Sonntag, 4. Dezember 2011

Blick weiss, wie die Szenarien bei der Bundesratswahl ablaufen könnten


Die aufgezeigten Varianten sind kein Kaffesatzlesen. Dank der Stimmenverhältnisse können  mögliche Szenarien ziemlich genau antizipiert werden. 


Mögliche Szenarien am 14. Dezember sind:

Szenario: Alles wie jetzt

Wahlausgang:
Alle bisherigen Bundesratsmitglieder werden wiedergewählt. Einer der beiden SP-Kandidaten erhält den Sitz, den Micheline Calmy-Rey verlässt. Die SVP muss weiter auf ihren zweiten Sitz warten.

So läufts: SP, Grüne, CVP, BDP und FDP wollen die tüchtige, gut funktionierende Regierung weiterarbeiten lassen. Zumal grosse Herausforderungen wie eine Finanz- und Wirtschafts­krise und die Energiewende bevorstehen. Die SVP wird auf die nächste Vakanz vertröstet und überlegt sich, ob sie Ueli Maurer zurückziehen und in die Opposition gehen will.

Szenario: Die dritte Kraft


Wahlausgang: Die SVP erhält einen Sitz auf Kosten der FDP, abgesehen davon bleibt die Sitzverteilung unverändert. Entweder ersetzt Bruno Zuppiger (SVP) Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (FDP). Oder Jean-François Rime (SVP) wird anstelle von Didier Burkhalter (FDP) gewählt.

So läufts:
CVP und BDP kündigen verbindlich an, dass sie zusammengehen wollen. Die neue Gruppierung wird mit gut 50 Sitzen und 17,5 Wählerprozent dritte Kraft noch vor der FDP (41 Sitze; 15,1 Prozent). Auch die SVP akzeptiert, dass die FDP nur noch vierstärkste Kraft ist und die Konkordanz neu gerechnet werden muss. Die SVP wählt Widmer-Schlumpf und erhält dafür ihren zweiten Sitz.

Szenario: CVP statt FDP


Wahlausgang: SVP-Mann Zup­piger wirft im zweiten Wahlakt Widmer-Schlumpf aus der Regierung. Dafür verliert die FDP ihren zweiten Sitz an einen CVP-Vertreter wie Urs Schwaller.

So läufts: BDP-Bundesrätin Widmer-Schlumpf verliert bei Mitte-Links zu viele Stimmen, Zuppiger setzt sich durch. Weil Mitte-Links aber dem SVP-FDP-Lager mit seinen bloss 100 Stimmen nicht vier Sitze gibt, wird der FDP ein Sitz abgeknöpft. Da Widmer-Schlumpf nicht gegen einen amtierenden Kollegen antreten will, geht der Sitz an die CVP. Sie kann für sich geltend machen, dass sie gleich viele Parlamentssitze hat wie die FDP.

Szenario: Teile und herrsche

Wahlausgang: Die SVP erhält ihren zweiten Sitz zulasten der BDP. SP und FDP sind weiterhin mit zwei Vertretern im Bundesrat, die CVP mit einem.

So läufts: Zwar haben SVP und FDP mit ihren gut 100 Sitzen und 40 Prozent Wähleranteil nur Anrecht auf drei Bundesräte. Aber die SP hat Angst, im siebten Wahlakt ihren zweiten Sitz zu verlieren. Darum geht sie auf Nummer sicher und schliesst sich mit FDP und SVP kurz.

Szenario: Voodoo

Wahlausgang:
Bruno Zuppiger setzt sich mit SP-Stimmen gegen Johann Schneider-Ammann durch. Weil er ein verdienter Bundesrat ist, wird der im letzten Wahlakt auf den SP-Sitz gewählt. Die verbleibende SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruge tritt daraufhin zurück. Die SP geht in die Opposition.

So läufts:
Vor dem Überraschungscoup sagt die SVP, die SP habe wegen der Wiederwahl von Widmer-Schlumpf die Konkordanz gebrochen. Zu den 104 Stimmen aus dem Rechtsblock kommen die weiter nötigen 19 Stimmen von vereinzelten CVP- und GDPlern – und Berner BDPlern, die ihren Kantonskollegen nicht nicht wählen wollen. Die SP zieht ihre verbliebene Bundesrätin zurück. Auf ihren Platz wählt die Bundesversammlung GLP-Chef Martin Bäumle.





