Samstag, 18. Oktober 2008

Boni für Misswirtschaft -

Niemand kann es verstehen, dass jemand, der schlecht gearbeitet hat, dafür sogar noch eine Auszeichnung - eine Belohnung - erhält. Dass die UBS nicht einsieht, dass dieser Missstand geändert werden muss, ist für niemanden nachvollziehbar. Nachdem die marode Grossbank vom Bund mit Milliarden unterstützt wurde und immer noch nicht auf die fragwürdige Boni-Politik verzichten will, ist für mich ein Skandal!

Dass keine Boni ausbezahlt werden - bei schlechtem Geschäftsgang - ist nichts anderes als logisch. Weshalb wird nicht sofort ein Malus eingeführt? Wird künftig schlecht gearbeitet, müsste es sogar Lohnkürzungen geben.

Ich zitiere 20 Min:

Finanzkrise

Widmer-Schlumpf über hohe Boni «erschüttert»

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf hat die Millionen-Boni von UBS-Bankern scharf kritisiert. «Das Bonusentschädigungen ausbezahlt werden in einem Moment, wo man so viel Geld in den Sand setzt, kann ich nicht akzeptieren

Widmer-Schlumpf bezog sich dabei auf Aussagen von UBS- Verwaltungsratspräsident Peter Kurer vom Donnerstag und Freitag, welcher zweistellige Millionenbeträge als Boni an Manager auch in Zukunft nicht ausschloss.

«Diese Aussage hat mich schlichtweg erschüttert. In der gegenwärtigen Situation sollte man solche Aussagen nicht machen», sagte Widmer-Schlumpf in der Sendung, die das 68-Milliarden-Franken- Rettungspaket der Schweiz für die Grossbank zum Thema hatte.

UBS-Chef Marcel Rohner bestätigte in der Sendung, dass Gespräche über Rückzahlungen - unter anderem mit alt Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel - am Laufen seien: «Wir führen solche Gespräche. Diese sind vertraulich. Die Ergebnisse werden im Kompensationsbericht der UBS veröffentlicht werden.»

«Am Schluss müssen die Leute für sich selbst entscheiden in so einem Fall», sagte Rohner. Rechtswissenschafter halten es für unwahrscheinlich, dass Banker dazu gezwungen werden können, ausbezahlte Bonuszahlungen wieder zurückzuzahlen.

Eine solche Vorstellung sei eine Illusion, sagte beispielsweise der Berner Bankenrechtler Peter Kunz der Nachrichtenagentur SDA. «Die Beträge gehören denjenigen, an die sie ausbezahlen wurden», sagte er.

Diese Ansicht teilt der Genfer Bankrechtsprofessor Luc Thévenoz. «Das Obligationenrecht enthält zwei Artikel, die dies theoretisch zuliessen. In der Praxis sind sie aber kaum anwendbar», sagt der Direktor des Bankenrechtsinstituts der Universität Genf.

Kommentar: Die Urteile der Experten verdeutlichen, dass die Abzocker nachträglich kaum mehr belangt werden können.

Frage: Weshalb konnte der Bund die Finanzhilfe nicht an die Forderung koppeln, dass künftig die gängige Abzockerei gestoppt werden muss?

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Also doch: UBS in Not

Bund muss der grössten Bank unter die Arme greifen

Zur Information des Bundesrates

Ich zitiere die Sonntags-Zeitung online:

16. Oktober 2008 BUNDESRAT BESCHLIESST UMFASSENDES HILFSPAKET FÜR FINANZBRANCHE Trotz gegenteiliger Beteuerungen in den letzten Tagen und Wochen greift der Bundesrat nun aktiv ins Finanzsystem ein. Mit einem umfangreichen Massnahmenpaket soll das System stabilisiert werden. Grossbanken am Zürcher Paradeplatz Die Schweizerische Nationalbank schafft die Möglichkeit, Ramschpapiere, die derzeit nicht gehandelt werden können, in eine Zweckgesellschaft auszulagern. Die UBS macht davon Gebrauch. Die Grossbank schloss mit der SNB eine Vereinbarung über die langfristige Finanzierung und geordnete Liquidation von nicht handelbaren Wertpapieren im Umfang von höchstens 60 Mrd. Dollar. Die UBS entlastet so ihre Bilanz. Zudem wird das Kapital der Bank durch Platzierung einer Pflichtwandelanleihe bei der Schweizerischen Eidgenossenschaft um 6 Mrd. Fr. erhöht. Die Zweckgesellschaft wird durch die UBS mit einem Eigenkapital von maximal 6 Mrd. Dollar ausgestattet. Die SNB finanziert die an die neue Gesellschaft zu übertragenden Aktiven mit einem Darlehen ohne Rückgriffsrecht im Betrag von höchstens 54 Mrd. Dollar, heisst es in Mitteilungen von UBS und SNB. Die UBS habe wegen des Vertrauensverlusts und der massiv verschlechterten Refinanzierungsmöglichkeiten beim Bund um Hilfe gesucht, sagte EBK-Präsident Eugen Haltiner an einer Medienkonferenz, an der auch die Nationalbank, die Bankenkommission (EBK) und die Eidg. Finanzverwaltung beteiligt war. "Das Vertrauen in die UBS hat gelitten. Die Zahlen sind nicht überzeugend." Die interimistische Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf ist überzeugt, dass das Massnahmenpaket des Bundes das Vertrauen in den Finanzplatz Schweiz nachhaltig stärken werde. Der Bundesrat habe sich gründlich auf alle Eventualitäten verbereitet, sagte Widmer-Schlumpf an der Konferenz. Das Rettungspaket für die UBS gibt es indes nicht zum Nulltarif: Der Bundesrat will bei Boni und Abgangsentschädigungen mitreden, teilte das Eidg. Finanzdepartement mit. Wie bereits in anderen Ländern sollen auch in der Schweiz Sparer besser geschützt werden. Bislang sind Sparguthaben bis 30 000 Fr. garantiert. Der Bundesrat will nun eine "angemessene Erhöhung".

Kommentar: Auch bei der Finanzkrise geht es wie bei allen Krisen um Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Wenn die UBS wochenlang beteuert hatte, sie habe vorgesorgt und sei nicht auf staatliche Hilfe angewiesen und überall verkündet wurde, die Schweizer Banken hätten rechtzeitig Reserven schaffen können, so ist der jüngste Hilferuf der grössten Bank alles andere als vertrauensfördernd. Im Gegenteil: die Bank macht sich unglaubwürdig. Dass der Bund die UBS nicht in den Abgrund schlittern lassen kann, ist nachvollziehbar. Doch müssen sich die Banken nicht wundern, wenn die Kunden die Aussagen der Bankmanger nicht mehr ernst nehmen u nd ihre Konten räumen. Die UBS müsste künftig vorsichtiger sein, wenn sie von Vertrauen spricht. Vertrauen wäre tatsächlich der wichtigste Baustein in Krisensituationen. Eveline Widmer Schlumpf kommt besser weg. Sie hatte nie gesagt, was der Bund machen wird. Ihre Botschaft lautete stets: Wir sind vorbereitete (wir haben alle Situationen antizipiert) und werden erst dann handeln und informieren, wenn es notwendig wird. Das hat nun der Bundesrat im Fall UBS getan. Das Informationsmanagement des Bundes war somit in diesem Fall richtig.

Beachtenswerter Gedanke einer Politologin:

Der Bundesrat ist mit der expliziten Nicht-Verstaatlichung der UBS ein sehr grosses Risiko eingegangen. Funktioniert dies, dann funktioniert auch der Finanzplatz Schweiz in Zukunft und glänzt. Funktioniert dies aber nicht - und hier ist das Risiko der ganz kleinen Gruppe, die da entschieden hat - geht mit der UBS auch die Schweiz unter. Und das ist doch schon ziemlich beachtlich. Noch nie in ihrer Geschichte hat die Schweizer Eidgenossenschaft ihre Existenz so aufs Spiel gesetzt - weder im Ersten, noch im Zweiten Weltkrieg. Das gäbe es eigentlich auch zu beachten, denn Island ist nur ein Vorgeschmack dessen, was die Schweiz mit ihrer Verknüpfung mit der UBS gewagt hat. Ich hoffe, den Entscheidungsträgern ist die Tragweite ihres Entscheides voll bewusst. Und ja: Innerhalb der EU wären solche Fragen gar nicht erst aufgetaucht, das ist noch ein ganz anderer Aspekt. Mal sehen, wie stark und wie gut sich der Weg, der 1992 eingeleitet wurde, auch langfristig begangen werden kann.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Eklat beim Deutschen Fernsehpreis

