Sonntag, 10. Juni 2007

Wer ist der Schwarze Block? _________________________________________________________________ (Gedanken nach den G8 Gewalttaten) __________________________________________________________________ Sie sind vermummt (können anonym agieren), schrecken vor keine Gewalt zurück. Sie organisieren sich über Handys und Internet.Wenn jemand verhaftet wird, befreien sie sofort ihren Kollegen, indem sie sich wie Ameisen auf den Polizisten stürzen. Sie haben Juristen im Hintergrund, die gegen die staatliche Gewalt unverzüglich Klage erheben. Wird ein Polizist mit einem Stein verletzt, lässt sich der Täter kaum eruieren. Werden doch Gewalttäter des Schwarzen Blockes verhaftet, wird die Polizei eingeklagt. Die Haft sei unmenschlich. Man habe sie in Zellen zusammengepfercht usw. Es heisst meist nachträglich: Die Polizei habe provoziert, weil sie beispielsweise Helme getragen habe. Der Einsatz sei unverhältnismässig gewesen. Der Schwarze Block hat es vor allem auf Medienpräsenz und gute Actions abgesehen. Im Spiegel online entdeckten wir einen Versuch, diesen schwarzen Block von einer anderen Seite zu beleuchten. Interessant ist jedenfalls, wie wenig wir - auch professionelle Sozialforscher des Protests - über die sogenannten Autonomen Genaueres wissen. Woher kommen sie eigentlich? Gibt es sie überhaupt noch in beträchtlichem Umfang? Aus welchen Klassen, Schichten, Bildungsmilieus rekrutieren sie sich? Wie gut oder schlecht sind sie tatsächlich organisiert; was exakt wollen sie denn nun erreichen? Was ist ihr Projekt, ihre Idee, ihr Ziel? Wer sind ihre Anführer oder Chefideologen? Vor allem aber: Spielen dergleichen Dinge für sie überhaupt eine Rolle? __________________________________________________________________ Man weiss es nicht so genau. Dennoch gibt es einige Hinweise, dass selbst diejenigen, welche sich zu dieser Szene rechnen (Mitgliederausweise gibt es keine), konkrete Antworten geben können. Wo der Wurf des Pflastersteins den koitalen Gipfelpunkt des Protest bedeutet, gilt die dürre intellektuelle Begründung nicht einmal als lohnenswertes Vorspiel. __________________________________________________________________ Der Schwarze Block als "Mob"? ____________________________________________________________ Franz Walter, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Göttingen hat sich mit dem jüngsten "Mob" beschäftigt. Bei KiWi ist jetzt sein Buch "Träume von Jamaika" erschienen. Hierzu zählten die Tagelöhner, Bettler, die Armen und Ausgeschlossenen, die sich immer wieder, aber ganz erratisch zu militanten Protesten zusammenwürfelten. Charakteristisch war die direkte Aktion, die spontane Erregung, der jähe Aufruhr. Und bezeichnend war ebenfalls, dass es dafür keine festen Organisationsformen gab, erst recht keine ideologischen Zielsetzungen, kein politisches Programm. Der "Mob" tumultierte; er reflektierte und räsonierte nicht. "Der Revolutionismus des 'Mobs' war primitiv", lautet daher das Urteil des marxistischen Sozialhistorikers Eric Hobsbawm, eines Experten auf dem Gebiet geschichtsträchtiger Rebellionen. Der "Mob" aus der Zeit vor der Industriegesellschaft erhob sich für einige Tage, machte tüchtig Krawall, zündelte hier und randalierte dort, verlor aber alsbald die Energie und Lust - und versank danach für längere Zeit in pure Inaktivität. __________________________________________________________________ Der Autonome, das unbekannte Wesen ____________________________________________________________ Franz Walter im Spiegel schreibt: Der neue "Mob" agiert nach der Droge der direkten Aktion. Die politischen Repräsentationen und hochzentralisierten