Mittwoch, 29. August 2007

Zur Wahlrhetorik in der heissen Phase des Wahlherbstes

Die Stimmung in der politischen Landschaft wird zunehmend hektischer. Alle Parteien versuchen mit Bildern, Themen oder Videos Aufmerksamkeit zu verschaffen. Plakatwände sind mit Köpfen und Parteislogans vollgekleistert. Was auffällt: Obwohl die Parteistrategien längst festgelegt worden sind, rücken Sachthemen eher in den Hintergrund. Viele Parteien fokussieren sich vorwiegend auf Personen.

Beispielsweise das Scharmützel um die Wegwahl Blochers macht deutlich, dass es allen darum geht, die eigenen Reihen zu mobilisieren und die Gegner zu demotivieren. Es sieht so aus, als halten sich die Parteien in Schach. Die SVP hat derzeit Mühe, sich vom Image einer Protestpartei zu lösen. Die SP wollte gestern nichts von einem Geheimplan wissen, der bezwecken soll, Bundesrat Blocher aus dem Bundesrat zu kippen (Als ob ein GEHEIMplan von den Planern je öffentlich zugegeben würde - es wäre ja sonst gar kein Geheimplan). Die SP ist wahrscheinlich auch froh, dass sie nicht mit ihren umstrittenen politischen Inhalte in die heisse Phase steigen muss. Die Operation Blocher ist somit für alle ein dankbares Thema. Sachpolitisch muss sich dadurch kaum jemand die Finger verbrennen. Scharmützel um Personen kommen allen gelegen. In der heutigen Kommunikationsgesellschaft, bei der die elektronischen Medien eine zunehmend grössere Rolle spielen, wird die Fokussierung auf Personen zusätzlich verstärkt. Müssten sich die Parteien zu den Sachfragen und deren Lösungen klar und eindeutig positionieren, käme es zu Problemen mit dem eigenen Stimmvolk. Denn: Lösungen sind mit Kompromissen verbunden. Deshalb wird wohl die Phase der persönlichen Angriffe nicht so schnell aufhören.

Prognose: Die Auseinandersetzungen um Personen gehen weiter. Letztlich wird alles beim Alten bleiben und Bundesrat Blocher und die FDP werden die verbalen Attacken überstehen. Die CVP - welche viel beeinflussen könnte - wird bestimmt nicht gross eingreifen, um der FDP oder SVP grösseren Schaden zuzufügen.

Samstag, 25. August 2007

Wahlkampfsprüche, die nicht nur Aufmerksamkeit erregen

Der Spruch in Oesterreich "Daham statt Islam" oder der in Deutschland lyrisch aufgelegte Slogan "Kinder statt Inder" rief den Unobeobachter auf den Plan, der in Rassismusfragen unterwegs war. Er sah in diesen Sprüchen fremdenfeindliche Tendenzen.

Im Tagesanzeiger vom 23. August sieht Schriftstellerin Selma Mahlknecht auch in den SVP Plakaten rassistische Tendenzen. Sie ärgert sich an der falschen Toleranz und ist erstaunt, dass die Bevölkerung dies so unwidersprochen hinnimmt.

Nachtrag:

Nationalratskandiat Andeas Glarner liess im Raum Aarau grosse Plakate aufhängen, die eine verschleierte Muslemin zeigen. Daneben steht die Frage:

"Aarau oder Ankara?" Damit wir uns auch in Zukunft wohl fühlen.

Das Plakat warf hohe Wellen in der Türkei. Doch für Glarner ist der Aufruhr nur das Werk wehleidiger Türken. In der Schweiz herrsche Meinungsfreiheit . "Für mich steht die Frage im Zentrum, was wir machen müssen, damit wir uns hier wohl fühlen." Der zunehmende Einfluss des Islam dürfe thematisiert werden. So wie die Plakate mit dem schwarzen Plakat mit Hakenkreuzen beschmiert wurde, wurden auch die SVP Plakate in Aarau beschädigt oder überschrieben mit: "Keine Stimme für Rassisten!"

Kommentar: Ich bin der Meinung, dass wir darauf bedacht sein müssen, Ausländer rascher zu integrieren. Sobald sich die Bevölkerung bedrängt fühlt von fremden Einflüssen, besteht immer die Gefahr, dass sie für die fremdenfeindliche Stimmungsmache empfänglich ist. Die Schweizer haben sich in fremden Landen auch anzupassen. Somit dürften wir von den Zugewanderten auch verlangen, dass sie sich unseren Sitten und Gebräuchen anpassen. Integration heisst vor allem: Unsere Sprache lernen.