War der Wutausbruch inszeniert?

tagi-online:

So zog Reich-Ranicki über Blödel-Fernsehen her

Eklat beim Deutschen Fernsehpreis: Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki hat die Ehrenauszeichnung für seine Sendung «Das Literarische Quartett» vor laufenden Kameras zurückgewiesen.

Unter seinem Niveau: Reich-Ranicki kritisiert die Qualität des Fernsehens. Thomas Gottschalk ist konsterniert.

Unter seinem Niveau: Reich-Ranicki kritisiert die Qualität des Fernsehens. Thomas Gottschalk ist konsterniert. (Bild: Keystone)

Deutscher Fernsehpreis

Den Deutschen Fernsehpreis vergeben die Sender ARD, ZDF, RTL und SAT1 seit 1999. Die Verleihung wird am Sonntagabend im ZDF ausgestrahlt.

Artikel zum Thema

Der 88-Jährige hatte den gläsernen Obelisken bei der Verleihung am Samstagabend in Köln nicht in die Hand genommen. Am Sonntag sagte er der Nachrichtenagentur AP auf Anfrage, die Produzentin Katharina Trebitsch habe den Preis in Verwahrung genommen. Er wolle ihn definitiv nicht haben.

Er habe zunächst nicht die Absicht gehabt, die Auszeichnung abzulehnen, erklärte Reich-Ranicki. Dass er den Ehrenpreis der Stifter erhalten würde, war bereits am 7. Oktober bekanntgegeben worden. Der Verlauf des Preisverleihung sei für ihn aber so «widerwärtig» gewesen, «dass ich es nicht ertragen konnte», sagte der 88-Jährige. «Es ist unglaublich, dass so etwas gesendet wird.» Reich-Ranicki schränkte allerdings ein, es sei «nicht alles schrecklich» gewesen, insgesamt aber so unerträglich, dass er die Entgegennahme des Preises spontan abgelehnt habe. Auf die Frage, ob er damit ein Zeichen setzen wolle, sagte er, die Bekundung persönlichen Unmuts sei immer auch ein Zeichen.

Bei der Verleihung hatte Reich-Ranicki die gezeigten Ausschnitte aus Fernsehsendungen als «Blödsinn» kritisiert. Der irritierte Moderator Thomas Gottschalk versuchte ihn zu besänftigen, indem er eine ZDF-Sendung zur Kritik Reich-Ranickis anbot. Das ZDF erklärte am Sonntag: «Ein Sendungskonzept soll bei einer Zusage des Kritikers bald erarbeitet werden.» Er werde sich an einem Klärungsgespräch beteiligen, sagte Reich-Ranicki der AP.

Kommentar: Ich könnte mir gut vorstellen, dass der ganze Eklat inszeniert war. Es ging alles wie abgesprochen über die Bühne. Gottschalk ist zwar reaktionsschnell. Wie er aber den Vorschlag zu einem Gespräch postwendend vorgetragen hatte, ging mir zu reibungslos. Zweifel am spontanen Ablauf  sind somit angebracht. Im Nachhinein zweifle ich daran, ob der Wutausbruch tatsächlich echt war. Er könnte im Geheimen geplant gewesen sein. Vielleicht sogar zusammen mit Gottschalk. Was mir jedoch zu denken gab, ist das, was die Online Medien während des Eklats gemacht hatten. Die Medien müssen bekanntlich immer schneller werden und stolperten nun beim unablässigen Bemühen um Schnelligkeit. Der Berliner Kurier berichtete bereits vor der Verleihung über das Ende der Veranstaltung. Dass Ranicki den Preis ablehnen würde, damit hatten die Journalisten nicht gerechnet. Sie schrieben bereits vom Diner mit Gottschalk.