Organisationszüge der Industriegesellschaft, der Arbeiterbewegung und ihrer Parteien schwinden seit einem Vierteljahrhundert rapide. Der Entstrukturierungseifer der postindustriellen Gesellschaftseliten hat politische Repräsentationen beschädigt, öffentliche Güter dezimiert, intermediäre Brücken zwischen Gesellschaft und Staat abgebrochen, Bindungen gelockert - und so kulturell-soziale Hohlräume der Integration hinterlassen. Wo immer in den vergangenen zwanzig Jahren in Europa unorganisierte und unvorhergesehene Krawalle ausbrachen, dort wird man verlässlich auf solche gesellschaftliche Leerstellen, auf entbundene Räume, sodann auf die Rückkehr des "Mobs" treffen. __________________________________________________________________ Und wo die Zukunftsversprechen der traditionellen Organisationen und Ideologien verschwunden sind, da kehrt der Kult des Augenblicks, die Befriedigung der Unmittelbarkeit, der Endorphinenausstoss der direkten Aktion zurück. In diesen Aktionen erfährt der sonst Ohnmächtige einen kurzen, aber berauschenden Moment der Macht. Er sieht die Angst, den Schweiß, die Panik im Gesicht des verhassten Gegners. So wird der Strassenkampf zum Fest, die Gewalt zur Orgie gefühlter Omnipotenz. ____________________________________________________________ Politisch wird der postindustrielle "Mob" nicht ernst genommen, sozial sind etliche darunter marginalisiert, aber nun stehen sie im Mittelpunkt der Medienaufmerksamkeit, sind Helden in den Aufnahmen der Strassenschlachten. Natürlich fehlt dann auch nicht das uralte Symbol des Feuers, das Licht in die Dunkelheit einer verabscheuten Gegenwart bringen soll, das alles Böse auslöscht, jegliche Privilegien in Asche verwandelt - auf diese Weise, für die Stunden des "Kampfes" jedenfalls, die ersehnte Egalität herstellt. ___________________________________________________________________ Auch die Medien lieben alle diese Bilder: Flammen, Kämpfe, zertrümmerte Autos, Schurken und Helden, die uniformierten Guten und die vermummten Bösen. Insofern trägt auch die Mediengesellschaft zur Wiederkehr des "Mobs" bei. ____________________________________________________________ Das Gefährliche ist: _________________________________________________________________ Die Gier des "Mobs" nach immer stärkeren Drogen der direkten Aktion, das Interesse der Medien an neuen, die Emotionalitäten noch verstärkenden Events der Provokation - all das enthält eine innere Dynamik der Dosissteigerung. ____________________________________________________________ Kommentar: Was uns zu denken gibt, ist die Interaktion "Schwarzer Block und Medien". Je präsenter die Autonomen (Chaoten) sind, je mehr sie mit der staatlichen Gewalt "Katz und Maus" spielen können. desto attraktiver sind sie auch für all jene Jugendliche, die sich Langweilen oder aus irgend einem Frust gerne dreinschlagen wollen. Wie am 1. Mai kommt es gleichsam zu einer Tradition der Gewalt und damit zu einem ungeschriebenen Recht, Kravall zu machen, Schaufenster einzuschlagen, Autos anzuzünden, Polzisten mit Steinen zu bewerfen d.h. an bestimmten Tagen oder betimmten Anlässen Gewalt auszuüben, die selten geahndet wird. Dem Schwarzen Block sind politische Anliegen nur Vorwand, Gewalt auszuüben. Wenn dann die Polizei Ruhe und Ordnung durchsetzen muss, und es Verletzte gibt und einzelne Pannen. Dann nutzen die Chaoten diese heiklen Situationen schamlos aus und bringen es in der Regel geschickt fertig, nachträglich den Spiess umzudrehen und die Polizei auf die Anklagebank zu zwingen. Ich habe in Zürich autentische Aufnahmen gesehen, bei denen Polizisten mehrmals ins Gesicht gespuckt wurde und