Kommentar: Alles ist mögich.  Es ist durchaus  denkbar, dass  unerwartete Schattenspielchen zu völlig neuen (chaotischen) Situationen führen könnte. Ich rechne mit Ueberraschungen.







Zur kommunikativen Kompetenz unserer Bundesräte

Was wir von den neugewälten Magistraten erwarten dürfen.


Wer das Amt eines Bundesrates übernimmt, muss sich in mindestens in zwei Landessprachen




kurz




einfach




konkret ausdrücken können, so dass die Gedanken von Journalisten nicht zuerst entschlüsselt werden müssen.




Bereits im Parlament müsste einem Politiker bewusst geworden sein,  dass "parlare" zur Kernkompetenz eines Parlamentariers gehört. Parlament kommt weder von "Palaver" noch von "lamentieren" (jammern). Es ist aber ein Jammer, wenn wir von Bundesräten mit Bandwurmsätzen, Einschüben und  Querverweisen gelangweilt werden.

In unseren massgeschneiderten individuellen Modulen im Mediensimulator
werden wir Ihnen im prozessorientierten Einheiten  zeigen, wie Fremd- und Fachwörter vermieden werden und sinnvolle Sprachbilder und Vergleiche genutzt werden können.

Samstag, 3. Dezember 2011

Nun kam er doch noch: Der erste Schnee


Zum Skifahren reicht es leider noch nicht: Schneelandschaft im Bündnerland. (Archivbild)

Ob das Sprachdefizit so rasch ausgebügelt werden kann?



Ich zitiere TAGI

«Je vais améliorer mon français»


Bruno Zuppigers Französisch ist holprig und wird kritisiert. Nun hat er sich ein ambitioniertes Lernprogramm auferlegt. Kommt schon heute Abend der grosse Test vor laufender Kamera?
«Sollte mich die Bundesversammlung zum Bundesrat wählen, dann würde ich versuchen, ein- bis zweimal wöchentlich von 5 bis 7 Uhr morgens Fremdsprachen zu trainieren»: Bruno Zuppiger.


«Sollte mich die Bundesversammlung zum Bundesrat wählen, dann würde ich versuchen, ein- bis zweimal wöchentlich von 5 bis 7 Uhr morgens Fremdsprachen zu trainieren»: Bruno Zuppiger.
Bild: Keystone

Auch für Adolf Ogi war das Französisch eine Tortur

Der damalige Bundespräsident bei seiner Neujahrsansprache im Jahr 2000.

Nachhilfe auch für Pierre-Yves Maillard

Nicht nur Bruno Zuppiger will seine Fremdsprachenkenntnisse verbessern, sollte er Bundesrat werden. Auch Pierre-Yves Maillard sieht noch Nachholbedarf. Er könne sich in Deutsch durchschlagen, sagte er jüngst gegenüber Medien. Aber sicher fühle er sich nicht. Die anderen beiden Kandidaten aus der Romandie, Alain Berset und Jean-François Rime, scheinen ziemlich sattelfest, was ihre Deutschkenntnisse anbelangt.
Die Überraschung war dem damaligen SF-Moderator Reto Brennwald gelungen, als er vor der letzten Bundesratswahl im September 2010 die «Arena» in Englisch eröffnete. «Mrs Keller, let me ask you the first question in English», sprach Brennwald die Bundesratskandidatin an. Er wollte von ihr wissen, ob sie bei den Fraktionshearings in Englisch angesprochen wurde. «Yes, and I guess you want me to answer in English», fragte die St. Gallerin in perfektem Englisch zurück. Kein Wunder, die Regierungsrätin war früher Dolmetscherin. Auch Johann Schneider-Ammann musste daran glauben. «Je me débrouille raisonnablement en français», schlug sich der Berner Unternehmer im Vergleich zu Keller-Sutter weniger souverän, aber dennoch wacker


Sie kommt immer wieder, die Sprachenfrage, also wie gut die Bundesratsanwärter die zweite Landessprache sowie die Weltsprache Englisch beherrschen. Und sie kommt auch jetzt wieder. Diesmal trifft es den Zürcher SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger. Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Gewerbeverbandspräsident für höhere Weihen noch Nachholbedarf hat. Seine Standeskollegin, CVP-Nationalrätin Kathy Riklin, sagt es so: «Herr Zuppiger hat als Präsident von Kommissionen und Delegationen an offiziellen Anlässen schon verschiedentlich fremdsprachige Ansprachen gehalten. Das war meiner Ansicht nach nicht überzeugend.» Aufgefallen ist das auch anderen.