Geschwindigkeit geht heute vor Qualität!

Spiegel, Zeit und Fokus schrieben alle einander den gleichen Fehler ab: Reich Rannickis Tochter hätte den Preis nach der Zürückweisung entgegengenommen. Es war aber die Fernsehproduzentin Katharina Trebitsch, die Gottschalk den Preis abgenommen hatte.

Fazit: Lieber weniger schnell informieren - dafür richtig!

Ich zitiere Bild-online:

Thomas Gottschalk und Marcel Reich-Ranicki: So lief die große Aussprache

Gottschalk & Reich-Ranicki So lief die große Aussprache

Nach dem Eklat beim Deutschen Fernsehpreis

BILD-Reporter Mark Pittelkau und Marcel Reich-Ranicki

Reporter Mark Pittelkau mit Marcel Reich-Ranicki

Fernseh-Deutschland ist gespannt auf dieses Gipfeltreffen! Gestern zeichnete das ZDF die Diskussion zwischen Thomas Gottschalk und Literatur-Papst Marcel Reich-Ranicki auf. Das Streitgespräch über das Niveau im TV wird Freitag um 22.30 Uhr unter dem Titel „Aus gegebenem Anlass“ ausgestrahlt.

Gottschalk hatte nach Reich-Ranickis Wutrede beim 10. Deutschen Fernsehpreis angeregt, eine gemeinsame Sendung über das deutsche Fernsehen zu gestalten.

Gestern Nachmittag, Kurhaus Wiesbaden. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit sitzen sich Gottschalk und Reich-Ranicki im Carl-von-Ibell-Zimmer (schwere Leuchter an den Decken, dunkelrot bezogene Messingstühle) gegenüber.

Der TV-Star trägt eine grüne Weste, die Ärmel seines Hemdes hochgekrempelt. Der Literatur-Papst einen blauen Anzug, die Krawatte eng gebunden.

Gottschalk geht gleich auf die bitterböse Kritik von Reich-Ranicki ein, sagt zum Literatur-Kritiker: „Die Intendanten von ARD und ZDF würden vielleicht sogar das Fernsehen machen, das du forderst. Aber sie machen es nicht, weil sie wissen, dass ihr dann unter euch wärt.“

Er selbst stehe eher „in der Mitte des Fernsehens“. Gottschalk zu Reich-Ranicki: „Ich mache Fernsehen für die Masse. Dafür werde ich vom Feuilleton in die Tonne getreten und von den Klofrauen geliebt. Kein Wunder, dass ich mich fast nur auf Toiletten aufhalte.“

Das Carl-von-Ibell-Zimmer im Kurhaus Wiesbaden

Hier fand das Treffen statt: Das Carl-von-Ibell-Zimmer im Kurhaus Wiesbaden

Nach 30 Minuten ist das Gespräch beendet. Gottschalk und Reich-Ranicki ziehen sich ins Restaurant „Käfer’s“ im Flügel des Kurhauses zurück.

Am Abend hielt Reich-Ranicki in Baden-Baden einen Vortrag für die BHF-Bank. Der Literatur-Kritiker ging dabei auch auf die Fernsehpreis-Verleihung ein, sagte:

„Ich hörte mir diese ganze Feier an und war entsetzt. Es wurden da kleine Fernsehausschnitte geboten mit irgendwelchen Clowns, irgendwelchem Unsinn, Blödsinn, Dreck, komplettem Dreck. Sowas wird in Deutschland gesendet jeden Tag. Die Fernsehdirektoren sagen, dass Publikum wünscht es, als wäre das Publikum eine Ansammlung von Idioten.“

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Dienstag, 14. Oktober 2008

Palins jüngste Patzer

Kaum auszudenken, wie Palin als Vize die USA führen würde.

20 min- online:

Es wird immer bunter

Palin verwechselt Fans mit Demonstranten

Die republikanische Vizepräsidentschaftskandidaten Sarah Palin hat bei einer Kundgebung eine Gruppe von Fans irrtümlich für Demonstranten gehalten.

Montag, 13. Oktober 2008

Studentenselbsthilfenetz

Erstaunlich, dass die Idee erst heute realisiert wird: Der Austausch von Informationen und Skrips bis hin zu Prüfungsunterlagen.