sie sich minutenlang als "Bullenschweine" beschimpfen lassen mussten. Die Einsatzkräfte wurden vorher trainiert, Frust auszuhalten und sich nicht provozieren zu lassen. Als dann ein junger Polizist doch noch die Wut packte und plötzlich heftig zurückschlug, wurden die Kameras gezückt und die Aufnahme veröffentlicht (als Beweis, dass die Polizei unverhältnismassig reagiert hatte). Wir sind uns des Dilemmas bewusst: Die Presse hat einerseits eine Informationspflicht zu erfüllen und darf Tatsachen nicht totschweigen. Anderseits muss sie Zurückhaltung üben im Publizieren der Erfolgsbilder der Randalierer. Dies ist und bleibt für Journalisten eine heikle Gratwanderung. _____________________________________________________________ Nachtrag: (10.6.07) Bei Sabine Christiansen wurde am Sonntagabend über die Ausschreitungen am G8 und den Einsatz der Polizei heftig diskutiert. Es war genau so, wie wir es prognostiziert hatten: Die Befürworter der Demonstranten machten die Polizei für das Caos verantwortlich und gingen auf die angeblich unmenschlichen Haftbedingungen ein. Von den 400 verletzten Polizisten keine Rede mehr. Die Juristin der Demonstranten lenkte die Diskussion ständig auf die sogenannte Käfighaltung und dem unangemessenen Verhalten der Polizei (Die gefangen genommenen Gewalttäter wurden gefesselt und rund um die Uhr mit einer Videokamera überwacht). Nicht die Gewalttäter - die Polizisten sassen für sie auf der Anklagebank. Nur zwei Teilnehmer zeigten Verständnis für die Arbeit der Ordnungshüter. Der Staat wäre verpflichtet gewesen, für die Ordnungsorganen die notwendigen Mittel zu sprechen. (Veraltete Kommunikationsmittel, Ablösungen waren der Bestände wegen nicht mehr möglich, Ruhezeiten konnten nicht eingehalten werden, Verpflegungsprobleme usw.) Sabine Christiansen hatte doppelt so viel Gesprächsteilnehmer eingeladen, die eindeutig die Position der Demonstrierenden unterstützt hatten. Aus meiner Sicht war die Runde zu einseitig zusammengestellt worden. Da die resolute Verteidigerin der Globalisierungsgegner dem Polizeisprecher ständig ins Wort fiel, hatten die zwei "Anwälte der Polizei" einen schwierigen Stand. Immerhin konnte der Polizeivertreter noch darlegen, dass sich die Ordnungshüter nicht steinigen lassen müssen. Auch die Polizei habe ein Recht auf Unversehrtheit. Wenn sich Demonstranten nicht friedlich verhalten, so müsste die Staatsgewalt auch angemessene Möglichkeiten haben, sich durchzusetzen und sich zu verteidigen. Unter Umständen - vor allem in derart extremen Situationen - mit Geschossen, die Distanz schaffen, evt. auch schmerzen oder Schürfwunden geben können. Es war aufschlussreich zu erfahren: Da damit gerechnet werden muss, dass nachträglich die Polizei mit Klagen eingedeckt wird , sind die Sammelstellen der Arretierten rund um die Uhr bewusst gefilmt worden. Damit könnte nachträglich festgestellt werden, ob jemand tatsächlich menschenunwürdig behandelt worden ist. Ohne Videobeweis würden sonst den Polizeikräften die übelsten Geschichten unterstellt. Der verbale Schlagabtausch bei Christiansen machte deutlich, dass es nicht nur schwierig ist, friedlich zu demonstrieren. Es scheint noch viel schwieriger zu sein, einander zuzuhören. Sabine Christiansen wird zwar nicht mehr lange moderieren. Wir finden es dennoch schade: In dieser Sendung (vor dem baldigen Abgang) entglitt der Fernsehfrau die Federführung. Sie sass über Strecken hilflos da und war nicht mehr fähig, das Gespräch zu beeinflussen. Sabine Christiansens Geschnatter reizte die Teilnehmenden, das Wort an sich zu reissen. Mit der Folge, dass über weite Strecken mehrere gleichzeitig redeten.