Nachhilfestunden in der Früh


Zuppiger selber macht daraus auch kein Geheimnis. «Ich werde das Thema Fremdsprachenkenntnisse mit hoher Priorität angehen, damit ich mich auch frei ausdrücken kann», sagt er auf Anfrage. Und als wollte er beweisen, dass es jetzt schon nicht schlecht steht um sein Französisch, ergänzt Zuppiger im schweizweit berühmtberüchtigten Français fédéral (oder alternativ auch français Emil): «Je vais améliorer mon français.» Wie das? «Sollte mich die Bundesversammlung zum Bundesrat wählen, dann würde ich versuchen, ein- bis zweimal wöchentlich von 5 bis 7 Uhr morgens Fremdsprachen zu trainieren», erklärt Zuppiger. Riklin rümpft darob die Nase: «Wieso erst jetzt? Er ist doch bereits 12 Jahre im nationalen Parlament.»
Vorerst aber muss Zuppiger beweisen, was er bis jetzt an Fremdsprachen drauf hat. Denn schon nächste Woche beginnen für die Bundesratskandidaten die Hearings bei den Fraktionen.


Bei Westerwelle ging es auch
Dass mit dem Rücktritt von Micheline Calmy-Rey der Sitz im Aussendepartement frei wird, bringt zusätzlich Brisanz in die Fremdsprachenfrage. Zeigt niemand Wechselgelüste – und danach sieht es derzeit aus – würde dem Zürcher Oberländer das EDA winken. «Sollte ich Aussenminister werden, gibt es im schlimmsten Fall auch noch Übersetzer», so Zuppiger schlagfertig. Ein Blick über die Grenze zeigt, dass diese Rechnung durchaus aufgehen kann, siehe Guido Westerwelle.
Und wie sieht man in der Romandie einem Bundesrat Zuppiger entgegen? «Je ne veux pas créer une polémique avec ça», heisst es auf Anfrage bei einem Ratskollegen. Auch andere wollen sich nicht äussern. Aus Erfahrung ist aber bekannt, wie heftig dieses Thema auch ennet dem Röschtigraben debattiert wird.


Keller-Sutter unterlag trotz perfekten Sprachkenntnissen


Gut möglich, dass das Fremdsprachenthema bereits heute Abend öffentlich aufgenommen wird, in der Sendung «Arena» nämlich. Die vier offiziellen Bundesratskandidaten sind ins SF-Studio geladen. Ins Pendant der Romandie, «Infrarouge», könnte sich Zuppiger allerdings nicht vorstellen zu gehen: «Im Moment sind meine Französisch-Kenntnisse nicht gut genug, dass ich in eine Diskussionssendung in der Romandie gehen würde. Plötzlich fehlt mir ein Ausdruck und das unterbricht dann die Debatte unnötigerweise.»


Kommentar: Zuppinger kann sich nicht mit Westerwelle vergleichen.
Heute werden die Sprachkenntnisse vorausgesetzt und ein Magistrat muss fähig sein, sich in zwei Landessprachen - aber auch in ENGLISCH - verständlich auszudrücken. Ich kann mir vorstellen, dass Zuppingers Sprachdefizite die Wahl beeinflussen könnten.

Freitag, 2. Dezember 2011

Zur kommunikativen Kompetenz unserer Bundesräte

Was wir von den neugewälten Magistraten erwarten dürfen.


Wer das Amt eines Bundesrates übernimmt, muss sich in mindestens in zwei Landessprachen




kurz




einfach




konkret ausdrücken können, so dass die Gedanken von Journalisten nicht zuerst entschlüsselt werden müssen.




Bereits im Parlament müsste einem Politiker bewusst geworden sein,  dass "parlare" zur Kernkompetenz eines Parlamentariers gehört. Parlament kommt weder von "Palaver" noch von "lamentieren" (jammern). Es ist aber ein Jammer, wenn wir von Bundesräten mit Bandwurmsätzen, Einschüben und  Querverweisen gelangweilt werden.

In unseren massgeschneiderten individuellen Modulen im Mediensimulator
werden wir Ihnen im prozessorientierten Einheiten  zeigen, wie Fremd- und Fachwörter vermieden werden und sinnvolle Sprachbilder und Vergleiche genutzt werden können.



