteidigungsminister" nach den jüngsten Enthüllungen zuerst ab - um dann am Abend aufzutauchen und zu erklären: Was ihm vorgeworfen werde stimme, doch sei dies nichtig!

Uns interessiert: Drücken wiederum alle die Augen zu, wenn der Beschuldigte seine gravierenden Faslchinformationen als richtig - aber als nichtig bewerten kann? Falls es zutrifft, dass der Beschuldigte Armeechef bei der Klärung ebenfalls selbst bestimmen konnte, was wichtig ist, so stimmt beim VBS Einiges nicht. Wenn das Vertrauen laufend untergraben wird, leidet nicht nur die Glaubwürdigkeit des Verteidigungsministers. Es leidet auch das Image der Armee. Es ist nicht verwunderlich, wenn immer weniger Parlamentarier all die diffusen Aussagen und wirren Informationsknäuel ständig schlucken wollen.

Blick-online:

Die Luft wird immer dünner

NZZ-online:

16:13

Schmid wusste schon früher Bescheid

Bundesrat Samuel Schmid

Tagi -online:

Affäre Schmid: Bundesrat im Visier

Jetzt gerät auch der Bundesrat ins Fahrwasser der Affäre Schmid: CVP-Fraktionschef Urs Schwaller will wissen, ob die Regierung den Fall Nef tatsächlich diskutiert hat.

«Ich finde es schon ein bisschen merkwürdig», sagt Urs Schwaller gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz, «dass drei Wochen, nachdem der Bundesrat über diese Sache diskutiert hat, offenbar schon wieder neue Fakten auf den Tisch kommen.» Er frage sich, worüber die Regierung denn im August gesprochen habe. «Haben sie den Fall Nef wirklich ausführlich diskutiert», fragt sich der Freiburger Ständerat. «Oder haben sie die ganze Affäre Nef einfach durch gewunken.»

Genau solche Geschichten würden das Vertrauen der Bevölkerung in unsere Institutionen erschüttern. Schwaller zielt damit auf die Erklärung von Bundespräsident Pascal Couchepin zum Fall Nef. Bei der Affäre um Roland Nef handle es sich um einen «Unfall», wie er überall in der Bundesverwaltung und auch in der Privatwirtschaft passieren könne, hatte der Bundespräsident im August vor den Medien erklärt.

Grosses Glaubwürdigkeitsproblem

Zum Fall Nef selber erklärte der Fraktionschef der CVP: Die Frage, die sich heute stelle, sei, wie viel Samuel Schmid tatsächlich gewusst habe über das Verfahren gegen Roland Nef. «Wenn er darüber mehr gewusst hat, als man bisher annahm, dann hat er ein grosses Glaubwürdigkeitsproblem"

Affäre Schmid: Bundesrat im Visier

Jetzt gerät auch der Bundesrat ins Fahrwasser der Affäre Schmid: CVP-Fraktionschef Urs Schwaller will wissen, ob die Regierung den Fall Nef tatsächlich diskutiert hat.

20 Min- online:

Immer lautere Rücktrittsforderungen

VBS gibt zu: Schmid wusste Bescheid

Das VBS bestätigt, dass Bundesrat Schmid schon am 14. November 2006 und nicht erst im April 2007 vom Strafverfahren gegen Roland Nef erfahren hat. Und er wusste auch, worum es im Verfahren ging. Nach den neuesten Enthüllungen in der Affäre wird die Luft für den Verteidigungsminister zusehends dünner. Die Forderungen nach einem Rücktritt werden immer lauter.

Kommentar: Wenngleich Samuel Schmid vom Bundesrat und den meisten Parteien erneut reingewaschen werden wird, so hätte die Bevölkerung immerhin das Recht, zu erfahren, ob der Bundesrat tatsächlich den Fall Schmid intern gründlich überprüft hatte. Alle erinnern sich, wie Bundespräsident Couchepin die Verfehlungen Schmids als "courant normal" abgetan hatte. Ich gehe davon aus, dass die Medien nach diesem jüngsten Eklat ihrer Kontrollfunktion gerecht werden und vorhandene Knäuel endlich entwirren. Klärung tut not!

Wer hat wann, was gewusst!

Wenngleich Sämi Schmid auch nach diesem Gewitter seinen Pelz schütten wird und wiederum - wie gewohnt - erhobenen Hauptes ruhig dasteht und weiterregiert - als sei nichts geschehen, und er mit getrocknetem Fell - und sonorer Stimme - die Oeffentlichkeit belehrt:

"Das alles, was man mir vorgeworfen hat, ist zwar richtig, aber nicht wichtig!"

So bleibt alles dennoch eine unschöne Geschichte!

Die Kommentare und Reaktionen der Parlamentarier sind aufschlussreich:

Die Sicherheitspolitiker schüttelten den Kopf.

Ständerat Bruno Frick (Vicepräsident der ständerätlichen Sicherheitskommission), zeigte sich gegenüber Radio DRS erstaunt. Sollten die Fakten stimmen wäre er "sehr erstaunt und sehr peinlich berührt."

Hans Altherr, Präsident der ständerätlichen Sicherheitskommission sparch von einem

"Knäuel von Widersprüchen". Samuel Schmid müsse nun ernsthaft prüfen, ob er nicht von seinem Amt zurücktreten wolle.

Für Geri Müller, Mitglied der nationalrätllichen SIK ist es nun höchste Zeit, dass Samuel Schmid den Hut nimmt.