Samstag, 9. Juni 2007

Klaus J. Stöhlker als PR Berater, Medientrainer und Moderator ________________________________________________

Führt die Rollenvermischung zu Interessenkonflikten? ___________________________________________________________________

Im PERSOENLICH.COM gelesen: __________________________________________________________________

20 Kunden in seine Talk-Show gebracht ____________________________________________________________

PR-Unternehmer Klaus J. Stöhlker ist mit seiner Talkshow auf dem Privatsender U1 in die Kritik geraten. Wie der Tages-Anzeiger am Freitag berichtet, habe Stöhlker zahlreiche Kunden seiner PR-Firma als Talkgäste in die U1-Show eingeladen und so Rollen und Interessen vermischt. Ausserdem hätte die FDP dem bekannten PR-Mann das Beratermandat entzogen.

Klaus J. bittet jeden Mittwoch einen Gast zum "Stöhlker Talk" und befragt ihn zu aktuellen Geschehnissen und zur eigenen Person. Auffällig ist laut Tages-Anzeiger, dass während des letzten Wahlkampfs viele FDP-Politiker von Stöhlker begrüsst wurden: Regierungsratskandidat Thomas Heiniger, sowie die Kantonsräte Gabriela Winkler, Carmen Walker Späh und Hans-Peter Portmann. Prekär: zu dieser Zeit stand Stöhlker gleichzeitig im Dienst von U1 und der kantonalen FDP. ____________________________________________________________________

Medientraining und Praxistest

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"Das war keine Propaganda", lässt sich Stöhlker in der Causa vom Tages-Anzeiger zitieren. Bei den Talks mit den FDP-Politikern sei es schliesslich um Sachthemen gegangen. Und: In der SF-Sendung "Club" seien einmal auch ausschliesslich SP-Vertreter eingeladen worden. Ausserdem habe er auch schon Politiker anderer Couleurs zu Gast gehabt, zum Beispiel Ruth Genner von den Grünen oder den SP-Politiker Mario Fehr. Laut Tages-Anzeiger liegen diese Talks aber lange zurück.

Geld für die Auftritte sei seitens der FDP keines geflossen. Wohl aber bezahlt habe die Partei für ein Medientraining, das Stöhlker für die FDP-Kandiaten in den U1-Studios durchgeführt hätte. Was lag also näher, als das neu erworbene Wissen auch gleich im TV umzusetzen, fragt man sich an der Werdstrasse.

Inzwischen ist die Zusammenarbeit zwischen Stöhlker und der FDP beeendet, wie die Partei bestätigt. Zu den Gründen wurde nichts bekannt. Laut Tages-Anzeiger ist es aber kein Geheimnis, dass Stöhlkers Arbeit in der Partei umstritten war. Eine missglückte Leserbrief-Aktion und Stöhlkers Hang zur Selbstinszenierung hätten ihm viele Gegner eingebracht.

Die FDP sei aber nicht der einzige Kunde gewesen, der von Stöhlkers Doppelrolle als Talkmaster und PR-Berater profitiert hat, denn immer wieder scheinen Kunden auf der Gästeliste vom Talk auf. Laut Stöhlker waren höchstens 20 der bisher 140 Gäste Kunden der Stöhlker AG. Das sei unproblematisch, solange es sich bei den Gästen um interessante Leute handle.

Für den Sender U1 ist die Vermischung von Journalismus und PR indes kein Problem. Eine Sprecherin gibt gegenüber dem Tages-Anzeiger an, dass der Sender keinen Einfluss auf die Wahl der Gäste beim "Stöhlker Talk" nimmt und auch nicht weiss, wer Kunde der Stöhlker AG ist. Einfluss nehmen will der Sender auch deshalb nicht, weil es sich bei der Talkshow um eine Gegengeschäft handle: Stöhlker erhält mit der Sendung eine kostenlose Plattform für sich und seine Kunden, und U1 kommt zu einer kostenlosen Sendung.

Kommentar: Aus unserer Sicht lohnt es sich, die verschiedenen Rollen strikte zu trennen. Ich kenne verschiedene professionelle Medienberater, die eine derartige Vermischung immer strikte ablehnten.

Mittwoch, 6. Juni 2007

Lehrer können nicht alles im Griff haben __________________________________________________________________ Nachdem sich zwei Sechsklässler im Unterricht bewusstlos betrunken hatten, ist es für Schulpäsident Ruegg klar: Schuld sind primär die Eltern (Quelle BLICK vom 5.6.07) ___________________________________________________________ Die Fachstelle für Alkohol - und Drogenprobleme hat Zahlen, die beweisen, dass unsere Jugend säuft, wie noch nie. 50 Prozent der befragten 13 Jährigen gaben 2007 an, im letzten Monat Alkohol getrunken zu haben. Selbstverständlich kann dieses aktuelle Problem nicht nur von den Lehrkräften allein gelöste werden. Die Eltern müssten bei Erziehungsproblemen auch mitwirken (Leider sind jedoch heute die Eltern tagsüber kaum noch da). Die Fremdbetreuung wird gefördert. Eltern, welche die Kinder sich selbst überlassen und die Betreuung delegieren , sind gar nicht in der Lage, vereinbarte Regeln persönlich zu überprüfen. Im Grunde genommen müssten Schülerinnen und Schüler auch nachhaltig spüren, dass es Grenzen gibt und diese gelten! Leider werden zu schnell die Augen zugedrückt. Eine Behörde befand nach einer Trinkorgie von Primarschülern: "Die betrunkenen Schüler werden wir nicht bestrafen, denn sie sind ja bestraft genug. Sie mussten erbrechen und wurden in eine Intensivstation eingeliefert." Wir finden: Wenn die Jugendlichen merken, dass das Nichteinhalten der Regeln keine weiteren Folgen mehr hat, so muss man sich auch nicht wundern, wenn in Leserbriefen Begriffe wie KUSCHELPAEDAGOGIK und LAISSER- FAIRE - Mentalität kolportiert werden. Wer sich mit Erziehungsfragen befasst, müsste lernen, die Balance zu finden zwischen Konsequenz und Flexibilität. Hedonismus darf nicht das Leitbild unserer Schule sein. Wer A sagt zu Kindern müsste auch B sagen zur Erziehungsaufgabe.