Donnerstag, 1. Dezember 2011

Aus dem gestrigen Gedankenaustausch mit dem befreundeten Südkurier Journalisten
Gunter Faigle schrieb er mir heute folgende überlegenswerte Zeilen:


Von Albert Einstein stammt das Diktum:

"Man muss die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher."

Georg Picht hat eine Aussage gemacht, die mir sehr ans Herz gewachsen ist:

"Gebildet ist ein Mensch, wenn er das versteht, was er selber sagt."

Daraus habe ich für den Hausgebrauch abgeleitet:

"Gut ist ein Journalist, wenn er das versteht, was er selber schreibt."




Gunter

Kommentar: Dem ist nichts beizufügen!



Mittwoch, 30. November 2011

Zu einem Zeitproblem


aus tagi:


Zahl der kriminellen Nordafrikaner verdoppelt sich bis Ende Jahr



  •  
Die Zürcher Kantonspolizei hat es vermehrt mit jungen Maghrebinern zu tun, vor allem aus Tunesien.
«Sie treten fordernder auf, als wir es jemals erlebt haben»: Von den 80 Asylsuchenden im Durchgangszentrum Zollikon stammen die meisten aus Tunesien.
«Sie treten fordernder auf, als wir es jemals erlebt haben»: Von den 80 Asylsuchenden im Durchgangszentrum Zollikon stammen die meisten aus Tunesien.
Bild: Nicola Pitaro

Video

«Wir sind hierher gekommen, um zu arbeiten»: Der tunesische Asylsuchende Abderrahman R.äusserst sich zu kriminellen Tunesiern. (Video: Jan Derrer)
Was viele Kantone in den vergangenen Monaten festgestellt haben, trifft auch auf Zürich zu: Junge Männer aus Nordafrika machen der Polizei vermehrt zu schaffen. So verhafteten beispielsweise die Stadtpolizeien von Zürich und Winterthur letztes Wochenende neun Maghrebiner wegen Diebstählen, Autoeinbrüchen und Vandalismus an neun Autos.
Insgesamt hatte es die Polizei im Kanton Zürich zwischen Januar und Juni 2011 mit mehr als 500 straffälligen Nordafrikanern zu tun. Im ganzen vergangenen Jahr waren es «lediglich» 700 Fälle. Die Delikte betreffen vor allem Kleinkriminalität und Drogendelikte. Laut einem Sprecher der Zürcher Kantonspolizei ist der Trend für das zweite Halbjahr 2011 weiterhin steigend. «Wir rechnen mit einer Verdoppelung der tatverdächtigen Personen gegenüber dem Vorjahr.» Der Anteil der Tunesier beträgt dabei fast die Hälfte.


Anstieg der Delikte verläuft parallel


Der Anstieg der Delikte verläuft parallel zur Zunahme von tunesischen Asylgesuchen: Im Jahr 2008 ersuchten 7 tunesische Staatsbürger im Kanton Zürich um Asyl, allein im dritten Quartal 2011 waren es deren 301.
In den Zürcher Asylzentren fallen – wie auch in den anderen Kantonen – vor allem die Tunesier negativ auf. Mehr als das: Die Situation sei bedeutend schlimmer als alles, was man bisher mit Asylbewerbern erlebt habe, sagt Roman Della Rossa von der ORS Service AG, die sich auf die schweizweite Betreuung und Unterbringung von Asylsuchenden und Flüchtlingen spezialisiert hat.


Beschimpfungen und tätliche Angriffe


Viele der jungen Tunesier hätten eine genaue Vorstellung davon, wie ihr Leben in der Schweiz auszusehen habe. «Sie wollen ein Universitätsstudium, einen gut bezahlten Job, eine eigene Wohnung, schicke Kleider – und all dies möglichst schnell», sagt Della Rossa.
Neben den hohen Ansprüchen machten den Betreuern Beschimpfungen und tätliche Angriffe zu schaffen. «Keinen Betreuer lässt es kalt, wenn er von tunesischen Asylbewerbern beschimpft oder gar tätlich angegriffen wird. Das sind Momente, die sehr schwierig auszuhalten sind», sagt Della Rossa.
Doch es bleibe den Betreuern nichts anderes übrig, als täglich mit den tunesischen Asylsuchenden zu reden und ihnen die Konsequenzen ihres Handelns klarzumachen. (Tages-Anzeiger)


Kommentar: Falls die bevorstehende Entwicklung nicht ernst genommen würde, wäre dies, wie wenn wir Wasser auf die Mühlen der SVP leiten.