Freitag, 24. August 2007

Konsequente Micheline Calmy-Rey

Es war bislang ein ungeschriebenes Gesetz, dass der Bundespräsident bei der Eröffnung des Eidgenössischen Schwingfestes präsent ist. Doch Bundespräsidentin Calmy-Rey will sich dieses Jahr bei den Schwingern nicht zeigen. Sie findet, Ihre Präsenz sei kein Muss. Sie überlässt Bundesrat Schmid diese Plattform.

Damit zeigt die Kämpferin für das Frauen-Rütli, dass sie sich nicht für einen Männeranlass einspannen lässt. Dies bestätigt einmal mehr, dass die Magistratin stets auf freundliche Art die Zähne zeigen kann. Sie ist ist konsequent und kann HARTnäckig sein. Sie boxte die Rütlifeier durch und war schon als Regierungsrätin in Genf als "la Cruelle" (die Schreckliche) bekannt. So wie sie bei der Wahl zur Bundesrätin die Hände nicht zum Schwur erhoben hatte und am ersten August nicht gewillt war, die Landeshymne zu intonieren, so bleibt sie sich treu. Diese Konsequenz nimmt ihr niemand übel. Im Gegenteil: Sie kann damit rechnen, dass sie weiterhin von der Ringier Presse getragen wird.

Wer konsequent eine Linie verfolgt, wird letztlich mehr geschätzt, als jemand, der ständig laviert.

Montag, 20. August 2007

Sollten Lehrer auch benotet werden?

Die Thurgauer Lehrer sollen künftig nach Einsatz und Leistung bezahlt werden. Die lohnbestimmende Beurteilung soll in Schulhäusern wie in der übrigen Arbeitswelt möglich werden. Dagegen läuft der Lehrerverband Sturm. Anton Strittmatter (Schweiz. Lehrerverband): "Noten für Lehrer sind Lottospiele, die überall Schiffbruch erlitten haben."

Obwohl es für Lehrkräfte angeblich keine tauglichen lohnwirksamen Qualifikationssysteme gibt, vertrete ich die Meinung, dass alle Ausbildner, Berater, auch Therapeuten, selbst Aerzte, beurteilt werden können, beurteilt werden dürfen. Doch müssten dabei gewisse Bedingungen eingehalten werden: Wir dürfen uns nicht nur auf EINE Beurteilung verlassen. Wie beim 360 Grad Feebackverfahren bedarf es mehrerer Urteile von verschiedensten Seiten.

So wie man Urteile von Kunden einholen kann, könnten auch die Schüler schreiben, was sie vom Unterricht halten (Beurteilung von unten). Aus dieser Meldung erführen wir beispielsweise, ob es einem Kind wohl ist, ob es dem Unterricht folgen kann, ob die Lehrkraft auf das einzelne Kind eingeht.

Aus den Bemerkungen der Eltern erfahren wir anderseits, wie gut ein Lehrer mit dem Elternhaus zusammenarbeitet. Hier geht es nicht um eine fachliche Beurteilung, sondern nur um die subjektive Sicht der Eltern.

Auch die Behörde kann einen besonderen Aspekt beurteilen. (Beurteilung von oben) Aber auch dieser Spiegel sagt noch nichts aus über die methodischen, pädagogischen Aspekte des Unterrichtes.

Der Schulleiter oder der Schulinspektor (falls vorhanden) deckt eher die fachlichen Aspekte ab.

Aber auch die Selbstbeurteilung ist ein wichtiger Parameter für das Gesamtbild.

FAZIT: Bei einer mehrseitigen Beurteilung hätte kein Lehrer etwas "zu befürchten". Falls sich einzelne Schüler nach einer schlechten Beurteilung gleichsam rächt, würde dies - dank der Mehrfachbeurteilung - sichtbar. Auch Lehrpersonen müssen heute lernen, mit Fremdbeurteilungen umzugehen. Die Meldungen haben nur einen Zweck: Der Unterricht soll besser werden. Es geht nicht um eine Beurteilung als Selbstzweck, es geht nur um die Verbesserung des Unterrichtes, um eine hilfreiche Verhaltensänderung. Teure Feedbackverfahren mit dem üblichen enormen Papierkrieg dürfen nicht zu einer Pflichtübung verkommen,wie es leider oft der Fall ist. Ich habe Behördenmitglieder erlebt, die gar nicht darauf erpicht waren, mit einer konstruktiven Kritik dem Lehrer zu helfen. Es ging ihnen vor allem nur darum, Kritik zu äussern.