Freitag, 1. Juni 2007

Sepp Blatter - ein eitler Vielredner? __________________________________________________ Im Tagesanzeiger vom 10. Mai wurde Sepp Blatter - der Fifa Präsident, vor der Wahl von Honigstein, vom einem freien Journalisten, kritisch beleuchtet. Titel: _____________________________________________________________ "Blatter, die Eitelkeit eines Vielredners". _____________________________________________________________ Wir hatten schon vor Jahren Sepp Blatters Fussballrhetorik eingehend analysiert, als er sich gegen zahlreiche Vorwürfe behaupten musste. Er hatte übrigens damals nichts gegen die Bezeichnung "schlitzohrig". Er war sogar stolz, ein gerissener, raffinierter Walliser zu sein. Tatsächlich verstand er es immer wieder, mit geschicken Schachzügen, sich aus dem Schussfeld zu halten. Konkrete Fragen beantwortete er selten. Blatter liebt es, im Mittelpunkt zu stehen. Ist ihm jemand im Weg, versteht er es, die Person listig zu umtrippeln. Seitdem er die gefährlichsten Angriffe unbeschadet überstanden hatte, wagt es heute niemand mehr, sich dem "Papst des Fussballs" entgegenzustellen. Er ist unumstittener Herrscher über sein Weltreich und verfügt über enorm viel Macht und immense Geldsummen. Nur der schottische Verbandspräsident John McBeth wagt es weiterhin zu behaupten, 50 Prozent der Korruptionsvorwürfe , die der englische Journalist Andrew Jennings gegen Blatter vorwerfe, seien "fundiert". Von Sepp Blatter wird gesagt, dass er zu allem immer eine Meinung hat. Er könne jedes Thema am Leben erhalten. Das Reden falle ihm leicht. Die engl. Boulevardpresse spricht gerne von "Sepp Balhter" (blather= Gefasel, Gequatsche). Die Engländer lieben es, Autoritäten hart zu hinterfragen. Sepp Blatter liess jedoch - nach einer kritischen Reportage des BBC-Programms "Panorama"- Vertreter des Senders - aus einer Pressekonferenz entfernen. Sepp Blatter verliess bis anhin die Arena stets als Sieger. Sein Wort gilt. Blatters Worte werden überall ernst genommen. Er weiss dies genau. Dass der unangefochtene Herrscher des Fussballs noch eitler geworden ist, ist somit verständlich. Dass er aber als Vielredner andere zum Schweigen bringt, verstehen wir weniger. Unserer Prognose: Sepp Blatter wird weiterhin unangefochten als Regent der "wichtigsten Sache auf Erden" weiter regieren können. Auch während der nächsten vier Jahre wird es niemandem gelingen, dem gewieften Taktiker allfällige Korruptionen nachzuweisen. Falls dies jemand dennoch versuchen würde, müsste er damit rechnen, dass er zum Abschuss freigegeben wird. Wer will das schon?

Mittwoch, 30. Mai 2007

"Blondes Gift" (Barbara Schöneberger) entgiftet? ______________________________________________________________ Die umstrittene Moderatorin Barbara Schöneberger zieht sich bewusst vom TV-Geschäft zurück (Siehe rhetorik.ch - Geben Sie im Suchfenster "Barbara Schöneberger" ein, dann finden Sie unsere Analysen und Geschichten über sie). Mit dem Abgang wird der Bildschirm endlich entgiftet. In der aktuellen Ausgabe des Magazins "Revue" soll es immer weniger Sendungen geben, bei denen sie dabei sein möchte. Wir finden: Sie war an zu vielen Sendungen mit dabei und hat uns demonstriert, wie man sich zu unbedacht ausdrücken kann. Nicht zu Unrecht galt sie als "Blondes Gift". Folgende Aussage von ihr verdeutlicht - kurz vor dem Abgang - das Niveau dieser Fernsehfrau. Sie sagte: "Ich kann nichts anfangen mit Männern, die mich anhimmeln". Das Publikum wird gewiss auch nichts anfangen können mit einer Moderatorin, die so egozentriert spricht. Wie zu erfahren war, will es die "Frau mit der grossen Klappe" mit singen versuchen. Aber - bitte erst nach der Entgiftung!