Quelle 20 min - online:

Basler Studenten wollen mit Site weltweiten Erfolg

Heute startet die Onlineplattform Stoodl. Auf der Seite können Studenten aus der ganzen Schweiz ihre Notizen austauschen.

Fabian Frey (links) und seine Mitstreiter schalten heute ihre Onlineplattform Stoodl.com auf. (hys)

Zehn Monate hat die Arbeit an der Community-Site Stoodl gedauert. Ab heute können sich Studenten in der ganzen Schweiz auf Stoodl.com registrieren. «Die Seite ist eine Art StudiVZ – nur besser», sagt der Basler Student Fabian Frey. Zusammen mit ein paar Kommilitonen hat der Jus-Student die Seite kon­zipiert und entwickelt. Der Clou an der Sache:

«Bei uns gehts nicht nur um Zeit­vertreib, sondern es bringt auch was beim Lernen.»

Die Seite ist so gestaltet, dass die Studenten ihre Vor­lesungsnotizen und Zu­sammenfassungen für andere Studierende aufs Netz stellen können. «Diese Unterlagen sind viel wert – normalerweise muss man sich teure Bücher kaufen», so Frey. Andere Studenten können die Dokumente dann bewerten, kommentieren und weiterreichen.

Trotzdem ist Stoodl keine völlig ernste Angelegenheit: Die Seite bietet ­ähnliche Tools wie andere Community-Sites. Man kann Fotos hochladen und sich gegenseitig Nachrichten schicken. Stoodl startet schweizweit, doch das Entwickler-Team denkt schon weiter:

«Nächstes Jahr wollen wir in Deutschland starten – am Ende soll ein weltweites Netz stehen», so Frey.

Sonntag, 12. Oktober 2008

Erfolgreiche Methode:

TV Attackieren, um dadurch einen Sendeplatz zu erobern?

Seit Jahren ist der Literaturkritiker Reich-Ranicki nicht mehr im Rampenlicht. Dank einer Provokation schafft er es wieder, von sich reden zu machen. Nicht nur das: Er bekommt sogar einen Sendeplatz.

Ich zitiere spiegel-online:

TV- KRITIKER REICH- RANICKI

Blödel- TV attackiert, dafür Sendeplatz erobert

Elegant orchestriert: Marcel Reich-Ranicki nennt die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises "Blödsinn", lehnt seine Auszeichnung ab - und beschert der peinlich-paritätischen ZDF-Gala unverhoffte Aufmerksamkeit. Nun bekommt der Literaturpapst einen neuen Sendeplatz - als TV-Kritiker.

Die deutsche Fernsehkritik hat seit gestern ein neues, wenn auch nicht mehr ganz unverbrauchtes Gesicht: das von Marcel Reich-Ranicki. Der 88-Jährige, der bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises in Köln für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden sollte, bedankte sich für die Ehrung mit einer medialen Generalabrechung.

"Blödsinn" sei alles, was an diesem Abend im Coloneum noch zu sehen sei. "Ich gehöre nicht in diese Reihe", sagte Reich-Ranicki, der mit dem von ihm geleiteten "Literarischen Quartett" einst lustig und listig die Literaturkritik in den deutschen Unterhaltungsbetrieb eingegliedert hat.

MARCEL REICH-RANICKI: DER LITERATURPAPST

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Der alte Herr weiß eben immer noch, wie man Pointen setzt – und die Erregungsökonomie des Entertainment-Apparats befeuert.

Bei der Aufzeichnung der Gala, die am Sonntagabend als Zusammenschnitt im ZDF zu sehen ist (20.15 Uhr), hatte man die eigentlich als Finale geplante Übergabe des Lebenspreises spontan in die Mitte vorgezogen. In der Zusammenfassung, so ist es zumindest angedacht, wird sie dann wieder ans Ende gebastelt. Kann man sich ein schöneres Bild für die inszenierte Realität des Fernsehens vorstellen?