Es gibt zu denken, dass vor den Wahlen diese Aengste der Bevölkerung gleichsam ausgeklamerte worden sind. Ert nach den Wahlen werden sie in den Medien thematisiert (Bb Blick):


Fischbach LU: Empörung über das neue Zentrum

In diesem ehemaligen Bürgerheim sollen 55 Asylsuchende unterkommen. (Daniel Kellenberger)
Im Saal des Gasthofs Krone liegt Spannung in der Luft: Sieben Mitglieder des «Komitees gegen ein Asylzentrum Fischbach» machen ihrem Unmut Luft. Der Kanton will in dem 700-Seelen-Dorf ein Asylzentrum errichten.

55 Asylsuchende sollen im ehemaligen Bürgerheim am Ortsrand unterkommen.
«Die Angelegenheit muss begraben werden», fordern die 30 Komitee-Mitglieder. Sie fürchten sich vor Kriminalität und fühlen sich vom Kanton übergangen. Auch der Gemeinderat lehnt das Zentrum ab. «Das Verhältnis zwischen Einwohner- und Asylbewerberzahl stimmt nicht», sagt Sprecher Benjamin Steinmann, «und der nächste Polizeiposten ist 12 Kilometer entfernt.» Jetzt hat das Komitee eine Unterschriften-Petition an den Kanton geschickt und im Ort Banner aufgehängt.

Der Luzerner Regierungsrat Guido Graf zeigt Verständnis für die Ängste der Bürger – gibt sich aber machtlos. «Weil der Bund uns immer mehr Asylsuchende schickt, können wir uns die Gebäude nicht mehr aussuchen», sagt er. Morgen Montag will Graf bekannt geben, ob das Zentrum tatsächlich kommt. Die Wut seiner Mitbürger – bis hin zu Drohungen – bekommt nun auch Beat Ottiger (52) zu spüren. Der Landwirt ist der Besitzer des Bürgerheims. Dabei wollte er nur Gutes tun. «Meine Familie und ich haben früher neben einem Asylzentrum gewohnt. Das war für mich und meine Kinder eine positive Erfahrung», sagt er.

Und eine Fischbacher Landwirtin (47) versteht die Aufregung ihrer Mitbürger ebenfalls nicht. «Ich habe nichts gegen ein Asylzentrum», sagt sie. Doch aus Angst vor Repressalien will sie anonym bleiben. «Eine sachliche Diskussion ist gar nicht mehr möglich.» 

Birmensdorf ZH: Streit um die «Asylantengasse»

Gemeindepräsident Werner Steiner auf dem umstrittenen Weg. (Adrian Bretscher)
Armut und Polizeibrutalität vertrieben Anis B. (29) aus Tunesien. Ein Boot brachte ihn nach Europa. Seit zwei Wochen lebt er im Asylzentrum Birmens-dorf. In Italien musste er am Bahnhof schlafen. «Ich bin froh, ein Dach über dem Kopf zu haben», sagt er.

Jetzt bekommt er 80 Franken pro Woche und wartet auf seinen Asylentscheid. Von seinem Zimmer blickt er auf einen Kiesweg, der Birmensdorf in die Schlagzeilen gebracht hat. Er führt zum Bahnhof und wurde vor kurzem saniert.

Böse Zungen behaupten, man habe die «Asylantengasse» ausgebaut, um Ausländer vom Ortskern fernzuhalten. Das glauben auch Asylbewerber. Gemeindepräsident Werner Steiner (62) wehrt sich: «Wir wollten keine Ausländer ausgrenzen», sagt er. «Wir haben nur einen bestehenden Fussweg saniert, damit die Asylsuchenden, Quartierbewohner und die Soldaten der angrenzenden Kaserne schneller zum Bahnhof kommen.» Anis B. interessiert das nicht. Er will nur eines: «Asyl bekommen und dann arbeiten.» 

Bettwil AG: Ein Dorf will sich wehren «bis zum bitteren Ende»

Roger Burri steht an der Spitze des Widerstands in Bettwil, wo schon Mahnfeuer
entfacht wurden. (Paolo Foschini)
Erst seit einem Monat ist Gemeindeammann Wolfgang Schibler (62) im Amt, schon schaut die ganze Schweiz auf ihn. Er soll verhindern, dass in der Kaserne am Ortsrand 140 Asylbewerber für ein halbes Jahr einquartiert werden. Sogar ein Drohschreiben hat er schon bekommen.