Mein Vorschlag: Händigen wir der Lehrperson alle Beurteilungen persönlich (evt. auch anonym) aus. Die Feedbackblätter sollten auch nicht weitergereicht werden. Die Lehrperson wird dadurch nicht blossgestellt (an den Pranger gestellt). Ich bin sicher, dass offene "Meldungen"- von verschiedensten Seiten - dasselbe bewirken, wie das Videofeedback in unseren Seminaren. Die Leute sehen sich dort so, wie sie sich geben - dank / Bild- / Tonspiegel/Expertenspiegel. Ob es Lehrer wollen oder nicht: Die zahlreichen Sichten beeinflussen zwangsläufig den Unterricht oder das Verhalten. Jeder lernwillige Mensch möchte Schwachpunkte (sogenannte blinde Flecken) erkennen und eliminieren. Ohne Einsicht, ohne die Bereitschaft, sich ändern zu wollen, kommt es zu keinen nachhaltigen Verbesserungen. PS: Bei meinen Hospitationen von Dozenten habe ich an der Hochschule Rapperswil ein taugliches Modell kennengelernt, das darauf beruht, dass die Meldungen der Studierenden dem Lehrbeauftragten direkt zugestellt werden, weder dem Rektorat noch der Aufsichtsbehörde. Dieses Feedbackverfahren führte dazu, dass die Dozenten selbst daran interessiert waren, ihre Defizite zu beheben.

Sonntag, 19. August 2007

SVP Rhetorik

Mit einer Abkanzelung des linken Gegners hat SVP-Parteipräsident Ueli Maurer den ausserordentlichen Parteitag in Basel eröffnet. Die Linke raube den Bürgern Werte und Orientierung, sagte er.

Mit dem Parteitag wolle die SVP aufzeigen, für welche Ideen und Werte sie sich einsetze, sagte Maurer vor den rund 1000 Parteimitgliedern. Die Linke habe die Eigenverantwortung der Bürger aufgehoben. Für jede Untat werde eine psychologische Begründung konstruiert.

Täter würden entlastet und die Schuld werde der Gesellschaft zugeschoben. Aus Drogensüchtigen würden Kranke und aus «Balkanschlägern» Kriegstraumatisierte.

Er kritiserte «linke Justizbeamte und linke Richter», die den Volkswillen ignorierten und «selbstherrlich nach einem unberechenbaren so genannten Völkerrecht» entschieden. Damit entzögen sie dem Volk das Recht zum freien Entscheid.

Die SVP wolle mit «linken Lebenslügen» aufräumen. In der Bevölkerung wachse das Misstrauen. Das Volk sei den «vordergründigen und faulen Kompromissen» überdrüssig. Dies zeige auch die «überwältigende Reaktion» auf die Ausschaffungsinitiative.

Bei den kommenden Wahlen gehe es um «Freiheit oder Sozialismus, Heimat oder Multikultur, Sicherheit oder Kriminalität, Wohlstand oder Verarmung, Abendland oder Islam, SVP oder Rot-Grün», sagte Maurer. Die SVP führe den Wahlkampf für die «Zukunft unserer Heimat».

Drei Schwerpunkte: Unter dem Titel «Vertrag mit dem Volk» besiegelte die SVP am Sonderparteitag in Basel bekannte Anliegen:

Kein EU-Beitritt,

kriminelle Ausländer ausschaffen

Steuersenkungen für alle.

Kommentar: Was auffällt ist die Wiederholungstaktik. Plakate, Themen, Schwerpunkte sind immer die gleichen. Während die Sp und die FdP im laufe des Wahlkampfes die Themen ständig wechseln und nach populären aktuellen Bildern und Themen Ausschau halten (Armee, Tour de France, kleinere Schulklassen, Städte stärken usw., schlägt die SVP konsequent immer die drei gleichen Nägel ein. Das Lavieren wird sich bestimmt nicht auszahlen.

Samstag, 18. August 2007

Die Kraft der Wiederholung

Psychologie: Wiederholungen beeinflussen unsere Meinung

Wer immer wieder die gleiche Aussage hört, glaubt schließlich selbst daran

Menschen lassen sich besonders dann von einer Meinung überzeugen, wenn sie diese mehrmals hören. Dabei ist es egal, ob mehrere Personen diese Auffassung teilen oder ob immer wieder die gleiche Person die Meinung äußert. Das haben amerikanische Wissenschaftler in Tests mit über tausend Freiwilligen herausgefunden. Demnach erhöht das Wiederholen einer Meinung die eigene Glaubwürdigkeit und die Zuhörer bewerten den Standpunkt als allgemein bekannt, auch wenn dieser es in Wirklichkeit nicht ist.