Angeblich hatte Reich-Ranicki während der Veranstaltung schon häufiger bedrohlich auf die Uhr geschaut. Darbietungen von Atze Schröder, der momentan mit der Nazi-Klamotte "U-900" im Kino zu sehen ist und gestern mit Schamhaarperücke und schicker Kapitänsuniform auf der Bühne rumulkte, sowie andere Privatfernsehhumoristen zerrten offensichtlich schwer an den Nerven des Vorzeigeintellektuellen und Holocaust-Überlebenden.

Also kündigte Moderator Thomas Gottschalk nach gut einer Stunde geschmeidig an, dass man eben schon jetzt zum Höhepunkt des Abends käme – und der wurde dem Publikum von Reich-Ranicki dann auch prompt serviert.

Erst wetterte er, dann ließ er pikiert den Preis auf der Bühne stehen:

Ein Auftritt, so ernsthaft erregt wie elegant orchestriert. Mag der Ekel des Literaturkritikers vor dem Massenmedium Fernsehen auch noch so groß sein, die Grundregeln guter Unterhaltung beherrscht er wie kein Zweiter. Und er spielt sie zu seinen Bedingungen aus.

Nach der Aufzeichnung sagte Thomas Gottschalk :

"Ich hatte überhaupt keine Ahnung. Mir wurde nur gesagt, dass er sich ärgert. So haben wir seine Ehrung vorgezogen, damit er nicht noch geht."

Mediale Parallelwelt

Gerechnet hat sich der Adrenalinschub in dieser ansonsten vollkommen beliebigen Preisabwurfparade nun sowohl für Reich-Ranicki als auch für Gottschalk selbst.

Wie die ZDF-Verantwortlichen noch in der Nacht mitteilen ließen, werde man an einem Format arbeiten, in dem der Bücherpapst und der Quotenzampano gemeinsam übers Medium reflektieren werden. Aber mal ganz ehrlich, welche Inhalte könnten da ausgetauscht werden?

Das deutsche Fernsehen ist nun mal eine unübersichtliche und hoch komplexe Angelegenheit. Schwer vorstellbar, dass Reich-Ranicki neben dem Bücherstudium wirklich Zeit und Muße findet in diese mediale Parallelwelt sichtend einzutauchen. Aber eben das ist unabdingbar, wenn er ein kompetentes Urteil abgeben will.

Wie widersprüchlich das Fernsehen ist, zeigt schon die Liste der Preisträger der gestrigen Veranstaltung. Initiiert von den vier großen Sendern ARD, ZDF, RTL und Sat.1 werden die Auszeichnungen meist einigermaßen paritätisch verteilt. Es geht um Diplomatie, Mut ist von der Jury nicht gefragt.

Beim Deutschen Fernsehpreis wird das Medium nun mal in seiner ganzen Pracht und Peinlichkeit vorgeführt. Meisterleistungen in Sachen Menschenverachtung werden hier ebenso beklatscht wie das gute alte Aufklärungsfernsehen, Zeitgeschichts-Schmonzetten bedenkt man ebenso wie komplexe Politdramen.

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Massenberieselung und Experimentierfeld

Deutsches Fernsehen ist eben immer zweierlei: Massenberieselung und Experimentierfeld – was sich auch an zwei Produktionen zeigt, in denen es um die jüngere deutsche Geschichte geht: Während ausgerechnet die Märtyrer-Maschine Veronica Ferres für den Mauer-Schmonzes "Die Frau vom Checkpoint Charlie" als beste Schauspielerin gefeiert wurde, erhielt die grausam doppelbödige Stasi-Liebesgeschichte "12 heißt: Ich liebe dich" – dessen sensationelle Hauptdarstellerin Claudia Michelsen leer ausging – immerhin den wichtigen Regiepreis. (Die restlichen Preisträger dürfen wir Ihnen leider erst nach der Show-Ausstrahlung mitteilen, um dem ZDF nicht die Überraschung zu verderben).

Man kann das Fernsehen also, das zeigte diese Fernsehpreis-Gala einmal mehr, hassen und lieben. Dass Marcel Reich-Ranicki sich für Ersteres entschieden hat, ist vollkommen in Ordnung – zumal er diesen Hass bei aller Härte mit einer gewissen heiteren Dialektik vorzutragen versteht. Denn so aufrecht er sich vom Fernsehen abgewandt hat, desto zärtlicher lässt er sich von dessen Exponenten nun wieder umarmen.