«So viele Asylbewerber in einem Dorf mit 560 Einwohnern – das ist zu viel», findet Schibler: «Wir hätten vorher informiert und in die Entscheidung des Kantons miteinbezogen werden müssen.»
Noch will der Aargau an seinen Plänen festhalten, doch Bettwil befürchtet Überfremdung und Kriminalität und probt den Aufstand. In Windeseile entstand ein Komitee, 400 Bürger schlossen sich an. Sie hängten Banner auf, pinselten Parolen auf die Strassen und entfachten ein Mahnfeuer. An der Spitze des Aufstands: Roger Burri (50). «Der Kanton muss uns wegtragen, wenn er das Vorhaben realisieren will», so der Unternehmer. «Wir kämpfen bis zum bitteren Ende.»  

Basel: «Vier Jahre Warten machen krank»

Kleiderausgabe in der Seelsorge- und Rechtsberatungsstelle neben dem Asylzentrum. (Adrian Bretscher)
Ein Jahr dauerte die Flucht von Hamid F. (28) aus dem Iran. Weil er dort, wie er sagt, als Afghane diskriminiert und bedroht wurde, machte er sich auf den Weg nach Europa: «Dort haben die Menschen Rechte.»

Hamid überquerte die Berge, paddelte übers Meer und schmuggelte sich am Boden eines Lastwagens bis nach Italien. Vor zwei Jahren kam er im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel an. Dort bleiben Asylsuchende, bis sie an die kantonalen Zentren «verteilt» werden. Weil das EVZ wegen des Zustroms aus Nordafrika mit 400 Asylbewerbern überlastet ist, wurde die nahegelegene Zivilschutzanlage geöffnet.

Privatsphäre gibt es im Mehrbettzimmer des EVZ nicht, dafür viel Zeit und Ungewissheit. Morgens um 7 Uhr kommt der Sicherheitsdienst zum Wecken. Pro Tag gibt es drei Franken. Hamid lebt mittlerweile in einem Wohnheim, hat Deutsch gelernt und wartet noch auf seinen Asyl-entscheid.
«Bern ist überlastet, deshalb müssen manche Asylbewerber bis zu vier Jahre warten», sagt Michel Meier (59), Leiter der Basler Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende. «Das ist unzumutbar und macht krank.» 

Rapperswil SG: «Wir hatten noch nie Schwierigkeiten»

In der Jugendherberge Busskirch (blau) leben jetzt Asylbewerber. (Adrian Bretscher)
Am Ortsrand von Rapperswil-Jona wird eine Jugendherberge zum Asylzentrum – und es gibt weder Mahnfeuer noch Spruchbänder, keiner protestiert. Gegenüber der «Jugi» , in der bis März rund 60 Asylbewerber leben, liegt das Katzenheim «Arche». Auch das Asylzentrum, welches schon seit Jahren neben der Herberge besteht, akzeptieren die Anwohner.

«Ich lebe seit elf Jahren hier und wir haben noch nie Schwierigkeiten gehabt», sagt Yvonne Kunz (64), Leiterin des Katzenheims. «Wir gehen freundlich miteinander um.»
Stadträtin Marianne Aguilera (60) freut sich über die hohe Akzeptanz. «Vielleicht liegt es an der Grösse der Stadt», sagt sie. In kleineren Gemeinden sei die Situation schwieriger. Man dürfe keine Stadt überbelasten.

«Die Menschen hier haben sich an die Asylbewerber gewöhnt. Der Kanton fragt bei besonderem Bedarf oft bei uns an.» Dass die Schweiz Asylbewerber beherbergt, findet Aguilera selbstverständlich. «Als Rechtsstaat haben wir die Verpflichtung, Menschen in Not aufzunehmen.»  

Dienstag, 29. November 2011

Wie spachgewandt muss ein Bundesratskandidat sein?



Nationalrat Bruno Zuppiger ist von der Parteileitung der Zürcher SVP einstimmig als Kandidat für die bevorstehenden Wahlen in den Bundesrat vorgeschlagen worden.
An der Pressekonferenz heute Mittag blamierte sich aber Zuppiger, weil er fast keine Fremdsprachen spricht. Die französischen und englischen Fragen der Journalisten konnte er nur mit Mühe beantworten.

Gehört zum Anforderungsprofil eines Bundesrates das Beherrschen verschiedener Sprachen? 


Antwort:  Ja