Montag, 28. Mai 2007

Hillary Clintons Schatten verfolgt sie _________________________________________________________________ In zwei neuen Biografien werden vor der Wahl unangenehme Geschichten aus Hillarys Vergangenheit enthüllt. Dass vor Wahlen Schmutzgeschichten aufgewärmt werden, ist nichts Neues. Doch könnten die zwei neunen Bücher der Kandidatin für die US-Präsidentschaft doch noch schaden. __________________________________________________________________ Die Grossauflagen der neuen Hillarybücher werden in Washington sicherlich einen Wirbel auslösen. Die Autoren sind angesehenen Journalisten. Bereits der Vorabdruck zeigt, dass eine Fülle von Materialien zusammengetragen worden sind, welche auch die dunklen Seiten der umstrittenen Politikerin beleuchten: ___________________________________________________________________ - Die Seitensprünge des Mannes Bill Clinton werden genüsslich nachgezeichnet. ___________________________________________________________________ - Hillary wird beschrieben als eine Politikerin, die selbstgerecht, gerissen, ehrgeizig ist und gekennzeichnet ist von Bedenkenlosigkeit. _____________________________________________________________ - Es wird beschrieben, weshalb die Frau trotz grösster Erniedrigungen beim Mann geblieben ist. Alles war angeblich Berechnung. Denn ohne ihren Mann hätte sie keine Chance zu einer politischen Karriere gehabt. _____________________________________________________________ - Hillary wurde von ihrem PR- Manager ständig als brilliante Anwältin beschrieben. Sie ging in die tiefe Provinz, weil sie beim Anwaltexamen in Washington durchgefallen war. _____________________________________________________________ - Auch die Zeit als Senatorin wurde seit 2001 untersucht. Ihre Zustimmung zum Irakkrieg, die sie nicht mehr als Hypothek los wird. _____________________________________________________________ Wenngleich die Geschichten im Clinton Lager als "alte Geschichten" abgetan werden, so muss doch in Betracht gezogen werden, dass die Wähler ihre Wahl nicht nach Parteiprogrammen, sondern letztlich nach Sympathien treffen werden. Die Bücher könnten der Kandidatur deshalb doch noch schaden.