Auch die Oeffentlichkeit war erstaunt und enttäuscht

Kommentar: Samuel Schmid wird auch diese Hürde überstehen, obschon er nie offen informiert hatte, sogar falsch informierte und den Bundesrat übergangen hatte, Tatbestände ständig verwischt und Fehler nur häppchenweise eingesteht- d.h. scheibchenweise nur das eingesteht, was man ihm beweisen kann.

Dass es im VBS hinsichtlich Kommunikationsmanagement schlecht bestellt ist, ist nicht neu. Dass aber Fakten verheimlicht werden und es sogar Roland Nef überlassen wurde, selbst zu bestimmen, was eine vollumfängliche Information der Beschuldigung ist, ist unglaublich.

Ich rechne damit, dass auch Bundespräsident Couchepin die jüngten Enthüllungen hinunterspielen wird und erneut Kollege Shmid unterstützt und sagt: "Was vorgefallen, ist ist zwar richtig, aber nichtig!"

Chronologie der Schummeleien, die Bundesrat Schmid nichts anhaben konnten:

(Quelle blick-online):

Das Eis unter Schmids Füssen wird dünn und dünner. Es zeigt sich immer klarer: Schmid versuchte sich durch die Affäre Nef mit Halbwahrheiten und Ausreden durchzuschummeln. Die Chronologie:

  • Ab Oktober 2006. Die Zürcher Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Nötigung gegen den damaligen Brigadier Roland Nef. Seine ehemalige Partnerin hatte ihn angezeigt. Später wurde bekannt, dass Nef unter anderem Sex-Inserate in ihrem Namen geschaltet haben soll.
  • 14. November 2006. Die Militärjustiz informiert Schmid darüber, dass sie der Zürcher Justiz die Ermächtigung gegeben habe, gegen Brigadier Nef wegen Verdachts auf Nötigung zu ermitteln. Wenn sie gegen einen Armeeangehörigen im Truppendienst ermitteln will, braucht die zivile Justiz diese Untersuchungs-Erlaubnis. Seit diesem Tag war Schmid also über die Affäre informiert. Gehandelt hat er nicht. Informiert wurde auch der damalige Armeechef Christophe Keckeis, wie die Militärjustiz-Sprecherin BLICK bestätigt.
  • Ebenfalls im November 2006 informiert die Zürcher Staatsanwaltschaft die Sicherheitsprüfer beim Bund über das Nef-Verfahren.
  • März/April 2007. Gespräche mit den Kandidaten für den Posten des Armeechefs finden statt. Schmid drückt trotz Kenntnis des Verfahrens seinen Schützling Nef durch. Schmid wird später, am 18. Juli 2008, an seiner Medienkonferenz den Eindruck erwecken, im Rahmen des Bewerbungsverfahrens erstmals vom Verfahren gegen Nef gehört zu haben: «Herr Nef hat mich im Vorfeld seiner Ernennung zum Chef der Armee durch den Bundesrat mündlich über die Tatsache informiert, dass eine Untersuchung gegen ihn läuft.» Es ist gut möglich, dass Nef erst damals Schmid informierte. Doch dieser war in Tat und Wahrheit schon längst im Bild, wie gestern öffentlich wurde.
  • 8. Juni 2007. Der Bundesrat wählt Nef zum Armeechef. Auf Antrag von Samuel Schmid.
  • 23. Oktober 2007. Die Zürcher Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren gegen Nef ein. Dessen Ex-Partnerin unterzeichnete zuvor eine «Desinteresseerklärung». Nef zahlte der Frau eine finanzielle Entschädigung.
  • 23. November 2007. Die für Sicherheitsprüfungen zuständige Fachstelle im VBS verlangt von der Zürcher Staatsanwaltschaft Auskunft darüber, warum das Verfahren gegen Nef eingestellt wurde. Doch die Sicherheitsprüfer erhalten diese Auskünfte nicht. Nef hatte seine Ermächtigung zur Auskunftserteilung zurückgezogen.
  • Ende November 2007. Die Sicherheitsprüfer verlangen von Nef die schriftliche Zusage, dass er den VBS-Chef Schmid «inhaltlich vollumfänglich» über das eingestellte Strafverfahren informiert. Nur unter dieser Bedingung darf Nef sein Amt antreten.
  • 13. Dezember 2007. Nef bestätigte der Fachstelle mit Unterschrift den «Vollzug». Das heisst, er hat Schmid über das Verfahren informiert. Das bestätigte gestern VBS-Sprecher Sebastian Hueber. In welchem Umfang er das tat, habe Nef selber entscheiden können.
  • 1. Januar 2008. Nef tritt sein Amt als Armeechef an.
  • 13. Juli 2008. Die Affäre Nef platzt via «SonntagsZeitung».
  • 25. Juli 2008. Bei einer Anhörung in den Sicherheitspolitischen Kommissionen (SiK) von National- und Ständerat sagt Schmid, er sei im April 2007 von Nef über das Verfahren informiert worden. Davon, dass er bereits im November 2006 von Ermittlungen gegen Nef wegen angeblicher Nötigung erfuhr, sagte Schmid kein Wort. Die SiKs hörten auch Nef an. Der erklärte gemäss Quellen, dass er Schmid im Frühling 2007 über das hängige Verfahren informieren wollte. Schmid habe gesagt: «Ich weiss schon davon.» Nur hat er weder der Öffentlichkeit noch dem Parlament und wohl auch nicht seinen Bundesratskollegen etwas davon erzählt. Wie viele Schlauschmidereien erträgt es noch?
    Schmid wollte vom Verfahren gegen den damaligen Brigadier Nef nichts wissen. (Keystone)
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