Den Plexiglas-Obelisk für sein Lebenswerk hat der Griesgram dann jedenfalls doch noch irgendwie mit nach Hause genommen – und die angedachte Sendung mit Gottschalk dürfte ganz unabhängig von ihrer Qualität ein echter Quotenhit werden.

Wer weiß, vielleicht steht Marcel Reich-Ranicki nächstes Jahr schon wieder auf der Bühne, um sich gemeinsam mit Thomas Gottschalk den Preis für die beste Unterhaltungssendung abzuholen.

Kommentar: Marcel Reich-Ranicki kennt bestimmt seinen Marktwert. Er weiss, dass er immer noch fähig ist, Einschaltquoten zu garantieren. Deshalb musste er bei der Verleihung gar nicht so hoch pokern. Der schlaue Fuchs schaffte es einmal mehr, die Gunst der Stunde zu nutzen und verstand es, sich geschickt in Szene zu setzen. Er bekommt jetzt wieder TV Präsenz - gleichsam als als Belohnung für seinen Eklat. Aus meiner Sicht kann dem Literaturkritiker nicht krankhafte Mediengeilheit zugeschrieben werden. Doch bedauerte er es bestimmt, dass er der breite Oeffentlichkeit in letzter Zeit nicht mehr seine messerscharfen Urteile vermitteln durfte. Reich-Ranicki hat bestimmt ein ausgesprochens Sendungsbewusstsein. Er kennt seine analytische Fähigkeiten und möchte seine Gedanken auch verbreiten können. Ohne Kamera - und Mikrofonpräsenz ist dies bekanntlich viel mühsamer.

Image sinkt - Die Gründe

20 min:

Politbarometer

Bundesräte sinken in der Gunst der Bevölkerung

Verteidigungsminister Samuel Schmid hat das Vertrauen der Bevölkerung verloren. Er ist im Bundesrat nicht alleine. Bei den Parteien ist die SVP auf dem absteigenden Ast.

Kommentar:

Die Gründe:

Die Begründung, weshalb Vertrauen in Bundesrat Schmid geschwunden ist, habe ich in meinen Analysen eingehend erläutert. Die Rücktrittforderungen liegen seit Wochen auf dem Tisch. Der Verteidigungminister will jedoch im Amt bleiben!

Eveline Widmer Schlumpf profitiert vom Bonus der Neuen. Aber auch mit ihren geschickten und professionellen Auftritten als Stellvertreterin des Finanzministers in der akuten Finanzkrise schaffte sich sich Pluspunkte. Dieses Auftritte werde ich später asuführlicher analysieren.

Der "Fettnäpfchentreter" Couchepin verliert trotz Präsidialjahr weiter an Zustimmung.

Der Gesamtbundesrat verlor nicht zuletzt deshalb an Glaubwürdigkeit, weil er die Fehler Schmids immer wieder zu unkritisch gedeckt hatte.

Die derzeitige globale Krise lässt zwar Rücktrittsforderungen verstummen. Die Bevölkerung wünscht sich in der heiklen Situation keinen geschwächten Bundesrat. Man will einen handlungsfähige Landesregierung.

Anderseits verliert ein Bundesrat ohne SVP ebenfalls an Rückhalt. Die Regierung funktioniert ohnedie Beteiligung der grössten Partei nicht optimal.

Die SVP wird ihrerseits selbstverschuldet weiter in das Tief sinken. Nach meiner Prognose wird sich der Sinkflug fortsetzen, solange sich die Partei immer mehr auseinander dividiert und sich Christoph Blocher immer wieder als Bundesratskandidat ins Spiel bringt. "Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte!"

Prognose: Sobald die Finanzkrise überwunden ist, wird es zu einer harten Ausmarkung bei den Bundesratssitzen kommen. Die Parteien werden sich nicht mehr schonen. Es gibt noch einige Fragen, die offen sind, wie beispielsweise der Gesundheitszustand des Finanzministers.

Erstaunlich ist für mich, wie sich Micheline Calmy-Rey trotz zahlreicher Pannen ständig gut halten konnte.