Sonntag, 27. Mai 2007

Rütlifeier für alle __________________________________________________________________ Die Mehrheit der Bevölkerung ist sich einig: Das Rütli muss am ersten August der ganzen Bevölkerung zur Verfügung stehen. Weshalb hat die Rütlikommission nicht auf die innerschweizer Kantone gehört , die immer wieder ein patriotischen Fest für alle - verbunden mit einer Feier und traditionellen Einlagen (Jodler, Fahnenschwingen und volkstümlicher Musik) - gefordert hatten? Diese Frage müsste eigentlich Judith Stamm - die Verantwortliche der Rütlikommission - beantworten. ______________________________________________________________ Der Rütli-Knatsch erinnert uns an die Streitereien im Vorfeld der letzten EXPO. Dort wollte man zuerst auch die Bedürfnisse der Bevölkerung ausklammern und weltfremde Events aufzwingen, die das Publikum nicht verstanden hate. Im letzten Augenblick kam es damals doch noch zu einigen Korrekturen. ____________________________________________________________________ Die letztjährige 1. Augustredner war alles andere als eine geglückte Veranstaltung. Die Rütlikommission boxte ihre Feier durch - mit enormen Kosten. In Nachhinein hatte sich gezeigt, dass der Redner Markus Rauh, im Grunde genommen gar nicht gerne öffentlich auftreten wollte. Die Plattform Rütli nutzte er nur, um von seinen persönlichen Problemen abzulenken. Mit einem Aufwand von einer Million Franken wurde diese einseitige Rede für sein politisches Anliegen durchgesetzt. Markus Rauh exponierte sich in seiner Rede gegen die Asylvorlagen als 1. Augustredner auf dem Rütli, obschon er früher nie in die Medien kommen wollte. Nach der Niederlage (Asylabstimmung) kam der Redner erneut ins Rampenlicht. Aber als ehemaliger Swisscom Chef und diesmal unfreiwillig. Obschon er es genau gewusst hatte, gestand Markus Rauh erst nach der Asylabstimmung ein, dass er unter Insiderverdacht stand. Dafür erntete er heftige Kritik in den Medien, im Parlament und in der Öffentlichkeit. Der Erstaugust-Redner und Anführer des Komitees gegen das Asylgesetz musste einräumen, dass er das Verfahren zuvor aus Rücksicht auf die Abstimmungskampagne geleugnet hatte. Zudem gab er zu, seine Transaktion der Börsenaufsicht nicht sofort gemeldet zu haben. Die Rütlikommission muss sich heute den Vorwurf gefallen lassen, dass sie mit einigen Konzepten keine glückliche Hand hatte. 2007 planten sie eine Feier nur für Frauen. Dann nur für Mütter mit ihren Kindern . Es wurde zwar plötzlich von einer sogenannten Familienfeier gesprochen (ohne Männer?). Rednerinnen: Zwei prominente Politikerinnen (Die Bundespräsidentin und die Präsidentin des Nationalrates). __________________________________________________________________ Micheline Calmy-Rey hat insofern recht, als sie selbst alle Bürger zu einem Dialog einladen will. Sie würde sogar mit Rechts- und Linksextremen reden. Sie gibt sich heute als Verfechterin der Redefreiheit. Auch wir befürworten Dialoge und die Redefreiheit. ____________________________________________________________________ Doch kommt diese Dialogbereitschaft reichlich spät. Es besteht jetzt die Gefahr, dass sich die Linken und Rechten auf dem Rütli in die Haare geraten. Dadurch wird möglicherweise die Wiese am 1. August 07 gesperrt werden müssen. Der erwünschte Dialog könnte somit gar nicht zustande kommen. ____________________________________________________________________ Da nicht auf die Innerschweizerstimmen gehört wurde, stehen wir wahrscheinlich vor einem Scherbenhaufen. ____________________________________________________________________ Der eigenwillige Alleinauftritt der Bundespräsidentin wird als Zwängerei beurteilt, zumal der Innerschweiz vor zwei Jahren von zwei Bundesräten versprochen worden war, dass zur Beruhigung der Lage, vorläufig keine Bundesräte mehr auf dem Rütli auftreten werden. Die Bundespräsidentin will zwar davon nichts mehr wissen. Man wirft in der Presse Micheline Calmy- Rey und Judith Stamm Profilierungsneurose vor (Bote der Urschweiz). Die Einwohner der Innerschweiz glauben nach wie vor ein Anrecht zu haben, auf ein problemloses Volksfest - ohne Provokationen. Die Rütlikommission habe nämlich genau gewusst, dass sich die Kantone eine kleinerer Feier wünschen. Doch suchte Judith Stamm nie den Dialog mit der Oeffentlichkeit. Sie wollte einfach ihre einseitigen Feiern durchboxen. Judith Stamm tritt von ihrem Amt zurück und es besteht somit die Chance, dass nächstes Jahr die Wünsche der Bevölkerung doch noch mitberücksichtigt werden - mit einer traditionellen Rütlifeier für alle! ALLE MUSS DANN HEISSEN: ALLE! PS: Dass sich die SP am 1. August plötzlich patriotisch zeigt und die SP Bundesrätin - trotz abgesagter Feier - auf ihrerRede auf dem Rütli beharrt , mag erstaunen. Es ist vielleicht sogar erfreulich. Was ich mir anderseits nicht gut vorstellen kann, dass umgekehrt am 1. Mai (am Tag der Arbeit) Bundesrat Blocher unbedingt bei der wichtigsten Veranstaltung der Gewerkschaft auftreten möchte und darauf beharrt, in Zürich eine Rede zu halten. Dies würde sicherlich von den Gewerkschaften nicht goutiert. Ich schlage deshalb vor, dass Ueli Maurer sich nächstes Jahr als Redner am 1. Mai aufdrängt. Der Aufschrei der Entrüstung wäre ihm gewiss . Doch würde diese Provokation die heutige groteske Situation bewusster machen .