Die Studie zeigt, wie Menschen eine Meinungsäußerung bewerten und wie leicht eigene Eindrücke beeinflusst werden können. In ihrer Versuchsreihe mit Studenten mehrerer amerikanischer Universitäten teilten die Wissenschaftler die Studienteilnehmer in drei Gruppen ein. Die Probanden der ersten Gruppe setzten sich mit drei Meinungsäußerungen von drei verschiedenen Gruppenmitgliedern auseinander. Die Teilnehmer der zweiten Gruppe beschäftigten sich mit den gleichen Standpunkten, die jedoch diesmal nur einer Person zugewiesen wurden. Den Mitgliedern der dritten Gruppe legten die Forscher schliesslich nur eine Meinungsäußerung von einem Teilnehmer vor. Die Probanden schenkten einer bestimmten Auffassung mehr Glauben, wenn diese von mehreren Teilnehmern geäußert wurde, stellten die Psychologen fest. Überraschenderweise zeigte sich dieser Effekt aber auch dann, wenn nur eine Person einen Standpunkt mehrmals wiederholte. Die Forscher vermuten, dass eine Meinung dadurch leichter im Gedächtnis haften bleibt und ein Gefühl der Vertrautheit entsteht. Die Annahme, dass ein Redner nur dann seine Ansicht wiederholt, wenn er breite Unterstützung innerhalb der Gruppe erwartet, konnten die Wissenschaftler dagegen nicht bestätigen.

Kommentar: "Nicht Abwechslung, sondern Wiederholung schafft Verständnis", sagte schon La Roche. Für Sportler, Künstler und Lernende ist die Erkenntnis Selbstverständlichkeit, dass nur durch Wiederholung Abläufe und Wissen vertieft, gefestigt werden. Werber und Manipulatoren nutzen die Wiederholungstechnik zur Festigung und Verankerung von Marken und Argumenten schon lange. Die neue Studie macht uns zusätzlich bewusst, dass auch Wiederholungen in Medien und in der Politik gefährlich sein können, vor allem dann, wenn Gerüchte, Vermutungen, Thesen oder Unwahrheiten von einer Quelle übernommen und damit wiederholt werden. Leider ist dieses "Trittbrettfahren" stark verbreitet. Eine Meldung wird übernommen und wiederholt - obschon sie unter Umständen gar nicht zutrifft. Wiederholungen können aber auch hilfreich sein. Im Mediensimuator erleben wir es immer wieder, dass Teilnehmende Hemmungen haben, Aussagen zu wiederholen. In der Selbstkritik beanstanden sie Wiederholungen . Wir machen dann bewusst, wie eine Botschaft mit Wiederholungen bewusst gefestigt werden kann: Mit einer Analogie, einem Bild, einem Beispiel, einer Geschichte usw. In unserem Coaching bewusst gemacht, wie über wenig viel gesagt werden kann und erkennen, dass Wiederholungen notwenig sind. Wiederholungen sind viel besser, als viele Gedanken lediglich anzutippen, aufzuzählen oder aneinanderzureihen. Das lat. Sprichwort trifft zwar zu: "Die Repetition ist die Mutter der Weisheit." Doch macht uns die jüngste Studie zudem bewusst: Die Wiederholung beeinflusst auch unsere Wahrnehmung. Wiederholungen verstärken die Glaubwürdigkeit einer Aussage.

Freitag, 17. August 2007

Barbara Schönebergers TV- Wahrnehmungsproblem

Berlin (RPO): Moderatorin Barbara Schöneberger fühlt sich im Fernsehen falsch dargestellt. "Man wird nie so wahrgenommen, wie man ist", sagte die 33-Jährige. Sie könne es nicht ändern, wenn die Leute sagten: "Die Schöneberger mit ihren blonden Haaren ist ja so geil!" Da könne sie sich 15 Mal hinstellen und sagen: "Ich bin dreidimensional, bitte seht auch meine aktuelle Seite." Gute TV-Angebote bekomme sie derzeit nicht. "Ich bekomme jede Woche Angebote, aber die sind indiskutabel", sagte Schöneberger dem "Tagesspiegel".

Kommentar: Barbara Schöneberger hat keine Wahrnehmungsverzerrungen. Sie hat nur nicht gemerkt, dass sie sich ihre "MARKE" in der Oeffentlichkeit selbst geprägt hat. Wer sich so oft unbedacht geäussert und sich für billigste Auftritte hergegeben hat, muss sich nicht wundern, wenn man sie dann auch entsprechend beurteilt (verurteilt?) .